arbeiten - aushalten - kündigen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Eigentlich die kurzen Entscheidungswege (wenn sie denn wirklich ohne ewiges Warten eine Entscheidung nach sich ziehen würden)
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
all das, was in den Verbesserungsvorschlägen steht
Verbesserungsvorschläge
- Personal einstellen und aktiv für Entlastung sorgen - andernfalls übernimmt dies weiterhin die Kündigung der jeweiligen Mitarbeiter
- lernen, Mitarbeiter zu halten, statt sie systematisch zu verheizen
- frühzeitig Personalplanung betreiben, um Einarbeitungsphasen sinnvoll und professionell zu gestalten
- Wertschätzung aus dem Keller holen: Es arbeiten hier Menschen, keine Roboter
- lernen, auch gegenüber ausländischen Kollegen „Nein“ zu sagen und sich schützend vor das eigene Team (auf den Standort bezogen) zu stellen
- den Einschätzungen, Meinungen und Warnungen der Mitarbeiter endlich tatsächliches Gewicht beimessen
- Versprechen halten
- Führungsverhalten rasant ändern
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist konsequent negativ geprägt, da nicht der Mitarbeiter/Mensch im Mittelpunkt steht, sondern ausschließlich der Umsatz. Entscheidungen werden primär danach getroffen, was Kollegen aus USA, Frankreich oder anderen Standorten wünschen - unabhängig davon, wie realitätsfern oder widersinnig diese Anforderungen sind. Hinterfragt wird dabei nichts, umgesetzt wird alles.
Das Ergebnis ist vorhersehbar: zusätzliche Arbeit, steigende Komplexität und allgemeines Unverständnis darüber, warum die eigentlich relevanten Aufgaben liegen bleiben. Gleichzeitig kommt der Druck von allen Seiten - besonders von jenen, deren Hauptaufgabe offenbar darin besteht, Verantwortung weiterzureichen, wodurch Delegation zur Kernkompetenz & eigener Beitrag zur Ausnahme wird.
Ergänzend dazu ist das Unternehmen nahezu einzigartig - nicht aufgrund seines Produkts, sondern wegen der außergewöhnlich hohen Fluktuation. Dies ist kein Zufall, sondern ein direktes Abbild von Führung und Umgang im Unternehmen.
Image
Es ist mittlerweile eher beschämend, hier zu arbeiten, da die im Unternehmen gelebten Werte kaum mit den eigenen übereinstimmen. Das Unternehmen selbst ist nach außen weitgehend unbekannt; richtige Sichtbarkeit entsteht fast ausschließlich durch Messeauftritte.
Was intern passiert, bleibt zudem nicht intern. Die internen Zustände sickern zwangsläufig nach außen - mit entsprechend wenig positiver Wirkung auf das Image. Ich denke, das vergisst der Ein oder Andere.
Das Image passt sich damit konsequent der internen Realität an.
Work-Life-Balance
Je nach Position kann man das „Life“ streichen. Nicht primär wegen der Arbeitszeit, sondern wegen der dauerhaft negativen Stimmung und des täglichen Drucks, der den gesamten Arbeitstag prägt. Diese Belastung wirkt so nach, dass selbst nach Feierabend kaum noch Energie oder Raum für ein echtes Privatleben bleibt.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung findet hier vor allem dann statt, wenn sie dem Unternehmen unmittelbar Geld spart. In allen anderen Fällen wird sie vermieden, da sie Zeit und Kosten verursacht. Dabei wäre sie dringend notwendig.
Stillstand ist hier kein Risiko, sondern offenbar Konzept.
Kollegenzusammenhalt
Die Bezeichnung „Kollegenzusammenhalt“ ist in diesem Kontext bereits irreführend. Die zwei Sterne vergeben sich ausschließlich für einen sehr kleinen, engen Kreis von Kollegen, in dem Zusammenarbeit tatsächlich funktioniert - wobei selbst dieser durch die anhaltend hohe Fluktuation zunehmend ausgedünnt wird.
Abgesehen davon wird hier eher nach dem Motto „Jeder gegen jeden“ gearbeitet. Man spricht miteinander, lacht, findet scheinbar gemeinsam Lösungen und geht auseinander mit dem Gefühl, sich verstanden zu haben. Kurz darauf stellt man fest, dass genau diese Gespräche hinter dem eigenen Rücken relativiert oder ins Lächerliche gezogen werden.
Lästern ersetzt Offenheit, Ehrlichkeit ist selten und Vertrauen kaum vorhanden. Das ist leider kein Ausnahmefall, sondern Alltag. Schäbig, missgünstig, negativ und am Ende auch klar schädlich für das Unternehmen.
Vorgesetztenverhalten
Wie bereits erwähnt, beschränkt sich das Verhalten vieler Führungskräfte im Wesentlichen auf Delegieren. Das Menschliche bleibt dabei oft auf der Strecke, stattdessen werden Mitarbeiter regelmäßig mit neuer und zusätzlicher Arbeit belastet. Verantwortung wird bevorzugt dort übernommen, wo sie keine zusätzliche Arbeit nach sich zieht. Insgesamt sind Führungskräfte ein wesentlicher Grund dafür, dass Mitarbeiter kündigen.
Arbeitsbedingungen
Alles zu den Arbeitsbedingungen ergibt sich im Grunde aus den übrigen Bewertungspunkten - eine Wiederholung würde wenig Neues hinzufügen.
Kommunikation
Die interne Kommunikation funktioniert in Liebenscheid lediglich in kleinen, informellen Kreisen einiger weniger Kollegen. Unternehmensweit betrachtet ist sie jedoch ausgesprochen schwach. Häufig wird immer wieder über dieselben Themen diskutiert, ohne zu berücksichtigen, dass diese bereits unzählige Male besprochen wurden. Kommt es dennoch zu Fehlern, liegt die Schuld angeblich bei mangelhafter Kommunikation - ungeachtet der Tatsache, dass entsprechende Gespräche längst mehrfach geführt wurden.
Lob erhält konsequent die Führungsebene, obwohl die tatsächliche Arbeit überwiegend von den Mitarbeitern erbracht wird. Sobald jedoch Kritik oder Ärger aufkommt, wird dieser erwartungsgemäß nach unten weitergereicht.
Negative Informationen, Gerüchte oder Lästereien verbreiten sich hingegen mit bemerkenswerter Geschwindigkeit im Unternehmen – eine Form der Kommunikation, die nicht nur geduldet, sondern teilweise sogar durch Führungskräfte begünstigt wird. Ein absolutes No-Go, dem jedoch keinerlei Konsequenzen folgen.
Zusammengefasst wird viel in die falsche Richtung kommuniziert, informiert wird wenig und die Klarheit fehlt.
Gehalt/Benefits
Positiv hervorzuheben ist eine Art Versicherungsprogramm, das in bestimmten Fällen unterstützt, etwa durch die Erstattung von Rezeptgebühren oder professionellen Zahnreinigungen, uvm.
Zusätzlich existiert ein Benefit-Programm, das sich rechnerisch eher überschaubar lohnt - letztlich eine individuelle Entscheidung.
Das Gehalt war zu Beginn den Aufgaben grundsätzlich angemessen. Mit der Zeit hat dieses Verhältnis jedoch deutlich gelitten. Heute ist die Vergütung - in Anlehnung an andere Bewertungen - eher als mentale Ausgleichszahlung zu verstehen.
Gleichberechtigung
Der sogenannte Nasenfaktor spielt hier eine erhebliche Rolle. Wer mit ein oder zwei Führungskräften gut steht, führt ein vergleichsweise entspanntes Arbeitsleben. Trifft das nicht zu, bekommt man dies früher oder später deutlich zu spüren.
In zahlreichen täglichen Situationen wird offensichtlich, dass Gleichberechtigung keine verlässliche Grundlage darstellt. Sie wird eher situativ ausgelegt - teilweise auf eine Weise, die nicht nur fragwürdig wirkt, sondern auch rechtliche Grenzen streift.
Interessante Aufgaben
Das Produkt selbst ist tatsächlich sehr interessant und hat wenig Konkurrenz. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig daraus gemacht wird. Die Aufgaben waren einmal spannend, verloren diesen Charakter jedoch deutlich, seit nahezu alles, was von ausländischen Kollegen kommt, ungefiltert und mit großer Begeisterung als zusätzliche Aufgabe übernommen wird.
Durch den anhaltenden Personalmangel versinkt man zunehmend in Aufgaben, die häufig nicht einmal die eigene Abteilung betreffen und entsprechend weder sinnvoll noch besonders interessant sind.
Interessante Aufgaben gibt es - man muss sie nur zwischen all den anderen erst einmal finden.