Modernes Büro, veraltete Führungskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Einstieg ins Unternehmen verläuft angenehm, man wird gut ins Team eingebunden und erhält anfangs viele Freiheiten. Zu Beginn funktioniert auch die Kommunikation unkompliziert kurze, direkte Wege ermöglichen es, Anliegen schnell zu klären. Schön sind zudem die Tage, an denen man standortübergreifend mit Kolleginnen und Kollegen zusammenkommt. Auch das äußere Erscheinungsbild überzeugt: Die Büroräume sind modern und ansprechend gestaltet. An Zusatzleistungen gibt es kostenloses Wasser, Kaffee, Parkplätze sowie eine betriebliche Altersvorsorge.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Nach der Einarbeitungsphase wird die Leistung stark kontrolliert und man fühlt sich schnell beobachtet. Die Kommunikation mit der Geschäftsleitung ist umständlich, Teamleiter haben bei wichtigen Entscheidungen wenig Befugnis, und mündliche Zusagen werden aus meiner Erfahrung nicht immer eingehalten – schriftliche Bestätigungen sind daher ratsam. Der standortübergreifende Austausch mit Kolleginnen und Kollegen kommt zu kurz, da entsprechende Termine häufig zugunsten der Arbeitszeit abgesagt werden. Homeoffice und flexible Arbeitszeiten gibt es nicht, private Termine müssen mit Urlaub abgedeckt werden. Auch kleine zeitliche Abweichungen werden nach meiner Erfahrung schnell nachgehalten, während dies bei der Führungsebene selbst flexibler gehandhabt wird. Die Bezahlung ist teils nicht nachvollziehbar, offene Gehaltsgespräche werden nicht gerne gesehen. Verantwortlichkeiten ändern sich mehrfach ohne erkennbaren Grund, und echte, extern anerkannte Weiterbildungsmöglichkeiten (z. B. Fachwirt, Bachelor) werden nicht unterstützt.
Verbesserungsvorschläge
Eine offenere und verbindlichere Kommunikationskultur würde vieles erleichtern – etwa kürzere Wege zur Geschäftsleitung, mehr Entscheidungsbefugnis für Teamleiter sowie verlässlich eingehaltene mündliche Zusagen. Auch mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und die Möglichkeit von Homeoffice würden die Work-Life-Balance spürbar verbessern. Wünschenswert wäre zudem eine transparentere und nachvollziehbarere Gehaltsstruktur, ohne informelles Redeverbot über Gehälter. Bei der Aufgabenverteilung würde mehr Kontinuität und Nachvollziehbarkeit Verantwortungsübertragungen planbarer machen. Nicht zuletzt würde die Unterstützung echter, extern anerkannter Weiterbildungen (z. B. Fachwirt oder Bachelor) die Mitarbeiterentwicklung und -bindung langfristig stärken, statt sich ausschließlich auf konzerninterne Kurse zu beschränken. Auch der standortübergreifende Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen sollte nicht zugunsten kurzfristiger Arbeitszeitoptimierung gestrichen werden, da er zum Teamgefühl beiträgt.
Arbeitsatmosphäre
Der Einstieg verläuft angenehm: Man wird gut ins Team eingebunden und erhält viele Freiheiten, was anfangs ein positives Gefühl vermittelt. Nach der Einarbeitungsphase habe ich allerdings einen spürbaren Wandel wahrgenommen: Sobald die anfängliche “Schonzeit” vorbei ist, wird die Leistung stärker kontrolliert und man fühlt sich zunehmend beobachtet. Aus meiner Sicht entsteht dadurch schnell ein gewisser Erwartungsdruck, der die anfänglich lockere Atmosphäre etwas trübt.
Kommunikation
Zu Beginn erlebt man kurze, direkte Wege – Anliegen lassen sich schnell klären. Im weiteren Verlauf hat sich das aus meiner Sicht jedoch geändert: Für Gespräche mit der Geschäftsleitung sind feste Termine nötig, und auch der Teamleiter ist bei bestimmten Entscheidungen nicht entscheidungsbefugt. Diese Entwicklung wurde mir gegenüber als üblich dargestellt.
Absprachen sollte man aus meiner Erfahrung grundsätzlich schriftlich festhalten, da mündliche Zusagen im Nachhinein nicht immer eingehalten bzw. bestätigt wurden. Auch dies wurde von mehreren Kollegen als bekanntes Muster beschrieben.
Kollegenzusammenhalt
Aus meiner Erfahrung lohnt es sich, sich gezielt eine oder mehrere nähere Bezugspersonen im Team zu suchen und dazu eine solide Beziehung aufzubauen. Der standortübergreifende Austausch mit Kolleginnen und Kollegen kam bei mir dagegen zu kurz: Wöchentliche Austauschtermine, bei denen auch Persönliches Platz hatte, wurden nach meiner Wahrnehmung öfter abgesagt – mit der Begründung, die Zeit besser für die Arbeit zu nutzen. Wenn man doch einmal mit den Kollegen zusammenkommt, sind das aus meiner Sicht schöne Tage solche Gelegenheiten waren aber eher selten.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance wird in diesem Unternehmen aus meiner Erfahrung kaum gelebt. Es gibt kein Homeoffice und keine flexiblen Arbeitszeiten; private Termine müssen in der Regel mit Urlaubstagen abgedeckt werden. Wird abends etwas länger gearbeitet und dafür morgens später begonnen, wird das nach meiner Erfahrung zeitnah angesprochen. Laut Geschäftsführung bedeutet Work-Life-Balance: pünktlich Feierabend machen und pünktlich anzufangen. Selbst ein paar Minuten früheres Gehen wurde bei mir mit einem Anruf auf dem privaten Handy seitens der Geschäftsführung nachgehalten.
Vorgesetztenverhalten
Beim Verhalten der Vorgesetzten habe ich aus meiner Erfahrung deutliche Schwächen erlebt. Zusagen sollte man sich grundsätzlich schriftlich bestätigen lassen, da mündliche Absprachen nach meiner Erfahrung teils nicht eingehalten, lange nicht beantwortet oder im Nachhinein bestritten wurden. Auch nach meiner eigenen Kündigung hat sich daran aus meiner Sicht nichts geändert offene Punkte wurden bislang nicht geklärt.
Gleichberechtigung
Aufgaben und Verantwortlichkeiten haben sich bei mir mehrfach kurzfristig geändert, teils ohne erkennbaren fachlichen Grund. So kam es vor, dass mir innerhalb von zwei Monaten zweimal Verantwortung entzogen und anschließend wieder übertragen wurde. Eine konsistente, nachvollziehbare Linie konnte ich dabei aus meiner Sicht nicht erkennen.
Umgang mit älteren Kollegen
Über ehemalige, nicht mehr im Unternehmen tätige Kollegen wird nach meiner Erfahrung teils negativ gesprochen, wobei häufig auch Verantwortung bzw. Fehler bei ihnen gesucht werden. Bemerkenswert fand ich, dass bestehende Kollegen untereinander meist erst außerhalb der Anwesenheit der Geschäftsführung ein differenzierteres, positiveres Bild dieser Personen zeichnen. Das hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass intern nicht immer offen und einheitlich kommuniziert wird.
Arbeitsbedingungen
Oben beschrieben.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Oben beschrieben
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung variiert nach meiner Wahrnehmung teils erheblich und nicht immer nachvollziehbar so kam es vor, dass neue Kolleginnen und Kollegen mehr verdienten als bestehende. Das sorgte, wenn man sich darüber austauschte, spürbar für Unmut im Team. Über Gehälter zu sprechen, wurde von der Geschäftsleitung nach meiner Erfahrung nicht gerne gesehen. An Zusatzleistungen gab es kostenloses Wasser, Kaffee und Parkplätze sowie eine betriebliche Altersvorsorge (20 %).
Image
Nach außen und auf den ersten Blick macht das Unternehmen einen sehr guten Eindruck die Büroräume sind modern und ansprechend gestaltet. Sobald man jedoch die internen Strukturen und Abläufe näher kennenlernt, entsteht aus meiner Sicht schnell der Wunsch, sich beruflich zu verändern.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsmöglichkeiten sind aus meiner Erfahrung stark eingeschränkt. Angeboten werden lediglich konzerninterne, kostenlose Kurse ohne anerkannten akademischen Abschluss oder Wert nach einem Ausscheiden aus dem Unternehmen. Auf meine Nachfrage nach Unterstützung für einen Fachwirt oder ein Bachelorstudium erhielt ich eine Absage mit der Begründung, dies sei nicht notwendig und würde mir nichts bringen. Stattdessen wurde mir empfohlen, stattdessen die internen kostenlosen Kurse zu nutzen.

