PPI AG als Arbeitgeber

PPI AG

Schöne Fassade mit bröckelndem Mauerwerk dahinter

2,3
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2017 im Bereich IT bei PPI AG in Hamburg gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

- Gute Versorgung mit Verköstigungen, Büromaterialien & Bereitstellung guter Arbeitsbedingungen
- Breites Aufgabenportfolio in dem für jeden etwas dabei sein müsste
- Teils toller Kollegen-Zusammenhalt
- Die Parties waren ziemlich pompös und immer spaßig
- Zumindest auf dem Papier und intern wie extern kommuniziert, klingt das Unternehmen wie das Paradis auf Erden (d.h. gutes internes Marketing)

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

- Ehrlichkeit ist ein eher untergeordnetes Thema bei PPI
- Die große Schwäche sind die Vorgesetzten und die Entscheidungs-Ebene
- Ein durch und durch 'altes' Unternehmen, das auf das Männer-Patriarchat und sinnlose Senioralität setzt
- Blendereien mit falschen Aussagen wie 'wir zahlen überdurchschnittlich'; davon war intern nichts zu spüren
- Teils wird mit 'Buzzword' Technologien geworben, ohne dass da wirkliche Expertise hinter steckt
- Das Unternehmen schafft es nicht, tatsächliche (auch teils junge) Experten auf zukünftigen Feldern (KI, Robotics, Blockchain, Kryptologie etc) zu halten; es werden zu wenige Anreize gesetzt und die langjährigsten Mitarbeiter sind nicht selten die, die sich vor neuen Technologien wehren und verhältnismäßig wenig Einsatz bringen bei höchstem Gehalt; Young Professionals werden teils arg unterbezahlt und strukturell 'klein' gehalten

Verbesserungsvorschläge

Verbesserungsvorschläge:
- Endlich ehrlich sein (wenn die Gehälter unter Durchschnitt nach Alter (!) gemessen sind, dann sollte das auch so kommuniziert werden; das korrumpiert Vertrauen ansonsten massiv)
- Kommunikation deutlich verbessern; Mitarbeitern darf man vertrauen und sollte sie bei allem mit ins Boot nehmen
- Einen echten Betriebsrat zulassen
- Fairere Gehälter zahlen (natürlich kann das auch nur die Wahrnehmung sein; aber das Gefühl, kein marktübliches Gehalt zu beziehen, beschlich viele Kollegen)
- Überstunden nicht mehr mit hohem Gehalt pauschal abgelten
- Alpha-Gehabe, starke Hierarchien (die sind bei PPI stark, auch wenn es anders behauptet wird) und Benachteiligungen deutlich abbauen oder mindestens daran arbeiten
- Junge Mitarbeiter stärker fördern und beteiligen - Senioralität hat in der modernen Arbeit nichts mehr verloren und junge Talente von heute sind die Top-Arbeitnehmer von morgen
- Ehrliches Interesse und Begeisterung an modernen Technologien oder neuen Themen annehmen und nicht als Gefahr ablehnen (machen wir nicht; haben wir schon immer so gemacht...)
- Das Ausscheiden von Mitarbeitern 'netter' und fairer gestalten: Unfair wahrgenommene Arbeitszeugnisse, unnötige Auflösung von irgendwelchen versprochenen Direktversicherungen, unnötiger Streit etc. sollte vermieden werden; die Welt ist klein und ein schlechtes Ausscheiden wird sich gemerkt und kommuniziert, was letztlich der Arbeitgebermarke schaden kann; inzwischen macht im breiten Bekanntenkreis die Runde, dass PPI nicht mehr das ist, was es mal war und jede/r Ausgeschiedene/r hat die eigene Ausscheidungs-Horrorstory zu erzählen (Stichwort 'Letting Management')

Arbeitsatmosphäre

Die Arbeitsatmosphäre ist sehr Bereichs- und Kollegenabhängig. Manche Teams laufen wie ein Uhrwerk. Bei anderen Teams drücken unverhältnismäßige Zeitvorgaben und teils toxische Kollegen auf's Gemüht. Es herrscht teils eine Kultur der unausgesprochenen Urteile und es wird teils arg viel gelästert. Zum Ende meiner Mitarbeit wurde von Entscheidungsebenen für alle Bereiche überzogene Gewinn- und Leistungsvorgaben beschlossen - darunter schien die Arbeitsatmosphäre überall gewaltig zu leiden. Es wird sich durch Arbeitsplatz-Goodies wie Spielstationen, Leinwände, Kicker etc. zwar bemüht, das zu bessern. Aber solche Goodies kompensieren die Missstände nicht.

Kommunikation

Eine der Hauptschwächen des PPIs nach Vorstandswechsel und Neuausrichtung: Strategien, Unternehmens-weite Entscheidungen und Beschlüsse werden kaum kommuniziert. Absprachen und Reden von bspw. Jahreskonferenzen werden gebrochen und man hat als Mitarbeiter das Gefühl, wie ein Schaf der Herde hinterher zu laufen, was wohl auch gewollt ist. Einige kleine 'Skandale' nach Dokumenten-Leaks über bspw. Vergütungsmodellen und andauernde Gerüchte über strategische Entscheidungen, Unternehmenszahlen etc. bestärken den Eindruck, dass der Kommunikationskanal zu den Mitarbeitern deutlich und stark gestört ist und den Mitarbeitern nicht vertraut wird. Das passt nicht mehr ins 21. Jahrhundert und bestärkt, dass PPI keine 'flachen Hierarchien' hat, wie es immer kommuniziert wird.

Kollegenzusammenhalt

Generell ist der Zusammenhalt gut. Einige wenige Kollegen würde ich als 'Toxisch' bezeichnen, aber das hat man wohl in jeder Firma dieser Größe.
Was ich jedoch immer kritisch sah, war das Bestreben, einen Betriebsrat 'nicht zu wollen' (wurde zumindest größtenteils von der Firmenleitung so kommuniziert, als wäre es die Meinung aller). Intern gab es ein Schlichtungs- und Interessen-Gremium, die sog. Interessensvertretung (IV). Aber deren Schlichtungspotenzial war nicht immer ideal und man hatte nie das Gefühl, bei Verletzungen des Kollegenzusammenhalts stets etwas erreichen zu können. Zumindest nicht so, als hätte man einen tatsächlichen Betriebsrat, der bspw. für faire Löhne, faire Behandlung, Einhaltung von Absprachen etc. hätte eintreten können.

Work-Life-Balance

Wie für Beratungshäuser üblich, hängt die von den Tätigkeiten ab. Berater selbst sind da natürlich schlechter aufgestellt. Aber auch bei internen Projekten und der IT kam es oft genug vor, dass einem 'energisch' Überstundenarbeit ans Herz gelegt wurde (aka durch die Blume, dass ein Mangel an Einsatz von Vorgesetzten mental protokolliert würde). Selbst neben großen, privaten Projekten wie umfangreichen Studien oder der Familiengründung, wurde auf Mehrarbeit teils regelrecht gepocht. Von daher: Work-Life-Balance könnte besser sein, ist aber sehr Fall-abhängig. Bei einigen Aufgaben ist die stärker (bspw. interne Entwicklung), bei anderen schwächer (bspw. IT-Beratung).

Vorgesetztenverhalten

Meiner Erfahrung nach: Schwach. In meinem persönlichen Umfeld kam ich mit etlichen Vorgesetzten in Kontakt. Teils wurden Unwahrheiten gesagt, teils wurden Versprechen nicht eingehalten, teils wurde über andere Mitarbeiter schlecht ohne deren Kenntnis geredet. Kollegen wurden gegeneinander ausgespielt und der- oder diejenige, der/die mit Vorgesetzten auch mal Essen ging und besonders energisch und lang mit schickem Anzug bei der Kaffeemaschine parlieren konnte, wurde letztlich befördert. Hier merkte man PPIs Altherren-Mentalität sehr an. Senioralität ging viel zu oft über Kompetenz. Junge mussten sich idR erst hocharbeiten, um Gehör, Respekt und Wertschätzung zu erfahren.

Interessante Aufgaben

Wenn man sich für das Kerngeschäft begeistern kann, findet man interessante Aufgaben. Wenige Projekte gehen in die Richtung von Innovationen, wobei das Groß der Aufgaben (wohl auch Kundenbedingt) sehr, sehr veraltet ist und arg angestaubt waren. Vor allem wer State-of-the-Art Technologien nutzen und erlernen möchte, ist hier eigentlich nicht an der richtigen Adresse. Wer Standard Java, C, standard Web-Frameworks und SQL nutzen will und das erlernte Wissen auch gerne mal Jahrzehnte ohne große Fortbildungen behalten möchte, kommt in einigen der Standard-Produkt-Entwicklungen gut unter.

Gleichberechtigung

Keine Stärke von PPI. Ältere Mitarbeiter und Frauen wurden (nach Kollegen-Aussagen) teils benachteiligt. Eine Frau mit gleichen oder höheren Kompetenzen und mehr Erfahrung wird idR (soweit ich mitbekommen konnte - über Gehalt und Verträge zu reden ist ja ein Verbrechen gegen das Unternehmen... ) tendenziell benachteiligt. Es wird zwar immer wieder bestärkt, dass man stolz auf einen hohen Entwicklerinnen-Anteil sei. Aber: Spätestens ab der Management-Ebene findet man so gut wie keine Frauen mehr. In der Projektleiter-Rolle sind Damen auch sträflich unterrepräsentiert. (soll heißen: Prozentual weit weniger in leitenden Positionen vertreten, als es bei der Gesamtprozentzahl weiblicher Mitarbeiterinnen eigentlich sein müsste).
Mir sind Fälle bekannt, bei denen Mitarbeiter sexueller Nicht-Hetero-Orientierung (LGBTI*) diskriminierende Kommentare abbekamen. Dagegen wurde aber nichts (ernsthaft) unternommen. Aber: auch hier kann es sich um Einzelfälle handeln - das ist mir wichtig zu betonen. Das Unternehmen ist groß.

Umgang mit älteren Kollegen

Der Umgang mit älteren Kollegen, die nicht in der Beratung sind und nicht zum Management gehören (wichtiger Umstand) war erfahrungsgemäß verbesserungswürdig. Einige +55iger haben mir berichtet, wie sie systematisch kleingehalten werden (oder diesen Eindruck hatten). Auch hier gilt wieder: Meine Stichprobe muss nicht repräsentativ sein. Erschreckend fand ich das dennoch.
Noch schlimmer war, dass diese Grundhaltung von 'Oben' kam und selbst eine Interessensvertretung (so eine Art Betriebsrat, der aber keiner ist) dagegen auch nichts unternehmen konnte (bei solchen Fällen bräuchte man eben doch einen Echten).

Arbeitsbedingungen

Hier ist fast alles in Ordnung. Es gibt leckeren Kaffee, frische Säfte, Obst und Gemüse. Die Empfangs-Damen kümmern sich sorgsam, Arbeitsmaterialen werden idR ohne Wenn und Aber zur Verfügung gestellt, die Firmen-Handys sind wertig und auch die Arbeitsgeräte sind modern. Vor allem die System-Admins sind große Klasse.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Hier muss natürlich immer unterschieden werden zwischen 'echter' Nachhaltigkeit und zwischen PR. Auf dem Blatt tut PPI sehr viel für die Umwelt und für Familien, Ältere etc. Intern sieht es da nicht immer rosig aus. So gibt es Leihfahrräder, aber auch dicke Firmenautos.
Das ist aber auch wieder etwas zweischneidig und Fall-abhängig: So gibt es auf der einen Seite Familienfeste
Auf der anderen Seite durchlebte ein Kollege nach einer Scheidung, stand kurz vor der Erschöpfung und wurde um Überstunden 'gebeten' (also... energisch gebeten).
So gibt es Spenden an den Zoo (sehr sozial & gut für die PR), aber das Gehalt für Jüngere ist grausig unterdurchschnittlich (nicht so sozial... ).
Im Grunde wirkt also nach außen alles gut, aber vor allem intern (nicht außenwirksam) wird hier teils sehr gepatzt. Abermals: Das können aber Einzelfälle sein. Das Unternehmen ist groß und ich kann hier nur von eigenen Erfahrungen berichten.

Gehalt/Sozialleistungen

Unterdurchschnittliches Gehalt, das einem als 'großzügige Vergütungen' verkauft werden. Klauseln in Richtung dass Überstunden mit dem hohen Gehalt abgegolten wären, sorgen dafür, dass man teils enorm viele Überstunden ansammelt, die im schlimmsten Fall einfach entfallen. Das bei Gehältern, die klar unter dem Markt-Üblichen sind. Dass man hier nicht ehrlich ist, hat uns Mitarbeiter wohl am meisten frustriert. Daneben gibt es Altverträge und Neuverträge. Altverträge haben genial wenig Klauseln, enorm hohe Gehälter und kommen mit Boni, Firmenwagen und sonstigem Zucker. Neuverträge haben mehr und einschränkendere Klauseln und sind oft schlechter vergütet. Ferner ist PPI mehrere Unternehmen in einem: Wer Berater ist, verdient teils recht ordentlich (klar: Beratungstätigkeit kann sehr fordernd sein). IT-Profis, die sich aber ebenfalls voll ins Zeug legen, kriegen teils ein Fünftel weniger Gehalt - das fühlt sich nicht immer fair an.

Image

Nicht besser als die Konkurrenz, auch wenn es immer anders behauptet wird. Insgesamt genießt PPI aber ein gewisses Ansehen, das jedoch (soweit ich mitbekommen konnte) teils ausgenutzt wird. Es wurden durchaus Produkte an den Kunden verkauft, die nicht einmal ansatzweise versprachen, was drauf stand (vor allem moderne Technologien wie Cyber Security, Big Data oder KI wurden teils verkauft, ob wohl nichts davon wirklich drin war). Auf Dauer wird sich das negativ auf die Arbeitgebermarke auswirken.

Karriere/Weiterbildung

Auch nach vielen Jahren der Zugehörigkeit, war das Thema 'Karriere' aus meiner Sicht eine Farce. Es gibt ein sog. Entwicklungsmodell. Aber: Entweder konnte man Kollegen ausstechen, gut bei Vorgesetzten und Projektleitern punkten mit gemeinsamen Essengehen oder viel Kaffee-Schnack oder die Karriere war quasi tot.
Es gab etliche Jahre sog. Null-Runden selbst bei wirtschaftlich brillanten, tollen Jahren mit immer neuen Ausreden (ich bin mir sicher, dass die nächsten Jahre Corona der absolute Totschlag-Grund sein wird für Nullrunden).
Befördert wurde teils, wessen Nase den Entscheidern (meistens ja Männer) am besten gefiel: Anzüge tragen, viel Kaffee trinken und das richtige Vitamin B einnehmen. Die guten Mitarbeiter schienen zu großen Teilen nach wenigen Jahren die Flinte ins Korn zu werfen und jene mit wenig Kompetenz bei spitzen Ellenbogen kamen (augenscheinlich: Abermals möchte ich auf meine geringe Stichprobe an eigenen Erfahrungen hinweisen) weiter. Das passt nicht ins 21. Jahrhundert.
Immerhin werden Weiterbildungen angeboten.