Lost in Time
Gut am Arbeitgeber finde ich
Was finde ich gut am Arbeitgeber? Nun, wir wollen ja fair bleiben: Es gibt kostenlose Parkplätze, kostenlosen Kaffee und kostenloses Wasser. Mehr fällt mir beim besten Willen nicht ein.
Also eigentlich das perfekte Gesamtpaket: Man kann kostenlos parken, sich kostenlos mit Kaffee wachhalten und kostenlos Wasser trinken, während man für ein Gehalt arbeitet, das einen dazu bringt, sich zu fragen, ob man sich das alles überhaupt noch leisten kann.
Toll, oder?
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was finde ich schlecht am Arbeitgeber? Wo soll man anfangen, wenn die Probleme seit Jahren bekannt sind und sich trotzdem kaum etwas ändert? Eigentlich könnte man sich die Aufzählung sparen. Selbst eine sogenannte „Arbeitgeberwerkstatt“ gibt es – nur scheint dort die wichtigste Frage eher zu sein, wie das Unternehmen nach außen wirkt, als wie es sich für die eigenen Mitarbeiter tatsächlich anfühlt.
Man versucht offenbar, das Image aufzupolieren und neue Bewerber zu gewinnen. Unangenehm nur, dass das Zeitalter der Hochglanzbroschüren vorbei ist. Die Digitalisierung hat man zwar weitgehend verschlafen, Social Media allerdings nicht – denn dort steht die Wahrheit längst öffentlich geschrieben.
Und so bleibt am Ende ein ziemlich trauriges Bild: In einer der wirtschaftlich stärksten Regionen Deutschlands schafft es ein Unternehmen, bei seinen Mitarbeitern trotzdem das Gefühl zu vermitteln, dass Wertschätzung, faire Bezahlung und echte Veränderungsbereitschaft Luxusgüter sind.
Das eigentlich Traurige ist nicht, dass es Probleme gibt. Das Traurige ist, dass man sich offenbar längst daran gewöhnt hat.
Verbesserungsvorschläge
Bei den Verbesserungsvorschlägen muss man eigentlich nicht lange suchen: Wer in und um München als Unternehmen konkurrenzfähig bleiben möchte, sollte vielleicht irgendwann erkennen, dass Münchner Lebenshaltungskosten schlecht mit Gehältern aus der Provinz zusammenpassen. Eine deutliche Anpassung der Gehälter wäre daher dringend notwendig. Andernfalls darf man sich nicht wundern, wenn das vorhandene Personal permanent den Arbeitsmarkt sondiert oder gleich zur Konkurrenz wechselt. Gerade bei BAUHAUS trifft man auffällig viele ehemalige Hagebau-Mitarbeiter. Zufall? Sicher. Ganz bestimmt.
Und dann wäre da noch dieses völlig überbewertete Thema namens Wertschätzung. Ein simples „Danke“ kostet den Arbeitgeber nichts und würde trotzdem so manchem Mitarbeiter mehr Motivation geben als die nächste motivierende PowerPoint-Präsentation. Ich habe Kollegen, die einen wirklich bomben Job machen – und andere, die das offenbar als selbstverständlich betrachten. Vielleicht wäre es ja ein Anfang, gute Arbeit tatsächlich wahrzunehmen und gelegentlich auch auszusprechen.
Faire Bezahlung, ehrliche Wertschätzung und ein bisschen Anerkennung – drei revolutionäre Ideen, die vielleicht sogar dazu beitragen könnten, Mitarbeiter zu halten.
Arbeitsatmosphäre
Lob ist für viele Führungskräfte offenbar ein Fremdwort. Das Betriebsklima wird stattdessen von Lästereien, gegenseitigem Herziehen und dem Streben nach der eigenen Karriere geprägt – während das Wohlergehen und die Wertschätzung der Mitarbeiter dabei leider allzu oft auf der Strecke bleiben.
Image
Das Image des Hagebaumarkts? Nach außen glänzt der Rohdiamant: freundlich, kompetent, kundenorientiert – alles bestens. Hinter den Kulissen sieht es offenbar etwas weniger glitzernd aus. Unter den Baumärkten im Raum München genießt man den Ruf, aus seinen Mitarbeitern möglichst viel herauszuholen, dafür aber möglichst wenig zurückzugeben. Hungerlöhne treffen auf höchste Leistungsansprüche – eine bemerkenswert effiziente Form der Mitarbeitermotivation.
Für die Kunden wirkt alles wie ein Rohdiamant. Schade nur, dass man beim genaueren Blick erkennt, dass innen nicht nur ein bisschen der Glanz fehlt, sondern bei vielen Mitarbeitern inzwischen regelrecht die Luft raus ist. Die leeren Blicke am frühen Morgen sprechen dabei manchmal mehr als jede Imagekampagne.
Ein Rohdiamant also – nur leider einer, der offenbar seine Mitarbeiter zu Staub schleift.
Work-Life-Balance
Der Umgang mit Urlaub ist ein sehr interessantes Phänomen. Vollzeitkräfte müssen ihre Urlaubswünsche offenbar häufig hinter denen der Auszubildenden und Führungskräfte einordnen und bekommen ihren gewünschten Zeitraum nur selten genehmigt. Gerade in den Sommermonaten wirkt sich diese fehlende Planbarkeit deutlich auf die Stimmung und Motivation der Mitarbeiter aus.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung und berufliche Entwicklung? Theoretisch gibt es diese Möglichkeiten. Praktisch scheint der Weg nach oben jedoch einem ganz eigenen System zu folgen: Erst einmal über Jahre die Gunst der Führungsebene gewinnen, anschließend dauerhaft 200 % Einsatz zeigen und hoffen, dass daraus irgendwann eine Chance auf den nächsten Schritt entsteht. Leistung allein scheint dabei nicht immer auszureichen – entscheidend ist offenbar auch, wie gut man bei den richtigen Vorgesetzten ankommt.
Das ist zumindest der Eindruck, den viele Mitarbeiter von den tatsächlichen Aufstiegschancen im Hagebaumarkt München gewinnen. Wer sich damit arrangiert, darf irgendwann vielleicht aufsteigen. Vielleicht.
Gehalt/Benefits
Gehalt? Nun ja, wir arbeiten und leben schließlich im Großraum München. Wir kennen die Lebenshaltungskosten – und unser Unternehmen kennt sie natürlich auch. **Werden wir dafür fair bezahlt? Selbstverständlich nicht.** Eine Münchenpauschale? Warum auch? Das wäre ja fast schon Wertschätzung.
Wer mehr verdienen möchte, darf sich in regelmäßigen Abständen beim Chef vorstellen – gefühlt zwei Dutzend Mal, bis man mit sehr viel Glück tatsächlich ein paar Euro mehr auf dem Konto findet. Bei Hagebau sind **100 € mehr alle zwei Jahre** offenbar schon ein Grund, dankbar zu sein.
Aber keine Sorge: Es gibt natürlich Benefits! Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie sagenhafte **20 % Mitarbeiterrabatt**. Damit kann man sich dann immerhin einen Teil der Dinge günstiger kaufen, die man sich vom Gehalt eigentlich gar nicht leisten kann.
**Fazit: München zahlt man selbst – die Wertschätzung bleibt im Rabattregal.**
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umweltbewusstsein? Es gibt Mülltrennung. Läuft dabei etwas schief, wird vor allem auf die hohen Kosten der Entsorgungsunternehmen hingewiesen. Ansonsten scheint das Thema eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist eher durch einzelne Grüppchen geprägt, innerhalb derer man sich gegenseitig unterstützt. Darüber hinaus herrschen leider häufig Spannungen und Animositäten – insbesondere zwischen den Bereichen Baumarkt und Gartencenter. Ein echtes bereichsübergreifendes Miteinander ist daher nur eingeschränkt vorhanden.
Umgang mit älteren Kollegen
Tja, wir freuen uns natürlich, von der Erfahrung und Lebenserfahrung älterer Kollegen profitieren zu können. Honoriert wird diese Erfahrung allerdings mit einem täglich langweiligen Betriebsklima und einem geradezu erschreckend schlechten Honorar. Wertschätzung sieht für mich eigentlich anders aus.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten ist ebenfalls bemerkenswert: Proxemisches Verhalten wird von Seiten der oberen Hierarchie offenbar eher ungern gesehen. Die räumliche und persönliche Distanz zum „einfachen“ Verkaufspersonal soll offensichtlich stets gewahrt bleiben – Nähe und Begegnung auf Augenhöhe scheinen nicht unbedingt erwünscht zu sein.
Arbeitsbedingungen
Bei 35–42 °C auf der Verkaufsfläche gibt es selbstverständlich kostenlos Wasser – was wir praktischerweise auch an normalen Tagen anbieten. Zusätzliche Pausen? Natürlich nicht, schließlich wird jede Minute penibel erfasst. Für die nötige Abkühlung sorgen ein paar Ventilatoren. Na, wer findet den schlechten Scherz? Vielleicht versteckt er sich irgendwo zwischen den Regalen.
Kommunikation
Es gibt ein großes Wochenmeeting und ansonsten morgens – sofern überhaupt eine Führungskraft anwesend ist – ein kurzes Morgenmeeting. Leider fehlt es dabei häufig an wirklich konstruktiven oder relevanten Informationen für das Verkaufspersonal.
Gleichberechtigung
Beim Thema Gleichberechtigung entsteht zumindest der Eindruck, dass Frauen unter einen besonderen Schutzstatus fallen und entsprechend mit Samthandschuhen angefasst werden. Das männliche Personal muss dagegen teilweise sehr genau darauf achten, was es sagt – selbst harmlose Äußerungen können offenbar zu einer Rüge durch das Führungsmanagement führen, im schlimmsten Fall bis hin zur Abmahnung. Gleichzeitig scheinen bei solchen Vorfällen nicht selten Gerüchte und Vermutungen eine größere Rolle zu spielen als eine sachliche Klärung der tatsächlichen Situation.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind abwechslungsreich – zumindest auf dem Papier. In der Realität besteht der Arbeitsalltag jedoch überwiegend aus den immer gleichen Tätigkeiten: Ware verräumen, Flächen nach Bausteinplan umbauen, Preise aktualisieren und Kunden beraten. Die viel propagierte Kreativität der Mitarbeiter ist dabei eher unerwünscht, da letztlich alles nach festen Vorgaben erfolgen soll. Das „Daily Business“ ändert sich kaum. Wer Fließbandarbeit mit Kundenkontakt mag, ist hier bestens aufgehoben.