Wer nichts erwartet, wird hier nicht enttäuscht.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Wenn man lange genug sucht, findet man bestimmt etwas – ungefähr so wie man in einer Schublade mit alten Kabeln irgendwann doch noch ein passendes Ladegerät entdeckt. Man freut sich kurz, ist sich aber nicht ganz sicher,
ob es den Aufwand wert war.
Das Gehalt sorgt jedenfalls immerhin dafür, dass man sich diesen Suchprozess leisten kann.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das Unternehmen wirkt wie jemand, der sich selbst ständig erzählt, wie modern und progressiv er ist während er gleichzeitig sehr konsequent alles so lässt, wie es schon immer war.
Vertrieb wird hier nicht nur gemacht, sondern zelebriert, allerdings eher im Stil eines Klassikers, den man heute höchstens noch aus nostalgischen Gründen aus dem Regal holt.
Dazu kommt eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber Verhaltensweisen, die andernorts zumindest hinterfragt würden. Hier hingegen gehören sie fast schon zur Unternehmenskultur.
Das System unterscheidet zu wenig zwischen Beitrag und Anwesenheit.
Wer sich engagiert, bekommt selten mehr Wirkung. Wer sich entzieht, bleibt oft erstaunlich lange unbehelligt.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Selbstbeschäftigung und Egopflege, mehr Unternehmensfokus!
Führung darf kein Ergebnis von Netzwerken oder Zugehörigkeit sein, sondern muss an Fähigkeit und Haltung gebunden werden – im Zweifel auch mit klaren Konsequenzen. Bevor Führungskräfte andere entwickeln dürfen, sollten sie selbst professionell auf diese Rolle vorbereitet werden.
Leistung muss wieder einen Unterschied machen, sonst verschwindet sie.
Kultur zeigt sich im Verhalten, nicht in Präsentationen.
Kommunikation braucht einen klaren Rahmen:
Respekt ist keine Option, sondern Mindeststandard.
Kurz gesagt: Weniger Ego, mehr Verantwortung. Weniger Fassade, mehr Haltung.
Arbeitsatmosphäre
Es gibt keine klar erkennbaren Teams, die gemeinsam etwas bewegen.
Was es gibt, sind einzelne wenige Personen, die arbeiten und viele Strukturen, die das weder einfordern noch sichtbar machen.
Einige nutzen die vorhandenen Freiräume dabei erstaunlich kreativ – bis hin dazu, private Projekte nebenbei konsequent voranzutreiben.
Das eigentlich Erstaunliche ist nicht, dass es diese Unterschiede gibt – sondern dass sie offensichtlich niemanden ernsthaft irritieren.
Parallel existiert eine bemerkenswerte Gelassenheit gegenüber Abwesenheit in jeder Form. Ob jemand liefert oder sich anderweitig beschäftigt, scheint im Ergebnis erstaunlich wenig Unterschied zu machen.
Leistung ist hier kein Ereignis, das auffällt und genau das ist vielleicht das prägendste Merkmal dieses Arbeitsklimas.
Image
Das Selbstbild ist stabil, das Fremdbild zunehmend weniger.
Nach außen wird weiterhin Wert auf einen soliden, etablierten Auftritt gelegt. Im direkten Austausch zeigt sich jedoch, dass dieses Bild nicht mehr überall so getragen wird und man hört zwischen den Zeilen zunehmend kritischere Töne. Das Image wirkt dadurch weniger wie ein klares Profil und mehr wie etwas, das man aktiv verteidigen muss.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance wird hier sehr individuell interpretiert.
Einige schaffen es bemerkenswert gut, berufliche und private Themen miteinander zu verbinden – teilweise so fließend, dass die Grenzen kaum noch erkennbar sind. Andere wiederum konzentrieren sich stärker auf die Arbeit. Das führt zu einer gewissen Unwucht:
Während ein Teil versucht, seine Aufgaben zu erfüllen, scheint ein anderer Teil die vorhandenen Freiräume sehr kreativ zu nutzen.
Work-Life-Balance ist damit weniger ein Angebot des Unternehmens, sondern eher eine Frage der persönlichen Auslegung.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung findet hier im Grunde nicht statt – zumindest nicht im Sinne von gezielter Entwicklung. Das Thema wurde konsequent ausgelagert: Zugang zu E-Learnings ist vorhanden, der Rest ist Eigenverantwortung.
Was dabei entsteht, hat jedoch nur bedingt etwas mit der eigenen Performance oder dem Ausbau echter Handlungskompetenz zu tun.
Entwicklung wirkt dadurch weniger wie ein strategischer Bestandteil des Unternehmens, sondern eher wie ein privates Nebenprojekt.
Alles darüber hinaus folgt einem klaren Prinzip:
Wer sich entwickeln möchte, sollte das möglichst unauffällig selbst tun und keine Erwartungen daran knüpfen, dass es jemanden interessiert.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist ordentlich – genug, um zu bleiben, aber selten ein Grund, sich besonders hervorzutun.
Provision gibt es auch, allerdings als Gemeinschaftsprojekt.
Individuelle Leistung wird dabei zuverlässig eingeebnet, weil am Ende zählt, was das Team insgesamt erreicht. Das hat einen gewissen Charme:
Man kann sich anstrengen – muss aber nicht zwingend.
Für engagierte Mitarbeiter ist das eher irritierend, für alle anderen ein erstaunlich entspanntes Modell.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es gibt Ansätze und gute Worte dazu. Im Alltag entscheidet man sich dann doch häufiger für den weniger komplizierten Weg auch wenn der nicht unbedingt der sinnvollste ist.
Kollegenzusammenhalt
Zusammenhalt ist hier weniger Kultur als Zufall und selbst dann eher fragil.
Neue Kollegen werden nicht unbedingt akzeptiert, sondern erstmal einsortiert. Jeder bleibt lieber in seiner eigenen Suppe, während man sich gegenseitig aus sicherer Entfernung beobachtet.
Auffällig ist dabei weniger freiwillige Unterstützung als eine gewisse Freude daran, andere kritisch zu begleiten, gern auch unterhalb der Gürtellinie.
Lästern hat hier stellenweise mehr Verbindlichkeit als Zusammenarbeit.
Wer ein wertschätzendes Miteinander sucht, sollte Glück mit seinem direkten Umfeld haben oder eine gewisse emotionale Robustheit mitbringen.
Umgang mit älteren Kollegen
Wer lange dabei ist, kennt die Spielregeln und profitiert davon.
Beständigkeit wird hier nicht nur geschätzt, sondern systemisch belohnt.
Veränderungswille hingegen wirkt eher wie ein Störgeräusch im ansonsten gut eingespielten Ablauf.
Mit der Zeit lernt man: Anpassung ist die nachhaltigste Karriereentscheidung.
Vorgesetztenverhalten
Führung entsteht hier nicht immer entlang von Kompetenz, sondern gelegentlich entlang gewachsener Verbindungen. Wer gut vernetzt ist, hat sichtbar bessere Chancen als jemand, der einfach nur gut führen könnte.
So kommt es zu Konstellationen, die man sich fachlich erklären muss – organisatorisch sind sie offenbar längst geklärt. Daraus entsteht eine Führungslandschaft, die weniger durch Qualität als durch Herkunft erklärbar ist. Und wenn es dann komplex wird, greift man auf das zurück, was immer funktioniert: Prozesse. Die übernehmen dann das, was Führung eigentlich leisten sollte und hinter denen man sich zuverlässig verstecken kann.
Arbeitsbedingungen
Die Ausstattung stimmt. Was fehlt, ist jedoch weniger der Schreibtisch als die Idee, was an diesem Schreibtisch eigentlich passieren soll.
Kommunikation
Es wird viel gesprochen – nur selten so, dass man danach wirklich mehr weiß. Gespräche haben oft zwei Ebenen: die, die ausgesprochen wird, und die, die gemeint ist.
Wer länger dabei ist, lernt relativ schnell, zwischen den Zeilen zu lesen und noch wichtiger: wann man besser nichts sagt.
Auffällig ist auch die Richtung von Kommunikation: nach oben angepasst, zur Seite vorsichtig und nach unten nicht immer wertschätzend.
Was offiziell besprochen wird, ist nicht zwingend das, was anschließend darüber erzählt wird.
Feedback findet statt – allerdings nicht immer dort, wo es hingehört.
Stattdessen entwickelt sich eine Parallelkommunikation, die erstaunlich effizient darin ist, sich über Personen auszutauschen, ohne sie einzubeziehen. Das Ergebnis ist ein System, in dem viel geredet wird aber Vertrauen kein automatisches Nebenprodukt ist.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung findet hier vor allem auf Präsentationsfolien statt.
In der Praxis ergibt sich ein ziemlich klares Bild:
Die Leitungsebene wirkt wie ein sehr exklusiver Männerclub.
Das hat weniger mit fehlenden weiblichen Talenten zu tun als mit erstaunlich stabilen Strukturen. Oder anders gesagt: Die gläserne Decke ist hier kein Mythos – sie ist einfach nur gut eingepasst. Und während man nach außen gern zeigt, wie wichtig Vielfalt ist, bleibt intern vieles bemerkenswert konstant.
Interessante Aufgaben
Es gibt genug Prozesse, mit denen man sich beschäftigen kann.
Die Frage, ob daraus auch echte Entwicklung entsteht, bleibt offen.

