Vieles ist gut – die aktuellen Entwicklungen geben trotzdem Anlass zur Sorge
Gut am Arbeitgeber finde ich
NetCologne IT Services bietet grundsätzlich interessante und abwechslungsreiche Aufgaben, insbesondere im technischen Umfeld. Die technische Ausstattung und die grundlegenden Arbeitsbedingungen sind gut.
Eine der größten Stärken sind für mich die Kolleginnen und Kollegen. Der Zusammenhalt ist gerade auch dann sehr gut, wenn die Belastung hoch ist. Man unterstützt sich gegenseitig, teilt Wissen und versucht gemeinsam, Probleme zu lösen.
Auch die Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung sind grundsätzlich vorhanden. Positiv finde ich außerdem, dass Themen wie Nachhaltigkeit, Vielfalt und ein modernes Arbeitsumfeld grundsätzlich einen Stellenwert haben.
Insgesamt sehe ich daher durchaus die Voraussetzungen für einen sehr guten Arbeitgeber.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das größte Problem sehe ich aktuell weniger bei den Menschen als bei der Organisation der Arbeit.
Es gibt aus meiner Sicht dauerhaft zu viele parallele Anforderungen für die vorhandenen Kapazitäten. Betrieb, Tickets, Projekte, Kundenanforderungen, Fehleranalysen, Dokumentation, Automatisierung und Weiterentwicklung konkurrieren häufig um dieselbe Arbeitszeit. Dadurch entsteht ein zunehmend reaktiver Arbeitsmodus: Das Dringende wird erledigt, während wichtige nachhaltige Arbeiten immer wieder nach hinten verschoben werden.
Problematisch finde ich dabei weniger, dass diese Situation nicht erkannt würde. Überlastung und Kapazitätsprobleme werden durchaus angesprochen. Mir fehlt vielmehr häufiger die Konsequenz daraus. Wenn bekannt ist, dass eine Mannschaft bereits ausgelastet ist, kann nicht dauerhaft einfach noch mehr Arbeit priorisiert werden.
Auch bei Kommunikation und Führung sehe ich Verbesserungsbedarf. Entscheidungen werden teilweise aus einer Managementperspektive getroffen, ohne die Auswirkungen auf die operative Ebene ausreichend zu berücksichtigen. Dadurch entsteht bei Mitarbeitern der Eindruck, dass Probleme zwar gehört, aber nicht konsequent gelöst werden.
Die aktuelle Veränderung der Homeoffice-Regelung ist für mich ein Beispiel dafür, bei dem die tatsächlichen Arbeitsbedingungen und die unterschiedlichen Tätigkeiten der Teams stärker berücksichtigt werden sollten.
Beim Thema Gleichberechtigung sehe ich ebenfalls noch Entwicklungspotenzial. Die Geschlechterverteilung zwischen technischen Bereichen und Innendienst ist weiterhin deutlich unausgewogen. „Es bewerben sich halt keine Frauen“ sollte aus meiner Sicht für einen modernen Arbeitgeber nicht das Ende der Betrachtung sein. Auch queere Gleichberechtigung gehört für mich zu einem modernen Arbeitsumfeld. Nach außen ist hier bereits einiges vorhanden, im interkollegialen Alltag gibt es meiner Wahrnehmung nach aber teilweise noch eine gewisse Zurückhaltung.
Auffällig finde ich aktuell außerdem die Häufung sehr positiver Bewertungen, während teilweise deutlich kritischere Bewertungen nicht mehr auffindbar sind. Ob dahinter eine bewusste Steuerung steckt, kann und möchte ich nicht beurteilen. In der Summe hinterlässt es bei mir jedoch einen zumindest irritierenden Eindruck.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht braucht es vor allem mehr Konsequenz bei bereits bekannten Problemen.
1. Realistische Kapazitätsplanung:
Nicht dauerhaft mehr Arbeit einplanen, als mit den vorhandenen Ressourcen bewältigt werden kann. Wenn die Kapazität nicht ausreicht, müssen Prioritäten tatsächlich verändert werden.
2. Verbindliche Priorisierung:
Nicht alles kann gleichzeitig höchste Priorität haben. Wenn neue dringende Themen hinzukommen, sollte transparent festgelegt werden, welche anderen Aufgaben dafür verschoben oder nicht begonnen werden.
3. Zeit für nachhaltige technische Arbeit schaffen:
Automatisierung, Dokumentation, Fehleranalyse, Prozessverbesserung und präventive Wartung sollten feste Bestandteile der Kapazitätsplanung sein und nicht nur erledigt werden, wenn zufällig Zeit übrig bleibt.
4. Aus Problemen Konsequenzen ziehen:
Wenn Überlastung oder strukturelle Probleme wiederholt festgestellt werden, sollten daraus konkrete Entscheidungen entstehen: Ressourcen schaffen, Projekte verschieben, Anforderungen reduzieren oder Prozesse verändern.
5. Mitarbeiter früher einbinden:
Bei organisatorischen Veränderungen sollten die betroffenen Mitarbeiter und Teams frühzeitig beteiligt werden. Das gilt insbesondere für Änderungen von Arbeitsmodellen und der Homeoffice-Regelung. Unterschiedliche Tätigkeiten brauchen nicht zwangsläufig identische Lösungen.
6. Führung stärker an der operativen Realität ausrichten:
Führung sollte nicht nur vermitteln, warum bestimmte Aufgaben wichtig sind, sondern auch entscheiden, welche anderen Aufgaben dafür warten müssen. Druck sollte nicht einfach entlang der Hierarchie weitergereicht werden.
7. Erfahrungswissen stärker sichern:
Die Bindung erfahrener Mitarbeiter sollte eine höhere Priorität bekommen. Das Wissen über Systeme, Kunden und gewachsene Prozesse lässt sich nicht kurzfristig ersetzen.
8. Gleichberechtigung und Vielfalt weiterentwickeln:
Bei der Geschlechterverteilung sollte sich das Unternehmen nicht mit „es bewerben sich keine Frauen“ zufriedengeben, sondern Recruiting, Ansprache und Rahmenbedingungen kritisch hinterfragen. Gleichzeitig sollte queere Gleichberechtigung nicht nur nach außen kommuniziert, sondern auch im interkollegialen Alltag selbstverständlich gelebt werden.
9. Kritik sichtbarer in Verbesserungen überführen:
Mitarbeiter müssen nicht nur das Gefühl haben, dass ihre Kritik angehört wird. Es sollte auch nachvollziehbar sein, was daraus folgt. Das würde aus meiner Sicht wesentlich mehr Vertrauen schaffen.
Ich würde mir insgesamt nicht unbedingt mehr Maßnahmen wünschen, sondern eine konsequentere Umsetzung der Erkenntnisse, die im Unternehmen bereits vorhanden sind.
Arbeitsatmosphäre
Grundsätzlich erlebe ich die Arbeitsatmosphäre als gut, insbesondere innerhalb der Teams. Der Kollegenzusammenhalt sorgt auch bei hoher Belastung dafür, dass die Arbeit funktioniert.
Gleichzeitig hat die dauerhaft hohe Arbeitslast Auswirkungen auf die Atmosphäre. Wenn ständig kurzfristige Anforderungen, Tickets und zusätzliche Themen priorisiert werden müssen, entsteht schnell ein reaktiver Arbeitsmodus.
Mein Verbesserungsvorschlag wäre, Belastung nicht nur zu erfassen, sondern daraus auch Konsequenzen abzuleiten. Eine realistische Kapazitätsplanung und eine verbindliche Priorisierung würden aus meiner Sicht viel Druck aus dem Alltag nehmen.
Kommunikation
Kommunikation findet statt und Probleme können grundsätzlich angesprochen werden.
Die entscheidende Frage ist für mich allerdings weniger, ob kommuniziert wird, sondern was anschließend daraus entsteht.
Wenn Mitarbeiter wiederholt auf Überlastung, Priorisierung oder strukturelle Probleme hinweisen, sollte irgendwann eine konkrete Veränderung sichtbar werden.
Gerade bei größeren organisatorischen Veränderungen – beispielsweise bei der Homeoffice-Regelung – halte ich es für wichtig, die betroffenen Teams frühzeitig einzubeziehen, unterschiedliche Arbeitsrealitäten zu berücksichtigen und Entscheidungen transparent zu begründen.
Das würde aus meiner Sicht deutlich mehr Vertrauen schaffen.
Kollegenzusammenhalt
Für mich eindeutig eine der größten Stärken des Unternehmens.
Die Kolleginnen und Kollegen sind fachlich kompetent, hilfsbereit und unterstützen sich auch unter schwierigen Bedingungen gegenseitig. Gerade bei hoher Belastung wird häufig versucht, gemeinsam Lösungen zu finden und Kollegen nicht im Stich zu lassen.
Allerdings sollte dieser Zusammenhalt nicht dauerhaft dazu dienen müssen, strukturelle Probleme aufzufangen. Ein gutes Team kann viel kompensieren – aber nicht unbegrenzt.
Work-Life-Balance
Die grundsätzliche Möglichkeit zum Homeoffice und die vorhandene Flexibilität sind klare Pluspunkte.
Die tatsächliche Work-Life-Balance hängt aber nicht nur davon ab, ob Überstunden offiziell erwartet werden. Bei dauerhaft hoher Arbeitslast, vielen offenen Tickets und dem Wissen, dass sich während einer Abwesenheit entsprechend Arbeit ansammelt, bleibt die Belastung teilweise mental bestehen.
Gerade die aktuelle Veränderung der Homeoffice-Regelung sollte deshalb aus meiner Sicht sehr sorgfältig betrachtet werden. Unterschiedliche Tätigkeiten und Teams haben unterschiedliche Anforderungen.
Mein Wunsch wäre: Arbeitsmodelle stärker an der tatsächlichen Tätigkeit und den Ergebnissen orientieren und Mitarbeiter bei solchen Änderungen frühzeitig einbeziehen.
Vorgesetztenverhalten
Hier sehe ich einen der größten Verbesserungsbereiche.
Es gibt durchaus Führungskräfte, mit denen eine gute und konstruktive Zusammenarbeit möglich ist. Gleichzeitig entsteht teilweise der Eindruck, dass Druck aus höheren Führungsebenen nach unten weitergegeben wird, ohne dass die daraus entstehenden Zielkonflikte ausreichend berücksichtigt werden.
Besonders wichtig wäre für mich deshalb eine stärkere Verbindung zwischen Führung und operativer Realität.
Wenn eine Führungskraft weiß, dass ein Team bereits ausgelastet ist, sollte daraus nicht nur Verständnis entstehen, sondern eine konkrete Entscheidung: Priorität ändern, Ressource schaffen, Projekt verschieben oder Erwartung reduzieren.
Führung sollte nicht nur erklären, warum etwas wichtig ist, sondern auch entscheiden, was dafür nicht mehr gleichzeitig wichtig sein kann.
Interessante Aufgaben
Die technischen Aufgaben und das Umfeld finde ich grundsätzlich sehr interessant.
Gerade Infrastruktur, Betrieb, Netzwerke, Automatisierung und die Betreuung unterschiedlicher Kunden bieten fachlich viele Möglichkeiten.
Genau deshalb ist es schade, wenn interessante und nachhaltige technische Arbeit aufgrund des Tagesgeschäfts zu kurz kommt.
Mein Wunsch wäre, wieder mehr Zeit für Automatisierung, Dokumentation, Ursachenanalyse, Prozessverbesserungen und präventive Arbeiten zu schaffen.
Das würde nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen, sondern langfristig auch die Qualität und Effizienz des Betriebs verbessern.
Gleichberechtigung
Bei der grundsätzlichen Gleichbehandlung sehe ich keine großen Probleme. Gleichberechtigung bedeutet für mich aber mehr als gleiche Regeln. Die Geschlechterverteilung zwischen Technik und Innendienst ist weiterhin sehr unausgewogen. „Es bewerben sich halt keine Frauen“ sollte für einen modernen Arbeitgeber nicht das Ende der Diskussion sein – Recruiting, Ansprache und Unternehmenskultur sollten entsprechend hinterfragt werden.
Gleichberechtigung umfasst für mich auch ausdrücklich queere Menschen. Hier gibt es nach außen bereits positive Ansätze, im interkollegialen Alltag aber teilweise noch Zurückhaltung. Vielfalt sollte daher nicht nur kommuniziert, sondern auch intern selbstverständlich gelebt werden.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich sehe hier grundsätzlich kein großes Problem. Alter und Erfahrung spielen im Arbeitsalltag keine grundsätzlich negative Rolle.
Im Gegenteil: Gerade erfahrene Mitarbeiter verfügen über Wissen über Systeme, Kunden und Prozesse, das für das Unternehmen sehr wertvoll ist.
Deshalb sollte dieses Erfahrungswissen aus meiner Sicht stärker als strategischer Faktor für die Mitarbeiterbindung betrachtet werden. Wenn erfahrene Kollegen aufgrund dauerhaft hoher Belastung gehen, verliert das Unternehmen mehr als nur eine Person.
Arbeitsbedingungen
Technische Ausstattung und grundlegende Rahmenbedingungen sind grundsätzlich gut.
Das größere Problem sehe ich in der Arbeitsorganisation. Wenn dauerhaft mehr Aufgaben vorhanden sind als Kapazität, entstehen zwangsläufig Zeitdruck, Verschiebungen und ein reaktiver Arbeitsmodus.
Besonders problematisch ist, wenn dadurch wichtige Arbeiten wie Dokumentation, Automatisierung, Fehleranalyse oder technische Verbesserungen immer wieder nach hinten geschoben werden.
Hier würde ich mir eine konsequentere Kapazitäts- und Ressourcenplanung wünschen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen wird Umwelt- und Sozialbewusstsein sichtbar gelebt, beispielsweise durch Elektromobilität und entsprechende Maßnahmen.
Für mich gehört zur sozialen Verantwortung allerdings auch der interne Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Nachhaltigkeit sollte nicht nur technische oder ökologische Aspekte umfassen, sondern auch eine Arbeitsorganisation, in der Menschen nicht dauerhaft am Limit arbeiten müssen.
Hier sehe ich noch Potenzial.
Gehalt/Benefits
Die angebotenen Benefits sind grundsätzlich ordentlich und es gibt einige attraktive Zusatzleistungen.
Beim Gehalt sehe ich noch Verbesserungspotenzial. Gerade bei hoher Verantwortung, anspruchsvollen technischen Aufgaben und entsprechender Belastung sollte die Vergütung regelmäßig mit dem Markt und den tatsächlichen Anforderungen abgeglichen werden.
Wichtiger als einzelne Benefits wäre für mich allerdings eine angemessene Relation zwischen Verantwortung, Arbeitsbelastung und Vergütung.
Image
NetCologne IT Services hat grundsätzlich einen guten Namen und bietet interessante Aufgaben. Auch Themen wie ein modernes Arbeitsumfeld, Nachhaltigkeit und ein offeneres gesellschaftliches Selbstverständnis gehören aus meiner Sicht zu einem zeitgemäßen Arbeitgeber.
Zwischen dem äußeren Anspruch und der tatsächlichen Wahrnehmung im Arbeitsalltag gibt es aus meiner Sicht allerdings noch eine gewisse Lücke. Das betrifft nicht nur Führung und Organisation, sondern teilweise auch das interkollegiale Miteinander. Gerade bei Themen wie Vielfalt und queerer Gleichberechtigung gibt es meines Eindrucks nach noch eine gewisse Zurückhaltung. Das muss keine offene Ablehnung bedeuten – manchmal fehlt schlicht die Selbstverständlichkeit im täglichen Umgang.
Auffällig finde ich aktuell außerdem die Häufung sehr positiver Bewertungen, während teilweise deutlich kritischere Bewertungen nicht mehr auffindbar sind.
Ein glaubwürdiges Arbeitgeberimage entsteht aus meiner Sicht langfristig nicht durch möglichst positive Außendarstellung, sondern dadurch, dass der Anspruch auch intern spürbar wird.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung ist grundsätzlich möglich und wird auch unterstützt. Im technischen Umfeld gibt es viele interessante Entwicklungsmöglichkeiten.
Das Problem ist eher die verfügbare Zeit. Wenn das Tagesgeschäft dauerhaft hohe Kapazitäten bindet, wird Weiterbildung schnell zu etwas, das zusätzlich zum normalen Arbeitspensum erledigt werden muss.
Hier wäre eine verbindlich eingeplante Weiterbildungszeit sinnvoll. Weiterbildung sollte nicht nur angeboten, sondern auch praktisch ermöglicht werden.


