Interessante Aufgaben - wenig Wertschätzung, geringe Transparenz, fragwürdige Führungskultur
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorzuheben ist der erkennbare Wille einzelner Mitarbeiter, bestehende Strukturen zu verbessern und Veränderungen anzustoßen. Diese Initiativen stießen aus meiner Wahrnehmung jedoch wiederholt auf erhebliche Widerstände.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Stark hierarchisch und autokratisch erscheinende Führungskultur
Wenig vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre
Wiederholt sehr abwertende Äußerungen
Versuche politische Einflussnahme
Defizite bei Arbeitssicherheit, z. B. Temperaturen, Chemikalien und beim Umgang mit Abfällen
Unzureichende Trennung von Arbeits- und Freizeit
Verbesserungsvorschläge
Hinweise oder Bedenken zu geschäftlichen Perspektiven, Arbeitsbedingungen, Prozessen und Sicherheit sollten nach meinem Verständnis offen aufgenommen, sachlich geprüft und konstruktiv bearbeitet werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als wenig konstruktiv erlebt. Hier besteht aus meiner Sicht eklatanter Nachholbedarf.
Ich habe wiederholt erlebt, dass sowohl Kollegen als auch Vorgesetzte sehr abwertend über nicht anwesende und abwesende Mitarbeiter gesprochen haben. Vergleichbare Äußerungen kamen aus meiner Wahrnehmung auch von Führungskräften, insbesondere "ganz oben".
Das hat mein Vertrauen in die Zusammenarbeit beeinträchtigt. Kritik sollte aus meiner Sicht sachlich, konstruktiv und direkt mit den Betroffenen besprochen werden. Die von mir erlebte Gesprächskultur empfand ich daher als wenig professionell und wenig vertrauensfördernd.
Auf mich wirkte es teilweise so, als hätten sich Beschäftigte mit den bestehenden Verhältnissen abgefunden, anstatt noch auf Veränderungen zu hoffen oder diese anzustreben.
Image
Das tatsächliche Image in der Branche kann ich nur eingeschränkt beurteilen. Meine persönlichen Erfahrungen im Unternehmen standen jedoch teilweise deutlich im Gegensatz zu dem professionellen Anspruch, den ich von einem Unternehmen im Healthcare-Umfeld erwarten würde.
Work-Life-Balance
Für Mitarbeiter in der Produktion bestand eine Zeiterfassung, während Führungskräfte in Vertrauensarbeitszeit arbeiteten.
Die Abgrenzung zwischen Arbeits- und Freizeit habe ich teilweise als problematisch erlebt. Arbeiten am Wochenende wurde aus meiner Wahrnehmung nicht aktiv begrenzt. Auch wurde teilweise erwartet, dass Mitarbeiter während ihres Erholungsurlaubs erreichbar sind.
Zudem habe ich mehrfach erlebt, dass Mitarbeiter betriebliche Aufgaben außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit erledigten. Insgesamt hatte ich daher den Eindruck, dass eine klare Trennung zwischen Beruf und Freizeit nicht konsequent gefördert wurde.
Homeoffice wurde anscheinend eher restriktiv gehandhabt. Ein einzelner Homeoffice-Tag war grundsätzlich möglich, wurde aber überwiegend nur bei besonderen persönlichen Umständen gewährt.
Hunde wurden in der Verwaltung offenbar teilweise geduldet. Eine klare und einheitlich kommunizierte Regelung dazu habe ich jedoch nicht wahrgenommen.
Karriere/Weiterbildung
Abgesehen von verpflichtenden Schulungen habe ich keine Angebote zur fachlichen oder persönlichen Weiterbildung wahrgenommen. Auch strukturierte Entwicklungsmöglichkeiten oder klar erkennbare Karrierepfade waren für mich nicht ersichtlich.
Gehalt/Benefits
Das Gehaltsniveau habe ich für ein mittelständisches Unternehmen im Healthcare-Umfeld als eher ausbaufähig empfunden.
Eine betriebliche Altersvorsorge wurde angeboten, aus meiner Wahrnehmung jedoch lediglich im gesetzlich vorgesehenen Mindestumfang. In der Produktion bestand ein leistungsbezogenes Vergütungsmodell.
Eine Gewinnbeteiligung war grundsätzlich vorgesehen, deren Berechnung empfand ich jedoch als wenig transparent ommuniziert. Dabei wurde nach meiner Kenntnis die Bewertung krankheitsbedingter Fehlzeiten vorgenommen, was sich entsprechend auf die Gewinnbeteiligung, bis hin zur Versagung, auswirken konnte.
Positiv hervorzuheben sind die Bezuschussung einer Fitnessstudio-Mitgliedschaft sowie der Zugang zu Corporate Benefits.
Kaffee kostete Geld.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Insbesondere der von mir persönlich wahrgenommene Umgang mit Abfällen entsprach nicht meinen Erwartungen an ein Unternehmen, das professionell Abfallströmen, oftmals Chemikalien, umgeht.
In Mitarbeiterräumen wurden nur Restmüllsäcke bereitgestellt.
Kollegenzusammenhalt
Der Umgang unter Kollegen war im direkten Miteinander überwiegend in Ordnung. Gleichzeitig habe ich wiederholt erlebt, dass über einzelne nicht anwesende Mitarbeiter sehr abwertend gesprochen wurde, was den Zusammenhalt aus meiner Sicht beeinträchtigt hat.
Insgesamt hatte ich eher den Eindruck, dass viele für sich, beziehungsweise innerhalb ihrer jeweiligen Bereiche, arbeiteten. Ein aktiver Austausch zwischen den Abteilungen wurde aus meiner Wahrnehmung nur begrenzt gefördert. Auch seitens der Geschäftsführung habe ich keine ausgeprägte Förderung einer abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit wahrgenommen.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Dauer der Betriebszugehörigkeit hatte aus meiner Wahrnehmung nur einen begrenzten Stellenwert. Auch langjährige Mitarbeiter wirkten auf mich nicht grundsätzlich besonders wertgeschätzt oder geschützt. Insgesamt entstand bei mir der Eindruck, dass Mitarbeiter unabhängig von ihrer Betriebszugehörigkeit als grundsätzlich ersetzbar betrachtet wurden.
Vorgesetztenverhalten
Für mich mit deutlichem Abstand einer der größten Kritikpunkte.
Ich habe die Führung durch die Geschäftsführung als stark hierarchisch und autokratisch geprägt erlebt. Entscheidungen wirkten auf mich häufig top-down; für abweichende fachliche Einschätzungen oder kritische Rückfragen habe ich nur begrenzt Offenheit wahrgenommen.
Problematisch empfand ich insbesondere die Diskrepanz zwischen der erwarteten Eigenverantwortung und dem aus meiner Sicht tatsächlich gewährten Handlungsspielraum.
Hinzu kamen von mir als unangemessen empfundene Versuche politischer Einflussnahme sowie Äußerungen, die ich als abwertend gegenüber bestimmter Bevölkerungsgruppen, sozialer Schichten oder wegen des Geschlechts einordnen würde habe.
Von einer Geschäftsführung, Führungskräften, eigentlich jedem Vorgesetzten, erwarte ich Professionalität, einen respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Menschen und Ansichten sowie insbesondere ein Bewusstsein für die Wirkung der eigenen hierarchischen Position.
Meine Erfahrungen lagen davon deutlich entfernt.
Arbeitsbedingungen
Arbeitsbedingungen habe ich teilweise als äußerst problematisch erlebt.
In Produktionsbereichen herrschten nach meiner persönlichen Erfahrung über längere Zeit Temperaturen von mehr als 32 °C. Aus meiner Sicht wurde der Problematik nicht in einem Maß begegnet, das ich von einem verantwortungsvoll handelnden Arbeitgeber erwarten würde.
Darüber hinaus hatte ich mehrfach erhebliche Zweifel daran, ob dem Thema Arbeitssicherheit die notwendige Priorität eingeräumt wurde. Bestimmte Abläufe und Zustände entsprachen aus meiner persönlichen Sicht nicht dem Sicherheitsniveau, das ich aus einem professionellen industriellen, bzw. chemischen Arbeitsumfeld erwarten würde.
Der Umgang mit chemischen Abfällen hat bei mir Bedenken ausgelöst. Die von mir beobachteten Abläufe bei Sammlung, Handhabung beziehungsweise Entsorgung von Abfallchemikalien empfand ich teilweise als mangelhaft und nicht dem Standard entsprechend, den ich aufgrund meiner fachlichen Erfahrung für angemessen halte.
In einem Unternehmen, das mit chemischen Stoffen arbeitet, sollten Arbeitssicherheit, Gefahrstoffmanagement und der fachgerechte Umgang mit chemischen Abfällen aus meiner Sicht zu den absoluten Grundlagen gehören.
Kommunikation
Aus meiner Sicht für ein Unternehmen wenig angemessen.
Klare Erwartungen, nachvollziehbare Prioritäten und eine verlässliche, professionelle Kommunikation würden meiner Meinung nach bereits viel verändern. Kommunikation sollte zudem nicht überwiegend als einseitige Vorgabe verstanden werden, sondern auch Raum für fundierten Widerspruch und tatsächlichen Austausch bieten.
Es entstand der Eindruck eines Mikromanagements mit zahlreichen Berichtspflichten.
Persönliche politische oder gesellschaftliche Überzeugungen sollten aus meiner Sicht nicht in das Arbeitsverhältnis hineingetragen werden. Insbesondere nicht unter Nutzung hierarchischer Strukturen.
Im Umgang mit Mitarbeitern habe ich die Geschäftsführung teilweise als wenig diskret und wenig loyal erlebt. Aus meiner Sicht wurden sensible Themen nicht immer mit der Zurückhaltung oder gar Professionalität behandelt, die ich von einer Führungskraft erwarten würde.
Gleichberechtigung
Als stark hierarchich geprägt und wenig auf Augenhöhe empfunden. Dies hat meinen Eindruck von einer wertschätzenden und respektvollen Unternehmenskultur deutlich beeinträchtigt.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst waren durchaus interessant, abwechslungsreich und grundsätzlich einer der wenigen positiven Aspekte meiner Tätigkeit. Das Unternehmen hat hier Potenzial, regulatorische Anforderungen können einschränkend wirken.
Umso bedauerlicher ist es aus meiner Sicht, dass die Rahmenbedingungen, die Führungskultur sowie meine Bedenken hinsichtlich Arbeitsbedingungen und Sicherheit diesen Punkt vollständig überschattet haben.