Kurzzeitige Werkstudentenerfahrung mit langfristigem Nachgeschmack.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Onboarding war strukturiert und klar, die Erwartungshaltung wurde transparent kommuniziert. Ein guter erster Eindruck, der leider nicht gehalten hat.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Grundsätzlich gute Ideen, aber das Unternehmen erzeugt unnötigen Druck und verliert sich in Strukturen, die mehr kosten als sie bringen. Wöchentliche Meetings wirkten auf mich wenig zielführend, in Phasen, in denen keine ausreichende Auslastung gegeben war. Statt Ressourcen sinnvoll einzusetzen, wird in Recruiting und Onboarding investiert, um dann neue Mitarbeiter nach wenigen Monaten aus "betrieblichen Gründen" (mündlicher Wortlaut war ein anderer!) wieder zu entlassen.
Dazu kommt eine minutengenaue Arbeitszeiterfassung, bei der mir das Vorgehen keinen Raum gelassen hat und Widersprüche aufwirft. Dazu hörte ich die Kommentare dass "sie" genau sehen können, was man bucht und dass es "so" "oben" bemängelt werden würde. Das erzeugt ein Gefühl von Kontrolle und Misstrauen, das in keinem gesunden Arbeitsumfeld einen Platz haben sollte.
Im Übrigen wurde meine Kununu-Bewertung seitens des Unternehmens nun 2 mal als "unwahr" gekennzeichnet, obwohl sie aus meiner Sicht meine persönlichen Erfahrungen vollständig und wahrheitsgemäß widerspiegelt.
Verbesserungsvorschläge
Weniger in Recruiting und Onboarding investieren, wenn die Kapazitäten für neue Mitarbeiter schlicht nicht da sind. Es lohnt sich ein Blick darauf, wo im Unternehmen wirklich Ressourcen verschwendet werden. Das war bereits für ein ungeschultes Auge, in den ersten Wochen erkennbar.
Arbeitsatmosphäre
An sich okay, aber generelle Spannungen & Unmut waren sehr schnell spürbar.
Kommunikation
Kommunikation wird intern großgeschrieben, in der Praxis jedoch kaum umgesetzt.
Informationen und Aufgaben kamen selten proaktiv, ich musste ständig nachfragen. Die Situation hat bei mir zunehmend ein ungutes Gefühl ausgelöst, fehl am Platz zu sein.
Kollegenzusammenhalt
Auch wenn meine Zeit im Unternehmen kurz war, habe ich von einigen Kollegen nach meiner Kündigung Rückmeldung erhalten, dass sie diese nicht nachvollziehen konnten. Der wahrgenommene Rückhalt blieb jedoch überwiegend im direkten Austausch und zeigte sich nicht auf struktureller Ebene, was ich schade finde aber nachvollziehen kann.
Work-Life-Balance
Durch die strikte Kernarbeitszeit war die Flexibilität, die eine Werkstudentenstelle normalerweise bietet, faktisch nicht mehr gegeben. Da bei Änderungen wie dem Tauschen von Arbeitstagen mehrere Personen involviert waren, habe ich diese oft als aufwendig und unangenehm empfunden. Es entstand eher das Gefühl, um Erlaubnis bitten zu müssen, statt flexibel planen zu können.
Vorgesetztenverhalten
Nach wenigen Monaten aufgrund "betrieblicher Gründe" gekündigt zu werden, finde ich fragwürdig. Dass ich im Anschluss eine LinkedIn-Anfrage von Entscheidern bekomme, wirkt auf mich zudem unpersönlich und unpassend.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst waren inhaltlich interessant, allerdings kaum vorhanden. Im Bewerbungsgespräch wurde ein hoher Arbeitsbedarf kommuniziert, in der Realität wurde ich jedoch bereits in den ersten Tagen wiederholt vertröstet, da angeblich keine Kapazitäten für Einarbeitung oder Aufgaben bestanden. Häufig musste ich aktiv nach Arbeit fragen oder meistens eher abwarten.
Die Einarbeitung verlief insgesamt sehr langsam, wodurch mehr Leerlauf als tatsächlicher Lernzuwachs entstand. Gleichzeitig hatte ich nicht das Gefühl, eigenständig Verantwortung übernehmen zu können. Durch doppelte Kontroll- und Erfassungsschritte wirkten meine Prozesse wenig effizient.
Nach einiger Zeit erhielt ich eine längerfristige Aufgabe, die jedoch nur begrenzt meinem eigentlichen Profil entsprach. Ursprünglich als kleinere Zwischenaufgabe gedacht, entwickelte sie sich zu meiner Haupttätigkeit. Ich erhielt positives Rückmeldung, setzte Feedback um und bereitete mich auf eine erneute Präsentation im größeren Team vor. Am Ende des selben Tages wurde mir die Kündigung ausgesprochen.
Karriere/Weiterbildung
Da ich mein Studium in weniger als acht Monaten abschließe, gestaltet sich die Suche nach einer vergleichbaren Position sowie der Übergang in den Berufseinstieg schwer. Die kurze Beschäftigungsdauer erschwert es zusätzlich.
Es wäre wünschenswert gewesen, wenn von Beginn an transparenter kommuniziert worden wäre. Unter Berücksichtigung der genannten Punkte hätte ich mich für ein anderes Angebot entschieden, insbesondere so kurz vor meinem Abschluss.
