Zwischen Komfort und Stillstand: Gute Work-Life-Balance trifft auf Führungsdefizite und fehlende Wertschätzung
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Homeoffice
- kein Leistungsdruck / geringe Anforderungen
- relativ flexible Arbeitszeiten
- flexible Urlaubsgestaltung (in Absprache)
- flexible Wahrnehmung von privater Termine
- solide Bereitstellung von Arbeitsmitteln
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- 40-Stunden-Woche
- Fehlende Motivation
- Fehlende Wertschätzung
- schlechte Kommunikation
- Führungsebene
Verbesserungsvorschläge
- Geschäftsführung ersetzen
- Leistungsträger halten, fördern und Leistung wertschätzen
- umfassende Personalkürzungen vornehmen (Personalabteilung, Low-Performer)
- positive Streitkultur ins Leben rufen (Abrücken von der „Wegduck-Mentalität“)
- Führungskräfte hinsichtlich der Führungskompetenzen hinterfragen (ersetzen oder Schulungen/Kontrolle)
- neue Strukturen schaffen
- Homeoffice ausweiten (Stichwort Nachhaltigkeit)
- Fortbildungsmaßnahmen wie Persönlichkeitsentwicklung für „impulsive“ Kollegen
Arbeitsatmosphäre
Im Team ist die Arbeitsatmosphäre im Büro vor Ort in Ordnung und unternehmesübergreifend als nüchtern zu bezeichnen. Zeitweise und abhängig von den Befindlichkeiten der Kollegen, leidet die Konzentrationsfähigkeit. Insbesondere aufgrund schlechter Belüftung, privater Unterhaltung und Bewegungsaktivitäten abseits der Pausenzeiten.
Drucksituation seitens Vorgesetzten habe ich weder selbst noch bei Kollegen aktiv wahrgenommen.
Fairness lebt der Jungheinrich Profishop nicht. Gelebt wird eine Ja-Sager-Mentalität in Verbindung mit einer großen Portion Vitamin B. Arbeitsleistung wird nur unter gewissen Voraussetzungen (s.u.) honoriert.
Kommunikation
Unternehmensübergreifend und Teamintern haben wöchentliche bis 3-monatliche Meetings stattgefunden. Leider lies die Geschäftsführung 2024 vermissen, dass der Konzern unter Margendruck und somit Umsatzeinbußen leidet. Gerne hätten viele Kollegen diese Information insbesondere in der vom CEO der AG übermittelten Eindringlichkeit gehört (Stichwort Perspektivlosigkeit / Weiterentwicklungspotenziale).
Impulse und Ideen drangen nicht bei der Geschäftsführung, die alleinig jegliche Entscheidungen trifft, nicht durch. Viele Maßnahmen, die während meines Beschäftigungsverhältnisses durchgesetzt wurden, hätten zu einem früheren Zeitpunkt bereits gesehen und mit geringen Mitteln/Aufwänden durchgeführt werden können.
Die Kommunikation mit der Personalabteilung war sehr umständlich, langwierig und ermüdend.
Funktion und Aufgaben der Personalabteilung waren mir bis zum Austritt nicht bekannt und die Abteilung erschien für mich als vollkommen überflüssig.
Kollegenzusammenhalt
In meinen Einsatzbereichen gab es so gut wie keine Auffälligkeiten was die Zusammenarbeit mit Kollegen betrifft. Jedoch wird in dem Teams sehr viel hintenherum gesprochen (sowohl über Kollegen als auch Vorgesetzten). Viele Kollegen hatten diverse Themen mit Vorgesetzten und Arbeitsbedingungen, jedoch war kaum jemand in der Lage, diese auch bei den Vorgesetzten anzusprechen (Stichwort Wegduck-Mentalität). Einige Kollegen nahmen Anmerkungen zu fachlichen Themen persönlich und somit sehr zu Herzen (Stichwort Professionalität und Belastbarkeit).
Jegliche Führungskräfte ignorieren derartig angesprochene Themen wiederholend weg.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance würde ich als positiv bezeichnen.
Es bestand die Möglichkeit (je nach Arbeitsweg und Raumausstattung) für bis zu vier Tage die Woche im Homeoffice zu arbeiten.
Allerdings bei einer 40-Stunden-Woche (in Vollzeit).
Es gibt 30 Tage Urlaub und bei entsprechender mehrjähriger Unternehmenszugehörigkeit weitere Urlaubstage.
Privattermine konnten in der Regel in Absprache kurzfristig wahrgenommen werden. Auch die Arbeitszeiten ließen sich recht flexibel einteilen (Kernarbeitszeit je nach Abteilung).
Auch die Urlaubstage ließen sich nach Rücksprache im Team flexibel einteilen.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten in Konfliktsituationen war stets geprägt von Ignoranz und Desinteresse.
Jegliche angesprochene Themen, Fehlverhalten etc. ließ man ins Leere laufen.
Low-Performer haben im Unternehmen Oberwasser. Es gibt keine Konsequenzen unabhängig von Performance, Fehltagen, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit oder Engagement. Jeder machte quasi was und wie er will und das zu Lasten derjenigen, die den Laden am Laufen gehalten haben.
Die Vorgesetzten hatten keine Entscheidungsgewalten (Thema Gehalt, Personal etc). Alles lief über die Geschäftsführung. Somit wartete man auf diverse Entscheidungen zu diversen Themen Monate bis Jahre auf eine Rückmeldung.
Die Geschäftsführung lebte eine Gesprächsführung aus dem letzten Jahrhundert. Wertschätzung, Anerkennung, Empathie und Motivation den Mitarbeitern gegenüber ließ man schmerzlich vermissen. Man hatte den Eindruck, dass nur eigene (finanzielle) Interessen (Ansehen im Konzern) im Vordergrund standen.
Interessante Aufgaben
Übergreifen bietet der Jungheinrich Profishop spannende Aufgabenbereiche, nur erlangte man wenig Einblick (praktische Erfahrung) zu vielen Bereichen im Unternehmen. Gerne hätte ich eine Expertise in anderen Geschäftsbereichen aufgebaut.
Im eigenen Aufgabengebiet scheiterte die Einflussnahme zur Ausgestaltung an der Bereitschaft der Vorgesetzten bzw. der Geschäftsführung.
Die Strukturen waren zum Teil sehr verhärtet und man ist lieber nach der Philosophie „alles bleibt beim Alten“ verfahren.
Gleichberechtigung
Vitamin B in Kombination mit einer ausgeprägt devoten und kritikfreien Charakter ist das einzige Mittel um Aufzusteigen. Die Gehälter waren sehr intransparent und losgelöst von Erfahrungswerten, Bildungsabschluss, Leistung und Motivation. Ob auch ein Gehaltsgefälle zwischen den Geschlechtern existierte, kann ich nicht beantworten. Grundsätzlich war in der Leitungsebene ein erheblicher Männerüberschuss vorhanden.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen wurden häufig hinsichtlich digitaler Prozesse mitgezogen. Langjährige Kollegen wirkten teilweise etwas verloren. Viele Kollegen, die teilweise 20 Jahre im Unternehmen waren, hatten sich mit jeglichen Befindlichkeiten im Profishop arrangiert und blieben aus Bequemlichkeitsgründen im Unternehmen.
Lediglich wenige langjährige Führungskräfte hatten den Absprung im kriselnden Konzern geschafft.
Grundsätzlich gab es jedoch viele langjährige Kollegen, die im Laufe der Jahre einen Aufstieg geschafft hatten (unabhängig davon, ob überhaupt Führungskompetenzen erkennbar waren).
Arbeitsbedingungen
Nüchterne Büroräume und verschmutze und schlecht ausgestattete Pantry-Küchen auf 3.Etagen.
Im Erdgeschoss moderner Aufenthaltsraum und Meetingräume. Die anderen Etagen könnten ebenfalls neue Impluse vertragen (defekte Tische, Bürostühle, schlechte Belüftung, in den Sommermonaten je nach Büro unerträglich). Wöchentlich gab es Obstkörbe. Es waren stark verunreinigte Kaffee-/Kakaovollautomaten vorhanden. Darüber hinaus auch Mitarbeiterräume mit Kickertisch, Konsole etc.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Retouren wurden vermieden, allerdings in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen.
Aus Nachhaltigkeitsgründen müsste weitere Heimarbeit ermöglicht werden (Verkehrentlastung, Energie etc). Das Vertrauen ließ allerdings mehr und mehr zu wünschen übrig (zu Recht, s.o. Stichwort Low-Performer).
Gehalt/Benefits
Wie bereits unter dem Punkt Gleichberechtigung beschrieben, waren die Gehälter intransparent.
Angeblich existiert ein Gehaltsrahmen in den jeweiligen Abteilungen.
Unter den Kollegen gingen die Gehälter - ohne Plausibilität - weit auseinander.
Die in den damals beschäftigten Abteilungen Vielzahl an Low-Performern erschienen mir als absolut fair bezahlt.
Ich persönlich wurde zu keinem Zeitpunkt fair bezahlt und hatte auch nicht die gewünschte Wertschätzung für die geleistete Arbeit erfahren.
Weihnachts- oder Urlaubsgeld wurde im Profishop nicht gezahlt. Damals wurde immerhin die Inflationsausgleichsprämie ausgezahlt.
2025 wurden keine Gehaltsanpassungen angesichts der wirtschaftlichen Lage vorgenommen.
Image
Die Bewertungen der Kunden über Trustpilot und Google sagen alles!
Im Profishop haperte es in viele Bereichen (Lieferanten, externe Dienstleister/Call Center, Management, Prozesse etc.). Somit leidete das Image des Profishops und somit auch stellvertretend das Image des Konzern.
Unter neuer Führung mit neuen Impulsen hätte der Profishop mit Sicherheit viel Potenzial zurück auf dem Wachstumsweg zu kommen.
Karriere/Weiterbildung
Wie bereits unter den Punkten oben beschrieben, sind die Perspektiven und Aufstiegschancen (Stand 11/2025) sehr überschaubar. Wer Karriere machen möchte, sollte sich anderweitig umschauen.
Sollte man jedoch auf der Suche nach einer drucklosen Tätigkeit mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten zu Lasten der Kollegen sein, könnte der Profishop eine tolle Chance bieten.
Viele strebten einen Wechsel zum Konzern an (bessere Konditionen). Auch hier sind mir nur Wechsel mit Hilfe von Vitamin B bekannt.


