Gute Kollegen, keine angenehme Führungskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ein Großteil der Mitarbeiter der i22 ist engagiert, fleißig und kollegial. Vor allem die Teams, die an technisch anspruchsvollen Projekten arbeiten, leisten eine tolle Arbeit weit über dem Klischee von Agenturprojekten. Die Firma bemüht sich im Bereich KI am Zahn der Zeit zu sein. Remote Work funktioniert gut und mir sind auch keine ”Back-to-office” Bestrebungen bekannt. Mit Glück arbeitet man als Entwickler mit herausragenden Senior Kollegen zusammen, von denen man einiges lernen kann. Überdurchschnittliche Leistung wird anerkannt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider mittlerweile vieles. In erster Linie die Art und Weise, wie große Entscheidungen getroffen werden und vor allem, wie sie dann kommuniziert werden. Eine logisch schlüssige Argumentation für in der Belegschaft unbeliebte Änderungen hat mir oft gefehlt. Da hier bei kununu regelmäßig Bewertungen offline gehen, die sich mit meinen Erfahrungen vollends decken bzw. Absätze verschwinden, habe ich mich möglichst auf meine direkten Erfahrungen beschränkt. Aber der Geschäftsführung muss bewusst sein, dass auch der Umgang mit anderen Mitarbeitern das Bild einer Firma prägt und nicht nur die direkten Erfahrungen. Ich habe das Gefühl, dass man KI aktuell als Allheilmittel sieht und da lieber auf die lautesten Stimmen bei LinkedIn als auf Experten im eigenen Haus hört. Als Mitarbeiter habe ich mich in diesem Umfeld zunehmend nur noch als Ressource behandelt gefühlt.
Verbesserungsvorschläge
Mitarbeiter (wieder) mehr einbeziehen. Feedback aktiv einholen und nicht darauf setzen, dass Mitarbeiter sich schon äußern werden, wenn sie Feedback haben. Das verkennt das Machtgefälle und verschiebt die Verantwortung für Feedbackkultur nach unten. Mit strategischen Fehlern oder Misserfolgen offen umgehen. Das Zustandekommen der jährlichen Umsatzziele transparenter gestalten. Wenn das Umsatzziel nicht erreichbar scheint und die Berechnung dahinter nicht nachvollziehbar gestaltet wird, entsteht kein Buy-in der Mitarbeiter über ihre intrinsische Motivation, gute Arbeit abzuliefern, hinaus. Wenn der Gewinn nicht kommuniziert wird, kann ein Mitarbeiter auch nicht einschätzen, ob es berechtigt ist, dass keine Boni ausgezahlt werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war lange sehr gut. Es gab ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Es wurde Selbstorganisation und Leistung verlangt, dafür wurde aber viel organisatorische Freiheit gewährt. Ich war in dieser Zeit sehr gerne bereit, zum Wohle der Projekte Überstunden zu machen oder auch mal am Wochenende zu arbeiten, um akute Probleme zu lösen oder Kundenevents zu betreuen, weil ich auf der anderen Seite meine Wochenarbeitszeit flexibel einteilen konnte und sie so unkompliziert auf private Bedürfnisse und die Aufgabenauslastung meines Teams anpassen zu können.
Heute wird immer noch die selbe Leistung vom Mitarbeiter erwartet, aber es wird keine vergleichbare Flexibilität und Freiheit gewährt. Arbeitszeit muss minutengenau getrackt werden und kann auch von der Geschäftsführung im Detail angeschaut werden. Es gibt Kernarbeitszeiten für die Mitarbeiter und darüber hinaus Servicezeiten, die die Teams den Kunden gegenüber gewährleisten müssen. Überstunden müssen von den Vorgesetzten genehmigt werden.
Kommunikation
Die Kommunikation der Geschäftsführung ist für mich das größte Problem der Firma. Es gibt 4x im Jahr ein All-Hands, in dem über die aktuelle Lage informiert wird. Das ist der Hauptkanal für die Firmenkommunikation. Das letzte All-Hands, aus dem ich mit einem überwiegend positiven Gefühl gegangen bin, war im Dezember 2022. Anfang des Jahres wird immer ein Umsatzziel für das Folgejahr präsentiert. Die Berechnung dessen ist nicht transparent und es wurde in meiner gesamtem Zeit bei der Firma nicht einmal erreicht. Es wird häufig betont, dass die Firma extrem gesund sei und schwarze Zahlen schreibe, allerdings wird der Gewinn nie kommuniziert.
Letztes Jahr war 3x der Tenor des Meetings, dass sich alle nochmal stärker anstrengen müssen, weil das Marktumfeld schwierig sei und das Jahr nicht gut liefe, um dann beim letzten All-Hands zu betonen, wie erfolgreich das Jahr war und wie toll die Mitarbeiter abgeliefert hätten. Dieser plötzliche Umschwung ist mir extrem sauer aufgestoßen und wirkte sehr unehrlich. Ich hatte das Gefühl als solle verhindert werden, dass zu viele Mitarbeiter über die Feiertage darüber nachdenken, ob sie ihre Zukunft noch in der Firma sehen.
Kollegenzusammenhalt
Wie vieles bei der i22 kommt es hier auf das Team an. In meinem Team war der Zusammenhalt sehr stark, in anderen habe ich das ähnlich wahrgenommen. Manchmal schien mir die offene und direkte Kommunikation allerdings nur innerhalb der Teams stattzufinden.
Work-Life-Balance
Auch hier gilt: früher mal sehr gut, heute nicht mehr. Die einzige Einschränkung war hier lange, dass Kundenanforderungen und Projekt-Deadlines die Balance phasenweise stark in Richtung Work verschieben konnten. Es gibt Homeoffice als Standard, was etwas Flexibilität bewahrt, allerdings verhindert die neue Zeiterfassung und die Arbeitszeitvorgaben eine echte Flexibilität. Gerade für Mitarbeiter mit z.B. Kindern ist das aus meiner Sicht nicht mehr ausreichend.
Für mich kam erschwerend hinzu, dass ich trotz hoher Produktivität oft das Gefühl hatte, nicht ausreichend Leistung zu bringen, weil wir hinter dem, was für das Erreichen des Umsatzzieles an Team-Umsätzen nötig gewesen wäre, meistens hinterhergelaufen sind.
Bei vielen Projekten wurde erwartet, dass man mit schwammig definierten Anforderungen "konkurrenzfähig" anbietet (wir schätzten oft realistisch, das Projekt wurde dann aber deutlich unter Schätzung angeboten), um dann unter starkem Budgetdruck zu arbeiten, um am Ende dann gesagt zu bekommen, man hätte nicht genug Gewinn mit dem Projekt gemacht. Das führte bei mir dazu, dass ich häufig mit einem (rational unbegründeten) schlechten Gewissen Feierabend gemacht habe.
Vorgesetztenverhalten
Das positive zuerst: einer von zwei CEOs war in der direkten Kommunikation mit mir immer sehr nahbar, wertschätzend und menschlich sympathisch.
Aber: seit einiger Zeit werden Mitarbeiter in Entscheidungen nicht mehr eingebunden, es werden lediglich vollendete Tatsachen präsentiert. Auf Nachfragen wird mMn unzureichend eingegangen und es heißt, man solle Ihnen vertrauen. Es gibt einen Proposal-Prozess, um Mitarbeiter an Entscheidungen zu beteiligen, dieser wurde aber irgendwann nicht mehr genutzt.
Mein Hauptproblem mit der Geschäftsführung war für mich, dass sie keine ausreichende Feedback- und vor allem Fehlerkultur vorgelebt haben. Mein Eindruck war, dass wenn eine Initiative oder strategische Entscheidung der Chefs nicht funktioniert hat, wurde es entweder nie wieder angesprochen oder nur auf Nachfrage und ohne eigenes Versagen zu kommunizieren. Ein simples "Sorry, Thema XY lief nicht wie erhofft, das geht auf unsere Kappe, wir lernen daraus folgendes..." wäre sehr schön gewesen. Darunter fällt für mich unter anderem ein Stand auf der OMR, ein Mitarbeiter für Kundengewinnung in den Golf-Staaten oder Fehleinschätzungen zur Vorbereitung auf das Inkrafttreten des BFSG.
Interessante Aufgaben
Extrem abhängig vom Team und der Projektlage. Ich habe an sehr interessanten Projekten arbeiten dürfen und dabei sehr viel gelernt. Ich habe auch monatelang an sehr eintönigen und technisch sehr langweiligen Projekten gearbeitet. Positiv ist aber, dass man Präferenzen äußern konnte und sich über gute Leistungen für anspruchsvollere Aufgaben qualifizieren konnte. Gerade der Tech Director hat im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht, Entwickler in für ihr Level herausfordernde Projekte zu bewegen.
Gleichberechtigung
Mir ist kein Fall von Diskriminierung bekannt. Mir ist aber auch keine aktive Förderung von Gleichberechtigung bekannt, mit der zum Beispiel ein unbewusster Bias ausgeglichen werden könnte. Hier bewegt sich die i22 für mein Empfinden in etwa auf Durchschnittsniveau in Deutschland. Männer fördern statistisch gesehen eher Männer und den Eindruck hatte ich bei der i22 auch. Beide Geschäftsführer, der Prokurist und alle Directors (hierarchisch zwischen GF und den Teams) sind Männer und das wird scheinbar auch als normal angesehen. Ob es einen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen mit ähnlicher Tätigkeit und Erfahrung bei der i22 gibt, ist mir nicht bekannt.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich habe den Umgang mit älteren Kollegen immer als fair und wertschätzend wahrgenommen. Ein paar herausragende Kollegen ihrer Gewerke sind um die 60 und diese sind in der Firma hoch angesehen.
Arbeitsbedingungen
Das Büro ist angemessen, aber nicht überdurchschnittlich einladend. Im Sommer sehr heiß. Die meisten Mitarbeiter sind im Homeoffice.
Die Teamtage, bei denen sich die Mitarbeiter einmal im Quartal treffen, sind in der Regel gut organisiert und finden meist in angemieteten Räumlichkeiten statt. Für Kollegen mit langer Anreise gibt es ein recht enges Budget für Transport und Unterkunft, dass dazu geführt hat, dass zwei Kollegen aus meinem Team teilweise deswegen nicht gekommen sind oder aus eigener Tasche draufgezahlt haben. Hier spart die i22 mMn am falschen Ende als remote company.
Die Arbeitsgeräte sind gut, vorrangig gibt es ordentliche MacBooks, aber Mitarbeiter haben hier auch Entscheidungsspielraum. Der Kollege, der für die Betreuung der Mitarbeitergeräte zuständig ist, ist sehr hilfsbereit und erfahren. Die übrige Homeoffice-Ausstattung habe ich als spärlich empfunden. Vielleicht hätte man auf Nachfrage mehr bekommen können, aber es wurde meiner Erfahrung nach zumindest nicht aktiv beworben.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mir ist keine Initiative bekannt, mit der sich die i22 für Umweltthemen oder Soziales engagiert hätte. Eventuell könnte man hier anfügen, dass die i22 qua Geschäftsmodell an der Digitalisierung arbeitet und damit einen positiven Impact leisten kann, aber die Motivation schien mir immer eher wirtschaftlicher Natur zu sein.
Sauer aufgestossen ist mir hier, dass ein Mitarbeiter eingestellt wurde, um in den Emiraten und nahegelegenen Staaten Kunden zu akquirieren. Es wurde betont, dass man dort einen Wachstumsmarkt mit Chancen für die Firma sehe. Es kam nie zu einem konkreten Auftrag, aber weder Umweltthemen noch Menschenrechte waren hier Thema. Für mich wirkte es, als ob die Firma kein Problem darin sieht, Geld anzunehmen, dass aus Staaten kommt, die ihr Geld mit fossilen Energien machen (und entsprechend weltweit lobbyieren) oder die es mit Menschenrechten nicht so genau nehmen (Stichwort Kafala-System, Ausbeutung von Gastarbeitern aus dem globalen Süden, Umgang mit LGBTQ, Todesstrafen, etc.).
Gehalt/Benefits
Gehälter werden immer pünktlich vor Monatsende bezahlt, zusätzliche Leistungen beschränken sich auf das gesetzliche Minimum (15% Zuzahlung zu einer bAV).
Für eine Agentur bezahlt die i22 ordentlich, aber das gilt nicht für jeden Mitarbeiter. Wie viel man bei der i22 verdient, hängt meiner Erfahrung nach stark damit zusammen, wie oft bzw. gut man verhandelt. Mir sind Fälle bekannt, in denen 5+ Jahre nicht nach einer Gehaltserhöhung gefragt wurde und entsprechend das Gehalt nicht erhöht wurde. Ich habe mein Gehalt regelmäßig mit zunehmender Verantwortung und Kenntnissen nachverhandelt und war entsprechend recht zufrieden. Ob dieses System für einen Mitarbeiter gut oder schlecht ist, hängt sehr mit der Persönlichkeit zusammen. Wie selbstbewusst kann ich mich und meine Leistungen verkaufen? In welchem Intervall bin ich bereit, aktiv nach einer Gehaltserhöhung nachzufragen? Für mich persönlich hat das gut funktioniert, aber ich kannte auf der anderen Seite auch Mitarbeiter, die anderswo deutlich besser verdienen könnten.
Die Einstiegsgehälter für Junior-Entwickler sind für mein Empfinden zu niedrig, aber eine steile Lernkurve wird definitiv (auch monetär) anerkannt.
Image
Beim Kunden ist das Image nach dem, was ich von Kunden gehört habe, positiv. Die Mitarbeiter der i22 sind für eine Agentur außergewöhnlich engagiert und liefern Projekte ab, die vor allem technisch weit über dem gängigen Klischee von Agenturen liegen. Das wird von den mir persönlich bekannten Kunden auch gespiegelt und honoriert. Das ist allerdings auch nicht in allen Teams identisch.
Das Image der Firma intern hat in den letzten Jahren extrem gelitten. Ich war persönlich lange der Meinung, dass der Großteil der Probleme, die ich mit der Firma hatte, direkt mit dem Geschäftsmodell Agentur zu tun haben und dass es außerhalb dieser Einschränkungen die perfekte Agentur war.
Das hat sich drastisch gewandelt. Als ich Anfang des Jahres ging, habe ich direkte Gespräche mit ca. 10 Mitarbeitern aus verschiedenen Teams geführt und jeder einzelne dieser Mitarbeiter war unzufrieden mit der Entwicklung der Firma und der Kommunikation der Chefs.Außerdem haben alle berichtet, dass ihr gesamtes Team ähnlich fühlt. Das mag nur eine Momentaufnahme gewesen sein und eventuell auch kein repräsentativer Querschnitt der Firma, aber als Stimmungsbild mMn bezeichnend
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung muss selbst organisiert werden, sofern sie sich nicht aus den Aufgaben ergibt. Hier könnte die Firma mehr proaktiv anbieten, um sich als Arbeitgeber attraktiver zu machen. Karriereoptionen sind limitiert.
