Ein guter Arbeitgeber mit fragwürdigen Führungsprozessen
Verbesserungsvorschläge
Trotz meiner negativen Erfahrungen der vergangenen Monate fühle ich mich dem Unternehmen weiterhin verbunden. Gerade deshalb sehe ich erheblichen Verbesserungsbedarf bei der Rolle des Vertrauensrats: Er sollte frühzeitig, sichtbar und wirksam in wesentliche Themen und Konflikte eingebunden werden.
Darüber hinaus sollte der Umgangston im Unternehmen kritisch überprüft werden. Eine wertschätzende, respektvolle Führungskultur muss auch Mitarbeitende schützen, die sich nicht lautstark selbst vertreten können oder keinem informellen Netzwerk angehören. Dies betrifft ebenso die Zusammenarbeit mit den Sanitätshäusern sowie einen konsequenten und verlässlichen Umgang mit grenzüberschreitendem Verhalten.
Arbeitsatmosphäre
Der kollegiale Zusammenhalt ist grundsätzlich sehr ausgeprägt, insbesondere innerhalb der produktnahen und als strategisch relevant wahrgenommenen Bereiche. Am Prämienthema wird jedoch deutlich, dass nicht alle Mitarbeitenden gleichermaßen berücksichtigt werden: Während die Prämie in den produktbezogenen Abteilungen vollständig ausgezahlt wurde, waren das Digitalteam sowie Mitarbeitende der OPED, die zusätzlich Aufgaben und Organisationsverantwortung für die Sanitätshäuser übernehmen, hiervon ausgenommen. Dies vermittelt den Eindruck einer Priorisierung, die sich konsequent von der Geschäftsführung bis in die operative Organisation fortsetzt. Produktnahe Funktionen erfahren sichtbar hohe Wertschätzung, während unterstützende und bereichsübergreifend tätige Mitarbeitende vergleichsweise weniger Anerkennung erhalten.
Kommunikation
Auch in der Kommunikation bestehen deutliche Defizite, insbesondere bei strategisch relevanten Themen. Zwar schafft „Viva Engagement“ Raum für emotionale Inhalte und Beiträge der Geschäftsführung, an entscheidenden Eckpunkten fehlen jedoch häufig transparente Informationen. Kritische Rückfragen werden in höheren Ebenen nur begrenzt akzeptirt.Der intern entstandene Begriff der „kollektiven Einzelfallentscheidung“ verdeutlicht zudem den Eindruck, dass Abstimmungen zwar stattfinden, Entscheidungen jedoch vielfach bereits im Vorfeld feststehen.
Kollegenzusammenhalt
Der Begriff „OPED-Familie“ beziehungsweise „OPEDianer“ prägt die interne Identität und wird von vielen Mitarbeitenden grundsätzlich positiv wahrgenommen. Die familiäre Kultur zeigt sich auch in zahlreichen persönlichen und verwandtschaftlichen Verbindungen innerhalb des Unternehmens.
Gleichzeitig entsteht bei beruflichen Veränderungen außerhalb des produktnahen Umfelds mitunter der Eindruck, dass diese weniger akzeptiert oder kritisch bewertet werden.
Work-Life-Balance
Für Mitarbeitende, die ein dynamisches und anspruchsvolles Arbeitsumfeld suchen, bietet OPED sehr gute Rahmenbedingungen. Auch für mich war das Unternehmen über lange Zeit ein attraktiver Ort, um Verantwortung zu übernehmen und mich weiterzuentwickeln.
Besonders positiv habe ich die flexible Arbeitszeitgestaltung erlebt: Sie ermöglichte es, Arbeitsphasen bedarfsgerecht zu gestalten.
Vorgesetztenverhalten
In meinem Fall war die Zusammenarbeit von schwieriger Kommunikation und ausgeprägtem Mikromanagement durchzogen. Mein Wunsch nach Weiterentwicklung wurde nicht aufgegriffen, sodass ich mich für einen internen Wechsel entschied.
Auch dort fehlten klare Einbindung, klare Kommunikation und verlässliche Orientierung. Entwicklungsmöglichkeiten scheinen zudem nicht immer ausschließlich an Leistung und Kompetenz geknüpft zu sein, sondern teilweise auch an die persönliche Nähe zum C-Level.
Interessante Aufgaben
Der Medizinbereich bietet insbesondere für Menschen mit Interesse an Anatomie ein spannendes und vielseitiges Arbeitsumfeld. Wie in jedem Beruf gehören auch Routineaufgaben dazu
Gleichberechtigung
In Gesprächen über die Frauenquote wird Gleichberechtigung wiederholt betont. Die tatsächliche Besetzung der Führungspositionen vermittelt jedoch ein anderes Bild: Auf C-Level ist keine Frau vertreten. Eine Ausnahme bildet die Geschäftsführung in den USA, die weiblich besetzt ist.
Zudem entsteht der Eindruck, dass Vergütung nicht durchgängig transparent und leistungsorientiert erfolgt, sondern persönliche Nähe und individuelle Interessen eine Rolle spielen können. Positiv hervorzuheben ist hingegen das Engagement für Menschen mit Behinderung und die damit verbundenen inklusiven Arbeitsplätze.
Umgang mit älteren Kollegen
ist mir nichts schlechtes bekannt.
Arbeitsbedingungen
Die offenen Büroräume sind modern und ansprechend gestaltet, jedoch an vielen Arbeitsplätzen zu laut für konzentriertes Arbeiten. Die klimatischen Bedingungen sind insbesondere im Winter durch trockene Luft und im Sommer durch hohe Temperaturen herausfordernd, weshalb ich häufig auf Homeoffice ausgewichen bin.
Positiv sind die kostenfreien Angebote an Kaffee, Tee und Wasser am „Point of Communication“. Verpflegung und weitere Getränke sind gegen angemessene Bezahlung erhältlich. Die Bewertung bezieht sich vor allem auf die Bürobereiche!
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kommt ganz auf den Kostenfaktor an. Umwelt ja klar aber bitte koste uns nichts!
Gehalt/Benefits
Der Gehaltsbericht der Personalabteilung wirkt aus meiner Sicht wenig aussagekräftig, da einzelne sehr hohe Führungskräftegehälter die Vergleichswerte erheblich verzerren können. Auch die Gehaltsverhandlungen erscheinen nicht einheitlich und transparent geregelt; Ablauf, Zuständigkeiten und Entscheidungswege unterscheiden sich je nach Führungskraft deutlich.
Trotz nachvollziehbarer Leistungsargumente und mehrerer vorgeschlagener Alternativen — etwa Dienstwagen, zusätzliche Urlaubstage oder Weiterbildungen — wurden meine Anliegen über Monate hinweg nicht weiterverfolgt. Die Vergütung bietet für Mitarbeitende aus meiner Sicht nur begrenzte Entwicklungsperspektiven. Positiv hervorzuheben sind die Benefits..
Image
Durch die gute Reputation von OPED — mit Einschränkungen im Bereich der Sanitätshäuser — ergeben sich für ehemalige Mitarbeitende gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Auch insgesamt wird OPED vielfach als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.
Karriere/Weiterbildung
Die Ausbildung ist ein klarer Pluspunkt; die verantwortliche Kollegin leistet hier aus meiner Sicht hervorragende Arbeit.
Entwicklungsmöglichkeiten sind hingegen eher begrenzt und scheinen teilweise auch von informellen Netzwerken und persönlicher Nähe zu Führungskräften abzuhängen. Weiterbildungsangebote sind zwar grundsätzlich umfangreich, die besonders relevanten und kostenintensiveren Maßnahmen wirken jedoch nicht immer transparent und gleichberechtigt zugänglich.