Viel Potenzial, aber an der Führungsspitze hakt es gewaltig
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Der Kollegenzusammenhalt ist trotz Abteilungsunterschieden eine echte Stärke.
- Die Aufgaben sind durch jährliche Umstellungen und Projekte abwechslungsreich und bieten immer wieder neue Herausforderungen.
- Der Tarifvertrag sorgt für einen überdurchschnittlichen Einstieg mit schnellem Gehaltsanstieg zu Beginn sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, und das Gehalt wird stets pünktlich gezahlt.
- Parkplätze sind vorhanden, es gibt keinen einschränkenden Dresscode, und kostenlose Getränke sowie ein Obstkorb werden angeboten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Das Verhalten vieler Vorgesetzter ist respektlos, teils herabwürdigend und von übertriebenem Hierarchiedenken geprägt.
- Die interne Kommunikation ist praktisch nicht vorhanden.
- Es herrscht ein hoher Dauerstress durch knappe Personaldecke, gepaart mit ungleicher Behandlung je nach Nasenfaktor – das betrifft sowohl Gehalt und Beförderungen als auch Ausstattung wie Tische. - Die Arbeitsumgebung leidet unter seit teils Monaten, teils Jahren unreparierten Mängeln (Heizung, Fenster, Sanitäranlagen, Tiefgarage).
- Weiterbildung und interner Aufstieg werden kaum gefördert.
- Man sollte Mitarbeiter nicht bitten, die eigenen Produkte zu kaufen und mit vorgegebenen Sternebewertungen zu bewerten.
Verbesserungsvorschläge
- Mehr Personal in unterbesetzten Abteilungen einstellen, um Stresslevel und Überlastung zu reduzieren.
- Klare, transparente interne Kommunikation etablieren, statt Informationen nur über den Flurfunk verbreiten zu lassen.
- Vorgesetzte im respektvollen Umgang schulen und ein Bewusstsein für Gleichbehandlung statt Nasenfaktor schaffen.
- Feste Zyklen für den Austausch von Hardware und Mobiliar einführen, statt nach Beschwerde bzw. Losverfahren zu handeln.
- Längst überfällige Reparaturen an Gebäude, Heizung und Sanitäranlagen endlich umsetzen.
- Mehr in interne Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten der bestehenden Mitarbeiter investieren.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist oft angespannt und wenig angenehm. Durch die sehr knappe Besetzung in vielen Abteilungen herrscht ein durchgehend hoher Stresslevel. Der respektvolle Umgang miteinander lässt spürbar zu wünschen übrig, und je nach Abteilung ist ein gewisses Maß an Micromanagement zu beobachten. Es besteht ein hoher, dauerhafter Leistungsdruck, und es wird tendenziell eher übereinander als miteinander gesprochen. Kritik wird häufig persönlich genommen, statt sachlich aufgenommen zu werden, was sich auch in der hohen Fluktuation widerspiegelt.
Image
Das Image des Unternehmens war sicherlich schon einmal besser. Über die Zeit hat es durch verschiedene unglückliche Entscheidungen und Aktionen spürbar gelitten, sodass der Ruf – sowohl intern unter den Mitarbeitern als auch nach außen – nicht mehr dem entspricht, was er einmal war. Vieles davon wäre vermeidbar gewesen, wenn man frühzeitiger auf Mitarbeiterfeedback und die tatsächlichen Probleme im Unternehmen eingegangen wäre, statt an der Außendarstellung festzuhalten, während intern vieles im Argen liegt.
Work-Life-Balance
Auch die Work-Life-Balance hängt stark von der jeweiligen Abteilung ab. Besonders bei knapper Personalausstattung ist es kaum möglich, die vereinbarten Homeoffice-Tage tatsächlich zu nutzen oder früher Feierabend zu machen, da sonst liegen gebliebene Arbeit – die ohnehin meist ein zu hohes Pensum darstellt – sich weiter anhäuft.
Karriere/Weiterbildung
Ich habe das Gefühl, dass lieber extern neue Mitarbeiter eingestellt werden, statt bestehende Mitarbeiter intern weiterzuentwickeln. Echte Weiterbildungsmöglichkeiten sehe ich hier daher kaum. Wer mehr Verantwortung und mehr Berechtigungen übernehmen möchte, bekommt dazu in der Regel keine Gelegenheit und bleibt letztlich auf der aktuellen Position stehen. Selbst bei angefragten Schulungen wird oft lange über das Budget diskutiert, statt die Weiterbildung einfach zu ermöglichen.
Gehalt/Benefits
Durch den bestehenden Tarifvertrag steigt man überdurchschnittlich ein und kann innerhalb kurzer Zeit im Gehalt gut aufsteigen, inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld – wobei ich Letzteres lieber monatlich ausgezahlt bekommen würde. Allerdings ist relativ schnell eine Grenze erreicht, ab der sich beim Gehalt kaum noch etwas bewegt. Positiv ist immerhin, dass sehr zuverlässig und pünktlich gezahlt wird. Durch die Verdi-Tarifverhandlungen gibt es jährlich recht verlässlich ein paar Prozent mehr, geht man jedoch proaktiv hin und fordert mehr Gehalt, bekommt man meist nur die Standardantwort, wie schlecht es der Firma gerade gehe – während gleichzeitig für mehrere Millionen neue Unternehmen zugekauft werden. Wer in bestimmte Positionen aufsteigt, bekommt dies oft nur mit sehr geringen Gehaltssteigerungen honoriert, auch hier spielt der Nasenfaktor eine Rolle.
Benefits wie ein Fitnessstudio-Zuschuss fehlen komplett.
Wasser, Kaffee und ein Obstkorb sind kostenlos, wobei die Kaffeemaschine häufig defekt ist und der Obstkorb mangels bezahlter Rechnung öfter ausfällt. Parkplätze sind zum Glück vorhanden, die Tiefgarage ist allerdings schon seit längerer Zeit nicht zugänglich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es wird deutlich zu viel gedruckt, ohne dass dem entgegengewirkt wird. Nachts bleiben Lichter im Gebäude an, und am Wasserspender werden durchgehend Plastikbecher bereitgestellt. Positiv hervorzuheben ist dagegen, dass bei den verpackten Produkten nur wenig bis kaum Plastik zum Einsatz kommt.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist stark abteilungsabhängig, insgesamt aber eine der Stärken des Unternehmens. Perfekt ist er sicher nicht, aber im Vergleich zu anderen Aspekten definitiv positiv hervorzuheben.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich würde mir wünschen, dass es hier ebenso einen Punkt "Umgang mit jüngeren Kollegen" gäbe, denn beide Gruppen sind betroffen: Ältere Mitarbeiter, die schon lange dabei sind und viel Erfahrung mitbringen, werden häufig schlecht behandelt – bei jüngeren Kollegen ist es genauso, sie werden oft nicht ernst genommen.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzten ist an dieser Stelle klar als größter Kritikpunkt zu nennen. Grundlegende Höflichkeiten wie ein Gruß fehlen häufig, Mitarbeiter werden teils herabwürdigend behandelt, und es wird ein Auftreten gelebt, das sich selbst deutlich über andere stellt. Das ist enttäuschend und aus meiner Sicht ein Bereich, in dem dringend Verbesserungsbedarf besteht.
Zudem werden Meldungen oder Verstößen gegen den Verhaltenskodex, unabhängig vom gewählten Meldeweg, nicht ernst genommen und bleiben in der Regel ohne Konsequenzen.
Arbeitsbedingungen
Hardware wie Notebooks läuft oft bis zur 6-Jahres-Marke, feste Austauschzyklen gibt es nicht – ausgetauscht wird nur, wenn sich jemand beschwert, defekte Geräte werden meist nur neu aufgesetzt statt ersetzt.
Auch bei den Schreibtischen gibt es große Unterschiede: Statt einmaliger Komplettausstattung werden pro Quartal nur wenige höhenverstellbare Tische verlost. Vom Slogan "feel good" ist hier wenig zu spüren.
Fenster, Toiletten, Tiefgarage und Türen sind teils seit Jahren defekt und werden nicht repariert. Die Mietminderung beim Vermieter hilft den Mitarbeitern nicht, man friert im Winter wegen defekter Heizungen und muss sich um zu wenige mobile Heizgeräte streiten. Im Sommer gibt es keine Klimaanlage, nur unzureichende Ventilatoren pro Abteilung. Immerhin gibt es keinen Dresscode gegen leichte Kleidung.
Eine Kantine fehlt, der Essensautomat bietet zu wenig Auswahl für die Mitarbeiterzahl und ist trotz Subvention teuer.
Bei den zwei Poolfahrzeugen kommt es trotz Reservierung vor, dass man sie kurzfristig wieder abgeben muss.
Kommunikation
Die Kommunikation im Unternehmen ist nahezu nicht vorhanden. Über neue Mitarbeiter, den Stand laufender Themen oder auch einfache Dinge wie Reparaturen im Gebäude erfährt man so gut wie nie etwas auf offiziellem Weg. Informationen erreichen einen fast ausschließlich über Kollegen aus dem Flurfunk – nicht über die Personalabteilung oder die Geschäftsleitung, wie es eigentlich zu erwarten wäre. Auch bei einfachen Anliegen wie einem Zwischenzeugnis muss man mehrere Monate warten, teils 6 Monate oder sogar länger, und erst nach einer Beschwerde bei einer höheren Instanz tut sich überhaupt etwas. Die Personalabteilung selbst ist zudem selten erreichbar, personell zu knapp besetzt und erledigt ihre Aufgaben insgesamt wenig zuverlässig.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung ist aus meiner Sicht in dieser Form nicht gegeben. Es spielt ein spürbarer "Nasenfaktor" eine Rolle: In derselben Abteilung bekommt die eine Person, die beim Vorgesetzten gut angesehen ist, das, was sie möchte, während eine andere Person komplett leer ausgeht. Hier besteht definitiv Handlungsbedarf.
Interessante Aufgaben
Ein klarer Pluspunkt sind die interessanten Aufgaben: Durch jährlich wiederkehrende Umstellungen und Projekte gibt es neben dem Tagesgeschäft immer wieder neue Herausforderungen und Lernmöglichkeiten. Wer sich jedoch aktiv um zusätzliche interessante Aufgaben bemüht, bekommt dazu kaum Gelegenheit – man erhält im Wesentlichen das, was einem zugeteilt wird, ohne eigenen Gestaltungsspielraum.