Beförderung nach „Liste“ statt nach Leistung – Führungsschwäche mit System
Gut am Arbeitgeber finde ich
Was man Leonhard Kurz lassen muss: Das Unternehmen bietet eine beeindruckende Stabilität – sowohl wirtschaftlich als auch personell (leider oft an den falschen Stellen). Es ist ein sicherer Hafen für alle, die eine pünktliche Entlohnung und einen krisensicheren Arbeitsplatz schätzen. Zudem sind die Produkte und Technologien an sich faszinierend, man arbeitet hier an der Weltspitze der Oberflächenveredelung.
Ein Lichtblick im Unternehmen ist übrigens der Betriebsrat. Es ist spürbar, dass hier eine Instanz existiert, die sich ernsthaft und mit Rückgrat für die Belange der Mitarbeiter einsetzt.
Verbesserungsvorschläge
Hört auf, Abteilungsleiter-Posten als Gnadenbrot für das ältere Semester zu missbrauchen. Wer fachlich nicht mehr mitkommt und menschlich keine Teams führen kann, gehört nicht in eine Leitungsposition – auch wenn er schon seit der Erfindung der Heißprägefolie dabei ist. Gebt den Posten denen, die können, nicht denen, die nur warten.
Um an Brecht zu erinnern: „Wer a sagt, der muß nicht b sagen. Er kann auch erkennen, daß a falsch war.“
Arbeitsatmosphäre
Die Motivation stirbt einen langsamen Tod, wenn man merkt, dass die eigene Fachkompetenz an der Starrheit eines Vorgesetzten abprallt, der nur noch die Tage bis zum Ruhestand zählt. Menschliche Größe sucht man vergeblich
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen als innovativer Weltmarktführer und „Hidden Champion“. Das Image lebt von der starken Marke und den hochwertigen Produkten.
Work-Life-Balance
Während die Führungsebene ihre „wichtigen Gebiete“ oft sehr entspannt verwaltet (man hat es ja bald geschafft), muss die Basis die dadurch entstehenden Fehlentscheidungen und Verzögerungen durch Mehrarbeit ausbügeln. Flexibilität wird von den Mitarbeitern erwartet, um das Chaos der „Listen-Chefs“ zu bändigen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Thema Nachhaltigkeit (Recycling von Trägerfolien etc.) wird großgeschrieben – das Image soll schließlich grün glänzen.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den „normalen“ Mitarbeitern ist meist gut – geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Man verbündet sich im stillen Protest gegen die fachliche Ignoranz von oben. Ohne diesen internen Support und den Galgenhumor in der Kaffeeküche wäre es wahrscheinlich gar nicht auszuhalten.
Umgang mit älteren Kollegen
Man muss hier klar differenzieren: Die älteren Kollegen, die „im Feld“ arbeiten, sind das wahre Kapital der Firma. Sie verfügen über einen enormen Erfahrungsschatz und ein Fachwissen, das durch kein Handbuch der Welt zu ersetzen ist. Ohne ihre Routine und ihre Bereitschaft, ihr Wissen mit den Jüngeren zu teilen, würde hier vieles stillstehen.
Vorgesetztenverhalten
Wer bei Leonhard Kurz in gewissen Abteilungen landet, darf Zeuge eines faszinierenden soziologischen Experiments werden: Wie lange kann man eine Abteilung leiten, ohne auch nur den Hauch von fachlicher Kompetenz oder menschlicher Stärke zu besitzen? Das Erfolgsgeheimnis scheint ein mysteriöses „Listen-System“ zu sein. Man wird hier nicht befördert, weil man ein Team führen kann, sondern weil man entweder lang genug auf der richtigen Liste stand oder man keine andere Verwendung fand, ohne die Rentenansprüche zu gefährden. Es ist schon fast kurios, mit welcher Kreativität hier „Aufgabengebiete“ für Führungskräfte erfunden werden, die fachlich bereits seit der Einführung des Farbfernsehens im Vorruhestand sind. Ein Austausch auf Augenhöhe scheitert meist schon an der fehlenden Augenhöhe – sowohl fachlich als auch charakterlich.
Kommunikation
Die Firma gibt sich nach außen und intern modern: Es gibt ein gepflegtes Intranet, ein Extranet und ein schickes Mitarbeitermagazin – das sieht auf dem Papier toll aus. Die Realität in der Abteilung ist jedoch eine andere: Ob wichtige Informationen von der Abteilungsleitung tatsächlich bei den Mitarbeitern ankommen, unterliegt dem Prinzip Zufall. Der reale Informationsfluss scheitert oft an der Unfähigkeit oder Unlust der Abteilungsleitung, ihr Wissen konstruktiv zu teilen. Man erfährt Relevantes eher durch den Flurfunk als durch ein strukturiertes Briefing.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist (tariflich) solide und kommt pünktlich – das muss man fairerweise sagen.
Gleichberechtigung
Offiziell gibt man sich modern, und tatsächlich lässt sich sogar eine Frau im Management finden – vermutlich, damit man in den Hochglanzbroschüren nicht nur Krawatten zeigen muss. Doch wer im Alltag genauer hinsieht, merkt schnell: Hier weht kein frischer Wind, sondern ein abgestandenes Lüftchen aus den 1970er Jahren.
Interessante Aufgaben
Die Arbeit an sich wäre eigentlich spannend, wenn man sie ohne die Steine erledigen dürfte, die einem von der „erfahrenen“ Führungsebene ständig in den Weg gelegt werden.
