Interessantes Produkt, aber erhebliche Schwächen bei Führung, Kommunikation und Mitarbeiterorientierung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Produkt und das fachliche Umfeld bieten interessante Aufgaben und die Möglichkeit, sich mit modernen Softwarelösungen auseinanderzusetzen. Auch der Zusammenhalt unter Kolleginnen und Kollegen ist positiv hervorzuheben. Im direkten Team funktioniert die Zusammenarbeit teilweise besser als in den übergeordneten Entscheidungs- und Führungsstrukturen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das größte Problem ist die Führungskultur. Kritik scheint insbesondere dann unerwünscht zu sein, wenn sie sich gegen die Führung richtet. Nach meinen Erfahrungen besteht die Gefahr, dass Mitarbeitende, die Probleme offen ansprechen, Nachteile erleben oder entsprechende Konsequenzen folgen. Das betrifft meinem Eindruck nach nicht nur Mitarbeitende, sondern auch Führungskräfte. Eine offene Feedbackkultur sieht anders aus. Wer Kritik nur dann akzeptiert, wenn sie bequem ist, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann niemand mehr ehrlich seine Meinung äußert.
Besonders erschreckend ist der Umgangston. Wenn Mitarbeitende in Meetings vom Chef offen herabgewürdigt werden, ist eine Grenze überschritten. Das hat mit konstruktiver Führung, professionellem Verhalten und Wertschätzung nichts zu tun. Mitarbeitende sollten nicht damit rechnen müssen, vor anderen herabgesetzt zu werden.
Passend dazu fehlt es aus meiner Sicht an grundlegendem Vertrauen. Es wird Leistung erwartet, gleichzeitig werden Eigenverantwortung und Flexibilität stark eingeschränkt. Homeoffice wird nach außen mit dem Wunsch nach Austausch und Zusammenarbeit begründet. Bei den Mitarbeitenden kommt jedoch ein anderes Signal an: Kontrolle scheint wichtiger zu sein als Vertrauen. Wenn man seinen Leuten vertraut, sollte man ihnen auch zutrauen, ihre Arbeit eigenständig und verantwortungsvoll zu erledigen.
Ein weiteres massives Problem ist die Fluktuation. Nach meiner Einschätzung verlässt ein Großteil der Belegschaft das Unternehmen bereits innerhalb des ersten Jahres. Sollte sich diese Größenordnung durch belastbare Personaldaten bestätigen, wäre das ein erhebliches Warnsignal. Anstatt sich ernsthaft mit den Ursachen auseinanderzusetzen, sollte man sich fragen, warum so viele Menschen offenbar nicht langfristig bleiben möchten.
Auch die Urlaubsplanung ist stark reglementiert. Zehn Urlaubstage während der Sommerferien und zwei Wochen über die Weihnachtsferien sind fest vorgegeben. Darüber hinaus bestehen weitere Einschränkungen, beispielsweise hinsichtlich der Anzahl der Urlaubstage, die pro Monat genommen werden dürfen. Damit wird die persönliche Urlaubsplanung erheblich eingeschränkt. Von einer flexiblen und mitarbeiterorientierten Arbeitsgestaltung kann hier kaum die Rede sein.
Bei Gehalt und Zusatzleistungen fehlt mir ebenfalls die Wertschätzung. Man bekommt sein Gehalt – und damit scheint das Thema für den Arbeitgeber im Wesentlichen erledigt zu sein. Anerkennung, attraktive Zusatzleistungen oder ein ernsthaftes Interesse an der langfristigen Zufriedenheit der Mitarbeitenden sind aus meiner Sicht nicht ausreichend erkennbar.
Verbesserungsvorschläge
Die Probleme lassen sich nicht durch neue Unternehmenswerte, schöne Worte oder eine bessere Außendarstellung lösen. Es braucht grundlegende Veränderungen:
* Respektvoller Umgang:Persönliche Herabwürdigungen in Meetings sind inakzeptabel. Kritik muss sachlich und auf Augenhöhe möglich sein.
* Eine echte Feedbackkultur:Mitarbeitende und Führungskräfte müssen Probleme offen ansprechen können, ohne berufliche Konsequenzen befürchten zu müssen.
* Mehr Vertrauen statt Kontrolle:Wer qualifizierte Mitarbeitende einstellt, sollte ihnen auch Eigenverantwortung zugestehen.
* Zeitgemäße Arbeitsbedingungen:Homeoffice sollte auf nachvollziehbaren betrieblichen Anforderungen beruhen und nicht durch pauschale Kontrollbedürfnisse eingeschränkt werden.
* Mehr Freiheit bei der Urlaubsplanung: Urlaub sollte im Rahmen fairer, transparenter und tatsächlich notwendiger betrieblicher Regelungen planbar sein.
* Die Fluktuation ernst nehmen:Wenn so viele Mitarbeitende bereits im ersten Jahr gehen, müssen die Ursachen untersucht werden. Die Verantwortung dafür darf nicht pauschal auf die Beschäftigten abgewälzt werden.
* Wertschätzung tatsächlich leben:Ein Gehalt ist die Gegenleistung für Arbeit, aber kein Ersatz für Respekt, gute Führung und vernünftige Arbeitsbedingungen.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre wird stark durch das Verhalten der Führungsebene geprägt. Wenn Mitarbeitende befürchten müssen, dass offene Kritik negative Konsequenzen hat, entsteht keine vertrauensvolle Zusammenarbeit, sondern ein Klima, in dem man sich genau überlegt, was man sagt. Ein solches Umfeld erschwert ehrliche Kommunikation und konstruktive Problemlösung.
Kommunikation
Eine offene Kommunikation wird zwar nach außen gerne als wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit dargestellt, entscheidend ist aber, wie tatsächlich mit kritischen Rückmeldungen umgegangen wird. Wenn Kritik an der Führung nicht erwünscht ist, bleibt von einer echten Feedbackkultur wenig übrig. Kommunikation darf keine Einbahnstraße sein.
Kollegenzusammenhalt
Viele Kollegen versuchen, sich gegenseitig zu unterstützen und die Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Das ist positiv. Allerdings können auch engagierte Teams strukturelle Probleme nicht dauerhaft ausgleichen. Hohe Fluktuation erschwert zusätzlich den Aufbau stabiler Teams und langfristiger Zusammenarbeit
Work-Life-Balance
Homeoffice ist nicht möglich, wobei der Chef als Vorbild, selbst jede Woche einen Homeoffice Tag einlegt. Sämtliche und etliche Regeln, die sich auch ständig ändern, sind klar auf den Arbeitgeber ausgerichtet. Teilweise wurde nicht mal genehmigt ein paar Stunden von zu Hause zu arbeiten, weil zum Beispiel der Strom abgelesen wird.
Urlaub ist stark und strikt reglementiert. Es gibt für jeden Monat Regelungen, wann wie viel Urlaub genommen werden darf.
Die Urlaubsplanung ist aus meiner Sicht ein erheblicher Nachteil. Wenn größere Urlaubsblöcke vorgegeben werden und zusätzlich eingeschränkt ist, wie viele Tage pro Monat genommen werden dürfen, bleibt wenig Flexibilität für individuelle Bedürfnisse. Zusammen mit den eingeschränkten Möglichkeiten beim Homeoffice entsteht der Eindruck, dass die Kontrolle über die Anwesenheit einen hohen Stellenwert hat.
Vorgesetztenverhalten
Hier sehe ich den größten Handlungsbedarf. Ein Geschäftsführer sollte durch Professionalität, Verlässlichkeit und respektvollen Umgang führen. Mitarbeitende in Meetings herabzusetzen und kritische Stimmen nicht zu akzeptieren, ist das Gegenteil davon.
Führung bedeutet nicht, dass niemand widersprechen darf. Sie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Kritik auszuhalten und auch unbequeme Rückmeldungen ernst zu nehmen. Wer Vertrauen und Leistung erwartet, muss selbst Vertrauen schaffen und mit gutem Beispiel vorangehen.
Das gilt auch für HR und Führungskräfte, die das wortlos mit tragen.
Interessante Aufgaben
Das Produkt und die fachlichen Aufgaben bieten durchaus Potenzial. Häufige Prioritätswechsel, unnötige Abstimmungen oder begrenzter Entscheidungsspielraum können jedoch verhindern, dass die Arbeit ihr volles Potenzial entfaltet. Man dreht sich im Kreis.
Gleichberechtigung
Hier werden alle gleich gut oder schlecht behandelt.
Umgang mit älteren Kollegen
Passt soweit
Arbeitsbedingungen
Es gibt gute Laptops für Alle, Telefonzellen für Meetings, eine Mitarbeiter Küche, Elektro Roller für die Pausen, Obst und Getränke. Weitere Benefits sind nicht gewünscht. Es gibt Gehalt und gut ist. Außerdem ist aufgrund des enorm hohen Churn und der damit einhergehende stetige Wissenverlust eine weitere Bremse um wirklich voran zu kommen. Die meisten haben recht schnell schon innerlich gekündigt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umwelt ok, Sozial ist da nichts.
Gehalt/Benefits
Für die Software Branche unterdurchschnittlich. Ein großer Anteil ist der Bonus. Wegen den bereits beschriebenen Arbeitsbedingungen werden diese aber meist nicht erreicht. Der groß besprochene Karriereplan, wird erstens auch ständig verändert. Kann man machen, weil der nicht Vertragsbestandteil ist. Oder aufgrund der ständig wechselnden Vorgaben erreicht den meines Wissens kaum jemand. Na ja oder ist eh nicht so lange im Unternehmen.
Das Gehalt wird gezahlt, aber darüber hinaus fehlt es aus meiner Sicht an echter Wertschätzung. Ein gutes Arbeitsverhältnis besteht nicht nur aus dem monatlichen Gehalt, sondern auch aus Respekt, Vertrauen, Flexibilität und attraktiven Rahmenbedingungen. Gerade angesichts der beschriebenen Arbeitsbedingungen wäre hier deutlich mehr möglich.
Image
Sehr schlecht. Bei Partnern, Bewerbern, Mitarbeitern und Kunden ist längst angekommen, dass hier erstens keine Beständigkeit vorhanden ist und Bedingungen immer zu Gunsten der Firma geändert werden. Wenn Kunden oder Interessenten einem sagen, sie sind jetzt schon der vierte Ansprechpartner innerhalb der letzten Monate, schafft das kein Vertrauen.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt ein umfangreiches Onboarding. Der erste Teil ist für alle gleich, der zweite auf die Fachabteilung ausgelegt. Etliche Examen die intern abgelegt werden müssen. Problem es gibt Abteilungen da gibt es den Inhalt der Trainings einfach nicht. So dass die, die das betrifft ewig in ihrem Onboarding festsitzen. Problem der Bonus wird erst ab Ende des Onboardings ausbezahlt. Oder man erfindet einfach neue Traings und Examen, die dann plötzlich noch oben drauf kommen. Externe Weiterbildung wird soweit ich weiß nicht oder kaum genehmigt.
Fachliche Entwicklung ist nur ein Teil einer langfristigen beruflichen Perspektive. Ebenso wichtig sind ein respektvolles Umfeld, konstruktives Feedback und Führungskräfte, die Mitarbeitende fördern, statt kritische Stimmen als Problem zu betrachten. Ohne diese Grundlagen helfen auch fachliche Entwicklungsmöglichkeiten nur begrenzt.