Starke Work-Life-Balance aber schwaches Zukunftsbild
Arbeitsatmosphäre
Home-Office und mobiles Arbeiten sind in meinem Bereich nahezu uneingeschränkt möglich. Der Preis dafür ist aber, dass im Büro nur noch vereinzelt Kollegen anzutreffen sind. Eine echte Arbeitsatmosphäre entsteht kaum noch. Früher reichte ein kurzer Gang, um Informationen oder Hilfe zu bekommen. Heute klappt das höchstens noch am Donnerstag, wo etwas mehr los ist auf den Gängen.
Kommunikation
Im Team läuft der Austausch dank fester Regeltermine reibungslos. Außerhalb des Teams werden Wege und Antwortzeiten deutlich länger – häufig müssen Themen hinterhergelaufen werden. Auf Führungsebene sollen neue Meeting-Formate Transparenz schaffen. Da bleibt der konkrete Nutzen für mich jedoch überschaubar. Wer die richtigen Ansprechpersonen kennt, ist klar im Vorteil und bekommt die richtigen Informationen.
Kollegenzusammenhalt
Kollegen helfen sich grundsätzlich, aber oft bleibt ein Elefant im Raum. Hinter freundlichen Gesichtern wird vereinzelt getuschelt und der direkte Dialog wird gemieden, um Konflikte zu klären. Weiter von Team weg herrscht seit einiger Zeit auch eher eine Ellbogen-Mentalität als ein Wir-Gefühl.
Work-Life-Balance
Flexibles Arbeiten zwischen 5 und 22 Uhr und dabei keine festen Kernzeiten. Solange Team-Termine wahrgenommen und Erreichbarkeitsfenster eingehalten werden, ist fast durchgehendes Home-Office oder mobiles Arbeiten möglich.
Vorgesetztenverhalten
Seit Längerem verlassen erfahrene Führungskräfte das Unternehmen. Die Nachfolger setzen stärker auf Kennzahlen als auf Menschen. Der Frauenanteil auf der Ebene sinkt. Auch in der Geschäftsführung gibt es inzwischen nur noch eine männliche Einzelspitze, wo vorher eine ausgeglichene Doppelspitze vorhanden war.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben laufen inzwischen weitgehend nach Schema F. Abwechslung oder neue Impulse bleiben rar.
Gleichberechtigung
Es gibt seit geraumer Zeit engagierte Gleichstellungsbeauftragte und dies Jahr sogar eine spezielle Workshopreihe nur für Frauen und deren Förderung. Dennoch kommt der Erfolg (bisher) nicht flächendeckend an. Der Anteil weiblicher Führungskräfte sinkt, mehrere profilierte Kolleginnen haben das Unternehmen verlassen. Statt der früheren gemischten Doppelspitze gibt es heute eine rein männliche Einzelbesetzung. Nach außen werden zwar gern Kolleginnen entsandt, um Preise und Auszeichnungen aller Art entgegenzunehmen, intern spürt man von dieser Wertschätzung bislang weniger.
Umgang mit älteren Kollegen
Das Bild ist gemischt. Erfahrene Kollegen werden einerseits geschätzt, weil sie unverzichtbares Fachwissen halten. Andererseits horten einzelne dieses „Inselwissen“. Weitergabe und Schulungen fehlen. Umgekehrt begegnen manche älteren Kollegen aber auch jüngeren oder neuere Kollegen bisweilen von oben herab.
Arbeitsbedingungen
Das nahezu flächendeckend beibehaltene Home-Office und die flexiblen Arbeitszeiten sind ein klarer Pluspunkt. IT-Ausstattung (Laptop, Headset, Smartphone) befindet sich auf gehobenen Niveau. Der Standort in Herten ist mit dem Auto gut erreichbar. Leichte Abzüge gibt es für die Büros. Die sind hellhörig. Eine farbliche Gestaltung und Akustikmaßnahmen könnten mehr Wohlfühlatmosphäre schaffen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
E-Ladesäulen auf dem Parkplatz, Wasserspender direkt am Leitungswasser und Mülltrennung werden seit einiger Zeit umgesetzt. In fast leeren Büros wird im Winter trotzdem voll geheizt, Papier bleibt trotz digitaler Alternativen beliebt. Eine PV-Anlage wäre wünschenswert, ist im denkmalgeschützten Mietobjekt aber schwer realisierbar (denke ich)
Gehalt/Benefits
Es gibt keinen Tarifvertrag, das Einstiegsgehalt ist komplett Verhandlungssache. Eine Bonuszahlung wird gelegentlich ausgeschüttet, wenn Unternehmensziele ge-/übertroffen werden. Seit diesem Jahr gibt es neue Rollenprofile, Gehaltsbänder und jährliche Performance-Gespräche – die Idee ist Transparenz, in der Praxis hakt die Umsetzung noch. Weiter gibt es eine betriebliche Krankenversicherung, Betriebsrente, Kindergartenzuschuss, ein 13. Gehalt und kleinere Goodies wie Massagen oder Getränke.
Image
Früher galten das Unternehmen als „kommunale IT-Perle“ welches seiner Marktposition gerecht wird. Inzwischen bröckelt das Ansehen, interne wie extern. Kommunale Kunden klagen zunehmend über die Qualität und Zuverlässigkeit der Fachverfahren und Zeitungen berichten in neuster Zeit auch nicht mehr viel Gutes.
Karriere/Weiterbildung
Karrierepfade sind vorhanden (Junior zu Senior, oder Ähnliches), bleiben aber schwammig. Führungspositionen werden häufig extern besetzt. Es gibt interne Schulungsangebote oder auch Wochen (imPROve), aber externe zertifizierte Weiterbildungen werden nur selten übernommen.

