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KPMG AG 
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Bewertung

Mehr Schein als Sein

2,0
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich IT bei KPMG in Frankfurt gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Unter der Prämisse, dass man - teilweise sehr intransparant - auf Projekte hin und her disponiert wird, erhält man viele Einblicke in unterschiedliche Unternehmen und Kulturen.

Ich kann mir vorstellen, dass dieses Arbeitsmodell Berufseinsteigern zusagt, die sich erst noch ausprobieren wollen und herausfinden wollen, in welchen Bereichen sie arbeiten wollen.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Das Gesamtpaket passt m.E. nicht. Es wird den Mitarbeitenden, gerade Berufseinsteigern, sehr viel abverlangt. Das Gehalt ist dafür verhältnismäßig niedrig. Ich habe das Gefühl, dass die Mitarbeitenden im Hintergrund stehen und nur der Umsatz zählt. Hinzukommt, dass für jeden Kunden wirklich (fast) alles, selbst unter widrigen Bedingungen, erledigt wird. Widrige Bedingungen sind solche, bei denen Kunden unseren Kolleginnen und Kollegen gegenüber unhöflich oder persönlich angreifend werden oder sie sogar anschreien. Hauptsache Umsatz.

Es sollte jedem Einsteiger klar sein, dass man sich hier in einer Blase befindet, in der man schief angeguckt wird, wenn man nach 8 Stunden geht. Und oft geht man nicht nach Hause, sondern ins Hotel.

Einsteiger, für die Freizeit nicht wichtig ist und das Leben im Hotel weit weg von Freunden, Familie und Hobbies kein Problem darstellt, können sich hier durchaus wohlfühlen.

Für mich kommen Familie, Freunde, Hobbys und Gesundheit viel zu kurz.

Verbesserungsvorschläge

- Allgemein würde ich mir wünschen, dass die Mitarbeitenden auch eine „menschliche“ Bedeutung im Unternehmen tragen. Man muss sehr intensiv und wirklich immer dafür sorgen, dass man nicht auf Projekte (unabgesprochen) disponiert wird, die gar nicht zu den eigenen Skills oder Entwicklungsfeldern passen.

- Bessere Entlohnung. Das Gehalt ist für die Arbeitszeit und Belastung vergleichsweise enorm niedrig. Erst ab einer mehrjährigen Berufserfahrung (nach 6-7 Jahren) wird das Gehalt erst zunehmend attraktiv - die Arbeitszeit liegt dann aber auch bei 50 bis 60 Stunden in der Woche und mehr. Der Stundenlohn ist also nach wie vor sehr niedrig.

- Individuellere Förderungen. Ich sehe viele Kolleginnen und Kollegen in führenden Position, obwohl sie dafür wirklich nicht geeignet sind. Grund ist die jährliche Weiterentwicklung in der Karriere. Viele gute Kolleginnen und Kollegen, die Führungspotenzial haben verlassen verfrustet das Unternehmen. Es fehlt demnach auch insgesamt an erfahrenen Mentoren von denen man wirklich lernen kann.

- Es gibt noch viele weitere Punkte, wie z.B. Überstunden nicht als den Standardfall zu betrachten oder auch mehr Entscheidungsfreiheit bei der Wahl der Projekte. Allerdings lässt sich dies schwierig mit der Branche Unternehmensberatung vereinen. Einsteigern sollte klar sein, dass der Kunde in allen Fällen der König ist und die eigene Entwicklung und Freizeit zurückgesteckt wird.

Arbeitsatmosphäre

Sehr stark Team- und Projekt-abhängig. Im Mittel habe ich viel (unnötigen) Druck gespürt - zu Lasten der Qualität. Als jemand, der den niedrigeren Levels angehört, wirkt man als verlängerter Arm für Manager, die mit dem Umsatz unmittelbar Geld verdienen.

Kommunikation

Je nachdem mit wem man spricht, wird einem auch zugehört oder eben nicht. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die ihre Ziele und ihren Umsatz über alles stellen. Insbesondere über die Entwicklung und das Wohlergehen anderer Kolleginnen und Kollegen.

Kollegenzusammenhalt

Solche und solche (siehe Kommunikation). Es gibt Kolleginnen und Kollegen, mit denen man sich offen über viele Dinge austauschen kann. Im Schnitt würde ich sagen, sind die Kolleginnen und Kollegen motiviert und arbeiten sehr gerne (sehr viel) und sind auch mehr oder weniger hilfsbereit.

Work-Life-Balance

Als junger Uni-Absolvent war mir nicht bewusst, welche miesen Arbeitsbedingungen für ein unterirdisches Gehalt eingehe. Wer Feierabend nach 8 Stunden (effizienter) Arbeit macht, wird schief angeguckt. Mein Telefon muss ich jeden Abend konsequent ausstellen, weil sonst noch (spät) abends Anfragen kommen ob ich "noch eben könnte". Das sollte sich niemand als Einsteiger ohne relevante Verantwortung für dieses Gehalt antun.

Vorgesetztenverhalten

Die disziplinarischen Vorgesetzten sind soweit in Ordnung und setzen sich (natürlich abhängig von der Person) für ihre Mitarbeiter ein. Die Vorgesetzten auf dem Projekten haben, so mein Eindruck, nur ihren eigenen Erfolg und den Kunden im Fokus. Es wird wenig darauf eingegangen wie die Projektsituation (und damit natürlich auch der Erfolg aller!) insgesamt verbessert werden kann. Viele Kolleginnen und Kollegen und auch Vorgesetzte sind überarbeitet und frustriert.

Interessante Aufgaben

Letzten Endes habe ich 2 Jahre lang nicht wirklich das gemacht, wofür ich angestellt worden bin und einem klaren Team zugeordnet worden bin. Von Kolleginnen und Kollegen habe ich erfahren, dass bei Ihnen das noch länger der Fall ist. Teilweise werden Kolleginnen und Kollegen für ganz andere Branchen eingesetzt. Wer hier nicht frühzeitig erkennt, dass sie oder er nur von Projekt zu Projekt als reine Resource geschoben wird, verbaut sich ihre oder seine eigene Laufbahn - wirklich schrecklich!

Gleichberechtigung

Weil ich zu Menschen gehöre, die nach Klischee wenig diskriminiert werden (männlich, heller Hauttyp, deutsch klingender Name), konnte ich mir gegenüber wenig diskriminierendes Verhalten feststellen.

Zu dem Verhalten gegenüber anderen KPMGlern kann ich folgende Negativbeispiele aufzählen:

Fall 1 : Kolleginnen oder Kollegen wurden nicht vor Ort bei Kunden eingesetzt, weil der Kunde nicht mit der Religionszugehörigkeit nicht glücklich war. Diese Kolleginnen und Kollegen mussten im Hintergrund Aufgaben ausüben. Hinzukommt, dass erfahrenere Kollegen diesen Fall als nicht so wild betrachtet haben, denn der Kunde zahlt ja gut.

Fall 2: In einem Projektteam (bestehend aus mehreren Kollegen, mir eingeschlossen, und einer Kollegin) waren sexistische Witze an der Tagesordnung. Die Äußerungen kamen nicht selten von leitenden Kolleginnen und Kollegen.

Schrecklich an diesen Beispielen ist, dass das diskriminierende Verhalten von leitenden Kollegen - also Vorbildern - ausgeht.

Zwar gibt es intern Netzwerke und Veranstaltungen, die sich mit Gleichberechtigung auseinandersetzen. Das reicht m.E. nicht, wenn leitende Personen diskriminierendes Verhalten dulden oder selbst ausüben.

Arbeitsbedingungen

Sehr viel Arbeit, für die man nicht ursprünglich eingestellt worden ist. Viele Geschäftsreisen um (teilweise ohne Mehrwert) vor Ort zu sein. Sehr hohe Erwartung an die Arbeitszeiten - Überstunden sind die Regel. Die hohe Fluktuation an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommt nicht dadurch zustande, dass man das Unternehmen als "Karrieresprungbrett" nutzt, sondern weil die Arbeitsbedingungen unzumutbar sind. Wären die Arbeitsbedingungen so prächtig, dann würde doch jede und jeder bleiben wollen?

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Naja, es ist eine Unternehmensberatung. Wenn der Umsatz damit angekurbelt wird, dass jemand für ein Projekt von jede Woche zwischen München und Berlin pendelt, dann wird diese Kollegin oder dieser Kollege eben auf dieses Projekt disponiert. Beim Pendeln hat man die Wahl zwischen den üblichen Verkehrsmitteln und kann damit selbst steuern, wie viel CO2 in die Welt gepustet wird.

Zum Thema Sozialbewusstsein gibt es tatsächlich viele interessante interne Vereinigungen. Allerdings ist es ein zeitlicher Balance-Akt für Soziales Zeit aufzuwenden, wenn bereits für einen Selbst, Familie und Freunde schon wenig Zeit zur Verfügung steht.

Gehalt/Sozialleistungen

Das Gehalt ist sehr niedrig bei mindestens 40 Stunden Wochenarbeitszeit. Ich erhalte in anderen, wesentlich kleineren Unternehmen, bei weniger als 40 Stunden Wochenarbeitszeit, erheblich weniger Stress und besseren Entwicklungsmöglichkeiten 20% höheres Gehalt und auch Wesentliches mehr. Es gilt zu beachten, dass ich mein Gehalt nicht schlecht verhandelt habe, sondern damit im überdurchschnittlichen Bereich liege.

Auf oberen Levels (ab Senior Manager) wird es wesentlich mehr, aber da arbeitet auch jede und jeder weit mehr als 50 Stunden in der Woche, oft am Wochenende und ist fast immer erreichbar. Da gibt es auch bessere Konditionen in anderen Branchen/Unternehmen.

Karriere/Weiterbildung

Es existieren sehr viele Weiterbildungsangebote und man erhält ausreichend
Möglichkeiten diese zu nutzen. Das hat mir wirklich sehr gefallen.

Leider bringt das ganze nichts, wenn man über Jahre (ich bin wie bereits angemerkt kein Einzelfall) auf Projekte disponiert wird, die nichts damit zu tun haben, wofür man eigentlich bei KPMG angestellt ist.

Ich habe zusammenfassend mehr das Gefühl, dass ich mir meinen Entwicklungsweg verbaue und KPMG mir einen Weg vorgibt, der KPMG nutzt aber nicht meinen Werten und Wünschen entspricht.

Arbeitgeber-Kommentar

Ulrike Jenssen, Abteilungsleiterin, Human Relations
Ulrike JenssenAbteilungsleiterin, Human Relations

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

wir haben einen hohen Anspruch, uns anhand der Bewertungen unserer Mitarbeitenden stetig weiterzuentwickeln und bedanken uns für Dein ausführliches Feedback.

Vielfalt steht bei KPMG für eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung, unabhängig von Alter, körperlichen Einschränkungen, Geschlecht, sexueller Orientierung und Identität, ethnischer oder kultureller Herkunft und Religion. Über alle Hierarchieebenen hinweg leben wir diese Kultur der Wertschätzung und verpflichten uns, Diskriminierungen abzubauen, Chancengleichheit zu fördern und unsere Kolleginnen und Kollegen in ihren individuellen Stärken und Talenten zu unterstützen.

Als verantwortungsvoller Arbeitgeber wissen wir darüber hinaus um die Notwendigkeit, einen Ausgleich für arbeitsintensivere Phasen zu schaffen und bieten unseren Kolleginnen und Kollegen daher eine Vielzahl an Möglichkeiten zur zeitlichen Flexibilität und darüber hinaus attraktive Benefits für unsere Mitarbeitenden.

Wende Dich gerne mit Deinen konkreten Verbesserungsvorschlägen direkt an Deine Führungskraft, die regionale Personalleitung in Frankfurt, oder alternativ vertraulich direkt an uns, um mögliche Lösungen für Deinen momentanen Unmut zu finden. Sende uns hierfür gerne eine E-Mail an de-kununu-feedback@kpmg.com mit der Betreffzeile „Kununu Feedback“.

Über einen persönlichen Austausch würden wir uns sehr freuen.

Viele Grüße nach Frankfurt,
Ulrike Jenssen