Vom Vorzeige-Arbeitgeber zum Warnsignal
Verbesserungsvorschläge
Die dringendste Aufgabe des Unternehmens besteht darin, die interne Kommunikation grundlegend zu verbessern. Rückmeldung der Mitarbeitenden sollten nicht nur formal entgegengenommen werden, sondern ernsthaft geprüft und in Entscheidungen einbezogen werden. Ebenso wichtig ist es, die Mitarbeitenden als zentrale Ressource des Unternehmens anzuerkennen.
Arbeitsatmosphäre
Vor ein paar Jahren noch ging man gerne hier zur Arbeit und empfahl das Unternehmen mit Überzeugung weiter.
In den letzten zwei Jahren hat sich die Atmosphäre jedoch stark verschlechtert. Der Fokus liegt zunehmend auf Kontrolle, KPIs und Druck. Die Vielzahl an Kennzahlen führt dazu, dass Mitarbeitende kaum noch frei arbeiten können. Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit wird erschwert, weil jeder versucht, sich selbst zu schützen.
Kommunikation
Die Kommunikation der neuen Geschäftsführungsspitze ist aus meiner Sicht eines der größten Probleme. Transparenz, Dialog und echtes Interesse an Rückmeldungen fehlen. Kritische Ergebnisse aus Mitarbeiter- oder Puls-Befragungen werden ignoriert. Auch direkte Hinweise aus Mitarbeiterversammlungen finden kein Gehör.
Eine moderne, klare und respektvolle Kommunikationskultur wäre dringend notwendig, um Vertrauen wiederherzustellen.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im direkten Team ist nach wie vor sehr gut und zeichnet sich durch hohe Professionalität und gegenseitige Unterstützung aus. In vielen Situationen war das Kollegium der stabilste Faktor im Arbeitsalltag und hat wesentlich dazu beigetragen, Herausforderungen abzufedern.
Gleichzeitig zeigt dieser starke interne Zusammenhalt auch, wie sehr die strukturellen Rahmenbedingungen im Unternehmen an Belastung zugenommen haben. Wenn Teams zu einem der wenigen verlässlichen Orientierungspunkte werden, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass andere organisatorische Ebenen nicht mehr ausreichend funktionieren.
Work-Life-Balance
Der steigende Druck und die unrealistischen Erwartungen wirken sich negativ auf die Work‑Life‑Balance aus. Viele Mitarbeitende arbeiten am Limit, was langfristig nicht tragbar ist.
Aber immerhin gibt es einen mobilen Arbeitstag.
Vorgesetztenverhalten
Das zentrale Problem liegt aus meiner Sicht weniger bei den direkten Vorgesetzten, sondern in der Geschäftsführung. Viele Führungskräfte auf den unteren Ebenen leisten erheblich mehr, als nach außen sichtbar ist, und müssen Entscheidungen sowie Kommunikationsdefizite „von oben“ abfedern. Dafür verdienen sie ausdrücklich Respekt.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein wiederkehrendes Muster: Warnsignale der Mitarbeitenden werden zwar wahrgenommen, aber häufig mit beschwichtigenden Worten relativiert – in der Hoffnung, dass die Situation weniger kritisch ist, als sie tatsächlich erscheint. Umso größer ist dann die Überraschung, wenn Mitarbeitende die Reißleine ziehen. Am Ende ist jede und jeder für sich selbst verantwortlich.
Interessante Aufgaben
Mein Aufgabenbereich war über viele Jahre hinweg sehr vielfältig und inhaltlich anspruchsvoll. Die Tätigkeiten boten viel Abwechslung, und ich konnte mich kontinuierlich weiterentwickeln und fachlich wachsen.
In der späteren Phase hat sich dieses Bild jedoch verändert. Der zunehmende Druck führte dazu, dass Aufgaben nur noch strikt abgearbeitet wurden, ohne Raum für Reflexion, Gestaltung oder eigene Ideen. Kreative Impulse und eigenverantwortliche Weiterentwicklung waren kaum noch möglich, weil operative Anforderungen und KPI‑Vorgaben den gesamten Arbeitsalltag bestimmten.
Gleichberechtigung
Frauen sind in Führungspositionen weiterhin deutlich unterrepräsentiert, was ein strukturelles Thema im Unternehmen darstellt und klaren Handlungsbedarf zeigt.
Im direkten Team konnte ich jedoch keine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts feststellen. Die Zusammenarbeit war dort grundsätzlich fair und auf Augenhöhe.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Teams sind abteilungsübergreifend altersmäßig gut durchmischt. Ein respektvoller und professioneller Umgang miteinander war durchgehend gegeben. Altersbedingte Benachteiligungen oder Unterschiede im Umgang konnte ich in meinem Arbeitsumfeld nicht beobachten.
Arbeitsbedingungen
Der Druck ist massiv gestiegen. Unrealistische Zielvorgaben treffen auf immer knapper werdende Ressourcen. Diese Kombination führt dazu, dass Mitarbeitende an ihre Belastungsgrenzen stoßen.
Besonders bedenklich ist, dass viele Top‑Performer das Unternehmen inzwischen verlassen (oder sich dazu gezwungen fühlen), weil sie keine Perspektive mehr sehen oder sich nicht wertgeschätzt fühlen. Das ist ein alarmierendes Signal für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kein zentraler Fokus. In der Vergangenheit gab es einzelne positive Ansätze, die jedoch zuletzt kaum weiterverfolgt wurden.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist grundlegend in Ordnung
Image
Das äußere Erscheinungsbild des Unternehmens wirkt stabiler, als es die internen Strukturen tatsächlich widerspiegeln. Die Ferchau‑Zentrale profitiert weiterhin stark vom guten Ruf der ehemaligen ABLE Management Services sowie von der professionellen Arbeit des Marketings. Intern zeigt sich jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen dem kommunizierten Selbstbild und der gelebten Realität.
Karriere/Weiterbildung
In den ersten Jahren konnte ich persönlich stark von den vorhandenen Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten profitieren. Es gab klare Perspektiven, Raum zur fachlichen Weiterentwicklung und die Möglichkeit, neue Aufgabenfelder zu übernehmen.
In der aktuellen Situation, die nun seit rund zwei Jahren anhält, scheint es jedoch zunehmend schwieriger zu werden, vergleichbare Chancen zu realisieren. Der Fokus liegt stärker auf operativem Druck und kurzfristigen Zielen, wodurch Weiterentwicklung und langfristige Karriereplanung weniger Priorität zu haben scheinen.

