Die schlimmste berufliche Erfahrung meines Lebens
Verbesserungsvorschläge
- Führungskräfte konsequent in Mitarbeiterführung, Kommunikation und Konfliktmanagement schulen und ihre Führungsqualität regelmäßig überprüfen.
- Überdenken ob einige Menschen wirklich als Führungskraft taugen
- Kritik von Mitarbeitenden ernst nehmen und Missstände nicht aussitzen oder unter den Teppich kehren, sondern transparent aufarbeiten.
- Eine respektvolle Unternehmenskultur schaffen, in der abwertende Bemerkungen, Lästereien und persönliche Herabwürdigungen keinen Platz haben.
- Arbeitsbelastung realistischer verteilen und chronische Unterbesetzung nachhaltig beheben.
- Stellen ehrlich ausschreiben, sodass Aufgaben, Verantwortung und Vergütung tatsächlich zusammenpassen.
- Arbeitsbedingungen verbessern: ruhige Arbeitsplätze, bessere Belüftung und ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen.
- Verbindliche Kommunikation und klare Zuständigkeiten etablieren, damit Mitarbeitende nicht für organisatorische Versäumnisse verantwortlich gemacht werden.
- Mitarbeitende wertschätzen, fördern und an Entscheidungen beteiligen, statt sie erst anzuhören und anschließend keine Konsequenzen aus ihrem Feedback zu ziehen.
Mein wichtigster Verbesserungsvorschlag wäre jedoch: die Führungskultur grundlegend überdenken. Nach meiner Erfahrung waren viele Probleme nicht fachlicher Natur, sondern das Ergebnis von Führungsversagen und fehlender Bereitschaft, bekannte Missstände nachhaltig zu lösen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war für mich der mit Abstand schlimmste Aspekt meiner gesamten Beschäftigung und letztlich der Hauptgrund, warum ich diesen Arbeitgeber nicht weiterempfehlen kann.
Das Arbeitsumfeld war von Angst, Misstrauen und fehlendem Respekt geprägt. Es wurde regelmäßig über Mitarbeitende, Kolleginnen und teilweise über externe Partner abwertend gesprochen. Persönliche Herabwürdigungen, spöttische Bemerkungen und das Reden über andere in deren Abwesenheit gehörten für mich zum Arbeitsalltag.
Ich selbst war ebenfalls Ziel solcher abwertenden Aussagen. Dadurch hatte ich dauerhaft das Gefühl, mich ständig rechtfertigen zu müssen und nie sicher sein zu können, dass über mich nicht im nächsten Moment ebenfalls negativ gesprochen wird. Das Vertrauen innerhalb des Teams wurde aus meiner Erleben massiv beschädigt.
Statt eines respektvollen Miteinanders herrschte ein großes Gegeneinanderspielen, Lästereien, Mobbing und Kommunikation, die Konflikte eher verschärfte als löste. Wertschätzung habe ich in meinem Arbeitsalltag nicht erfahren.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen modern und mitarbeiterorientiert. Meine persönlichen Erfahrungen entsprachen diesem Bild jedoch nicht.
Zwischen Außendarstellung und tatsächlichem Arbeitsalltag habe ich eine deutliche Diskrepanz erlebt. Wiederholt angesprochene Missstände wurden nach meinem Eindruck nicht nachhaltig aufgearbeitet. Statt Veränderungen anzustoßen, hatte ich häufig das Gefühl, dass Probleme eher unter den Teppich gekehrt wurden.
Nicht nur intern, sondern auch von Teilnehmenden habe ich regelmäßig Unzufriedenheit und Beschwerden über organisatorische Abläufe mitbekommen. Das bestätigte für mich den Eindruck, dass viele der bestehenden Probleme längst bekannt waren.
Ein positives Unternehmensimage entsteht für mich nicht durch Werbung oder Außendarstellung, sondern durch den Umgang mit Mitarbeitenden und die Bereitschaft, Missstände zu beheben. Beides habe ich leider vermisst.
Work-Life-Balance
Von einer Work-Life-Balance konnte aus meiner Sicht keine Rede sein. Die Arbeitsbelastung war dauerhaft enorm. Trotz chronischer Unterbesetzung und ständigem Arbeitsrückstand wurde ich mit den Problemen häufig allein gelassen.
Während ich die hohe Arbeitslast vor Ort bewältigen musste, arbeitete eine Kollegin dauerhaft im Homeoffice und auch der Bereichsleiter bestand auf seine drei Homeoffice-Tagen pro Woche. In einer Situation, in der die Abteilung ohnehin permanent an ihre Grenzen kam, empfand ich diese Verteilung der Präsenz und Unterstützung als äußerst frustrierend.
Selbst im Urlaub wurde ich wegen dienstlicher Themen kontaktiert. Hinzu kam, dass ein wichtiger, zunächst genehmigter Arzttermin einen Tag vorher wieder gestrichen wurde. Eine verlässliche Trennung zwischen Beruf und Privatleben war für mich dadurch praktisch nicht möglich.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Gesundheit und Belastungsgrenzen der Mitarbeitenden kaum berücksichtigt wurden. Die dauerhafte Überlastung wurde zum Normalzustand – mit entsprechenden Folgen für mein persönliches Wohlbefinden.
Karriere/Weiterbildung
Grundsätzlich bietet das Unternehmen interne Weiterbildungen an. In meiner persönlichen Erfahrung wurden diese Möglichkeiten jedoch nicht gleichermaßen unterstützt.
Als ich selbst Interesse an einer Weiterbildung geäußert habe, wurde mein Wunsch letztlich nicht weiterverfolgt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt stand aus meiner Sicht in keinem angemessenen Verhältnis zur Verantwortung und zum tatsächlichen Aufgabenumfang. Besonders enttäuschend war für mich, dass die Stelle im Bewerbungsverfahren als Bürokraft ausgeschrieben wurde, die Tätigkeit letztlich jedoch einem Produktmanagement mit deutlich höherer Verantwortung entsprach – ohne entsprechende Vergütung.
Benefits waren praktisch nicht vorhanden. Weder finanzielle Zusatzleistungen noch andere nennenswerte Vorteile konnten aus meiner Sicht die hohe Arbeitsbelastung ausgleichen.
Für die Erwartungen, den Arbeitsumfang und die Verantwortung empfand ich die Bezahlung als deutlich zu niedrig.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
In einer Zeit, in der die Digitalisierung vorangetrieben wird, hatte ich in den Eindruck dass dieser Betrieb dem gezielt entgegenarbeitet. Es wurde unfassbar viel gedruckt, Lehrgangsunterlagen die eigentlich problemlos online verfügbar waren, mussten zusätzlich ausgedruckt werden - und das für jeden einzelnen Unterricht. Aus meiner Sicht ist das alles andere als umweltbewusst.
Kollegenzusammenhalt
Unter den Kolleginnen und Kollegen war der Zusammenhalt grundsätzlich vorhanden. Viele haben sich gegenseitig unterstützt, weil sie wussten, wie hoch die Arbeitsbelastung war und wie schwierig die Rahmenbedingungen waren. Leider gab es aber auch hier einige Kollegen, die einen regelrecht gemobbt haben.
Leider hatte ich auch häufig den Eindruck, dass durch das Verhalten der Führungsebene Misstrauen und Spannungen entstanden. Nach meiner Wahrnehmung wurde regelmäßig über Mitarbeitende gesprochen und sie gegeneinander ausgespielt. Das erschwerte eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit erheblich.
Umgang mit älteren Kollegen
Nach meiner Wahrnehmung wurde älteren Kolleginnen und Kollegen grundsätzlich mit Respekt begegnet. Gleichzeitig hatte ich jedoch den Eindruck, dass der Umgang mit Mitarbeitenden insgesamt stark von der jeweiligen Person abhing und nicht immer nach einheitlichen Maßstäben erfolgte.
Unabhängig vom Alter habe ich erlebt, dass Mitarbeitende unterschiedlich behandelt wurden und Kritik oder Probleme nicht immer ernst genommen wurden. Wertschätzung sollte aus meiner Sicht nicht vom Alter oder der Position abhängen, sondern allen Beschäftigten gleichermaßen entgegengebracht werden.
Eine durchgängig faire und wertschätzende Unternehmenskultur konnte ich daher leider nicht erkennen.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten meines direkten Vorgesetzten war für mich der Hauptgrund, warum die Arbeit in diesem Unternehmen nicht mehr tragbar war.
Absprachen wurden nicht eingehalten. Anweisungen änderten sich ständig, sodass man eine Aufgabe zunächst auf eine Weise erledigen sollte, später jedoch dafür kritisiert wurde, genau dieser Anweisung gefolgt zu sein. Keine Verlässlichkeit oder klare Kommunikation.
Hinzu kamen Aussagen, die sich später als unzutreffend herausstellten, nicht eingehaltene Zusagen sowie eine mangelnde Bereitschaft, Verantwortung für eigene Fehler zu übernehmen. Stattdessen hatte ich häufig den Eindruck, dass die Verantwortung auf Mitarbeitende verlagert wurde.
Besonders erschreckend fand ich den Umgang mit anderen Menschen. Über Mitarbeitende, Kolleginnen, Führungskräfte wurde regelmäßig abwertend gesprochen. Respektvolle Mitarbeiterführung sah für mich anders aus.
Völlig unangebracht waren außerdem einzelne vulgäre und sexualisierte Bemerkungen im Arbeitsalltag – sogar über die eigene minderjährige Tochter. Für mich war das in einem Arbeitsumfeld absolut inakzeptabel. Ein solches Führungsverhalten habe ich in meinem gesamten Berufsleben zuvor noch nie erlebt.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren für mich unzumutbar. Das Büro war zu klein und von beiden Seiten dauerhaft extremem Lärm ausgesetzt. Auf der einen Seite befanden sich die Hauptstraße und die Arkaden mit Verkehr, Motorrädern, LKWs und Personengruppen, auf der anderen Seite das Hotelfoyer mit Hotelgästen, Lehrgangsteilnehmenden und täglich lärmenden Grundschulklassen.
Hinzu kam eine katastrophale Luftqualität. Beim Lüften gelangten überwiegend Abgase, Zigarettenrauch und noch mehr Lärm ins Büro. Konzentriertes Arbeiten war unter diesen Bedingungen kaum möglich.
Ich musste meinen Arbeitsplatz regelmäßig verlassen, um kurz frische Luft, Ruhe und Tageslicht zu bekommen. Obwohl diese Zustände mehrfach angesprochen wurden, änderte sich nach meiner Wahrnehmung nichts. Die Arbeitsbedingungen belasteten mich schließlich auch gesundheitlich.
Kommunikation
Absprachen wurden immerzu geändert oder später anders dargestellt. Nicht selten wurde ich für Aufgaben kritisiert, die ich zuvor genau nach Anweisung erledigt hatte. Wichtige E-Mails und Rückfragen blieben einfach unbeantwortet, vereinbarte Gespräche fanden nicht statt oder wurden kurzfristig abgesagt.
Wichtige Informationen wurden oft gar nicht oder zu spät weitergegeben. Fehler, die aus organisatorischen oder kommunikativen Versäumnissen seitens der Bereichsleitung entstanden, wurden nach meiner Wahrnehmung häufig den Mitarbeitenden zugeschrieben.
Besonders belastend war die Kommunikationskultur. Über Mitarbeitende wurde nach meiner Wahrnehmung regelmäßig hinter deren Rücken abwertend gesprochen. Das zerstörte Vertrauen und führte dazu, dass man nie sicher sein konnte, ob man selbst die nächste Person war, über die gesprochen wurde.
Eine offene, wertschätzende oder lösungsorientierte Kommunikation habe ich nicht erlebt.
Gleichberechtigung
Nach meiner persönlichen Erfahrung wurde mit Mitarbeitenden nicht immer gleich umgegangen. Ich hatte häufig den Eindruck, dass für einzelne Personen unterschiedliche Maßstäbe galten – sowohl durch meinen direkten Vorgesetzten als auch auf höheren Führungsebenen. So konnten Kollegen durchgängig im HO sein, sobald man dann selbst aber einen Tag HO beanspruchen wollte, war es stets ein Problem.
Ebenso enttäuschend war für mich der Umgang mit berechtigter Kritik. Wiederholt habe ich auf konkrete Missstände und Probleme hingewiesen. Diese wurden eher ausgesessen oder unter den Teppich gekehrt, statt ernsthaft aufgearbeitet. Das Gefühl, mit seinen Sorgen nicht ernst genommen zu werden, war für mich äußerst frustrierend.
Hinzu kamen wiederholt abwertende und teilweise sexualisierte Bemerkungen über Frauen sowie respektlose Äußerungen über Mitarbeitende. Ein solcher Umgang passt aus meiner Sicht weder zu einer modernen Führungskultur noch zu einem gleichberechtigten Arbeitsumfeld.
Ein fairer, respektvoller und für alle gleichermaßen geltender Umgang sollte selbstverständlich sein.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst waren einer der wenigen positiven Aspekte meiner Tätigkeit. Der Austausch mit Dozentinnen und Dozenten sowie den Teilnehmenden war abwechslungsreich und hat mir viel Freude bereitet.
Besonders gefallen hat mir die organisatorische Vorbereitung der Seminare und Lehrgänge, das Erstellen und Zusammenstellen von Seminarunterlagen sowie die Koordination der verschiedenen Abläufe. Gelegentlich hatte ich außerdem die Möglichkeit, selbst vor Gruppen zu sprechen und organisatorische Informationen zu vermitteln, was meinen Arbeitsalltag zusätzlich abwechslungsreich machte.
Schade ist, dass die grundsätzlich interessanten und vielseitigen Aufgaben durch die dauerhafte Überlastung und die schwierigen Arbeitsbedingungen häufig in den Hintergrund gerückt sind. Unter besseren Rahmenbedingungen hätte die Tätigkeit aus meiner Sicht viel Potenzial gehabt.