Der Captain verlässt das sinkende Schiff!
Gut am Arbeitgeber finde ich
Letztenendes möchte ich mit meinem saarländischen Dialekt sagen:
„es is nie ebbes so schlecht dass es nid für ebbes anneres gudd is“
Ich bedanke mich für 10 Jahre Freundschaft. Für 10 Jahre reife, ja sogar das Tattoo auf meinem Bein (511) trage ich immer noch mit Stolz. Es erinnert mich an das was mal war. An die vielen tollen Momente aber auch die schlechten. Ich habe so viel gelacht dass mein Bauch schmerzte - aber auch geweint bis mir das Herz zerbrach.
Es war eine Zeit die ich nicht missen möchte.
Wäre es nicht so geendet wie es ist, würde ich wohl heute noch Paletten schubsen und denken dass dieser Job meine Bestimmung sei. Aber wie toll das Leben doch sein kann merkt man oft erst dann wenn man so richtig tief im Schlamassel steckt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich denke ich habe jetzt alles schlechte schon zu Tage gebracht. Vielmehr möchte ich meinen Ex-Kolleg*innen noch was mit auf den Weg geben. Ihr seid in einem Baumarkt. Keiner von euch ist Atomphysiker, mit anderen Worten nehmt das Leben auch in den Hallen nicht zu schwer. Weiter hat sich keiner von euch verpflichtet und andere Firmen haben auch schöne Logo‘s. Zieht eure Grenze selbst und wenn sie erreicht ist dann springt. Springt auf in das Ungewisse und fühlt euren Neuanfang. Fühlt diese Leichtigkeit. Das Wohlbefinden. Die Nerven die plötzlich zurück kommen und die Kraft, die euch für eure Liebsten bleibt. Ich bereue nichts.
Nicht meine 10 Jahre.
Nicht meinen Absprung.
Und erst Recht nicht meine Kununu-Bewertung.
Verbesserungsvorschläge
Das Feld hier wird jetzt lang. Es gibt viele Verbesserungsvorschläge.
Es sollte regelmäßige Pflicht-Schulungen für Führungskräfte geben. Workshops in denen man lernt, wie man mit dem Mitarbeitenden - und nicht gegen ihn arbeitet. Wie man Loyalität nicht nur Predigt sondern auch dann auslebt, wenn es als Führungskraft wichtig ist. Wie viele habe ich in den letzten dort von mir verbrachten Monaten weinen gesehen? Wie viel Zeit braucht der Betriebsrat um alldas aufzuarbeiten was in den Glashütte-Hallen zerbricht?
Gerne spreche ich hier speziell auch von meiner Situation. Nach einem privaten Ereignis musste ich ein halbes Jahr Auszeit nehmen. In diesem halben Jahr und auch in meiner nachfolgenden Wiedereingliederung gab man kräftigst das allerbeste, mir das Gefühl zu geben ich sei nicht mehr gebraucht (obwohl ich das sehr dringend war), das Gefühl zu geben ich sei ein unkalkulierbarer Risikofaktor.
Ich mag den Satz: „Haste nix biste was. Haste was biste nix“.
Aber ich war doch auch da für die Firma als es ihr schlecht ging. War es zu viel verlangt das Gleiche zu erwarten?
War es nötig, mir am Telefon zu unterstellen dass ich mir ein schönes Jahr machen möchte und deswegen ausfalle? Obwohl ich sogar offen kommuniziert habe welcher traumatisierende Grund zu meiner Situation geführt hat?
War es nötig, mir vor ansetzen der Unterschrift meines Wiedereingliederungplanes mitzuteilen dass das Lager ohne mich viel ruhiger und strukturierter wurde?
War es nötig, mich während meiner 2. von 6 Wochen Wiedereingliederung zu fragen ob ich (wegen Kündigung einer Kollegin - nicht wegen meiner Eignung) in die Gartentechnik wechseln will? Und mir dann etwas von Konsequenzen vorzugaukeln weil ich abgelehnt habe?
War es nötig, als ich über meine Kündigung informierte noch einmal zu betonen, dass das nicht nur in meinem - sondern viel mehr auch im Sinne des Unternehmens ist, wenn ich nun also gehe?
War es nötig, mich so darzustellen als wäre ich dran schuld dass die Azubine aus einem völlig anderen Bereich nicht verkürzen durfte, einzigst weil ich meine Kündigung bis dato nur ausgeprochen aber nicht abgegeben hatte? (Unternehmensentscheidung -> nicht auf mich als MA zurückzuführen)
Weiter wünsche ich der Zentrale gute Zahlen. Zumindest in der Haushaltsplanung für 2027. Als Mitarbeiter sieht man den versteckten Stellenabbau, beispielsweise auch an der neuen SB-Kasse die jetzt „nur Vorsorglich“ mal einfach so in die erste Kasse mit integriert wurde. Jaja. Oder daran, dass auch meine Stelle wieder nicht besetzt wird (es wurde seit Jahren keine Stelle mehr extern besetzt)
Das ist wie eine Spirale die sich immer weiter zuspitzt und ich bin gespannt, wann die Spitze erreicht ist und endlich jemand handelt. Kein Personal -> keine Kunden. Keine Kunden -> kein Personal.
Ich freue mich ebenfalls durch diese Bewertung hier bewiesen zu haben, dass die bereits im März abgegebene 1,4 Sterne Bewertung nicht von mir gewesen sein kann. Kununu-Kenner wissen dass man nur einmal alle 12 Monate bewerten kann. Somit gibt es neben mir wenigstens eine weitere Person, welche sich hier getraut hat öffentlich das auszusprechen was als Wahrheit gilt.
Um es mit den Worten der gemeinten Überschrift zu sagen: „Früher, war es zweite Familie“
Arbeitsatmosphäre
War meistens okay, aber es hängt stark vom einzelnen ab. Seit Führungswechsel starker Druck und das spürt man auch am Miteinander
Image
Apotheken Baumarkt von außen - und wenn man das Innere erst mal mitgemacht hat weiß man dann auch den Rest
Work-Life-Balance
Führst du noch ein Life, wenn der Personalmangel und der daraus resultierende Stress dir den letzten vorhandenen Nerv nimmt? Schichtenspringerei und chronische Unterbesetzung.
Ich habe 10 Jahre bei OBI verbracht. Damals waren wir 7 Vollzeit-, 2 Teilzeitkräfte + 3 Azubis und einen Externen (Azubi). Und hatten trotzdem Saisonunterstützung. Nach meinen Austritt verbleiben nun 4 Vollzeit-, 1 Teilzeitkraft und ein Externer (Azubi). Und glaubt bitte nicht daran dass der Gürtel es auch nur zulässt darüber nachzudenken, mich zu ersetzen.
Karriere/Weiterbildung
Stellvertreter Positionen, die dir außer im Zwischen- oder Abschlusszeugnis niemals gedankt werden.
Wenn dann tatsächlich mal was gutes frei wird will es sowieso niemand mehr machen - ich denke, ich habe jetzt genug dazu gesagt
Gehalt/Benefits
In Anlehnung an Tarif kann man sich hier nicht beschweren.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man könnte viel mehr trennen. Teilweise will man das nicht. Teilweise macht man das nicht. Teilweise macht die Zentrale das nicht.
Kollegenzusammenhalt
Bezogen auf meine Abteilung gäbe es 5 Sterne. Aber ich habe den Markt bewertet. Nicht jeder ist vorne wie hinten. Aber das wird von oben so vorgelebt.
Umgang mit älteren Kollegen
Auch ein ganz spannender Teil. Rücksicht gibt es selten. Das bezieht sich aber nicht nur auf ältere - sondern auch auf anders beeinträchtigte.
Die Idee dahinter: Gleicher Lohn = gleiche Leistung. Zumindest bei denen, die man sich noch ziehen kann. Andere dürfen einfach nur alt sein.
Vorgesetztenverhalten
Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass sich diese Bewertung nicht auf meinen direkten Vorgesetzten bezieht. Dieser hätte von mir 10 von 5 Sternen bekommen! Er hätte sie verdient.
Leider war das ja aber nicht der einzige Vorgesetzte den ich in diesem Lebensabschnitt über mir sitzen hatte.
Und jetzt darf sich mal jeder an die eigene Nase greifen. Wer sich überhaupt bei mir verabschiedet hat. Auf Augenhöhe. Nach 10 Jahren. Und wer lieber Stellung bezieht. Auf Prinzipien reiten geht. Bis heute habe ich nicht einmal von allen ein Tschüss bekommen. Und von dem ein oder anderen hat es auch geschmerzt.
Arbeitsbedingungen
Ständig sind die Tore kaputt, dann wundert man sich im Winter warum die dringend gebrauchten Leute krank sind. Die Heizung geht zuverlässig von Juni bis August. Den Rest in unregelmäßigen Abständen.
Aber das sind nur die häuslichen Arbeitsbedingungen.
Wie bereits erwähnt, das Klima dort, welches sich nicht über die Thermostate regeln lässt, ist teilweise mehr als nur grenzwertig.
„Ist die Tür vom Büro zu,
kommst du drinnen nicht zur Ruh“
(Siehe Feld „Verbesserungsvorschläge“)
Kommunikation
Unter den Abteilungen teilweise schlecht. Man arbeitet gerne gegeneinander.
Und von oben herab geht vieles nur noch am MA vorbei. Stundenlange BL-Meetings, jede Woche.
Gleichberechtigung
Mit mir geht ein Regenbogenanteil. Es ist nur ein Anteil, wir waren ein buntes Volk. Das ist der einzige Punkt den ich hier aufrichtig mit 5 Sternen bewerten kann.
Interessante Aufgaben
Es ist halt wie ein Lehrbuch nh. Bist du gut in deinem Job? Dann ist es 0815.


