Eine Unternehmenskultur auf dem Weg zur Selbstzerstörung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorheben kann ich vor allem einzelne Kolleginnen und Kollegen, die ich während meiner Zeit im Unternehmen kennenlernen durfte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Hierzu wurden meines Erachtens bereits alle wesentlichen und nennenswerten Punkte ausreichend benannt.
Verbesserungsvorschläge
Verbesserungsvorschläge halte ich in diesem Fall ehrlich gesagt für nahezu sinnlos, da die bestehenden Probleme meines Erachtens nicht auf einzelne Fehlentscheidungen zurückzuführen sind, sondern tief in der gegenwärtigen Führungsmentalität verankert sind. Wer innerhalb eines derart offensichtlichen Klimas aus Angst, Unsicherheit, fehlender Transparenz und mangelnder Wertschätzung weiterhin davon überzeugt ist, alles unter Kontrolle zu haben, scheint die Realität entweder bewusst auszublenden oder nicht mehr erkennen zu wollen.
Ich bemühe mich grundsätzlich um eine sachliche und neutrale Bewertung, doch selten fiel es mir schwerer, positive Aspekte zu benennen. Abgesehen vom zwischenmenschlichen Zusammenhalt einzelner Mitarbeitender untereinander hinterließ das Unternehmen langfristig eher den Eindruck eines Systems, das sich durch seine eigene Führungskultur Schritt für Schritt selbst destabilisiert.
Besonders kritisch empfinde ich dabei die Normalisierung einer Atmosphäre, in der Mitarbeitende eher lernen, zu schweigen, sich anzupassen und keine Angriffsfläche zu bieten, anstatt Motivation, Eigeninitiative oder langfristige Bindung zum Unternehmen zu entwickeln. Wenn engagierte, erfahrene oder langjährige Mitarbeitende zunehmend ersetzt, verunsichert oder demotiviert werden, sollte man sich irgendwann nicht mehr fragen, warum die Stimmung kippt, sondern warum man die Warnsignale so lange ignoriert hat.
Aus meiner Sicht benötigt dieses Unternehmen keine kosmetischen Verbesserungsvorschläge mehr, sondern eine grundlegende Auseinandersetzung mit der eigenen Führungskultur, bevor die Konsequenzen der aktuellen Entwicklung unumkehrbar werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre litt seit meiner Ankunft unter der Art und Weise, wie Entscheidungen aus höheren Ebenen kommuniziert und weitergegeben wurden.
Kommunikation
In puncto Kommunikation fanden seitens der höheren Führungsebene zwar gelegentlich Meetings statt, diese blieben jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück, die man sich als geschätzter Mitarbeiter wünschen würde. Insbesondere fehlte es an persönlichem Feedback sowie an einer offenen Kultur, in der Meinungsfreiheit und konstruktiver Austausch gefördert werden.
Teilweise entstand der Eindruck, dass Entscheidungen überwiegend einseitig getroffen und kommuniziert wurden, ohne den Mitwirkenden ein Gefühl von Zugehörigkeit oder aktiver Einbindung zu vermitteln. Stattdessen wirkte die Atmosphäre stellenweise eher hierarchisch und von Unterordnung geprägt.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt unter den Mitarbeitern war insgesamt durchaus solide. Gleichzeitig entstand jedoch stellenweise der Eindruck, dass sich viele Angestellte aufgrund vorangegangener Präzedenzfälle, wie beispielsweise betriebsbedingter Kündigungen, in ihrer offenen Meinungsäußerung eingeschränkt fühlten. Dies führte teilweise zu einer zurückhaltenden Atmosphäre, in der kritische Ansichten oder konstruktive Einwände eher vorsichtig geäußert wurden, um mögliche negative Konsequenzen zu vermeiden.
Work-Life-Balance
Bezüglich der Work-Life-Balance kann ich weder besonders negative noch besonders positive Aspekte hervorheben, da dieser Punkt stark von der eigenen persönlichen Auslegung und Prioritätensetzung abhängig war.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzten wirkte insgesamt stark von organisatorischen und strukturellen Entscheidungen geprägt, wodurch der zwischenmenschliche Austausch teilweise in den Hintergrund rückte. Wertschätzung, Transparenz sowie eine aktive Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse wurden aus meiner Sicht nicht vermittelt.
Insbesondere in Phasen von Veränderungen oder Unsicherheiten hätte ich mir eine offenere Kommunikation, klarere Orientierung sowie persönliches Feedback seitens der Führungsebene gewünscht. Dadurch entstand eine Distanz zwischen Management und Mitarbeitenden. Zudem wurden Mitarbeiter mit deutlicher Überqualifizierung weder beachtet noch gefördert.
"Der effektivste Weg, Menschen passiv und gehorsam zu halten, besteht darin, den Rahmen akzeptierter Meinungen so weit zu begrenzen, bis freies Denken als Rebellion erscheint." - Noam Chomsky
Interessante Aufgaben
Die Aufgabenbereiche wirkten meines Erachtens überwiegend eher monoton, wobei auch dieser Punkt stark von den eigenen Erwartungen sowie den persönlichen Vorstellungen hinsichtlich Weiterentwicklung und Selbstentfaltung abhängt.
Gleichberechtigung
Aus meiner persönlichen Wahrnehmung heraus entstand der Eindruck einer unausgewogenen Unternehmenskultur, in der Gleichbehandlung und Mitsprache nicht immer gleichermaßen vermittelt wurden. Die Führungsstruktur wirkte dabei teilweise sehr stark hierarchisch geprägt, wodurch Entscheidungen überwiegend von oben nach unten kommuniziert wurden.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit langjährigen und erfahrenen Mitarbeitern hinterließ aus meiner Sicht teilweise einen kritischen Eindruck, da im Verlauf meiner Tätigkeit mehrere ältere sowie wichtige Kollegen das Unternehmen verlassen mussten. Dies vermittelte den Eindruck, dass Erfahrung Beständigkeit und langjährige Unternehmenszugehörigkeit nicht immer den Stellenwert erhielten, den man sich innerhalb einer nachhaltigen Unternehmenskultur wünschen würde.
Arbeitsbedingungen
Die allgemeinen Arbeitsbedingungen waren insgesamt akzeptabel, jedoch teilweise stark von internen strukturellen Veränderungen sowie organisatorischer Unsicherheit geprägt. Insbesondere in Phasen personeller oder strategischer Veränderungen wirkte sich dies spürbar auf die tägliche Arbeitsatmosphäre und die Planungssicherheit aus.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Zu diesem Punkt kann ich keine ausführliche Bewertung abgeben, weshalb ich mich diesbezüglich neutral enthalte.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt entsprach aus meiner Sicht nicht den Erwartungen und lag insbesondere im Verhältnis zu meiner Qualifikation sowie den übernommenen Verantwortlichkeiten deutlich unter dem Niveau, das ich mir vorgestellt hätte.
Image
Das öffentliche Auftreten sowie die allgemeine Wahrnehmung des Unternehmens wirkten aus meiner Sicht eher zurückhaltend, da mir die Firma vor meiner Bewerbung nicht bekannt war und ich erst zufällig über ein weniger bekanntes Jobportal auf die Stellenausschreibung aufmerksam wurde.
Karriere/Weiterbildung
Bezüglich Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten entstand aus meiner persönlichen Wahrnehmung heraus nicht der Eindruck einer langfristig motivierenden oder fördernden Entwicklungskultur. Stattdessen herrschte stellenweise eher eine Atmosphäre der Unsicherheit, insbesondere durch Präzedenzfälle von Kündigungen noch kurz vor Ende der Probezeit. Dadurch entstand teilweise eher das Gefühl, vorsichtig agieren zu müssen, anstatt offen Feedback einzuholen oder durch besonderes Engagement auf persönliche Weiterentwicklung hinzuarbeiten.
Kurz gesagt: Sei froh wenn du hier die Probezeit überlebst bevor du auch nur einen Gedanken an Weiterbildung verschwendest.

