Nach vielen Jahren überwiegt leider die Ernüchterung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich gut und die Möglichkeit zum Homeoffice bietet eine gute Flexibilität. Der Kollegenzusammenhalt innerhalb vieler Teams ist nach wie vor stark und man unterstützt sich gegenseitig. Die Aufgaben sind fachlich interessant und bieten grundsätzlich gute Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Positiv sind außerdem die verschiedenen Weiterbildungsangebote sowie das soziale Engagement des Unternehmens.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Zwischen dem, was kommuniziert wird, und dem, was im Arbeitsalltag tatsächlich umgesetzt wird, besteht aus meiner Sicht zunehmend eine Lücke. Unrealistische Ziele, fehlende Konsequenz bei der Umsetzung von Feedback und wenig transparente Karriere- und Gehaltsentscheidungen führen langfristig zu Frustration. Besonders bei langjährigen Mitarbeitern entsteht der Eindruck, dass Erfahrung und Leistung nicht ausreichend berücksichtigt werden. Wer sich beruflich und finanziell deutlich weiterentwickeln möchte, stößt intern schnell an Grenzen.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Fokus auf reine Kommunikation und Selbstdarstellung, dafür mehr auf die tatsächlichen Herausforderungen im Arbeitsalltag. Ziele sollten realistisch und durch die Mitarbeiter tatsächlich beeinflussbar sein. Vorschläge und Feedback aus den Teams sollten ernst genommen, transparent bewertet und bei Entscheidungen berücksichtigt werden. Ebenso sollte die Entwicklung von Gehalt und Karriere nachvollziehbarer und konsequenter anhand der bestehenden Gehaltsbänder und Kriterien erfolgen. Gerade langjährige und erfahrene Mitarbeiter sollten stärker wertgeschätzt und gezielt weiterentwickelt werden.
Arbeitsatmosphäre
Grundsätzlich ist die Arbeitsatmosphäre in Ordnung und hängt stark vom jeweiligen Team ab. Gerade in Teams, die gut zusammenarbeiten, herrscht zunächst eine angenehme Atmosphäre. Mit der Zeit führen jedoch unrealistische Ziele und der teilweise schwierige Umgang mit Kritik zu zunehmender Frustration. Dadurch verändert sich auch die Stimmung. Viele Mitarbeiter machen irgendwann nur noch ihren Job und beschränken sich auf das Notwendigste. Die anfänglich gute Atmosphäre leidet darunter langfristig spürbar.
Image
Das Image des Unternehmens war aus meiner Sicht früher deutlich positiver. In den vergangenen Jahren hat sich dieser Eindruck jedoch verändert.
Während andere Unternehmen teilweise sehr deutlich mit Innovationen und neuen Technologien vorangehen, entsteht bei Quadient zunehmend der Eindruck, dass Entwicklungen eher nachvollzogen werden, sobald sie sich bereits am Markt etabliert haben. Das wirkt sich langfristig auch auf die Wahrnehmung des Unternehmens als innovativer Arbeitgeber aus.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich ist die Work-Life-Balance in Ordnung. Wenn privat einmal mehr Zeit benötigt wird, wird darauf meistens Rücksicht genommen.
Gleichzeitig führt die Vertrauensarbeitszeit in der Praxis dazu, dass die anfallende Arbeit trotzdem erledigt werden muss. Der Schreibtisch ist am Ende des Tages selten wirklich leer. Dadurch entstehen über längere Zeit viele zusätzliche Arbeitsstunden, die theoretisch durch Freizeit ausgeglichen werden könnten, praktisch aber aufgrund der Arbeitsbelastung nur schwer abzubauen sind.
Karriere/Weiterbildung
Auf dem Papier gibt es durchaus gute Angebote und Möglichkeiten zur Weiterbildung, beispielsweise über Online-Kurse, Sprachkurse und andere Lernangebote. In der Praxis hängt die tatsächliche Nutzung dieser Möglichkeiten jedoch stark vom jeweiligen Vorgesetzten und den verfügbaren Budgets ab.
Problematisch ist insbesondere, wenn Weiterbildungen oder Zertifizierungen zunächst zugesagt oder in Aussicht gestellt werden und später aufgrund fehlenden Budgets nicht mehr umgesetzt werden können. Gleichzeitig werden Ziele an diese Weiterentwicklung geknüpft. Dadurch entsteht ein Kreislauf, in dem die Voraussetzungen für die Zielerreichung fehlen, die Auswirkungen aber beim Mitarbeiter liegen.
Auch bei internen Karrieremöglichkeiten besteht aus meiner Sicht eine deutliche Lücke zwischen dem theoretischen Angebot und der tatsächlichen Entwicklung. Wer sich innerhalb des Unternehmens weiterentwickeln möchte, benötigt sehr stark die Unterstützung der eigenen Führungskraft. Ohne diese Unterstützung sind die internen Möglichkeiten trotz vorhandener Stellen und interner Jobbörse begrenzt.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung empfinde ich insgesamt als eher unterdurchschnittlich. Besonders kritisch sehe ich dabei weniger die Existenz von Gehaltsbändern, sondern deren praktische Umsetzung.
Grundsätzlich gibt es transparente Strukturen und nachvollziehbare Kriterien für die Vergütung. In der Praxis entsteht jedoch teilweise der Eindruck, dass diese nicht immer konsequent und einheitlich angewendet werden. Auch bei nachvollziehbaren Argumenten für eine Anpassung bleibt die Entwicklung der Vergütung teilweise hinter den Erwartungen zurück.
Dadurch entsteht bei einigen Mitarbeitern eher die Haltung, die Situation zu akzeptieren oder sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen.
Aus meiner Sicht ist das langfristig problematisch für die Mitarbeiterbindung. Wenn erfahrene Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, gehen wertvolles Wissen und Erfahrung verloren. Gleichzeitig müssen diese Kapazitäten anschließend häufig extern oder durch Neueinstellungen ersetzt werden, was letztlich ebenfalls mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden ist. Eine stärkere Berücksichtigung von Erfahrung und langfristiger Unternehmenszugehörigkeit bei der Vergütungsentwicklung könnte hier aus meiner Sicht sinnvoll sein.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen unterstützt verschiedene soziale Projekte und bietet Mitarbeitern auch die Möglichkeit, Arbeitszeit für entsprechendes Engagement einzusetzen. Das ist grundsätzlich positiv und zeigt, dass soziales Engagement nicht ausschließlich außerhalb des Unternehmens stattfindet.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt hängt stark vom jeweiligen Team ab. In kleineren, eingespielten Teams ist der Zusammenhalt grundsätzlich gut. Man unterstützt sich gegenseitig, hilft bei Problemen und hat Verständnis füreinander.
Allerdings habe ich den Eindruck, dass dieser Zusammenhalt auch in langjährig gewachsenen Teams zunehmend belastet wird. Teilweise arbeitet man nicht mehr aus gemeinsamer Überzeugung an der Zukunft des Unternehmens, sondern vor allem aus Verantwortung und Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen. Auf Dauer ist das aus meiner Sicht keine nachhaltige Grundlage.
Umgang mit älteren Kollegen
Langjährige und erfahrene Mitarbeiter verfügen über sehr viel Wissen und Expertise. Aus meiner Sicht wird diese Erfahrung jedoch nicht immer entsprechend wertgeschätzt.
Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob jemand 10, 15 oder 20 Jahre im Unternehmen ist. Die Anerkennung für langjährige Mitarbeit bleibt häufig bei allgemeinen Danksagungen stehen. Auch bei Gehalts- und Karriereentwicklung entsteht der Eindruck, dass Betriebszugehörigkeit, Erfahrung und erworbenes Know-how nur begrenzt berücksichtigt werden.
Es wird teilweise sehr deutlich vermittelt, dass man sich für eine größere Gehalts- oder Karriereentwicklung extern orientieren müsse. Gerade bei langjährigen Mitarbeitern ist das aus meiner Sicht ein problematisches Signal.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten hängt sehr stark von der jeweiligen Führungskraft ab. Mit einem guten Vorgesetzten kann die Zusammenarbeit sehr angenehm und konstruktiv sein. Hat man jedoch eine Führungskraft, die die eigene Entwicklung nicht unterstützt, sind die Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens sehr begrenzt.
Gerade bei Karriere- und Gehaltsentwicklung hat die direkte Führungskraft einen sehr großen Einfluss. Auch bei Gesprächen mit HR wird letztlich häufig auf den direkten Vorgesetzten verwiesen. Dadurch hat ein Mitarbeiter nur begrenzte Möglichkeiten, eine Entwicklung selbst anzustoßen, wenn die Führungskraft diese nicht aktiv unterstützt.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich gut. Homeoffice bietet eine gute Flexibilität und ermöglicht eine vernünftige Gestaltung des Arbeitsalltags.
Allerdings ist zunehmend zu beobachten, dass wieder mehr Präsenz im Büro erwartet wird. Hier wäre aus meiner Sicht mehr Vertrauen in die etablierten hybriden Arbeitsmodelle wünschenswert.
Kommunikation
Das Unternehmen legt großen Wert darauf, eine offene und transparente Kommunikation zu vermitteln. In der täglichen Arbeit kommt davon aus meiner Sicht allerdings deutlich weniger an. Gerade bei unrealistischen Zielen oder Problemen, auf die einzelne Mitarbeiter nur begrenzten Einfluss haben, wird eine offene Kommunikation schwierig.
Besonders enttäuschend ist, wenn konkrete Probleme angesprochen und gleichzeitig Lösungsvorschläge gemacht werden, darauf aber kein konkretes Feedback folgt. Häufig heißt es dann, dass man die Situation beobachten oder abwarten müsse. Die zahlreichen Kommunikations- und Motivationsevents wirken dadurch teilweise eher wie Unternehmenskommunikation als wie ein tatsächlicher Austausch über die Probleme im Arbeitsalltag.
Gleichberechtigung
Hier kann ich insgesamt weder besonders positive noch negative Erfahrungen hervorheben. Grundsätzlich macht das Unternehmen einen guten Eindruck beim Thema Gleichberechtigung und setzt entsprechende Standards. Positiv fällt beispielsweise auf, dass Frauen auch in Führungspositionen gut vertreten sind.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst sind grundsätzlich interessant und insbesondere mit Blick auf die kommenden Jahre gibt es viele spannende Themen und technologische Entwicklungen.
Allerdings habe ich häufig den Eindruck, dass das Unternehmen Entwicklungen eher übernimmt, wenn sie sich bereits am Markt etabliert haben, anstatt sie frühzeitig selbst voranzutreiben. Dabei wäre gerade die Erfahrung der Mitarbeiter eine große Chance. Ideen und Verbesserungsvorschläge aus den Teams werden zwar teilweise abgefragt, aber nicht immer nachvollziehbar weiterverfolgt. Häufig bleibt offen, was aus einem konkreten Vorschlag geworden ist.

