Große Versprechen, schwache Realität
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Kollegenzusammenhalt war für mich mit Abstand der positivste Punkt. Mit vielen Kollegen konnte man vernünftig arbeiten, sich gegenseitig unterstützen und auch mal gemeinsam lachen.
Meine Kritik richtet sich deshalb ausdrücklich nicht gegen die normalen Mitarbeiter im Lager. Viele von ihnen machen unter körperlich anstrengenden Bedingungen einen guten Job. Auch die grundsätzlich flexible Schichtplanung kann positiv sein – sofern man tatsächlich zuverlässig mit Schichten planen kann.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Besonders negativ war für mich der Umgang mit Kommunikation und Planung. Nach meiner Arbeitsunfähigkeit wurden mir zunächst keine weiteren Schichten angeboten. Eine klare Information darüber, wie es für mich weitergeht, erhielt ich nicht automatisch – ich musste selbst aktiv werden und nachfragen. Genau so stelle ich mir einen professionellen Umgang mit Mitarbeitern nicht vor.
Hinzu kommt eine körperlich sehr belastende und monotone Tätigkeit, bei der sich über den Tag immer wieder dieselben Abläufe wiederholen. Gleichzeitig empfand ich die Vergütung, die sich bei mir lediglich knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns bewegte, als enttäuschend – insbesondere im Verhältnis zur Belastung und zur Außendarstellung des Unternehmens.
Auch die Entwicklungsmöglichkeiten haben mich nicht überzeugt. Mehr Verantwortung scheint nicht automatisch auch mehr finanzielle Anerkennung zu bedeuten.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass zwischen dem Bild, das flaschenpost in Werbung und Recruiting von sich vermittelt, und meiner persönlichen Erfahrung im Arbeitsalltag eine erhebliche Lücke besteht. Gerade mein eigener Verlauf hat bei mir den Eindruck hinterlassen, dass Mitarbeiter sehr schnell nur noch eine Personalnummer sein können, sobald etwas nicht mehr reibungslos läuft.
Verbesserungsvorschläge
Fangt an, Mitarbeiter tatsächlich so zu behandeln, wie ihr euch nach außen präsentiert. Kommunikation darf nicht erst dann stattfinden, wenn der Mitarbeiter selbst mehrfach nachfragt. Entscheidungen über Schichten, Einsatzplanung und die weitere Beschäftigung sollten transparent und frühzeitig kommuniziert werden.
Dazu gehört für mich auch eine Vergütung, die zur körperlichen Belastung der Tätigkeit passt, sowie echte Entwicklungsmöglichkeiten mit einer entsprechenden finanziellen Anerkennung zusätzlicher Verantwortung.
Vor allem sollte Führung nicht bedeuten, Probleme auszusitzen oder Mitarbeiter im Unklaren zu lassen. Ein kurzes, ehrliches Gespräch auf Augenhöhe hätte in meinem Fall vieles verändert.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre unter den Kollegen war größtenteils angenehm. Deutlich negativer habe ich jedoch die allgemeine Stimmung erlebt, sobald es um Führung, Einsatzplanung oder Kommunikation ging. Dadurch blieb bei mir insgesamt kein besonders positives Arbeitsgefühl zurück.
Image
Nach außen präsentiert sich flaschenpost als moderner, attraktiver und mitarbeiterorientierter Arbeitgeber. Meine persönliche Erfahrung im Arbeitsalltag war eine deutlich andere. Gerade bei Kommunikation, Führung und dem Umgang mit Mitarbeitern habe ich eine große Lücke zwischen Außendarstellung und tatsächlicher Praxis wahrgenommen.
Work-Life-Balance
Insgesamt durchschnittlich. Positiv ist grundsätzlich eine gewisse Flexibilität durch die Schichtplanung. Gleichzeitig empfand ich die Planbarkeit teilweise als schwierig, weil man darauf angewiesen ist, tatsächlich entsprechende Schichten angeboten beziehungsweise eingeplant zu bekommen. Für mich weder besonders schlecht noch besonders gut.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Den Umweltaspekt kann ich nur eingeschränkt beurteilen. Beim sozialen Umgang mit Mitarbeitern sehe ich allerdings deutlich Luft nach oben. Gerade Kommunikation, Transparenz und der Umgang mit Beschäftigten in schwierigen Situationen haben bei mir keinen besonders positiven Eindruck hinterlassen.
Karriere/Weiterbildung
Echte Entwicklungsmöglichkeiten habe ich kaum gesehen. Nach meinem Kenntnisstand dauert es teilweise mehrere Jahre, bis Mitarbeiter überhaupt die Möglichkeit bekommen, beispielsweise als Shift Lead mehr Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig soll mit dieser zusätzlichen Verantwortung keine entsprechende höhere Vergütung verbunden sein. Für mich ist das weder ein attraktiver Karriereweg noch ein ernstzunehmendes Weiterentwicklungsangebot.
Kollegenzusammenhalt
Die Kollegen waren für mich einer der klar positiven Punkte. Untereinander wurde geholfen, man konnte miteinander reden und der Umgang war größtenteils angenehm. Meine Kritik richtet sich daher ausdrücklich nicht gegen die normalen Mitarbeiter im Lager.
Vorgesetztenverhalten
Hier habe ich leider überwiegend negative Erfahrungen gemacht. Entscheidungen waren für mich teilweise wenig transparent und wurden nicht nachvollziehbar kommuniziert. Gerade bei Problemen hätte ich mir einen offenen und direkten Austausch gewünscht, statt dass man als Mitarbeiter selbst mehrfach aktiv werden muss, um überhaupt Klarheit über die eigene Situation zu bekommen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeit ist körperlich sehr belastend und über längere Zeit entsprechend anstrengend. Viele Abläufe wiederholen sich ständig und ein großer Teil der Schicht besteht aus körperlicher Arbeit unter Zeitdruck. Für mich waren die Bedingungen daher insgesamt eher belastend als angenehm.
Kommunikation
Für mich einer der größten Kritikpunkte. Wichtige Informationen kamen teilweise gar nicht oder erst auf eigene Nachfrage. Gerade wenn es um Schichten, Entscheidungen oder die weitere Beschäftigung ging, hätte ich mir eine deutlich offenere und proaktivere Kommunikation gewünscht. Nach meiner Arbeitsunfähigkeit erhielt ich beispielsweise zunächst keine weiteren Schichtangebote und musste selbst nachfragen, wie es weitergeht.
Gehalt/Benefits
Die Außendarstellung zur Vergütung hat bei mir Erwartungen geweckt, die sich in der Realität nicht bestätigt haben. Tatsächlich lag mein Stundenlohn nur knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Für eine körperlich belastende Tätigkeit dieser Art empfinde ich das als deutlich zu wenig. Besonders kritisch sehe ich die Diskrepanz zwischen der werblichen Darstellung und dem, was am Ende tatsächlich auf dem Arbeitsvertrag beziehungsweise der Abrechnung steht.
Interessante Aufgaben
Die Tätigkeit ist sehr monoton und körperlich belastend. Über den Arbeitstag hinweg wiederholen sich im Wesentlichen immer dieselben Abläufe. Wirkliche Abwechslung, neue Herausforderungen oder Aufgaben, bei denen man sich fachlich weiterentwickeln könnte, habe ich kaum erlebt.