Man merkt erst nach dem Weggang, wie viel tatsächlich falsch läuft.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Wie schon gesagt , das Produkt JobRad und die grundsätzliche Idee dahinter sind durchaus positiv.
Der Kollegenzusammenhalt innerhalb einzelner Gruppen war teilweise wirklich gut. Leider können einzelne engagierte und sympathische Menschen ein grundsätzlich belastendes Arbeitsumfeld auf Dauer nicht ausgleichen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die große Diskrepanz zwischen dem modernen, wertschätzenden Arbeitgeberimage nach außen und der tatsächlichen Arbeitsrealität.
Eine Arbeitsatmosphäre, die zunehmend von Kennzahlen und dem Gefühl geprägt war, einfach nur funktionieren zu müssen.
Der angebliche Vertrieb, der sich im Alltag eher wie Callcenter und Support anfühlte: möglichst viele Anrufe ziehen, unzählige E-Mails abarbeiten und jeden einzelnen Anruf protokollieren. Ein Großteil der Anfragen drehte sich um das JobRad-Portal. Mit klassischem Vertrieb und echten Entwicklungsmöglichkeiten hatte das für mich wenig zu tun.
Hinzu kommen aus meiner Sicht eine unangemessene Bezahlung, kaum Weiterentwicklungsmöglichkeiten und eine nicht mehr zeitgemäße 40 Stunden Woche.
Der ständige Wechsel innerhalb der Teams verhindert echten Zusammenhalt und wirft durchaus Fragen auf. Wenn immer wieder Mitarbeitende gehen und Teams neu aufgebaut werden müssen, sollte man die Ursachen vielleicht einmal bei den Rahmenbedingungen suchen.
Auch hätte ich mir deutlich mehr Menschlichkeit, Verständnis und Wertschätzung gewünscht auch von der Teamleitung.
Insgesamt blieb bei mir der Eindruck eines Unternehmens, bei dem das Außenimage deutlich besser funktioniert als die interne Unternehmenskultur.
Mein persönliches Fazit: Froh, dieses Kapitel hinter mir zu haben!
Manchmal gehen einem die Augen erst richtig auf, wenn man nicht mehr täglich Teil eines Unternehmens ist.
Mit etwas Abstand erkennt man plötzlich, was man vorher vielleicht viel zu lange als normal hingenommen hat. Dinge, die man während der Beschäftigung noch irgendwie akzeptiert oder sich schönzureden versucht hat, erscheinen im Nachhinein in einem ganz anderen Licht.
Ich bin ehrlich gesagt einfach froh, nicht mehr Teil dieses aus meiner Sicht vergifteten Arbeitsumfelds zu sein.
Erst mit etwas Abstand merkt man, wie viel Energie einen ein solches Umfeld gekostet hat und wie sehr man sich daran gewöhnt hatte, einfach nur zu funktionieren.
Es fühlt sich tatsächlich an, als könnte man endlich wieder durchatmen.
Ein gutes Produkt, moderne Büros und ein schönes Arbeitgeberimage nach außen machen noch lange keinen guten Arbeitgeber.
Für mich war das Verlassen von JobRad definitiv die richtige Entscheidung. Manchmal ist nicht der nächste Karriereschritt der größte Gewinn, sondern der Schritt weg von einem Umfeld, das einem nicht mehr guttut.
Und noch etwas vorweg:
Eure standardisierte Mail im Anschluss an diese Bewertung mit „Es tut uns leid, dass du diese Erfahrung gemacht hast“ könnt ihr euch ehrlich gesagt sparen.
Würdet ihr kontinuierlich und ernsthaft daran arbeiten, die Kritik eurer ehemaligen und aktuellen Mitarbeitenden anzunehmen und tatsächlich etwas zu verbessern, wäre eure Gesamtbewertung auf kununu mittlerweile vermutlich eine andere.
Ein Schnitt von 3,4 Sternen kommt schließlich nicht von ungefähr. Wenn sich bestimmte Kritikpunkte immer wiederholen und trotzdem offenbar wenig davon bei den Mitarbeitenden ankommt, sollte man vielleicht weniger Energie in vorgefertigte Antwortmails und mehr in tatsächliche Veränderungen investieren.
Die Bewertungen sprechen Bände. Und eine weitere Entschuldigung ohne spürbare Konsequenzen wird daran auch nichts ändern.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Selbstinszenierung und mehr tatsächliche Wertschätzung.
JobRad sollte dringend anfangen, die wiederkehrende Kritik der eigenen Mitarbeitenden ernst zu nehmen und nicht nur mit vorgefertigten Antworten darauf zu reagieren.
Führungskräfte sollten wieder mehr Führungsverantwortung übernehmen sowie Mitarbeitende als Menschen wahrnehmen.
Den permanenten Personalwechsel hinterfragen und endlich für stabile Teams sorgen. Wenn ständig neue Teams aufgebaut werden müssen, sollte man sich ernsthaft fragen, woran das liegt.
Den Vertrieb wieder als Vertrieb verstehen und nicht als Callcenter mit anderer Stellenbezeichnung.
Außerdem braucht es echte Entwicklungsperspektiven, eine faire Bezahlung und eine Unternehmenskultur, in der Wertschätzung nicht nur auf Präsentationsfolien existiert, sondern tatsächlich gelebt wird.
Weniger Energie in das Außenimage investieren und mehr in die Menschen, die dieses Unternehmen täglich am Laufen halten.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre empfand ich zunehmend als belastend. Hoher Leistungsdruck, eine enorme Arbeitsmenge und das Gefühl, hauptsächlich anhand von Kennzahlen bewertet zu werden, bestimmten den Alltag. Telefonate, E-Mails und die ständige Abarbeitung neuer Vorgänge. Man hatte zunehmend das Gefühl, nicht als Mensch, sondern als Leistungsträger betrachtet zu werden, der möglichst viel Volumen schaffen soll.
Kommunikation
Transparenz und offene Kommunikation habe ich häufig vermisst. Gerade bei Veränderungen und wichtigen Entscheidungen hätte ich mir deutlich mehr Klarheit gewünscht.
Informationen kamen aus meiner Sicht teilweise zu spät oder nicht ausreichend bei den Mitarbeitenden an. Vertrauen entsteht anders.
Kollegenzusammenhalt
Es gab durchaus tolle Kolleginnen und Kollegen.
Allerdings stellt sich irgendwann die Frage: Welches Team eigentlich?
Wenn ständig Mitarbeitende das Team verlassen und immer wieder neue Kolleginnen und Kollegen dazukommen, während der Teamleiter versucht, das Team von vorne aufzubauen, kann langfristig kaum ein echtes Teamgefühl entstehen.
Wie soll Zusammenhalt entstehen, wenn die Zusammensetzung ständig wechselt und kaum Stabilität aufkommt?
Dass so viele Menschen das Team verlassen haben, sollte durchaus zu denken geben. Ein funktionierendes Team entsteht durch Vertrauen, Kontinuität und gemeinsame Ziele – nicht durch permanentes Neuanfangen.
Work-Life-Balance
Eine gesunde Work-Life-Balance besteht nicht nur aus flexiblen Arbeitsmöglichkeiten. Auch die psychische Belastung und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, spielen eine entscheidende Rolle.
Vorgesetztenverhalten
Hier sehe ich eines der größten Probleme.
Besonders enttäuschend fand ich den Umgang mit Mitarbeitenden.
Solange man funktioniert, seine Leistung bringt und die Erwartungen erfüllt, scheint vieles in Ordnung zu sein.
Besonders bitter ist das Gefühl, dass die zuvor über lange Zeit erbrachte Leistung plötzlich kaum noch eine Rolle spielt. Kein Verständnis und null Unterstützung.
Interessante Aufgaben
Vertrieb sieht definitiv anders aus!
Man bezeichnete sich zwar als Vertriebsmitarbeiter, „Sales Manager“ aber mit klassischem Vertrieb hatte die tatsächliche Tätigkeit nur wenig zu tun.
Statt aktiver Vertriebsarbeit, individueller Kundenberatung und echter Verkaufsentwicklung ging es hauptsächlich um Massenabfertigung.
Der Arbeitsalltag bestand gefühlt daraus, möglichst viele Anrufe zu ziehen, eine enorme Menge an E-Mails abzuarbeiten und nebenbei jeden einzelnen Anruf ausführlich zu protokollieren.
Teilweise hatte man eher das Gefühl, in einem Callcenter zu arbeiten als in einer Vertriebsposition. Ein Großteil der Anfragen drehte sich um Fragen zum JobRad-Portal und dessen Funktionen.
Unterm Strich war man eher Supportmitarbeiter als Vertriebler.
Die Anzahl der abgearbeiteten Anrufe und Vorgänge schien wichtiger zu sein als eine wirklich nachhaltige Kundenberatung. Wer sich eine echte Vertriebstätigkeit mit Gestaltungsspielraum und abwechslungsreichen Aufgaben vorstellt, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.
Gleichberechtigung
Hier hätte ich mir mehr Transparenz und einheitliche Maßstäbe im Umgang mit Mitarbeitenden gewünscht.
Umgang mit älteren Kollegen
Erfahrung und langjährige Betriebszugehörigkeit sollten als Stärke betrachtet und entsprechend wertgeschätzt werden.
Gerade in Zeiten von Veränderungen sollte ein respektvoller Umgang mit erfahrenen Mitarbeitenden selbstverständlich sein.
Arbeitsbedingungen
Hohes Anrufvolumen, umfangreiche Dokumentationspflichten und parallel eine enorme Menge an E-Mails abarbeiten.
Jeder einzelne Anruf musste protokolliert werden. Während man noch einen Vorgang dokumentierte, warteten bereits die nächsten Anrufe.
Das hatte für mich wenig mit einer modernen und zeitgemäßen Arbeitsorganisation zu tun.
Hinzu kommt eine aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäße 40-Stunden-Woche als Standard. Gerade von einem Unternehmen, das sich nach außen modern und fortschrittlich präsentiert, hätte ich mehr erwartet.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die grundsätzliche Produktidee und der Nachhaltigkeitsgedanke hinter JobRad sind positiv.
Allerdings sollte soziale Verantwortung nicht an der Unternehmenstür enden. Wer nach außen Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung vermittelt, sollte diese Werte auch im täglichen Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden leben.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung war aus meiner Sicht nicht angemessen. Benefits und ein attraktives Arbeitgeberimage ersetzen keine faire Bezahlung. Entscheidend ist letztendlich auch, was für die tatsächlich geleistete Arbeit am Monatsende übrig bleibt.
Image
Mein persönliches Bild von JobRad hat sich während meiner Beschäftigung deutlich verändert.
Der Unterschied zwischen dem nach außen vermittelten modernen, wertschätzenden Arbeitgeberimage und meiner tatsächlich erlebten Realität war für mich erheblich.
Ein gutes Image entsteht nicht durch Marketing, schöne Unternehmenswerte oder moderne Büros, sondern durch das tägliche Handeln gegenüber den eigenen Mitarbeitenden.
Karriere/Weiterbildung
Weiterentwicklung? Aus meiner persönlichen Erfahrung praktisch nicht vorhanden.
Ich habe kaum Perspektiven für eine nachhaltige fachliche oder persönliche Weiterentwicklung wahrgenommen.

