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Bewertung

Top-Level-Management – sehr viel Management, erstaunlich wenig Top-Level

1,2
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich IT bei PSI Software SE | Business Unit Logistics in Aschaffenburg gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Der Kollegenzusammenhalt ist nach wie vor erstaunlich gut.
Das ist insofern besonders beeindruckend, als die aktuelle Unternehmensentwicklung durchaus geeignet wäre, ihn nachhaltig zu beschädigen.
Kurz gesagt: Die Mitarbeiter halten zusammen. Die Umstände geben sich Mühe, das zu ändern.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Die zunehmende Erkenntnis, dass man offenbar sehr erfolgreich ein Unternehmen optimieren kann, ohne dabei zwingend das Produkt, die Mitarbeiter oder die Kunden zu optimieren.
Personalabbau, Überlastung, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und eine zunehmende Distanz zwischen Führung und Belegschaft ergeben dabei ein bemerkenswert stimmiges Gesamtbild.
Man hat offenbar einen Plan.
Nur wäre es schön, wenn gelegentlich auch jemand erklären würde, was er ist.

Verbesserungsvorschläge

Vielleicht gelegentlich daran erinnern, dass ein Softwareunternehmen drei Dinge braucht:
1. gute Software,
2. gute Leute,
3. gute Bedingungen, damit die guten Leute gute Software entwickeln können.
Derzeit scheint insbesondere Punkt 1 erstaunlich häufig hinter Punkt 4 zu verschwinden: die Optimierung für Investoren.
Vielleicht wäre es außerdem hilfreich, Führungskräfte gelegentlich aus Meetings herauszulassen und dafür Mitarbeiter mit ihnen sprechen zu lassen.

Arbeitsatmosphäre

Mit der neuen Führung in Berlin hat sich die Arbeitsatmosphäre erfreulich konsequent weiterentwickelt – allerdings in eine Richtung, die man nicht unbedingt erwartet hätte. Der Fokus liegt aus meiner Wahrnehmung inzwischen sehr deutlich auf den Interessen des Investors. Mitarbeiter, Produkte und langfristige Perspektiven dürfen sich diesem Ziel dankenswerterweise unterordnen.
Wer gehofft hatte, dass ein Unternehmen langfristig denkt, darf sich also beruhigt zurücklehnen: Es denkt. Nur offenbar nicht unbedingt langfristig.

Image

Die vergangenen Jahre haben dem Unternehmen aus meiner Sicht einen interessanten Transformationsprozess beschert.
Ein Unternehmen, das eigentlich von seinen Produkten lebt, hat zunehmend den Eindruck vermittelt, dass die Optimierung für Investoren wichtiger ist als die Weiterentwicklung dieser Produkte.
Das ist zweifellos eine Strategie.
Ob sie langfristig auch für Mitarbeiter und Kunden attraktiv ist, darf jeder selbst beurteilen.
Die Marke PSI hat dabei jedenfalls sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Kunden spürbar an Vertrauen und Substanz verloren.
Man könnte sagen: Das Unternehmen wurde verschlankt. Leider scheint dabei stellenweise auch etwas vom eigentlichen Unternehmen abhandengekommen zu sein.

Work-Life-Balance

Grundsätzlich darf man seinen Arbeitstag flexibel gestalten. Das ist sehr angenehm.
Die konkrete Gestaltung übernimmt allerdings zunehmend der Kalender. Zwischen Meetings, Abstimmungen, Folge-Meetings und Nachbereitungs-Meetings bleibt erstaunlich wenig Raum für die eigentliche Arbeit.
Immerhin ist man dadurch sozial bestens eingebunden.

Karriere/Weiterbildung

Eine strukturierte Einarbeitung wäre bereits ein ambitionierter erster Schritt.
Weiterentwicklung der Mitarbeiter findet, soweit ich es erlebe, eher nach dem Prinzip „Learning by surviving“ statt.
Zeit für Weiterbildung ist naturgemäß schwer zu finden, wenn die vorhandenen Mitarbeiter mit immer mehr Aufgaben beschäftigt sind.
Das hat immerhin einen positiven Nebeneffekt: Man entwickelt sich permanent weiter. Nur eben nicht unbedingt in die Richtung, die ursprünglich geplant war.

Gehalt/Benefits

Die Wertschöpfungskette funktioniert grundsätzlich.
Die Unternehmensführung und der Investor profitieren finanziell von der Firma. Bei vielen Mitarbeitern ist dieser Zusammenhang deutlich weniger ausgeprägt.
Man könnte also sagen: Geld verdient wird durchaus. Nur nicht unbedingt von allen, die daran arbeiten.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Dieser Punkt scheint aktuell eher den Charakter eines dekorativen Menüpunktes zu haben.
Sozialbewusstsein ist offenbar vorhanden – zumindest dem Namen nach.

Kollegenzusammenhalt

Der Kollegenzusammenhalt ist noch erstaunlich gut. Das ist insofern bemerkenswert, als die Rahmenbedingungen derzeit geradezu dazu einladen, diese Errungenschaft ebenfalls abzubauen.
Insbesondere die Trennung von Mitarbeitern mit mehr als 20 Jahren Betriebszugehörigkeit ist ein schönes Signal dafür, welchen Stellenwert gewachsene Erfahrung inzwischen genießt.
Man kann natürlich nicht behaupten, dass damit der Zusammenhalt geschwächt werden soll. Man kann aber anerkennen, dass das Ergebnis ziemlich überzeugend aussieht.

Umgang mit älteren Kollegen

Der Umgang mit langjähriger Erfahrung ist konsequent und effizient.
Auffällig viele Mitarbeiter zwischen 55 und 60 Jahren mit langer Betriebszugehörigkeit haben das Unternehmen verlassen bzw. wurden verlassen.
Das setzt ein klares Signal: Erfahrung ist wertvoll – sofern sie nicht zu lange im Unternehmen bleibt.

Vorgesetztenverhalten

Die Führungskultur hat sich erfreulich modernisiert: Eigene Kontur scheint zunehmend als unnötiger Ballast betrachtet zu werden.
Wer Entscheidungen hinterfragt, könnte versehentlich den Eindruck erwecken, selbstständig zu denken. Wer dagegen zuverlässig zustimmt, fügt sich harmonischer in das Gesamtbild ein.
Unternehmerische Weitsicht ist inzwischen offenbar vor allem daran zu erkennen, wie elegant man den jeweils aktuellen Kurs mitträgt.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen sind konsequent auf die aktuelle Unternehmensstrategie abgestimmt.
Es wird viel Energie darauf verwendet, Personal abzubauen. Für die verbleibenden Mitarbeiter ergibt sich daraus die erfreuliche Möglichkeit, die Aufgaben der ausgeschiedenen Kollegen gleich mit zu übernehmen.
So entsteht aus weniger Personal mehr Arbeit. Ein Konzept, das zumindest mathematisch hervorragend funktioniert.

Kommunikation

Offene Kommunikation wird offenbar als überbewertetes Konzept betrachtet. Führungskräfte verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit in Meetings, was immerhin den angenehmen Nebeneffekt hat, dass Mitarbeiteranliegen nicht unnötig in den ohnehin gut gefüllten Terminkalender eingreifen.
Für dringende Fragen empfiehlt sich daher vermutlich die klassische Methode: abwarten und beobachten, ob sie sich von selbst erledigen.

Gleichberechtigung

Die Entscheidungsstrukturen sind erfreulich übersichtlich.
Weiße Männer treffen die wesentlichen Entscheidungen. Das hat zumindest den Vorteil, dass man bei der Frage nach Vielfalt in Führungspositionen nicht lange suchen muss.
Vielfalt findet offenbar eher in Präsentationen als in den Entscheidungsebenen statt.

Interessante Aufgaben

Es gab einmal interessante Aufgaben. Das war eine schöne Zeit.
Inzwischen scheint die Weiterentwicklung der eigentlichen Produkte nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste zu stehen. Was bei einem Softwareunternehmen natürlich kein grundsätzliches Problem ist – solange man akzeptiert, dass Softwareentwicklung irgendwann auch ohne Weiterentwicklung auskommt.
Der Vorteil: Die Mitarbeiter müssen sich nicht ständig an neue Produktideen gewöhnen.

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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.