Ernüchternde Erfahrung im Public Sector Hier stimmt was nicht
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Bei KPMG besteht das Geschäftsmodell darin, junge und perfektionistische Menschen anzuziehen. Viele wollen beweisen, dass sie gut genug sind, möchten unbedingt gute Arbeit abliefern und vor dem Kunden glänzen. Diese Mischung sorgt praktischerweise dafür, dass dort sehr viel geschluckt und sehr viel gearbeitet wird.
In der Zusammenarbeit mit einer Kundin entstand sehr schnell der Eindruck einer persönlichen Abneigung, die mit meiner fachlichen Arbeit wenig zu tun hatte. Das zeigte sich unter anderem darin, dass sie nach wenigen gemeinsamen Terminen in größerer Runde erklärte, ich hätte kein „KPMG-Blut“. Für mich war das keine fachliche Rückmeldung, sondern eine persönliche Abwertung. Dass ausgerechnet eine Kundin darüber urteilt, wer „KPMG-Blut“ besitzt, fand ich dabei bemerkenswert.
Als Leiterin einer Stabsstelle in einem Transformations- und Digitalisierungsprojekt erklärte besagte Kundin sinngemäß, sie habe keine Ahnung von Prozessen und wisse nicht genau, was „Anforderungen“ seien. Sie kenne den Begriff aber, weil ihr Mann häufiger davon spreche. Ihr Ehemann ist KPMG-Partner.
Den Begriff „Anforderungen“ kannte sie also immerhin vom Abendbrottisch.
Problematische Kunden gibt es vermutlich in fast jedem Unternehmen. Entscheidend ist, was eine Organisation tut, wenn eigene Mitarbeiter problematisches Verhalten ansprechen. Als ich den Umgang mit mir intern ansprach, hätte ich mir in dieser Situation keine bedingungslose Parteinahme gewünscht, sondern schlicht Rückhalt und eine nüchterne Einordnung dessen, was im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern noch akzeptabel ist. Stattdessen bekam ich im Wesentlichen von einem Manager den Hinweis, ich solle mich vielleicht einmal selbst reflektieren.
Ich hätte erwartet, dass der eigene Arbeitgeber eine Grenze zieht, wenn es nicht mehr um die fachliche Arbeit geht, sondern der Umgang persönlich und abwertend wird. Zusätzlich hatte ich eine Führungskraft, die mit der Situation und aus meiner Sicht auch mit vielem anderen völlig überfordert war.


