Mit Überzeugung fehlgeleitet
Gut am Arbeitgeber finde ich
Derzeit bin ich froh, dass zumindest auf die Gehaltszahlungen verlass ist.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das Management ist mittlerweile nicht mehr ernst zu nehmen. Ein CEO, der sein Headquarter nicht verstehen will und führen kann sowie ein namensgebender Chairman, der insgeheim das Sagen hat. Ständig wird als vergleichsweise kleiner Fisch der Vergleich zum Wettbewerb oder Größen der Wirtschaft bemüht, um Entscheidungen zu Lasten der Belegschaft zu rechtfertigen oder ein Narrativ aufzubauen, dass man in einem negativen Marktumfeld ja immer noch am wenigsten schrumpft.
Man legt sich die Zahlen so, wie man sie braucht. Während man bei den Geschäftszahlen unterjährig die Zielwerte nach Belieben austauscht, hält man bei konstant negativem Trend der Mitarbeitendenzufriedenheit an allen Einschränkungen fest und verkauft den Erhalt des letzten mobilen Arbeitstages noch als Erfolg. Währenddessen sind überwiegenden Präsenztage eine unter den genannten Umständen zusätzliche finanzielle Belastung für viele Mitarbeitende darstellen. Hier führt die Ideologie, nicht die Vernunft.
Verbesserungsvorschläge
Kommunikation lebt nicht nur davon, dass man viel redet oder zuhört, sondern dass man auch reflektiert und Erkenntnisse ableitet. Wenn man die Belegschaft als das Fundament des Unternehmens erkennen würde, könnte man darauf auch ein starkes Gerüst und Business aufbauen, wo alle an einem Strang ziehen – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
Arbeitsatmosphäre
Man muss sich nur die aktuellen Bewertungen der „ABLE Management Services“ als ehemalige operative Holding und Vorgängergesellschaft der FERCHAU Management anschauen. Mit der Umstrukturierung der Unternehmensgruppe vor einem Jahr weht seitdem auch immer mehr der raue Wind der FERCHAU durch die Flure des Headquarters. Loyalität und Verbundenheit in Form von Zugehörigkeitsjahren und geleisteten Beiträgen werden nicht mehr geschätzt – hier ist man nur noch eine Zahl auf der Kostenseite.
In diesem Jahr folgte dann die Umstrukturierung im Marketing. Mehrere langjährige und geschätzte Kolleg:innen wurden gegangen oder sind (teilweise trotz Beförderung innerhalb der neuen Struktur) von sich aus gegangen. Überlastungssignale werden mit warmen Worten wegignoriert, der Druck und die Arbeitslast ständig erhöht, Prozesse sind zerfahren, lange Ausfallzeiten häufen sich und die Anzahl der Kolleg:innen die kündigen steigt seit Wochen stetig. So hat auch der extra für die Umstrukturierung installierte VP schon wieder das Handtuch geworfen.
Kommunikation
Die Kommunikation der Geschäftsführung ist desaströs. Man versuchte nach dem Start der Umstrukturierung der Unternehmensgruppe zunächst verschiedene neue interne Kommunikationsformate im Intranet zu etablieren, um nahbarer und nachvollziehbarer zu wirken.
Aber anstatt, dass man auf der Mitarbeitendenversammlung die direkt gespiegelten Sorgen, Nöte, Ängste aufnimmt, zeigt man sich ratlos, will weitere Kommunikationskanäle aufbauen, damit die Themen aus der Fläche von unten nach oben weitergegeben werden können und gibt völlig unplatzierte Antworten oder nicht haltbare Begründungen.
Die eigene Überzeugung scheint wichtiger als das Wohl der Mitarbeitenden zu sein. Das zeigt sich auch darin, dass Pulsbefragungen im Rahmen der Umstrukturierung in vielen Bereichen bereits ein negatives Stimmungsbild darstellen und man sich in der erwartbar schlechten Mitarbeitendenbefragung trotzdem überrascht und besorgt zeigt. In einem Statement legt man den inhaltlichen Fokus lieber auf die Business- als auf die Mitarbeitendenseite. Die Business-Strategie passe, die Kommunikation stimme nur (immer noch) nicht, sinnvolle Vorschläge zur Steigerung Mitarbeitendenzufriedenheit? Fehlanzeige.
Kollegenzusammenhalt
Der kollegiale Zusammenhalt im Headquarter und den einzelnen Abteilungen ist das einzig positive Überbleibsel aus einer besseren Zeit. Es ist beschämend, dass dies einer der wesentlichen Faktoren ist, weshalb es viele so lange unter dem Druck aushalten und das in diesen Zeiten dem Arbeitgeber zugutekommt. Aber der raue Wind der FERCHAU und Druck des Managements weht nicht mehr nur durch das Headquarter und die Abteilungen, sondern verändert mittlerweile auch die Persönlichkeiten und das Miteinander vieler zum negativen. Es ist seit Monaten einfach nur ein toxischer Arbeitsplatz.
Work-Life-Balance
Die Reduzierung von zwei auf einen mobilen Arbeitstag wurde mit der Notwendigkeit begründet, dass es den Kontakt vor Ort zur besseren Zusammenarbeit bedarf. Das gilt vielleicht für das Management oder eine gewisse Führungskraftebene sowie einzelne Bereiche. Ein Beleg für eine Effizienzsteigerung kann aber nicht geliefert werden.
Vielmehr sorgen die infrastrukturellen Herausforderung auf der Schiene und Autobahn, unnötige Meetings, Arbeitsanweisungen zwischen Tür und Angel sowie ideologisch getriebene Regeln wie eine Präsenzpflicht an Brückentagen für Frust und Stress.
Aber Work-Life-Balance ist für den CEO entgegen vieler Studien ohnehin kein nachhaltiges Wirtschaftsthema (siehe WELT-Interview).
Vorgesetztenverhalten
Man kann natürlich berücksichtigen, dass die Redensart, die den Fäulnisprozess von Fischen beschreibt, nicht zu Unrecht am häufigsten im Unternehmensbezug steht. Den Druck unter dem Führungskräfte stehen muss enorm sein und man kann vor einigen nur den Hut ziehen, wie sie versuchen, diesen nicht an ihr Team weiterzugeben. Dennoch zeigt sich immer mehr, dass hinter versuchtem Verständnis und nach warmen Worten doch nur weiter Druck aufgebaut wird sowie vermehrt Aktionismus und Mikromanagement betrieben werden. Der persönliche Draht geht immer weiter verloren und die fürsorgliche Verantwortung schleifen gelassen – jeder ist sich selbst der Nächste.
Interessante Aufgaben
Das Aufgabenspektrum, gerade im Marketing ist sehr vielfältig. Es gibt immer wieder teamübergreifende Maßnahmen, die es zu realisieren gilt. In einem positiven Arbeitsumfeld kann man hier sicher einige Ideen einbringen. In der aktuellen Situation geht es allerdings nur ums Feuer löschen.
Gleichberechtigung
Eine systematische Benachteiligung ist für mich in den Teams nicht erkennbar. Allerdings spricht der Frauenanteil im Management Bände. Verweise auf die Schwierigkeit im MINT-Bereich sind an den Haaren herbeigezogen. Es gibt genügend weibliche Führungskräfte im Unternehmen. Wer will, der kann.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Altersstruktur ist gut durchmischt. Das Alter spielt in der Zusammenarbeit keine Rolle. Der Umgang mit gekündigten, langjährigen Kolleg:innen war in der jüngeren Vergangenheit jedoch sehr beschämend.
Arbeitsbedingungen
Die Gebäude und Büros sind modern, die Technik in Ordnung. Es gibt ein eigenes Parkhaus sowie eine Dusche.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es gibt theoretisch eine CSR-Strategie. Ich denke, hier kommt man den gesetzlichen Anforderungen nach. Der Rest ist Marketing.
Gehalt/Sozialleistungen
Das Gehalt ist grundlegend in Ordnung und das Urlaubsgeld großzügig ausgelegt. Gehaltssprünge waren mal möglich. Jedoch fallen Gehaltsrunden und Weihnachtsgeld nun aus. Mittlerweile gibt es sogar Beförderungen ohne oder nur mit hart verhandelten Gehaltsanpassungen …
Image
Der Fokus liegt auf dem Image der FERCHAU als Dienstleister und Personaldienstleister, nicht als Arbeitgebermarke. Man lebt in der Region des Headquarters vom positiven Image der Vergangenheit.
Karriere/Weiterbildung
Man wird nicht aktiv gefördert, da gar keine Zeit bleibt, so wie man gefordert wird. Anfragen zu Fortbildungen oder Teilnahme an Konferenzen werden im Marketing neuerdings selten genehmigt. Interne Webinar-Angebote sind nett, aber tragen nicht wirklich zur beruflichen Weiterbildung bei. Relativ neue Karrierepfade werden nicht aktiv aufgezeigt und selten genehmigt.

