Gute Kollegen und Ausstattung, aber klare Defizite bei Struktur und Work-Life-Balance
Gut am Arbeitgeber finde ich
Gut am Arbeitgeber finde ich, dass die Arbeitsatmosphäre im Team überwiegend freundlich und kollegial ist, was den Umgang miteinander angenehm gestaltet. Die flexible Gestaltung der Arbeitszeiten, Home-Office- und Workcation-Optionen tragen spürbar zu einer entspannteren Arbeitsweise bei. Die Ausstattung der Arbeitsplätze ist überdurchschnittlich, mit ergonomischen Möbeln, modernen Büros und angenehmen Gemeinschaftsflächen. Das Unternehmen bietet solide Zusatzleistungen wie Jobrad, Fitnessstudio-Zuschuss und betriebliche Altersvorsorge an. Die Förderung von Microsoft-Zertifikaten sowie die Möglichkeit, über Mentoren individuell passende Weiterbildungen anzufragen, sind ebenfalls positiv hervorzuheben. Darüber hinaus bemüht sich die Geschäftsführung, offen für Feedback zu sein und zeigt grundsätzlich ein Interesse an den Anliegen der Mitarbeitenden.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schlecht am Arbeitgeber finde ich, dass die Kommunikation im Unternehmen inkonsistent und intransparent ist, insbesondere bei der Projektvergabe, die häufig ohne klare Abstimmung erfolgt und zu häufigen Wechseln führt. Die Work-Life-Balance ist problematisch: strikte Urlaubsregelungen, strenges Monitoring der Leistungen sowie der Druck, Überstunden zu leisten und Krankentage durch Mehrarbeit zu kompensieren, erzeugen Stress. Die hierarchische Struktur wirkt künstlich und unnötig komplex, mit unklaren Rollen und wenig operativer Einflussnahme durch Mentoren. Zudem ist die Belegschaft im Entwicklungsbereich sehr jung und unerfahren, was langfristig zu Wissensdefiziten führen kann. Akustisch sind die Büros oft laut und überbelegt, was die Konzentration erschwert. Schließlich wirken Urlaubsregelungen veraltet, und Weiterbildungsmöglichkeiten sind durch Arbeitszeitdruck eingeschränkt.
Verbesserungsvorschläge
Der Arbeitgeber sollte dringend an einer transparenteren und offeneren Kommunikation arbeiten, insbesondere bei der Projektvergabe und internen Problemen. Klare, standardisierte Prozesse und eine kritisch überprüfte Organisationsstruktur sind notwendig, um unübersichtliche Hierarchien und abrupte Entscheidungen zu vermeiden. Die Work-Life-Balance muss durch flexiblere Urlaubsregelungen und ein weniger kontrollierendes Reporting verbessert werden, das Überstunden und Kranktage nicht als Druckmittel nutzt. Zudem sollten klare Karrierepfade etabliert und Weiterbildungsmöglichkeiten so gestaltet werden, dass Mitarbeitende während der Arbeitszeit ohne negative Auswirkungen auf ihre Leistungskennzahlen lernen können. Nur so lässt sich langfristig eine motivierende und nachhaltige Arbeitsumgebung schaffen.
Arbeitsatmosphäre
Die generelle Arbeitsatmosphäre ist als positiv zu bewerten. Insbesondere der kollegiale Umgang ist häufig von freundschaftlichem Miteinander geprägt. Man kann sich offen und unkompliziert über unterschiedlichste Themen austauschen - sei es zu Projekten, Technologien oder persönlichen Interessen. Aus meiner persönlichen Erfahrung in einem mittelgroßen Projektteam hatte ich den Eindruck einer sehr unterstützenden und wertschätzenden Zusammenarbeit, bei der man sich gegenseitig lobt und aktiv unterstützt. Allerdings scheint dies nicht durchgängig der Fall zu sein, sondern hängt, wie in vielen anderen Unternehmen auch, stark von der jeweiligen Teamleitung ab.
Die Zusammensetzung der Teams ändert sich jedoch sehr unvorhersehbar. Während manche Kollegen über Jahre hinweg im selben Team arbeiten, befinden sich andere teils alle paar Monate in irgendwelchen Solo-Projekten beim Kunden. Das kann für manche als spannende Herausforderung empfunden werden, bedeutet für andere allerdings spürbaren Stress. Problematisch ist, dass diese Wechsel nicht immer transparent oder im Sinne der Mitarbeitenden erfolgen, was zu Unzufriedenheit und Reibung führt.
Kommunikation
Die interne Kommunikation ist stark inkonsistent. Während bei Jahresversammlungen und Quartalsmeetings eine beeindruckende Transparenz bezüglich Unternehmenskennzahlen, Projektakquise und Wachstum herrscht, werden gleichzeitig wichtige interne Problemfelder nicht offen adressiert oder wirksam angegangen.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Geschäftsführung grundsätzlich ansprechbar ist und sich Anliegen der Mitarbeitenden anhört. Aus persönlicher Erfahrung wirken diese Gespräche jedoch häufig politisch gefärbt, ohne dass konkrete Veränderungen folgen.
Ein zentraler und immer wieder geäußerter Kritikpunkt, sowohl von Mitarbeitenden als auch von Führungskräften, ist die völlige Intransparenz bei der Projektverteilung. Es kommt vor, dass Personen Aufgaben übernehmen müssen, die fachlich weit außerhalb ihres technologischen Profils liegen. Gleichzeitig werden funktionierende, eingespielte Teams auseinandergezogen. In einem besonders gravierenden Fall wechselte bei einem Kundenprojekt innerhalb von zwei Monaten drei Mal der Projektleiter, weil intern offenbar keine klare Linie zur Projektbesetzung existiert. Das führt zu Frust bei Mitarbeitenden und Irritationen beim Kunden.
Kollegenzusammenhalt
Meine persönliche Erfahrung war wirklich nahezu tadellos. Die Mittagspausen waren oft von guter Stimmung geprägt, für einen kurzen Austausch in der Küche fand sich fast immer jemand, und durch zahlreiche gemeinsame Aktivitäten gab es regelmäßig etwas, worauf man sich freuen konnte. Ob Fahrradtouren, Spikeball im Park, Bouldern, Pokerrunden, Brettspiele, Sommerfeste, Weihnachtsfeiern oder gemeinsame Projektessen. Es wurde wirklich viel geboten und ich persönlich habe diese Angebote sehr geschätzt und mit großer Freude an möglichst vielen teilgenommen.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance stellt für mich eine der gravierendsten Schwächen des Unternehmens dar:
Urlaube müssen bereits zu Jahresbeginn eingereicht werden, kurzfristige Änderungen sind aufgrund enger finanzieller Planung nur schwer durchsetzbar.
Jeder Mitarbeitende hat über Power BI Reports jederzeit Einblick in eigene Produktivitätskennzahlen: Überstundenquote, erzielter Umsatz, Soll-Ist-Abweichungen, Krankheitstage etc. Wirklich alles was man sich vorstellen kann, wird über einen erfasst und ausgewertet.
Überstunden (allesamt unbezahlt und ohne Ausgleich) sind nicht nur gewünscht, sondern aktiv gefördert: Einerseits empfiehlt das interne Tooling explizit eine konstante 10%-Überstundenquote, andererseits sollen Überstunden gezielt als Puffer genutzt werden, um Krankentage zu kompensieren. Besonders kritisch: Bei Gehaltsverhandlungen spielt das sogenannte "Umsatz-Delta" eine zentrale Rolle - und Krankheitstage fließen hier ungeschönt negativ ein.
Der Bergiff der "Zeiterfassung" wird offiziell abgelehnt, stattdessen spricht man von einer "Leistungserfassung" zur Kundenabrechnung. Faktisch wird jedoch über diese genau dokumentiert, wie viele Stunden gearbeitet wurden.
Vorgesetztenverhalten
Das Unternehmen wirbt gerne mit flachen Hierarchien und einem familiären Umgang - Aussagen, die bei vielen bereits Unbehagen auslösen dürften. In der Praxis wirkt das Unternehmen deutlich weniger modern und dynamisch, als es selbst von sich behauptet. Es fehlt häufig an klar definierten Prozessen, und Entscheidungen über Aufgaben oder Projektzuweisungen erfolgen oft ad hoc - ohne vorherige Absprache mit den betroffenen Mitarbeitenden. Teilweise sind Kunden bereits informiert, bevor man intern überhaupt weiß, worum es geht.
Jeder Mitarbeitende hat einen sogenannten "Mentor", der Urlaube freigibt und als Ansprechpartner für persönliche Themen oder Entwicklungsziele dient. Diese Mentoren sind jedoch keine operativen Vorgesetzten und haben kaum Einfluss, sofern nicht Abteilungsleitung oder Geschäftsführung mitziehen. Operativ werden Projekte durch Projektleiter geführt, die die Verantwortung im Projekt tragen. Darüber stehen Abteilungsleiter, welche die Projekte zuteilen und begleiten, sowie "Head Mentoren", die zwischen Mentoren und Geschäftsführung vermitteln.
Letztlich wurde hier eine klassische Firmenhierarchie neu erfunden und, für mich persönlich, verkompliziert.
Interessante Aufgaben
Die eigene Zufriedenheit ist stets sehr stark von der aktuellen Projektlage abhängig, und ob man Glück hat. Läuft es gut, landet man im gewünschten Projekt mit passendem Team und Technologien. Mit etwas Pech wird man jedoch erneut einem Projekt zugeteilt, das weder fachlich noch inhaltlich interessiert. Der eigene Einfluss auf diese Entscheidungen ist gering. Zwar bemühen sich viele Mentoren spürbar darum, im Sinne ihrer Mentees zu vermitteln, doch oft fehlt ihnen die Mittel es durchzusetzen.
Über alle Ebenen hinweg hört man regelmäßig, dass sich alle Beteiligten ernsthaft bemühen, für möglichst gute Lösungen zu sorgen - und das glaube ich so auch. Das Problem liegt weniger in fehlendem Engagement, sondern in der Natur des Projektgeschäfts selbst, und teils fehlender Kommunikation.
Gleichberechtigung
Aus persönlicher Sicht kann ich hierzu kann ich leider nicht allzu viel sagen. Was ich jedoch sagen kann, ist dass im Vergleich zu vielen anderen IT-Unternehmen der Frauenanteil hier bemerkenswert hoch. Es gibt weibliche Kolleginnen in unterschiedlichsten Rollen, von der Entwicklung über Projektleitung bis hin zu Standort- und Abteilungsleitung sowie in der Geschäftsführung. Entsprechend überdurchschnittlich gut würde ich die Gleichberechtigung anhand meiner bisherigen Erfahrungen einschätzen.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Belegschaft im Entwicklungsbereich ist auffallend jung. Kaum jemand überschreitet die 40, und ein großer Teil der Mitarbeitenden ist entweder noch im Studium oder erst kürzlich von der Universität gekommen. Werkstudierende und Berufseinsteiger machen einen erheblichen Anteil aus. Quereinsteiger oder erfahrene Fachkräfte aus anderen Unternehmen sind hingegen selten. Dadurch fehlt es teilweise an „alten Hasen“, die mit langjähriger Projekterfahrung und tiefem Systemwissen für Stabilität und Know-how-Transfer sorgen könnten.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsplätze sind sehr gut ausgestattet: ergonomische Stühle, höhenverstellbare Tische, Klimaanlagen in allen Büros, großzügiger Lichteinfall, gut ausgestattete Besprechungsräume, Küchen auf jeder Etage, Dachterrasse, Aufzug sowie freie Platzwahl über ein Reservierungssystem. Insgesamt liegt die Ausstattung klar über dem Branchendurchschnitt.
Kritisch zu sehen ist jedoch die akustische Situation in den Büros. Diese sind in der Regel mit 4 bis 7 Arbeitsplätzen belegt, und sobald mehrere Personen gleichzeitig Meetings führen, kann der Geräuschpegel deutlich ansteigen.
Gehalt/Benefits
Das Gehaltsniveau und die Zusatzleistungen bewegen sich im branchenüblichen Durchschnitt. Angeboten werden unter anderem Jobrad, ein Bonus für Fitnessstudio-Mitgliedschaften, Zuschüsse zum Deutschlandticket sowie eine betriebliche Altersvorsorge. Solide, aber nichts Außergewöhnliches.
Was jedoch antiquiert wirkt, ist die Urlaubsregelung: Der Einstieg erfolgt mit 27 Urlaubstagen, die jährlich um einen Tag steigen, bis maximal 30 Tage. Diese Staffelung muss im Bewerbungsgespräch explizit thematisiert und verhandelt werden, dann kann man auch mit 30 Tagen einsteigen.
Karriere/Weiterbildung
Das Unternehmen bietet standardmäßig Microsoft-Zertifikate an, die vollständig von der Firma bezahlt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, über den Mentor spezifischere Weiterbildungen anzufragen, sofern diese für das Unternehmen relevant sind. Problematisch ist jedoch, dass das Lernen für diese Zertifikate während der Arbeitszeit nur schwer möglich ist, ohne ein negatives Umsatz-Delta zu verursachen. Dieser Aspekt sollte dringend überdacht werden, da er die Weiterbildungsmöglichkeiten deutlich einschränkt.
Zur internen Karriereentwicklung kann ich persönlich nur begrenzt Auskunft geben. Es gibt klassische Senioritätsstufen sowie Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, etwa als Projektleiter. Allerdings habe ich mich selbst nie intensiv mit diesem Thema beschäftigt.