Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende
Gut am Arbeitgeber finde ich
Faire Vergütung, interessante technische Themen und einige wirklich engagierte und hilfsbereite Kollegen. Die Möglichkeit zum Homeoffice sowie das Umweltbewusstsein im Umgang mit alter Hardware sind ebenfalls positiv hervorzuheben.
Fachlich bietet das Unternehmen durchaus spannende Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten. Schade ist lediglich, dass diese Stärken durch die Führungskultur in Teilen überschattet werden.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Eine Führungskultur, die aus meiner Sicht zu stark von Emotionen, Kontrolle und persönlichen Befindlichkeiten geprägt war. Offene Kommunikation wurde zwar gefordert, fühlte sich jedoch nicht immer willkommen an.
Hinzu kamen Flurfunk, Lagerbildung und eine Arbeitsatmosphäre, in der man sich häufig mehr Gedanken darüber machte, was man sagt, als über die eigentliche Arbeit. Die technischen Herausforderungen waren selten das Problem – das Umfeld war es deutlich häufiger.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Fokus auf Kontrolle und mehr Fokus auf Vertrauen. Kritik sollte nicht als Angriff verstanden, sondern als Chance zur Verbesserung genutzt werden. Eine professionelle Führung zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Mitarbeiter Angst haben Fehler zu machen, sondern dadurch, dass Probleme offen angesprochen und gemeinsam gelöst werden können.
Darüber hinaus würde der Unternehmenskultur ein konsequenteres Vorgehen gegen Flurfunk, Lagerbildung und persönliche Konflikte innerhalb der Teams guttun.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre erinnerte eher an Schadensbegrenzung als an Zusammenarbeit. Man entwickelte schnell ein Gespür dafür, welche Themen man besser nicht anspricht und welche Aussagen später noch einmal auftauchen könnten.
Besonders bemerkenswert war die emotionale Konstanz der Führungsebene: Die Wahrscheinlichkeit, einem Wutausbruch oder einer lautstarken Verärgerung zu begegnen, war gefühlt höher als die Chance auf einen entspannten Arbeitstag.
Für Menschen, die unter Druck Höchstleistungen erbringen und ihre Formulierungen vor dem Aussprechen gerne dreimal prüfen, könnte dies genau das richtige Umfeld sein.
Kommunikation
Die Kommunikation folgte einem interessanten Konzept. Regelmäßige Team- und Einzelmeetings fanden statt und es wurde aktiv nach Feedback gefragt. Wer daraus jedoch den Schluss zog, Kritik sei auch tatsächlich erwünscht, durfte gelegentlich neue Erfahrungen sammeln.
Mit der Zeit entstand bei mir der Eindruck, dass kritische Anmerkungen weniger zur Problemlösung dienten als vielmehr zur späteren Verwendung dokumentiert wurden. Dadurch überlegte man sich sehr genau, wie offen man sich in Gesprächen noch äußern möchte.
Positiv hervorzuheben ist, dass man dadurch seine Fähigkeiten in den Bereichen Diplomatie, Formulierungspräzision und Selbstzensur erheblich weiterentwickeln konnte.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt hing stark davon ab, mit wem man zu tun hatte. Einige Kollegen waren ausgesprochen hilfsbereit und professionell. Andere schienen hingegen eine besondere Leidenschaft für Flurfunk, Lagerbildung und die Analyse ihrer Mitmenschen entwickelt zu haben.
Gerüchte und Lästereien gehörten gefühlt so selbstverständlich zum Arbeitsalltag wie Outlook und Teams. Zeitweise hatte man den Eindruck, Teil eines sozialen Experiments zu sein, bei dem jede Information früher oder später ihren Weg durch das gesamte Büro findet.
Politische Diskussionen am Mittagstisch gehörten regelmäßig zum Unterhaltungsprogramm. Dabei wurde mitunter eine Leidenschaft für Debatten an den Tag gelegt, die man sonst eher aus Kommentarspalten sozialer Netzwerke kennt.
Schade, denn die wirklich guten Kollegen wurden dadurch leider überschattet.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance gehörte aus meiner Sicht zu den besseren Aspekten der Abteilung. Es wurden regelmäßig zwei Homeoffice-Tage pro Woche ermöglicht, was die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben deutlich erleichterte.
Auch die grundsätzliche Flexibilität war positiv und ist ein Punkt, den ich ausdrücklich hervorheben möchte. Nicht alles war schlecht und bei der Work-Life-Balance hat die Abteilung meiner Erfahrung nach durchaus einiges richtig gemacht.
Die größte Herausforderung bestand weniger in der Anzahl der Arbeitsstunden als vielmehr darin, die Ereignisse des Arbeitstages gelegentlich gedanklich im Büro zu lassen.
Vorgesetztenverhalten
Die Führungskultur folgte einem interessanten Ansatz. Nach Feedback wurde regelmäßig gefragt, vorausgesetzt es handelte sich um positives Feedback. Kritische Anmerkungen hingegen entwickelten gelegentlich ein überraschendes Eigenleben.
Besonders bemerkenswert war die Fähigkeit, Stimmungen innerhalb kürzester Zeit auf ganze Teams zu übertragen. Wer schon immer erleben wollte, wie stark die emotionale Verfassung einer Führungskraft den Arbeitsalltag beeinflussen kann, erhält hier wertvolle Praxiserfahrung.
Fachliche Kompetenz allein reicht in einem solchen Umfeld leider nicht aus. Mindestens ebenso wichtig ist die Fähigkeit, die aktuelle Stimmungslage korrekt einzuschätzen und seine Aussagen entsprechend anzupassen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren grundsätzlich interessant und boten eine gute Mischung aus Support, Administration und Modern-Workplace-Themen. Gerade im Bereich Intune und Microsoft 365 gab es spannende Projekte und Entwicklungsmöglichkeiten.
Leider wurde der fachliche Teil regelmäßig von zwischenmenschlichen Dramen, Stimmungsmanagement und organisatorischen Besonderheiten überschattet. Dadurch verbrachte man teilweise mehr Energie damit, das Arbeitsumfeld zu navigieren, als sich auf die eigentliche Technik zu konzentrieren.
Schade, denn die technischen Aufgaben hätten problemlos eine deutlich bessere Bewertung verdient als das Umfeld, in dem sie stattfanden.
Gleichberechtigung
Während meiner Beschäftigungszeit habe ich keine offensichtlichen Fälle von Ungleichbehandlung wahrgenommen. Aufgrund der relativ kurzen Zeit im Unternehmen kann ich diesen Punkt jedoch nur eingeschränkt beurteilen.
Positiv ist, dass andere Probleme im Arbeitsalltag offenbar unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Alter auftraten.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kollegen wirkte auf mich teilweise befremdlich. Erfahrung und langjährige Betriebszugehörigkeit wurden nicht immer als Stärke wahrgenommen.
Zeitweise entstand sogar der Eindruck, dass mancher Mitarbeiter schneller in Richtung Ruhestand gedacht wurde als an die Möglichkeit, sein Wissen und seine Erfahrung weiterhin sinnvoll einzubringen. Das halte ich für eine verpasste Chance.
Arbeitsbedingungen
Alte Schreibtische und teilweise stark abgenutzte Bürostühle gehörten zum gewohnten Bürobild. Wer sich schon immer gefragt hat, wie ergonomische Richtlinien vor zehn Jahren ausgesehen haben könnten, bekommt hier zumindest einen groben Eindruck.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Umweltbewusstsein gehörte zu den positiven Aspekten des Unternehmens. Alte Hardware wurde nicht einfach entsorgt, sondern nach Möglichkeit weiterverwendet oder über entsprechende Programme und Zertifizierungen verwertet.
Gerade im IT-Bereich ist ein bewusster Umgang mit Ressourcen keine Selbstverständlichkeit. Hier machte das Unternehmen auf mich insgesamt einen positiven Eindruck.
Gehalt/Benefits
Über das Gehalt kann ich wenig Negatives sagen. Die Vergütung war fair und gehörte definitiv zu den besseren Aspekten des Unternehmens.
Es wurde schnell verständlich, warum einige Mitarbeiter trotz der täglichen Herausforderungen viele Jahre geblieben sind. Rechnungen bezahlen sich schließlich deutlich angenehmer mit einem guten Gehalt als mit motivierenden Führungskräften.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen modern, professionell und mitarbeiterorientiert. Die Realität innerhalb der Abteilung entsprach diesem Bild aus meiner Sicht jedoch nicht immer.
Zwischen Außendarstellung und gelebter Führungskultur lagen teilweise Welten. Schade, denn fachlich und organisatorisch hätte das Unternehmen durchaus Potenzial.
Karriere/Weiterbildung
Karriereplanung gestaltet sich erfreulich unkompliziert. Da Aufstiegsmöglichkeiten nur begrenzt sichtbar waren, musste man sich über die eigene Zukunft im Unternehmen nicht allzu viele Gedanken machen.

