Finger weg!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Manche Vorteile
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
In meiner Wahrnehmung wird hier ein Arbeitsumfeld geduldet, in dem grenzwertiges Verhalten zumindest nicht konsequent unterbunden wird. Den einen „größten Schwachpunkt“ herauszugreifen fällt schwer – dafür sind es zu viele kleinere Punkte, die sich über die Zeit summieren.
Meine Situation war insofern besonders, als dass ich kein deutscher Muttersprachler bin. Das wurde mir im Arbeitsalltag regelmäßig bewusst gemacht. Der Umgang unterscheidet sich spürbar, wenn man nicht deutsch oder nicht bayerisch ist.
Über mehrere Jahre hinweg gab es verschiedene Reibungspunkte, doch ausschlaggebend war letztlich ein Vorfall, der aus einem Missverständnis einer E-Mail meines Vorgesetzten zum Thema Kostensenkungen entstand. Im Nachhinein wurde mir dafür die Verantwortung zugeschrieben, was in einer Abmahnung mündete.
Daraufhin folgten regelmäßige monatliche Gespräche, die faktisch von meinem damaligen Teamleiter geführt wurden. Dabei wurden Punkte angesprochen, die zuvor nie Thema gewesen waren und später auch nie wieder auftauchten. Mein Vorgesetzter war anwesend, hielt sich jedoch weitgehend zurück. Unabhängig davon, wie sachlich man argumentierte, war der Ausgang der Gespräche meist bereits vorgegeben.
Da das Unternehmen zu dieser Zeit offenbar Personal abbauen wollte, entstand bei mir der Eindruck, dass man eher auf indirekten Druck setzte, statt offen und konstruktiv zu kommunizieren. Als ich schließlich kündigte, stellte sich heraus, dass wichtige Unterlagen, die über meinen Vorgesetzten hätten laufen sollen, mich nie erreicht hatten.
Eine rechtliche Beratung ergab, dass ein Vorgehen grundsätzlich möglich gewesen wäre. Da sich meine berufliche Situation inzwischen jedoch deutlich verbessert hat, habe ich davon abgesehen.
Einarbeitung & Prozesse
Die Einarbeitung wirkte auf mich stellenweise überholt. Beispielsweise nahm eine SAP-Schulung rund zehn Arbeitstage in Anspruch, ohne dass währenddessen eine Vertretung vorgesehen war. Für ein System, dessen Grundfunktionen sich relativ schnell erschließen lassen, erschien mir das nicht mehr zeitgemäß.
Zudem verlieren viele Schulungsinhalte innerhalb kurzer Zeit an Relevanz, da Prozesse regelmäßig geändert werden. Diese Änderungen werden häufig ohne begleitende Schulung eingeführt, da offenbar davon ausgegangen wird, dass „das selbsterklärend“ sei – was es in der Praxis oft nicht ist.
Zusammenarbeit
Die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit empfand ich als schwierig. Zuständigkeiten sind zwar formal klar, in der Praxis versucht jedoch jede Abteilung, Aufgaben möglichst weiterzureichen. Bleibt eine Antwort aus, wird das schnell als Versäumnis des Absenders interpretiert, statt als fehlende Rückmeldung des Empfängers.
Fazit
Viele qualifizierte Mitarbeitende verlassen das Unternehmen nach einiger Zeit. Diejenigen, die bleiben, tun dies entweder aus Loyalität gegenüber früheren Zeiten oder mangels besserer Alternativen. Für mich persönlich war es letztlich nicht das richtige Umfeld.