Hohe Erwartungen, wenig Gegenleistung.
Arbeitsatmosphäre
Moderne und ansprechend gestaltete Räumlichkeiten. Es gibt Spülbecken mit Trinkwasser-, Sprudel- und Heißwasserfunktion. Eine Tiefgarage ist vorhanden, kostet allerdings rund 50 € im Monat und die Einfahrt ist relativ eng. Der Zugang zum Gebäude erfolgt per Chip.
Viele Open Workspaces. Grundsätzlich kein Problem, problematisch wird es allerdings, wenn Abteilungen, die mit sensiblen Daten arbeiten, in offenen Bereichen sitzen müssen, während betriebs- und abteilungsfremde Personen dort frei herumlungern.
Die „gut durchdachte“ Arbeitsplatzaufteilung stammte übrigens persönlich von der Tochter des Geschäftsführers, ohne jeglichen Input vom Kollegium.
Seid der Übernahme durch den neuen Gesellschafter hat die Geschäftsführung jegliche Sentimentalität und rede von der MYVI Family aus dem Fenster geworfen.
Image
Leider in etwas verzerrt was nicht mehr wiederzuerkennen ist.
Work-Life-Balance
Homeoffice war grundsätzlich möglich, allerdings gab es keine einheitliche Regelung. Gleichzeitig wurde von der Geschäftsführung immer wieder Präsenz im Büro erwartet, wodurch die tatsächliche Möglichkeit zum Homeoffice stark von der jeweiligen Situation und den Vorstellungen der Geschäftsführung abhing.
Karriere/Weiterbildung
Es wurden regelmäßig Kurse über das KI angeboten, allerdings waren die meisten auf den Vertrieb ausgeschnitten. Es gab paar spannende Seminare wie das Struktogramm und das Triogramm, an denen man als Teil des benefits kostenlos teilnehmen konnte.
Von Weiterbildung keine Spur. Nach außen wird zwar vermittelt, dass Weiterbildung gefördert wird. Spricht man das Thema jedoch konkret an, bekommt man gemischte Signale und am Ende passiert nichts.
Arbeitsbedingungen
Die Geschäftsführung verlagert den Druck und die unrealistischen Erwartungen des Vertriebs ungefiltert an den Betrieb weiter. In Betriebsversammlungen wird regelmäßig die Misere des Unternehmens thematisiert, wobei die Verantwortung dafür gerne indirekt bei den Mitarbeitern gesucht wird.
Gleichzeitig herrschen teilweise obskure Qualitätsanforderungen. Klare, nachvollziehbare Kriterien, an denen man seine Arbeit ausrichten kann, sucht man vergeblich. Was heute als ausreichend gilt, kann morgen plötzlich nicht mehr genügen. Leistung wird dadurch schwer planbar und objektiv kaum bewertbar.
Es wurde sehr viel Engagement und Einsatzbereitschaft erwartet. Dabei wurde allerdings regelmäßig die Grenze zwischen berechtigter Erwartung und Ausnutzung überschritten. Wer sich stark einbringt, bekommt nicht automatisch Anerkennung oder entsprechende Gegenleistung, stattdessen wird zusätzlicher Einsatz schnell als selbstverständlich angesehen.
Gehalt/Benefits
Die Gehälter liegen deutlich unter dem Durchschnitt. Benefits gab es in Form einer Betrieblichen Vorsorge, die für einen Start up dennoch neat waren.
Vom Arbeitgeber wurde häufig eine leistungsgerechte Bezahlung vermittelt, nach dem Motto: „Arbeitet hart, und ihr werdet dafür belohnt.“ Sowohl die meisten Kollegen als auch ich haben davon allerdings nie etwas zu spüren bekommen. Das Gehalt hängt meiner Erfahrung nach weniger von der tatsächlichen Leistung oder Qualität der Arbeit ab, sondern eher vom persönlichen „Social Capital“. In dieser Hinsicht stehen die Kinder der Geschäftsführung ganz oben auf der Liste.
Das Gehalt wurde im Rahmen der Gehaltsverhandlung zwar erhöht, lag danach aber immer noch deutlich unter dem Durchschnitt. Selbst wenn man nachvollziehbar darlegt, dass der Gehaltswunsch im Rahmen liegt und man nachweislich zum Unternehmenserfolg beigetragen hat, stößt man bei der Geschäftsführung auf wenig Verständnis. Stattdessen werden auf obskure Qualitätsansprüche verwiesen. Der eigene Beitrag wird dabei im Grunde komplett entwertet nach dem Motto: Alles, was man geleistet hat, ist bedeutungslos, wenn es nicht in die subjektive Bewertung der Geschäftsführung passt.