Mehr Schein als Sein: „Global Champion“ mit Entscheidungsschwäche und Investitionsstau
Gut am Arbeitgeber finde ich
Den Zusammenhalt im direkten Team.
Pünktliche Gehaltszahlung.
Ausreichend Parkplätze.
Das Produkt (hochwertig).
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Falsche Prioritäten: Das Unternehmen kauft und baut munter neue Firmen auf, während Gehaltsrunden für die eigene Belegschaft (die das erst ermöglicht hat) stocken und beim Personal gespart wird.
Intransparenz & Falschaussagen: Angeblich faire und gleiche Prämienverteilungen (wie in Stellungnahmen behauptet) entsprechen nachweislich nicht der Realität der Gehaltsabrechnungen. Es gibt keinen nachvollziehbaren Schlüssel.
Krankheitssystem: Wer krank ist, verliert extrem viel Prämie – das fördert, dass Kollegen krank zur Arbeit kommen und andere anstecken.
Realitätsverlust: Man sieht sich als „Global Champion“, bietet aber IT und Arbeitsbedingungen (zu kleine Kantine, unklimatisierte Räume) auf Kreisklasse-Niveau.
Schein vs. Sein: Tolle Benefits auf der Webseite (außer JobRad kaum was da), intern aber veraltete Strukturen.
Verbesserungsvorschläge
Das Selbstbild ("Global Champion") mit der Realität abgleichen und erst die Basics (Software, Kantine, Klimaanlage) fixen, bevor man sich rühmt.
Das Prämiensystem abschaffen, das kranke Mitarbeiter zur Arbeit zwingt (Gesundheitsschutz!).
Endlich transparentes Gehaltssystem und echte Benefits einführen.
Führungskultur in Abteilungen mit hoher Fluktuation hinterfragen.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist zweigeteilt: Innerhalb des eigenen Teams ist der Zusammenhalt oft gut. Sobald es jedoch an abteilungsübergreifende Projekte geht, kippt die Stimmung. Es herrscht Unruhe durch häufige Umstrukturierungen. Insgesamt nehme ich eine eher negative Grundstimmung wahr; der Spaß an der Arbeit scheint vielen abhandengekommen zu sein.
Image
Hier klafft eine riesige Lücke zwischen Schein und Sein. Die Geschäftsführung rühmt sich gerne damit, ein „Global Champion“ zu sein. Im Arbeitsalltag wirkt dieser Titel jedoch fast schon zynisch. Während man sich nach außen weltmännisch gibt, kämpft man innen mit trivialen Problemen (siehe Software & Kantine). Auf der Webseite wird zudem mit Benefits und einem modernen Image geprahlt, von dem beim Mitarbeiter wenig ankommt – außer „JobRad“ fällt mir kaum ein nennenswerter Vorteil ein. Das bloße Aufhängen von Bannern wirkt wie reines Marketing, solange die Kultur intern nicht gelebt wird.
Work-Life-Balance
Der Schutz der Mitarbeitergesundheit wird massiv vernachlässigt. Besonders kritisch ist das Prämiensystem: Da Fehlzeiten die Jahresprämie extrem schnell und drastisch kürzen (schon ab ca. 2 Wochen Krankheit ist ein Großteil weg), schleppen sich viele Kollegen krank zur Arbeit. Das führt zu einer ständigen Ansteckungskette im Büro („Presenteeism“), weshalb auch ich regelmäßig krank werde. Von Arbeitgeberseite gibt es keinerlei echte Gesundheitsförderung – kein Betriebliches Gesundheitsmanagement, nicht einmal einen Obstkorb. Stattdessen gibt es nur Automaten mit zuckerhaltigen Snacks. Hinzu kommt im Sommer die Hitzebelastung in den unklimatisierten Räumen.
Karriere/Weiterbildung
Wer sich weiterbilden will, kann das erreichen, muss sich aber auf einen zähen Prozess einstellen. Die Genehmigung erfordert oft enorme Hartnäckigkeit. Man hat das Gefühl, man muss um seine Weiterentwicklung betteln. Zwar wird intern kommuniziert, dass man an neuen Schulungskonzepten arbeitet, doch die Umsetzung dauert viel zu lange.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt kommt immer pünktlich, das ist positiv. Aber: Die Umstellung weg vom Tarifvertrag hat für Unsicherheit gesorgt; es fehlt eine transparente Entgelttabelle. Gehaltsrunden, die eigentlich seit Januar laufen sollten (lt. Planung), stocken. Zudem wird auf der Karriereseite viel versprochen („Benefits“), was die Realität nicht hält. Echte Sozialleistungen oder Gesundheitsboni fehlen, stattdessen wird über die Anwesenheitsprämie (siehe oben) Druck ausgeübt. Eine Reaktion auf das durch den gestiegenen Mindestlohn verschobene Lohngefüge steht ebenfalls noch aus. Währenddessen hat das Unternehmen in jüngster Zeit drei (!) neue Firmen gekauft oder aufgebaut. Die Belegschaft, deren harte Arbeit diese Expansion letztendlich erst möglich gemacht hat, wird beim Thema Gehalt jedoch hingehalten und mit intransparenten Sonderzahlungen abgespeist.
Apropos Sonderzahlung: Traditionell wird im März eine freiwillige Prämie gezahlt. Die Behauptung des Arbeitgebers (in einer Stellungnahme), es gäbe hierbei einen „Festbetrag für alle“ ohne Abzüge bei Krankheit, ist schlichtweg unwahr. Ein interner Abgleich zeigt ein völlig anderes Bild: Es gibt massive, unerklärliche Schwankungen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Obwohl es offizielle Initiativen gibt, fehlt die Konsequenz. Der Papierverbrauch ist hoch, die Mülltrennung mangelhaft (nur Papier/Plastik). Es wirkt wie „Greenwashing“ ohne echte Überzeugung.
Kollegenzusammenhalt
Der Lichtblick: In meiner Abteilung ist der Zusammenhalt top, wir unterstützen uns gegenseitig. Das ist oft der Anker, der die Leute noch hält. Abteilungsübergreifend bröckelt dieser Zusammenhalt jedoch oft („Silodenken“).
Umgang mit älteren Kollegen
Hier habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht. Das Miteinander von Jung und Alt verläuft unauffällig und normal; Es fehlten leider Schulungsangebote um älteren Mitarbeitern neue Technologien die genutzt werden beizubringen.
Vorgesetztenverhalten
Extrem abhängig von der Abteilung. Mein direkter Chef ist in Ordnung. Auf Unternehmensebene fehlt jedoch Entscheidungsfreude. Themen werden oft ausgesessen, Anfragen versanden in den oberen Etagen. In manchen Abteilungen ist zudem eine auffällig hohe Fluktuation zu beobachten. Neue Mitarbeiter bleiben oft nur kurz, was Fragen zur dortigen Führungskultur aufwirft.
Arbeitsbedingungen
Technisch ein Flickenteppich trotz jahrelanger SAP-Einführung mit einer „Armee von Beratern“. Das Ergebnis: Ein ineffizienter Mix aus veralteter Software und Excel-Insellösungen. Ein „Global Champion“ sollte technologisch anders aufgestellt sein. Die Kantine ist ein weiteres Ärgernis: Sie wird oft zweckentfremdet und ist viel zu klein – wären alle da, müsste man auf dem Boden sitzen. Viele essen isoliert am Platz. Zudem gibt es eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Manche Abteilungen bekommen Kaffee gestellt, der Rest ist auf kostenpflichtige Automaten angewiesen.
Kommunikation
Es herrscht eine Holschuld. Strategische Infos kommen kaum an. Mündliche Absprachen zählen wenig. Transparenz sieht anders aus.
Offizielle Kommunikation scheint offensichtlich unwahr zu sein.
Gleichberechtigung
Grundsätzlich existiert Gleichberechtigung auf dem Papier und im Großteil des Unternehmens. Allerdings gibt es leider Ausnahmen: Ich musste persönlich eine Situation miterleben, in der eine einzelne Führungskraft offen Unverständnis darüber äußerte, dass Kolleginnen das gleiche Gehalt beziehen. Auch wenn dies hoffentlich nur ein isolierter Einzelfall war, wirkt ein solch veraltetes Rollenverständnis in einer modernen Firma sehr deplatziert.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben könnten spannend sein (tolles Produkt), werden aber durch schlechtes Management, Warten auf Entscheidungen zur Geduldsprobe.

