Von außen eine zeitlose FRITZ!Box. Im Inneren sieht man dann den jahrzehntealten Staub.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Produkte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Nach außen präsentiert man sich als innovatives Berliner Unternehmen der Zukunft. Im Kern sieht und spürt man Tübingen 1995.
Verbesserungsvorschläge
Wer schon immer beruflich in ein lebendiges Museum eintauchen wollte, ist bei FRITZ! (ehemals AVM) bestens aufgehoben. Exponate wie „Haben wir schon immer so gemacht“ und „Das ist historisch gewachsen“ werden hier liebevoll konserviert und täglich vorgeführt. Eintritt frei, Fortschritt optional.
Mikromanagement wird zur eigenen Disziplin erhoben. Jeder Schritt wird überwacht, jede Entscheidung mehrfach abgesegnet, jede Eigeninitiative zuverlässig ausgebremst. Kreativität ist ausdrücklich erwünscht, solange sie exakt dem entspricht, was man vor zehn Jahren schon erfolgreich nicht verändert hat.
Die Kommunikation zwischen den Abteilungen ist dabei ein Erlebnis für sich. Gerade in der Kommunikationsabteilung wirkt Abstimmung häufig wie stille Post mit Zeitverzögerung: Informationen kommen spät, gefiltert oder gar nicht an. Wer meint, Kommunikation sei hier Kernkompetenz, lernt schnell, dass sie eher als theoretisches Konzept verstanden wird.
Passend dazu existiert ein bemerkenswert enges Verständnis von „Kommunikation“. Sie endet dort, wo Texte und Grafiken nach außen verschickt sind. Danach scheint die Mission erfüllt. Dass Kommunikation auch Nutzerführung, Tonalität, Benutzeroberflächen etc. umfasst, gilt offenbar als weiterführender Gedanke, der zwar interessant, aber nicht zwingend relevant ist. Die Kommunikationsabteilung kommuniziert eben (oder auch nicht). Alles Weitere liegt außerhalb des eigenen Zuständigkeitsuniversums.
Ein weiteres Highlight, und das in einem Technikunternehmen (!): die veraltete Technik. Mein Arbeitslaptop startete zuverlässig hörbare Turbinen, sobald ich den Windows-Explorer öffnete. Die Geräte wirken insgesamt eher retrospektiv, die WLAN-Module entsprechend träge. Der Lösungsvorschlag der IT war dann der ironische Höhepunkt: „Versuch doch mal, das Laptop mit dem Netzwerkkabel zu verbinden.“ Für ein mobiles Endgerät. Wenn das alles nicht so traurig wäre, könnte man es für feinen Humor halten.
Die Bezahlung fügt sich stimmig ins Gesamtbild ein. Irgendwo zwischen „Markt von gestern“ und „Sei froh, dass du hier sein darfst“. Arbeitszeugnisse hingegen scheinen Teil eines Langzeitprojekts zu sein: monatelanges Warten schult Geduld, Gelassenheit und niedrige Erwartungen.
Zur Führungskultur nur so viel: Aussagen wie „Das ist mir egal, ich bin privatversichert“ fallen nicht als Pointe, sondern im Arbeitsalltag. Empathie ist hier offenbar kein Muss, Hierarchie dafür umso mehr.
Natürlich gibt es Ausgleich: ein pompöses Sommerfest und eine glanzvolle Weihnachtsfeier. Für ein paar Stunden darf man dann so tun, als ließe sich struktureller Stillstand mit Lichterketten kompensieren. Glitzer statt Substanz, aber immerhin konsequent.
Fazit: Nach außen perfekt polierte Kommunikation, nach innen erstaunlich viel Staub. Wer Ironie schätzt, wird hier unfreiwillig, aber nachhaltig bedient.


