Die harte Realität: Führung durch Angst und Druck mit hoher Mitarbeiterfluktuation
Gut am Arbeitgeber finde ich
- hilfsbereites Team
- angenehmer Umgang unter Kolleg:innen
- Gleitzeit mit flexibler Startzeit
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Fehlende Wertschätzung und Transparenz
- Misstrauen gegenüber Mitarbeitenden und starke Kontrolle
- Schwieriges, teils toxisches Führungsverhalten der Geschäftsführung
- Hohe Fluktuation und kaum nachhaltige Mitarbeiterbindung
- Sehr hohe Arbeitsbelastung bei gleichzeitigem Qualitätsanspruch
Verbesserungsvorschläge
- Teilnahme der Geschäftsführung an Schulungen zu moderner Mitarbeiterführung, Kommunikation und Unternehmenskultur
- Mehr Transparenz bei Gehalt, Provisionen und Entwicklungsperspektiven
- Reduzierung der Arbeitslast und realistischere Projektplanung
- Vertrauensbasierte Führung statt Kontrolle und Druck
- Verlässliche und faire Regeln statt ständig wechselnder interner Vorgaben
Arbeitsatmosphäre
Das tägliche Miteinander im Team war überwiegend angenehm. Die Mitarbeitenden sind sehr jung, engagiert und bemüht, sich gegenseitig zu unterstützen. Gleichzeitig war die Atmosphäre stark von hoher Arbeitslast, Zeitdruck und einem spürbaren Misstrauen seitens der Geschäftsführung geprägt, was sich langfristig negativ auf das allgemeine Wohlbefinden auswirkte.
Kommunikation
Die Kommunikation innerhalb des Teams funktionierte gut und kollegial. Die Kommunikation von Seiten der Geschäftsführung empfand ich hingegen als einseitig und wenig transparent. Wichtige Themen wie Gehalt, Provisionen oder Entwicklungsperspektiven wurden nicht offen adressiert oder nur auf Nachfrage besprochen. Kritische Rückfragen führten häufig zu Rechtfertigungssituationen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war sehr gut. Das Team war jung, hilfsbereit und unterstützte sich gegenseitig, insbesondere bei hoher Auslastung. Dieser Zusammenhalt war aus meiner Sicht einer der größten positiven Aspekte des Unternehmens.
Work-Life-Balance
Die Auslastung war dauerhaft sehr hoch. Projekte mussten oft unter starkem Zeitdruck umgesetzt werden, was zulasten der Qualität und der eigenen Belastungsgrenze ging. Urlaub wurde zwar formal ermöglicht, jedoch indirekt erschwert, indem Druck aufgebaut oder ein schlechtes Gewissen vermittelt wurde. Homeoffice war nur für ausgewählte Mitarbeitende möglich und wurde grundsätzlich kritisch gesehen; jede Anfrage musste umfangreich begründet werden.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Geschäftsführung habe ich als schwierig empfunden. Gespräche zu sensiblen Themen (z. B. Gehalt oder Entwicklung) wurden meist im 2:1-Setting geführt. Kritik oder sachliche Argumente wurden häufig persönlich genommen. In einigen Situationen wurde laut oder emotional reagiert, was insbesondere für sehr junge und unerfahrene Mitarbeitende verunsichernd war. Zudem wurde vor dem Team über abwesende Mitarbeitende gesprochen, was ich als unprofessionell wahrgenommen habe.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren grundsätzlich interessant und abwechslungsreich. Wer bereit ist, sich viele Inhalte selbstständig anzueignen, kann fachlich dazulernen und Verantwortung übernehmen. Allerdings fehlte oft die nötige Zeit, um Aufgaben mit der gewünschten Sorgfalt und Qualität umzusetzen.
Umgang mit älteren Kollegen
Nicht zutreffend, da es in meiner Zeit keine älteren oder sehr erfahrenen Mitarbeitenden im Unternehmen gab. Alle Mitarbeitenden waren unter 30 Jahre alt und überwiegend Berufseinsteiger. Erfahrungsträger oder ältere Kolleg:innen gab es nicht. Auffällig war zudem eine hohe Fluktuation, viele Mitarbeitende verließen das Unternehmen nach etwa 1,5–2 Jahren.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren durch eine sehr hohe Auslastung, enge Zeitvorgaben und starke Kontrolle geprägt. Meetings wurden teilweise unterbrochen oder hinterfragt, wenn sie „zu lange“ dauerten. Mitarbeitende mussten sich rechtfertigen, wenn für Kundenaufgaben mehr Zeit benötigt wurde, selbst wenn dies der Qualität diente.
Zusätzlich existierte ein sehr umfangreiches Regelwerk mit mehreren hundert Paragraphen, das regelmäßig angepasst wurde. Diese Regeln wurden aus meiner Sicht genutzt, um Mitarbeitende stark zu reglementieren und bei Abweichungen mit arbeitsvertraglichen Konsequenzen zu drohen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt empfand ich als unterdurchschnittlich. Wertschätzung zeigte sich aus meiner Sicht kaum, da Mitarbeitende eher „klein gehalten“ wurden, um Gehaltssteigerungen zu vermeiden. Leistungs- und Provisionsziele waren aufgrund der hohen Auslastung oft schwer erreichbar.
Besonders kritisch empfand ich den Umgang mit Provisionen: Diese wurden nicht immer transparent kommuniziert. In einzelnen Fällen mussten Provisionen aktiv eingefordert werden; teilweise wurde argumentiert, Fristen seien verstrichen oder man könne sich nicht erinnern.
Image
Nach außen wird ein professionelles und erfahrenes Team vermittelt. Intern wurden jedoch viele Aufgaben von Pflichtpraktikanten oder Werkstudierenden erledigt, während die Leistungen entsprechend teuer an Kunden verkauft wurden. Diese Diskrepanz empfand ich als schwierig.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsmöglichkeiten wurden zwar in Aussicht gestellt, konnten aber aufgrund der hohen Arbeitsbelastung praktisch nicht wahrgenommen werden. Während meiner gesamten Zeit im Unternehmen hat keine der mir bekannten Personen eine Fortbildung erhalten.