Wenn Machtmissbrauch auf Fachunkenntnis trifft
Gut am Arbeitgeber finde ich
Dass man hier lernt, wie viel Leidensfähigkeit wirklich in einem steckt. Persönlichkeitsentwicklung durch Schmerz, quasi.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wo soll man anfangen? Vielleicht damit, dass Empathie hier als Schwäche gilt und Führung durch Angst offenbar als zeitgemäßer Managementstil verstanden wird.
Verbesserungsvorschläge
Einfach mal ausprobieren, was passiert, wenn man Menschen statt Marionetten einstellt – und sie dann auch so behandelt.
Arbeitsatmosphäre
Stellt euch eine Mischung aus kaltem Konferenzraum, unterdrücktem Zwangslächeln und latenter Existenzangst vor.
Image
Nach außen glänzend wie frisch polierter Edelstahl, innen rostet’s an allen Ecken
Work-Life-Balance
Work? Jede Menge. Life? Wenn man dazu noch kommt.
Karriere/Weiterbildung
Nur wer es schafft, den narzisstischen Sonnenkönig dauerhaft anzustrahlen, darf hoffen, nicht im Dunkeln zu verschwinden.
Kollegenzusammenhalt
Die Leidensgemeinschaft schweißt zusammen. Ironischerweise ist der einzige Lichtblick der Kollegenkreis, der kollektiv den Wahnsinn erträgt.
Vorgesetztenverhalten
In meiner Abteilung, die maßgeblich für die Kundenbeziehungen und strategische Umsatzentwicklung verantwortlich ist, durfte ich die seltene Erfahrung machen, wie sich ein narzisstisch veranlagter Machtmensch im beruflichen Umfeld entfaltet. Die Führungsperson verstand es meisterhaft, aus Unsicherheit eine Tugend zu machen – getarnt als „starke Führung“. Fachlich wirkte er stets souverän, zumindest solange niemand genauer nachfragte – hinter der Fassade verbarg sich erschreckend wenig Substanz. Kritik wurde als persönlicher Angriff interpretiert, Lob gab es nur, wenn es dem eigenen Ego dienlich war. Zwischen Mikromanagement und spontanen Stimmungsschwankungen schwankte der Alltag wie ein schlecht gebautes Kartenhaus.
Empathie? Fehlanzeige. Vertrauen? Nur, solange man sich widerspruchslos in die gewünschte Richtung beugte.
Kurz gesagt: Eine Lehrstunde darin, wie man Menschen mit Potenzial systematisch demotiviert und gleichzeitig die Fassade eines visionären Leaders aufrechterhält – fachlich limitiert, aber rhetorisch brillant im Selbstverkauf. Wer sich in toxischer Führungskultur weiterbilden möchte, findet hier die perfekte Fallstudie.
Kommunikation
Von oben nach unten, nie andersherum. Offenheit wird gern gepredigt, aber bitte nicht praktiziert.
Gehalt/Benefits
Im Rahmen dessen, was nötig ist, um die Fluktuation nicht völlig explodieren zu lassen.
Das Gehalt steht in keinem Verhältnis zur Verantwortung oder zur tatsächlichen Arbeitsbelastung. Für eine Position mit dieser Tragweite ist die Vergütung schlichtweg nicht richtig. Gehaltsgespräche erinnerten weniger an Verhandlungen auf Augenhöhe, sondern eher an eine Vorführung, bei der man mit Floskeln und fadenscheinigen Begründungen über den Tisch gezogen wird.
Interessante Aufgaben
Durchaus vorhanden – wenn man die Energie findet, sie trotz Dauerfrust, Mikromanagement und Kontrollwahn noch interessant zu finden.

