Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv ist zunächst einmal, dass ich hier aktuell noch meinen Lebensunterhalt verdienen kann auch wenn es für mich inzwischen deutlich weniger ist als zuvor. Nach vielen Jahren hätte ich an dieser Stelle gerne deutlich mehr Positives über meinen Arbeitgeber geschrieben.
Was mir allerdings zunehmend fehlt, ist die Perspektive. Ich weiß momentan schlicht nicht, wie es hier langfristig weitergehen soll. Das beschäftigt mich nicht nur mit Blick auf meinen eigenen Arbeitsplatz. Ein Unternehmen dieser Größe und Bedeutung hat auch Auswirkungen auf viele Menschen und die Region.
Umso schwerer fällt es mir nachzuvollziehen, wie Entscheidungen mit solch weitreichenden Folgen getroffen und kommuniziert werden. Bei mir entsteht dabei teilweise der Eindruck, dass die persönlichen Auswirkungen auf die betroffenen Mitarbeiter deutlich weniger Gewicht haben, als ich es mir wünschen würde.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Am meisten enttäuscht mich, wie man sich als Mitarbeiter in einem Unternehmen behandelt fühlen kann, das sich selbst als Familienunternehmen versteht. Gerade damit verbinde ich Werte wie Verantwortung, Zusammenhalt, Verlässlichkeit und einen respektvollen Umgang miteinander.
Von diesem Gefühl ist für mich aktuell nicht mehr viel übrig. Wenn Menschen, die teilweise seit vielen Jahren oder Jahrzehnten ihren Beitrag leisten, zunehmend das Gefühl bekommen, nur noch eine Zahl, eine Kostenstelle oder Teil einer Umstrukturierung zu sein, läuft aus meiner Sicht etwas grundlegend falsch.
Natürlich muss auch ein Familienunternehmen wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Aber das „Wie“ macht einen Unterschied. Genau dieses Wie empfinde ich derzeit als besonders enttäuschend.
Deshalb bleibt bei mir am Ende vor allem eine Frage hängen: Wie kann man sich in einem Familienunternehmen als Mitarbeiter nur so behandelt fühlen?
Verbesserungsvorschläge
Ein Anfang wäre, sich überhaupt erst einmal einzugestehen, dass es Probleme gibt, die angegangen werden müssen. Nicht jedes Problem lässt sich durch Umstrukturierungen, neue Prozesse oder schöne Kommunikation lösen. Manchmal muss man zuerst ehrlich anerkennen, dass etwas nicht gut läuft. Das wäre für mich bereits der wichtigste erste Schritt.
Arbeitsatmosphäre
Solange alles läuft, bekommt man von den Vorgesetzten aus meiner Sicht kaum etwas mit. Erst wenn Probleme auftreten, werden sie plötzlich präsent. Im Arbeitsalltag hatte ich häufig das Gefühl, weitgehend auf mich allein gestellt zu sein.
Die derzeitige Stimmung empfinde ich als sehr angespannt und belastend. Gerade in einer solchen Situation hätte ich mir deutlich mehr Rückhalt, echtes Mitgefühl und Unterstützung durch die Führung gewünscht. Davon habe ich persönlich jedoch nur sehr wenig wahrgenommen. Für mich entsteht dadurch keine Arbeitsatmosphäre, die von Vertrauen, Zusammenhalt und Wertschätzung geprägt ist.
Image
Das Image ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Es gibt sicherlich Mitarbeiter, die es bei Miele sehr gut getroffen haben, zufrieden sind und entsprechend positiv über das Unternehmen sprechen und das möglicherweise auch vollkommen zu Recht. Gleichzeitig gibt es Kollegen, die von Veränderungen und Entscheidungen sehr hart getroffen wurden und deshalb ein völlig anderes Bild vom selben Arbeitgeber haben.
Wer hat also recht? Wahrscheinlich kann es darauf keine pauschale Antwort geben. Ein Unternehmen dieser Größe kann von zwei Mitarbeitern völlig unterschiedlich erlebt werden. Deshalb möchte ich auch nicht für andere sprechen, sondern ausschließlich meine persönliche Erfahrung bewerten.
Und aus meiner persönlichen Sicht stimmen das nach außen vermittelte Image und die Realität, die ich inzwischen im Unternehmen erlebe, nicht mehr ausreichend überein. Ich bin mit der aktuellen Entwicklung nicht zufrieden. Gerade weil ich weiß, dass Miele aus meiner Sicht auch anders kann, empfinde ich diese Entwicklung als besonders enttäuschend.
Work-Life-Balance
Im Großen und Ganzen ist die Work-Life-Balance aktuell noch in Ordnung. Allerdings nehme ich auch hier eine deutliche Veränderung wahr. Immer mehr Verantwortung wird auf die Mitarbeiter und Kollegen übertragen. Grundsätzlich kann mehr Eigenverantwortung durchaus positiv sein allerdings nur, wenn dafür auch die notwendigen personellen Kapazitäten vorhanden sind.
Durch den Personalabbau werden die Spielräume aus meiner Sicht jedoch immer kleiner. Weniger Personal soll zunehmend mehr Verantwortung auffangen. Aktuell funktioniert vieles noch, aber ich frage mich ernsthaft, wie lange dieses System noch trägt. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, befürchte ich, dass irgendwann ein Punkt erreicht wird, an dem die Belastung für die verbleibenden Mitarbeiter nicht mehr vernünftig aufzufangen ist.
Karriere/Weiterbildung
Auch Karriere und Weiterbildung sind für mich ein zweischneidiges Schwert. Wer die richtige Möglichkeit bekommt und gefördert wird, kann sicherlich sehr positiv darüber berichten. Auf der anderen Seite erlebe ich Mitarbeiter, die trotz Qualifikation und Engagement von ihren Entwicklungsmöglichkeiten inzwischen schlicht enttäuscht sind.
Fair empfinde ich die Karrierechancen nicht. Natürlich ist für bestimmte Positionen Erfahrung notwendig und nicht jeder Mitarbeiter kann automatisch den nächsten Karriereschritt machen. Was ich jedoch kritisch sehe: Es gibt aus meiner Sicht qualifizierte und gut ausgebildete eigene Mitarbeiter, die sich gerne weiterentwickeln würden, dafür aber kaum eine echte Perspektive bekommen. Gleichzeitig erlebe ich, dass für entsprechende Aufgaben teilweise bereits fertige Experten von außen eingestellt werden. Externe Expertise kann selbstverständlich notwendig und sinnvoll sein – aber wenn gleichzeitig qualifizierte eigene Mitarbeiter keine realistische Chance bekommen, sich genau dorthin zu entwickeln, stellt sich für mich die Frage, welchen Stellenwert interne Personalentwicklung tatsächlich hat.
Besonders nachdenklich machen mich in diesem Zusammenhang
Gehalt/Benefits
Der Lohn kommt pünktlich da gibt es für mich kein Wenn und Aber. Bezahlt wird nach Tarif, und die zuverlässige Auszahlung ist definitiv positiv hervorzuheben.
Kritischer sehe ich allerdings, wie sich Leistung tatsächlich im Entgelt widerspiegelt. Theoretisch gibt es Möglichkeiten, besonders gute Leistung zusätzlich zu honorieren. Nach meiner Erfahrung werden diese Möglichkeiten jedoch längst nicht immer ausgeschöpft. Dadurch entsteht für mich erneut das Problem, dass sich überdurchschnittlicher Einsatz finanziell teilweise kaum bemerkbar macht.
Besonders kritisch sehe ich die Entwicklung im Zuge der Umstrukturierungen. Ich nehme wahr, dass bei Beurteilungen teilweise weniger Punkte vergeben werden und sich dadurch die Eingruppierung bzw. die individuelle Vergütung verschlechtert. Gleichzeitig erlebe ich, dass Tätigkeiten bzw. Stellen nicht mehr als Facharbeiterstellen bewertet werden, obwohl an der entsprechenden Anlage weiterhin ein ausgebildeter Facharbeiter eingesetzt wird.
Natürlich sind Stellenbewertung, Qualifikation des Mitarbeiters und tarifliche Eingruppierung nicht automatisch dasselbe. Für den betroffenen Mitarbeiter ist es trotzdem schwer nachvollziehbar, wenn er m
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim Thema Umwelt- und Klimaschutz sehe ich Miele grundsätzlich sehr weit vorne. Es wird viel unternommen und das Thema hat im Unternehmen einen hohen Stellenwert. Natürlich gibt es aus meiner Sicht auch hier noch Verbesserungspotenzial, insgesamt bewerte ich diesen Bereich aber positiv.
Manchmal sind es allerdings gerade die ganz einfachen Dinge, bei denen ich mich wundere: Bei allen großen Nachhaltigkeitszielen würde an der einen oder anderen Stelle manchmal schon ein einfacher Lichtschalter helfen. Nachhaltigkeit muss nicht immer kompliziert sein.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den direkten Kollegen ist wirklich gut. Im eigenen Bereich unterstützt man sich gegenseitig und hält zusammen. Abteilungsübergreifend erlebe ich jedoch teilweise ein völlig anderes Bild.
Dort habe ich immer wieder den Eindruck, dass der eigene Vorteil bzw. die Interessen der eigenen Abteilung an erster Stelle stehen. Was Entscheidungen für andere Kollegen oder Abteilungen bedeuten, scheint dabei teilweise kaum eine Rolle zu spielen. Dieses ausgeprägte Abteilungsdenken empfinde ich als sehr enttäuschend. Statt gemeinsam an einem Strang zu ziehen und im Sinne des gesamten Unternehmens zu handeln, entsteht für mich viel zu oft der Eindruck: Hauptsache, für den eigenen Bereich passt es – was danach kommt, ist das Problem der anderen.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier habe ich ein zwiespältiges Bild. Viele langjährige Mitarbeiter sind mittlerweile in einem Alter, in dem bestimmte körperliche Tätigkeiten – gerade in der Fertigung – naturgemäß nicht mehr genauso leichtfallen wie einem 20- oder 30-Jährigen. Das hat für mich ausdrücklich nichts mit mangelnder Leistungsbereitschaft zu tun. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, kann nicht in jeder körperlichen Tätigkeit dauerhaft an denselben Maßstäben gemessen werden wie deutlich jüngere Kollegen.
Problematisch empfinde ich, dass nach meiner Wahrnehmung zunehmend auch von älteren Mitarbeitern Leistungen und Tätigkeiten erwartet werden, die deren Alter und körperliche Belastbarkeit zu wenig berücksichtigen. Besonders befremdlich finde ich Situationen, in denen sinngemäß auf ein ärztliches Attest verwiesen wird, wenn bestimmte Arbeiten nicht mehr oder nicht mehr im gleichen Umfang möglich sind.
Nicht jede altersbedingte Einschränkung ist für mich automatisch eine Krankheit, für die ein Attest vorgelegt werden müsste. An manchen Stellen sollte aus meiner Sicht auch der gesunde Menschenverstand ausreichen, um zu erkennen, dass ein Mitarbeiter nach Jahrzehnten körperlicher Arbeit andere Voraussetzunge
Vorgesetztenverhalten
Zunächst stellt sich für mich die Frage, von welcher Führungsebene wir sprechen. Die direkten Vorgesetzten sind noch sehr nah an der Basis und bekommen den täglichen Druck selbst zu spüren. Je weiter man in der Hierarchie nach oben kommt, desto größer empfinde ich allerdings auch die Distanz zu den Mitarbeitern und teilweise leider auch die Arroganz im Umgang mit ihnen. Bei mir entsteht dabei nicht selten der Eindruck: Nach oben möglichst gut dastehen, während der Druck nach unten weitergegeben wird.
Besonders kritisch sehe ich den Umgang mit Konflikten. Gespräche finden durchaus statt das allein bedeutet für mich aber noch keine gute Konfliktlösung. Ich habe mehrfach erlebt, dass Konflikte aus meiner Sicht nicht wirklich gelöst wurden. Mir sind zudem mehrere Kollegen bekannt, die nach solchen ungelösten Konfliktsituationen letztlich die Abteilung gewechselt haben.
Von Führung erwarte ich nicht nur, Gespräche zu führen, sondern Probleme tatsächlich aufzugreifen, unterschiedliche Seiten ernst zu nehmen und auf eine tragfähige Lösung hinzuarbeiten. Genau diese Fähigkeit vermisse ich auf manchen Führungsebenen deutlich.
Arbeitsbedingungen
Bei den Arbeitsbedingungen erlebe ich teilweise eine regelrechte Drei-Klassen-Gesellschaft. Natürlich ist mir bewusst, dass nicht jede Abteilung und jedes Gebäude gleich alt ist und deshalb nicht überall identische Voraussetzungen herrschen können. Die Unterschiede empfinde ich teilweise trotzdem als enorm.
Das fängt bereits bei einfachen Dingen an: Während man in manchen Bereichen sehr moderne und gepflegte Sanitäranlagen vorfindet, habe ich andernorts Toiletten mit Schäden an Decken, defekten Toilettensitzen oder regelmäßig leeren Seifenspendern erlebt.
Ähnlich sieht es bei der Ausstattung aus. Manche Abteilungen können zahlreiche Annehmlichkeiten nutzen teilweise sogar Geräte aus der eigenen Produktpalette wie Kaffeevollautomaten, Backöfen oder Kühlschränke. In anderen Bereichen kann man dagegen schon froh sein, wenn privat mitgebrachte Elektrogeräte nach entsprechender Prüfung überhaupt genutzt werden dürfen.
Auch hohe Temperaturen sind in einigen Bereichen ein Thema. Mir ist durchaus bewusst, dass eine vollständige Klimatisierung gerade in bestehenden Produktionsgebäuden technisch und wirtschaftlich nicht überall einfach umzusetzen ist. Aber Wertschätzung muss nicht immer
Kommunikation
Es wird zwar regelmäßig über Ergebnisse und die aktuelle Situation informiert. Mit zunehmender Betriebszugehörigkeit habe ich jedoch immer stärker den Eindruck gewonnen, dass Zahlen und Informationen sehr gezielt ausgewählt und dargestellt werden. Für mich entsteht dadurch häufig das Gefühl, dass Informationen vor allem so vermittelt werden, dass sie für das Unternehmen möglichst vorteilhaft wirken.
Die Kommunikation empfinde ich deshalb nicht als wirklich offen und transparent. Kritische Punkte werden aus meiner Sicht häufig so geschickt formuliert und verpackt, dass zwar informiert wurde, gleichzeitig aber möglichst wenig Angriffsfläche für die Verantwortlichen entsteht. Gerade bei schwierigen Themen würde ich mir eine deutlich offenere, ehrlichere und nachvollziehbarere Kommunikation wünschen.
Gleichberechtigung
Hier gibt es von mir tatsächlich fünf Sterne. Nach meiner Wahrnehmung haben Frauen bei Miele die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie Männer. Eine Benachteiligung von Frauen konnte ich in meinem Arbeitsumfeld nicht feststellen.
Wenn überhaupt, hatte ich persönlich in einzelnen Situationen eher den umgekehrten Eindruck: dass sehr darauf geachtet wird, keinesfalls den Eindruck einer Bevorzugung von Männern entstehen zu lassen, und dabei möglicherweise manchmal über das Ziel hinausgeschossen wird. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass dies lediglich mein persönliches Gefühl ist. Ich habe keine belastbaren Fakten, anhand derer ich eine systematische Benachteiligung von Männern behaupten könnte.
Unterm Strich ist die Gleichberechtigung für mich einer der Punkte, bei denen das Unternehmen sehr viel richtig macht. Daher hier auch konsequent fünf Sterne.
Interessante Aufgaben
Fair? Gleichbehandlung wird zwar großgeschrieben – und grundsätzlich ist das auch richtig. Für mich bedeutet Gleichbehandlung aber nicht automatisch Fairness. Wenn Mitarbeiter mit sehr unterschiedlichem Einsatz und unterschiedlicher Leistung am Ende immer wieder gleich behandelt werden, empfinde ich das gerade gegenüber denjenigen, die dauerhaft viel leisten, als demotivierend.
Nach meiner Erfahrung führt gute Leistung leider häufig vor allem dazu, dass man noch mehr Arbeit und Verantwortung bekommt. Gleichzeitig erlebe ich, dass Mitarbeiter, die deutlich weniger leisten, eher geschont werden. Die zusätzliche Belastung landet dadurch immer wieder bei denjenigen, von denen man weiß, dass sie die Arbeit zuverlässig erledigen. Leistung wird damit aus meiner Sicht nicht belohnt, sondern teilweise regelrecht mit zusätzlicher Arbeit „bestraft“.
Besonders frustrierend wird es, wenn man diese zunehmende Belastung anspricht. Ich habe dabei erlebt, dass sinngemäß gefragt wird, was denn plötzlich los sei, oder vermittelt wird, man solle nicht übertreiben. Wer lange viel auffängt, scheint damit schnell einen neuen Normalzustand zu schaffen – und sobald man eine Grenze anspricht, wird nicht u