Fast 6 Jahre Fastenal Eindrücke
Gut am Arbeitgeber finde ich
-Vielfältige Aufgaben
-Interessante Produktpalette
-Autonomes Arbeiten mit viel Spielraum und wenig Kontrolle/Micro-Management.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
-Amerikanische Sturheit und Arroganz, komplett losgelöst von der deutschen Realität des Marktes
-Ungenügendes Onboarding und seltene Schulungen
-Veraltete Lösungen, die bereits von der Konkurrenz überholt wurden
-Veraltete Software
-Reines Englisch in der Konzernsprache, Null Anpassung an die deutschen Kunden
-Fehlende Benefits
-Unattraktive Löhne
-Keine Wertschätzung der Mitarbeiter
-Viele unfähige Mitarbeiter an Führungspositionen im Konzern
Verbesserungsvorschläge
-Zulassen eines Betriebsrats
-Mehr Benefits für die Mitarbeiter und Erhöhung der Löhne, um die besten Kandidaten anzuziehen
-Mehr Verständnis für den deutschen Markt
-Mehr Fokussierung auf die Modernisierung der Arbeitsstandards, der Prozesse, einem profesionellem Auftritt nach außen
-Aktualisierung der angebotenen Lösungen
-Erhöhung der Mitarbeiteranzahl, um die bestehenden Mitarbeiter zu entlasten
Arbeitsatmosphäre
Hängt von dem Zeitraum und der Besatzung ab:
Es gab Zeiten wo man sich als ein Teil eines erfolgreichen Teams mit glorreichen Ergebnissen als Niederlassung ordentlich gefreut hat, denn man war stolz in diesem Unternehmen zu arbeiten. Es wurde ständig was optimiert, verbessert und daran gearbeitet die Atmosphäre zu verbessern.
Andererseits gab es Phasen, wo einige Mitarbeiter mehr Zeit für Rumsitzen, Rauchen, Labern oder Sonstiges genutzt haben, statt den anderen Kollegen zu helfen. Man täuschte vor zu arbeiten und zeigte Null Eigeniitiative, um den Erfolg der Firma zu verbessern.
Manchmal aß man zusammen Pizza und sprach über sowohl private als auch arbeitsrelevante Themen. In anderen Phasen fühlte man sich wie ein Solist und kein Teil des Teams, weil jeder seiner Arbeit erledigt und schnell nach Hause fährt.
Niederlassungsübergreifende Treffen fanden selten statt, jedoch hatte man dort die Möglichkeit Menschen aus vielen Ländern kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.
Image
Fastenal ist in Europa komplett unbekannt trotz der großen Position in den Vereinigten Staaten. Es wird kaum in Marketing, Markenpromotion und das Steigern der Bekanntheit investiert.
Das Hauptgeschäft kommt zu Stande nicht durch aktive und strategische Kundenakquise, sondern durch Erweiterung der bereits existierenden Kooperationen in den USA.
So gut wie jeder, der die Firma verlassen hat, hat rückblickend wenig Gutes über sie zu sagen.
Work-Life-Balance
Gleitzeit ist erlaubt, Überstunden werden nicht honoriert, können aber ausgeglichen werden.
Dieses hängt aber von der Führungskraft ab, da der Konzern Überstunden gar nicht berücksichtigt.
Da die Firma an der Besatzung spart, kamen Überstunden sehr oft vor, da man sonst nicht seine Aufgaben erledigen würde.
Keine Möglichkeit von Home Office.
Seit kurzem hatte man zusätzliche Urlaubstage für Umzug, Heirat usw.
Karriere/Weiterbildung
Generell hat man viele Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln, viele Karrierewege die einem offen stehen.
Leider findet im Hintergrund sehr viel Absprache statt, sodass offene Stellen verbal schon besetzt wurden, bevor sie überhaupt ausgeschrieben wurden.
Gehalt/Benefits
Festgehalt eindeutig unter dem Markt-Niveau. Ein guter variabler Bonus macht aber das Gehalt zufriedenstellend. Urlaubstage lagen lange Zeit unter dem deutschen Standard.
Sozialleistungen hat man keine: kein Home Office, keine Mitarbeiterrabatte, zugeschüssten Tickets oder Fahrräder, keine kostenlosen Getränke oder Essen, gar keine Zuschüsse zu irgendwas.
Sogar Getränke wurden aus Eigeniitiative des Standortleiters beschaffen, weil sie von der Firma nicht angeboten werden.
All das kommt von fehlendem Druck seitens des Betriebsrats, der nicht existiert. Man erwartet von den Mitarbeitern der Niederlassungen möglichst viel und gibt möglichst wenig.
Das einzige was man bekommt ist Arbeitskleidung und eine Süßigkeitenbox zur Weihnachten.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Fastenal als amerikanischer Konzern tut so gut wie nichts in diese Richtung in Deutschland. Deshalb kennt sie auch keiner in Europa.
Kollegenzusammenhalt
Je nachdem in welcher Personalbesetzung : Es gab Momente, wo alle gemeinsam an einem Strang gezogen haben, die Stimmung war locker, alle haben Witze gerissen ohne dabei den Fokus auf die Arbeit zu verlieren. Man sprach sich gut an und verteilte Aufgaben möglichst fair und effizient.
Es gab auch Momente, wo man gegeneinander Intrigen geplant hat, schlecht über den anderen Gesprochen hat, während man in seiner Anwesenheit ins Gesicht gelacht hat.
Umgang mit älteren Kollegen
Schlecht bewertbar, da das Team in der Regel jung war.
Vorgesetztenverhalten
Hängt von der Ebene und Zeitperiode ab:
Auf der Niederlassungsebene kann man die Punkte von vorhin zusammenfassen:
Positive Erinnerungen der Eigeninitiative im Bereich der Lageroptimierung, Verbesserung der Ausstattung, des professionellen Auftretens nach außen, charismatischer Standortführung und Teambildung, Beweise des Organisationstalents, gemeinsamen Firmenessen, Weihnachtsfeiern und lockeren kollegialen Atmosphäre wurden durch Phasen von Passivität, Misstrauen, Stagnation, Aufschiebung von Problemen, chaotischen Reakionen auf Druck von Oben, Fokussierung auf unwichtige Themen, fehlender Wertschätzung, fehlender Führungsrolle, Kommunikationslosigkeit und der Favorisierung bestimmter Mitarbeiter gedeckt.
Über die oberste Führung in Deutschland und Europa ist kaum was gutes zu sagen, da sie nicht weiterdenken, das Unternehmen nicht entwickeln sondern zum Stillstand bringen. Statt Geld zu investieren will man überall sparen, aber gleichzeitig beste Ergebnisse erreichen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen hängen stark von der Eigeninitiative der Firmenführung.
Motivierte proaktive Leiter wechseln von schlechten, maroden, ungewärmten Gebäuden in neue und müssen sich dafür oben erklären, dass dies nötig ist. Bis neue Lieferwagen angeschafft werden, dauert es Ewigkeiten. Ausstattung des Lagers und der Büros ist in Ordnung, könnte aber besser sein.
Das Zuweisen eines Geschäftshandy ist eine lokale Initiative und wird von oben nicht vorgesehen.
Die ganze Software ist nur auf Englisch und wirkt veraltet wie aus den '90ern.
Kommunikation
Gemeinsame Besprechungen fanden selten statt. Infos wurden von der Standortleitung in ausgewählten Cliquen weitergegeben, statt allen Mitarbeitern den gleichen Wissensstand zu vermitteln. Dies generiert ein toxisches Klima, das ständig irgendwelche Geheimnisse nur an bestimmte Personen weitergegeben werden. Es ist vor allem schädlich, weil Mitarbeiter in vertrauenswürdige (man erzählt alles private und berufliche) und unwürdige (minimiert den Kontakt bis auf Minimum) eingeteilt werden und dies dem Zugehörigkeitsgefühl schädigt.
Einige Mitarbeiter meinen lieber Alleingänge durchziehen zu wollen, statt gemeinsam als eine Mannschaft aufzutreten und sich gegenseitig zu informieren. Dadurch entstanden Missverständnisse und peinliche Situationen gegenüber dem Kunden.
Statt Problemfälle direkt anzusprechen, hat man sie lieber unter den Teppich gekehrt bis sie dann tatsächlich explodieren.
Feedbackgespräche fanden nur am Anfang statt, mit der Zeit bekommt man kaum Rückmeldung und generellen Zwischenstand der Dinge
Ähnliches betrifft die obersten Führungskräfte, die genauso wenig kommunizieren und die Niederlassungen nicht rechtzeitig und ausreichend über neue Veränderungen informieren.
Gleichberechtigung
Frauen werden als Quotenmitarbeiter eingestellt, damit sie einfach da sind unabhängig davon, ob sie benötigt werden oder nicht. Man erwartet von ihnen weniger als von den Männern. Man drückt ein Auge darauf zu, dass sie am Labern oder Nichtstun sind, während andere von sich 200% geben.
Interessante Aufgaben
Je nach Position und Kunden, variieren diese stark.
Ich war sehr zufrieden mit den vielfältigen Aufgaben, die aus Lagertätigkeiten, Vertrieb, Einkauf, Kundenbetreuung und der Lösung technischer Probleme bestanden. Die Vielfalt der verkauften Produkte ist sehr groß, sodass man ständig was dazu lernt. Mir haben diese Tätigkeiten sehr gefallen, da ich ein sehr autonomes Aufgabenumfeld hatte, wo ich meine Ideen bestmöglich einsetzen durfte.
Andererseits ist es schwierig als ein neuer Mitarbeiter reinzukommen, da man sich sehr viel Wissen aneignen muss und nicht jeder die Geduld dafür hat.