Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vieles wurde ja bereits in den oben genannten Punkten schon beschrieben. Nicht jeder macht die Erfahrungen, die ich gemacht habe während der Ausbildung. Das ist selbstverständlich. Vieles ist natürlich auch subjektiv betrachtet. Und wie bereits gesagt, kommt es darauf an, in welchen Abteilungen man eingesetzt wird, welchen Vorgesetzten man hat und wie der Kollgegenzusammenhalt ist. Doch ich konnte in den 3 Jahren meine Erfahrungen mit denen der anderen Azubis in meiner Berufsschulklasse austauschen. Und die meisten wurde in ihr Unternehmen viel mehr eingebunden, durften das ganze Haus kennenlernen (wenn das Unternehmen größer war), durften selbst kreativ sein und ihre Meinungen mit einbringen. Das alles hat mir gefehlt bei der Messe Berlin. Zum Schluss hieß es dann nur noch: "Wir können Sie nicht übernehmen". Klar, weil man als Azubi keine Kritik äußern, keine Verbesserungsvorschläge, gar eigene Ideen mit einbringen darf. Man muss sich bloß mit jedem gut stellen und am besten zu Allem JA sagen und sich den anderern Menschen, die dort arbeiten so anpassen, dass man am besten gar nicht auffällt. Individualität wird jedenfalls sehr klein geschrieben. Ich möchte niemanden Angst machen, sich dort bewerben. Man muss sich nur klar sein, dass man Pech haben kann und mit vielen "schwierigen" Kollegen zu tun haben kann. Ich finde es jedenfalls dennoch nicht gerechtfertigt, dass sich dort jedes Jahr so viele junge Leute auf die Stellen bewerben bei der dort herrschenden Ausbildungssituation. Im Übrigen werden für die Ausbildungsberufe scheinbar Frauen bevorzugt. In meiner Zeit, wurden zumindest deutlich mehr Mädchen als Jungs eingestellt, obwohl sich auch viele Männer bewerben. Selbst in der Berufsschule, in der ja jedes Jahr die Auszubildenden der Messe Berlin hingehen, ist dies schon aufgefallen. Bei der dual Studierenden ist es wieder ausgeglichener. Den Grund dafür konnten wir leider nicht herausfinden. Also an Frauen mangelt es jedenfalls insgesamt nicht.
Verbesserungsvorschläge
komplette Umstrukturierung des Ausbildungssystems bei der MB. Die Azubis mehr dabei einbinden und sie auch mal dazu anhören. Vielleicht auch von Seiten des Betriebsrates. Veränderungen und Optimierungen gibt es genug und sollten selbstverständlich sein!
Karrierechancen
Weiterbildungen werden regelmäßig angeboten, was ein absoluter Pluspunkt ist. Man geht nach seiner Ausbildung mit einer handvoll Zertifikaten und Zeugnissen raus. Kosten werden teilweise übernommen. Großer Minus-Punkt: man bekommt bis zum Schluss nicht mitgeteilt, ob man übernommen wird oder nicht. Die Messe Berlin hält sich das bis zum Ende hin offen, weil angeblich geguckt werden muss, ob nach der Ausbildung passende Stellen frei sind. Hierbei werden die Studenten, die das ganze Unternehmen während ihrer Ausbildung kennen lernen durften, bevorzugt behandelt. Dann kommen erst die Ausbildenden, von denen nicht alle übernommen werden. Weiterhin sollte man es nicht mit der Personalabteilung verscherzen, sonst ist man sowieso raus. Also immer schön lächeln und Ja sagen. Dann hat man danach einen Job in der Tasche. Kritik hört man von Seiten der Azubis nämlich gar nicht gerne. Ich gehe davon aus: Da die Azubis größtenteils ihre Meinungen nicht laut äußern dürfen, wurde bisher auch keine Jugend- und Auszubildenenvertretung eingerichtet, was eigentlich selbstverständlich ist in einem Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern und über 20 Azubis, oder?
Arbeitszeiten
Generell ist Gleitzeit mit Kernzeiten geregelt. Man wird komisch angeguckt, wenn man eine halbe Stunde später als anderen ins Büro kommt. Böse Blicke stehen gerade was Arbeitszeiten an der Tagesordnung. Wenn jemand eine Stunde früher geht (was sich sicher viele durch die vielen Überstunden verdient haben), kommt nur ein grimmiges "tschüss". Einige haben regelrecht Angst, eher als die anderern zu gehen, da sie befürchten die Kollegen tuscheln dann. Vom Vorgesetzten ist es im Übrigen auch nicht so gerne gesehen, dass man eher geht, als er/sie. Ich als Azubi wurde mehrfach gefragt, warum ich mir denn erlaube so "früh" schon zu gehen, wenn noch alle anderen im Büro ackern müssen und noch so viel Arbeit auf meinen Tisch liegt. Dass man als Auszubildender auch nach der Arbeit noch für Klausuren lernen muss und man am nächsten Tag Berufsschule hat, interessiert leider niemanden. Auch, dass Azubis nicht so viele Überstunden sammeln dürfen , wie ein normaler Arbeitnehmer, wird auch leider oft außer Acht gelassen. Dass Überstundenaufkommen einiger Azubis war teils ziemlich grenzwertig. Aber man soll ja flexibel sein... Zumindest durften wir diese auch irgendwann wieder abbauen.
Ausbildungsvergütung
In meiner Berufsschulklasse waren die Messe Berlin Azubis, die mit der höchsten Ausbildungsvergütung von allen. Ein großes Plus!
Die Ausbilder
Die Vorgesetzten, die ich während meiner Ausbildung kennengelernt habe, hatten kein großes Interesse an den Azubis. Wir sollten unsere Arbeiten schnell und sorgfältig erledigen. Für alles andere hatten sie kein offenes Ohr. Ich habe die Erfahrungen gemacht, dass die Führungspersonen, die in den jeweiligen Projektteams tätig sind, teils unter Dauerstress stehen und sich daher keine Zeit für die Belange und Fragen der Azubis haben. Sie gehen dem regelrecht aus dem Weg. Nach außen hin versucht die MB den schönen Schein zu wahren, jedoch laufen intern gerade was die Ausbildung angeht, viele Dinge schlecht.
Spaßfaktor
Da man zu 80% nur im Büro sitzt und sich ein Jahr lang auf eine Messe vorbereitet, die dann 3 Tage geht, ist der Spaßfaktor im allgemeines eher gen Null. Gerade unter den Kollegen gibt es viel Neid und Missgunst, was nicht gerade von einer angenehmen Arbeitsatmosphäre zeugt. Gelacht wird viel, aber wohl eher über andere...
Aufgaben/Tätigkeiten
Entweder man wird als Azubi mit Arbeit nahezu vollgestopft oder man hat schlichtweg gar nichts zu tun. Kommt darauf an, in welchem Team man eingesetzt ist, ist der Arbeitsaufwand entsprechend hoch oder niedrig. Manchmal war es so, dass ich mehrere Überstunden machen MUSSTE. An anderen Tagen habe ich mich einfach nur gelangweilt und wurde mit irgendwelchen Excel-Tabellen und Datenbanken beschäftigt.
Variation
Ich persönlich wurde während meiner Ausbildung in weniger als 3 Abteilungen eingesetzt, was absolut nicht sein kann. So ein großes Unternehmen bietet so viele Möglichkeiten, die Azubis allumfassend einzusetzen und anzulernen. Später wird man nicht übernommen und die weite Welt einfach so entlassen und steht dann da mit einem Abschlusszeugnis, in dem steht, dass man in nur 5% des gesamten Unternehmens kennengelernt hat. Mal abgesehen davon, dass dies für eine schlechte Qualität der Ausbildung spricht, ist dies auch nicht gerade imagefördernd. Ich denke das dies so gewollt ist, denn die sowohl die Azubis als auch die Studenten, die bei der MB ein duales Studium absolvieren, jeweils rotieren zu lassen, würde mehr Arbeitsaufwand bedeuten. Die Studenten werden hierbei bevorzugt behandelt. Sie wechseln alle 3 Monate die Abteilung und haben nach 3 Jahren Studium somit fast das komplette Haus kennengelernt. Die "normalen" Auszubildenden dürfen sich oftmals nur mit einer oder zwei Abteilungen zufrieden geben. Die Bitte, dass man noch woanders eingesetzt werden möchte, wird abgelehnt. Weiterhin wird man teilweise wird man für eine längere Zeit in Arbeitsbereichen eingesetzt, die absolut nichts mit der Ausbildung zu tun haben.