Spannendes Umfeld, aber harte Realität im Alltag
Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders positiv sind die Möglichkeiten, Auslandserfahrung zu sammeln – sei es in anderen Offices oder durch EF Schulen im Ausland – sowie die Chance, internationale Kontakte zu knüpfen. Der Spirit im Unternehmen kann wirklich motivierend sein, und die meisten Kolleg:innen sind super cool. Allerdings hängt vieles davon eher von den Menschen als vom Arbeitgeber selbst ab.
Verbesserungsvorschläge
Hört euren Mitarbeiter:innen wirklich zu – viele wären geblieben, wenn man ihnen nur den kleinen Finger gereicht hätte. Es geht hier nicht um extravagante Forderungen, sondern um das absolute Minimum: echte Flexibilität, Home-Office ohne Grundsatzdiskussionen und mehr als 26 Urlaubstage. Ein Ausgleichstag für einen gearbeiteten Samstag ist nett, aber am Ende ist der Samstag trotzdem weg – das ist kein „Benefit“, sondern Schadensbegrenzung.
EF hat enormes Potenzial, keine Frage. Aber sobald die rosarote Brille abgelegt wird oder man mit Leuten außerhalb des Unternehmens spricht, merkt man schnell, wie viel hier im Alltag schiefläuft. Und das ist wirklich schade, denn viele Probleme wären leicht zu beheben.
Arbeitsatmosphäre
Der Einstieg ins Unternehmen ist zunächst sehr positiv: Die Stimmung wirkt jung, dynamisch und offen, und man arbeitet mit vielen Kolleg:innen zusammen, die sich im ähnlichen Lebensabschnitt befinden. Die Atmosphäre ist anfangs bunt, laut und etwas „anders“, was zunächst motivierend wirkt.
Mit der Zeit hat diese intensive Grundstimmung jedoch für viele – mich eingeschlossen – in eine deutliche Reizüberflutung umgeschlagen. Besonders seit dem Umzug Ende 2023 in das Großraumbüro in Düsseldorf hat sich die Arbeitsatmosphäre stark verändert. Das Großraumbüro bietet kaum Rückzugsmöglichkeiten, es ist dauerhaft laut, und man bekommt viele Gespräche oder Situationen mit, die man eigentlich nicht mitbekommen müsste. Für konzentriertes Arbeiten war das auf Dauer sehr belastend.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance ist hier eher ein theoretisches Konzept als gelebte Realität. Eine Arbeitszeiterfassung gibt es nicht, was praktisch bedeutet: Überstunden sind immer „freiwillig“, aber irgendwie doch nie wirklich optional. Die Schichten 9–18 Uhr oder 10–19 Uhr wirken auf dem Papier okay – bis klar wird, dass die spätere Schicht eigentlich die einzige „wahre“ ist, weil angeblich „nach 18 Uhr die Magie im Vertrieb passiert“.
Sogenannte „Power Weeks“ – die sich inzwischen wie ein Dauerzustand anfühlen – bedeuten: Bis 20, 21 oder 22 Uhr im Büro sitzen, während Pizza und Alkohol als Motivation verkauft werden. Wer pünktlich Feierabend macht, darf sich über subtile Kommentare oder Blicke freuen. Die Botschaft ist klar: Hast du keine Überstunden, arbeitest du vermutlich nicht hart genug. Wobei diese ja eh nicht erfasst werden.
Flexibilität? Eher Fehlanzeige. Home Office wurde erst 2022 nach langem Betteln eingeführt und soll mittlerweile wieder auf ein Minimum reduziert worden sein, obwohl man ohnehin anhand von Salesforce- und Call-Zahlen permanent durchleuchtet wird. Aber Hauptsache: Präsenz um jeden Preis.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim Thema Umweltbewusstsein habe ich während meiner Zeit im Unternehmen eher den gegenteiligen Eindruck gewonnen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kataloge insgesamt verschickt wurden – da hilft auch das recycelte Papier nicht mehr wirklich. Kund:innen werden teilweise regelrecht mit Printmaterial bombardiert, selbst wenn sie nichts angefordert haben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass jemand im gleichen Zeitraum gleich mehrere Kataloge erhält – manchmal fünf bis acht pro Woche.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleg:innen ist – je nach Team und Standort – sehr unterschiedlich. Für mich persönlich war das Team lange Zeit der wichtigste Grund, im Unternehmen zu bleiben. Wenn jedoch Kolleg:innen gehen und das vertraute Umfeld langsam auseinanderbricht, merkt man schnell, wie sehr die eigene Zufriedenheit davon abhängt.
Grundsätzlich ist der Zusammenhalt aber ausgesprochen stark. Innerhalb von EF, sowohl deutschlandweit als auch international, lernt man viele großartige Menschen kennen und knüpft schnell enge Kontakte. Man verbringt sehr viel Zeit miteinander – teilweise mehr als mit der eigenen Familie – und das führt häufig zu echten Freundschaften, die weit über den Arbeitsalltag hinaus bestehen bleiben.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen wirken insgesamt eher zweckmäßig als durchdacht. Die Schreibtische sind nicht höhenverstellbar – alle sitzen am exakt gleichen Tisch, egal ob 1,60 m oder 1,90 m. Ergonomie scheint hier eher ein „Nice to have“ als eine tatsächliche Priorität zu sein.
Die bereits erwähnte Lautstärke im Großraumbüro, die ständige Reizüberflutung und die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten machen konzentriertes Arbeiten dauerhaft schwierig. Rückblickend würde ich sagen: Was anfangs nach „offenem, lebendigem Workspace“ klingt, entpuppt sich schnell als ein dauerhafter sensorischer Overload. Für Menschen, die Ruhe zum Denken brauchen, ist das auf Dauer schlicht nicht gesund.
Gehalt/Benefits
Für die Zeit, die man im Büro verbringt, und für das, was man wöchentlich an Umsatz generiert, ist das Gehalt leider kaum angemessen. Das Bonusprogramm klingt auf dem Papier attraktiv, scheitert in der Realität aber oft an utopischen Zielvorgaben – oder daran, dass man dafür mehrere Wochen lang praktisch seine komplette Freizeit opfern müsste. Selbst wenn man sein Quartalsziel erreicht, darf man sich im besten Fall über ein paar hundert Euro Extra freuen, die dann auch noch versteuert werden. Die wenigsten konnten sich durch Boni wirklich etwas aufbauen – der Aufwand steht schlicht in keinem Verhältnis.
Zu meiner Zeit wurde immerhin das Deutschlandticket übernommen. Für einen Parkplatz hingegen durfte man trotz EF-Zuschuss rund 100 € zahlen. Es werden immer wieder Benefits angekündigt, aber vieles bleibt im Vergleich zu anderen Arbeitgebern eher symbolisch. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gibt es nicht, und bei 26 Urlaubstagen wundert das auch niemanden mehr. Insgesamt: Im Bereich Vergütung und Leistungen ist definitiv noch reichlich Luft nach oben.

