Extrem unterbesetzt, Dauerstress & chaotische Abläufe
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorzuheben sind die Mitarbeiter-Raten in anderen Motel One und The Cloud One, die ich selbst schon häufig genutzt habe. Dadurch konnte ich günstig in unseren Hotels übernachten, mir nach einem Konzert oder einem Abend in einer anderen Stadt unkompliziert noch eine Übernachtung gönnen, statt spät nach Hause fahren zu müssen, und auch bereits Urlaube von bis zu einer Woche in den Hotels verbringen. Die Raten sind dabei wirklich sehr großzügig – ich kann mir kaum vorstellen, dass andere Hotelketten ihren Mitarbeitenden vergleichbar günstige Konditionen bieten. Zusätzlich sind das jährliche Sommerfest, die Weihnachtsfeier sowie der One Cup (Fußballturnier unter den Hotels) positiv zu erwähnen. Die Events sind in der Regel gut organisiert, großzügig gestaltet und bieten zumindest gelegentlich einen schönen Ausgleich zum Arbeitsalltag sowie die Möglichkeit, Kolleg*innen aus anderen Hotels kennenzulernen. Ebenfalls positiv ist die gute Auswahl an kostenlosen Schulungen, die Mitarbeitenden zur Weiterentwicklung angeboten werden und grundsätzlich sinnvoll sind.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Arbeit kann Spaß machen, wenn genug Personal vorhanden ist, aber aktuell herrscht dauerhaft Überlastung. Seit der Investorenübernahme wird massiv am Personal gespart, sodass man oft die Arbeit von zwei Leuten alleine an der Rezeption erledigen muss – zusätzlich muss man das Kaffeegeschäft und die Bar betreuen, wodurch man eigentlich die Arbeit von durchschnittlich zwei bis drei Leuten macht. Dauerstress ist die Regel.
Monatelang hatte ich kein einziges Wochenende frei, da der Front Office Manager (FOM) sich jedes Wochenende rausgepickt hat und die gleiche Gruppe von Mitarbeitenden dauerhaft für die Wochenenden einteilte. Der FOM war selten an der Rezeption, saß 95 % der Zeit im Büro und bot keinerlei Transparenz darüber, was er eigentlich tut. Es wirkte oft so, als würde er nicht richtig arbeiten, da er viele und lange Raucherpausen sowie ausgedehnte Mittagspausen inklusive Essen holen machte, die häufig über eine halbe Stunde hinausgingen. Erst nach seinem Weggang achtet der Front Office Supervisor (FOS) wieder auf gerechtere Dienstpläne, aber die vorherige Führung hat viele Mitarbeitende stark belastet.
Seit der Umstellung auf Opera herrscht Chaos: mangelhafte Schulungen und eine schlechte Einarbeitung. Nach all der Zeit kommt man immer noch nicht gut mit dem System zurecht und kann viele seiner Aufgaben nicht mehr flüssig erledigen. Pausen werden häufig unterbrochen oder fallen komplett aus, da nur die Rezeption mit Opera arbeiten kann und andere Abteilungen die Zeit oft nicht für uns überbrücken können. Mitarbeitende werden mindestens einmal während der Pause für Check‑Ins oder andere Aufgaben zurückgeholt, da wir Gäste nicht warten lassen dürfen, wenn der Check‑In ab 15 Uhr garantiert ist. Liegt der Check‑In jedoch vor 15 Uhr, kann man den Gästen zumindest mitteilen, dass das Zimmer noch nicht fertig ist und die Kollegen aus den anderen Abteilungen können ihnen das Gepäck bis zum regulären Check‑In abnehmen.
Die Stimmung im gesamten Team und allen Abteilungen ist seit Monaten extrem negativ, da alle überlastet und gestresst sind. Viele Mitarbeitende suchen sich bereits aktiv eine neue Stelle. Die Strategie, pro Jahr mehr Hotels zu eröffnen, aber beim Personal zu sparen, ist kurzsichtig. So herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, und die meisten Mitarbeitenden werden das Unternehmen nicht lange halten.
Auch das Incentive-System, das von Gästebewertungen abhängt, ist problematisch: Die hohe Arbeitsbelastung wird durch das System nicht honoriert, sondern eher „bestraft“, weil Dauerstress und Unterbesetzung dazu führen, dass Gäste unzufrieden sind und teilweise echt lange warten müssen - sei es an der Rezeption oder an der Bar. Ohne grundlegende Verbesserungen in Personalplanung, Arbeitsabläufen und Kommunikation wird es schwer, langfristig motiviert und gesund zu bleiben.
Verbesserungsvorschläge
1. Personalplanung überarbeiten:
• Ausreichend Personal einplanen, sodass Mitarbeitende nicht dauerhaft die Arbeit von zwei bis drei Personen alleine stemmen müssen.
• Faire Wochenend- und Schichtverteilung sicherstellen, um Überlastung einzelner Mitarbeitender zu vermeiden.
2. Arbeitsabläufe und Schulungen verbessern:
• Bei Systemumstellungen (z. B. Opera) ausreichend Schulungen und Einarbeitung anbieten.
• Abläufe so gestalten, dass Pausen eingehalten werden können und Mitarbeitende nicht ständig unterbrochen werden.
3. Incentive-System anpassen:
• Incentives und Boni sollten realistisch erreichbar sein und die Überlastung der Mitarbeitenden berücksichtigen.
4. Mitarbeitergesundheit fördern:
• Regelmäßige Gesundheitsmaßnahmen und Vorsorgeaktionen anbieten.
• Stressprävention und Rückzugsmöglichkeiten unterstützen.
5. Transparenz und Kommunikation stärken:
• Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Führungskräften klar kommunizieren.
• Feedback- und Beschwerdestrukturen etablieren, damit Mitarbeitende sich gehört fühlen.
6. Langfristige Mitarbeiterbindung fördern:
• Fluktuation reduzieren, indem Arbeitsbelastung, Gehalt, Incentives und Benefits realistisch an die Arbeitslast angepasst werden.
• Positive Aspekte wie die Mitarbeiter-Raten noch stärker herausstellen und ggf. erweitern.


