Solide Basis, aber die Richtung stimmt nicht mehr
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kolleginnen und Kollegen im direkten Umfeld. Der Umgang untereinander ist respektvoll, man hilft sich gegenseitig aus. Flexible Arbeitszeiten, JobRad, ausreichend Parkplätze. Die Aufgaben selbst sind fachlich interessant – Medizin- und Pharmatechnik bringt Tiefe und Abwechslung mit sich. Das ist einer der Gründe, warum viele trotz allem bleiben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Nach elf Jahren Betriebszugehörigkeit fällt der Vergleich schwer: Was einmal familiär war, ist heute Druck, Gewinnmaximierung und Cashflow. "Auf Sicht fahren" ist vom Notbehelf zum Dauerzustand geworden – und mittlerweile zur Floskel, mit der jede unbequeme Frage abgewürgt wird.
Zwischen Kommunikation und Realität klafft eine Lücke. Rekordzahlen werden gefeiert, kurz darauf heißt es, man müsse sparen. Diese Widersprüche bleiben niemandem verborgen.
Beim Gehalt hat das Unternehmen den Anschluss an die Region verloren. Über die letzten Jahre summieren sich die Erhöhungen auf rund 13 Prozent – bei einer Inflation von etwa 25 Prozent im gleichen Zeitraum. Das ist kein Zugewinn, das ist ein realer Verlust von über zehn Prozent. Die Belegschaft wird über das Gehalt klein gehalten, während oben die Zahlen offenbar stimmen. Der Vogel k**** von oben nach unten.
Als schwerbehinderter Mitarbeiter fühle ich mich nicht wahrgenommen. Es existiert keine Schwerbehindertenvertretung, und auf entsprechende Belange wird schlicht nicht eingegangen.
Weiterbildungsanträge werden regelmäßig abgelehnt. Der Eindruck drängt sich auf, dass qualifizierte Mitarbeitende bewusst nicht zu qualifiziert werden sollen.
Das Kantinenangebot hat deutlich nachgelassen. Der angebliche Arbeitgeberzuschuss, der gern als Benefit angeführt wird, ist in der Preisgestaltung nicht mehr erkennbar.
Verbesserungsvorschläge
Vergütung an der realen Kaufkraftentwicklung ausrichten, nicht an Symbolwerten
Schwerbehindertenvertretung einrichten – das ist keine Kür, sondern Pflicht
Weiterbildung als Investition begreifen, nicht als Risiko
Leistung tatsächlich messen und honorieren, statt Anwesenheit zu belohnen
Ehrliche Kommunikation. Unangenehme Wahrheiten werden akzeptiert, wenn sie begründet sind
Wenn gespart wird, dann sichtbar auf allen Ebenen
Kantine: entweder das Angebot verbessern oder aufhören, sie als Vorteil zu verkaufen
Arbeitsatmosphäre
Im direkten Team gut, unternehmensweit spürbar abgekühlt. Viele haben innerlich abgeschlossen. Wer etwas kann, arbeitet mehr als erlaubt. Wer Dienst nach Vorschrift macht, fährt am Ende besser – und wird dafür nicht selten belohnt. Diese Schieflage demotiviert genau die Leute, die das Unternehmen tragen.
Kommunikation
Es wird viel gesprochen, wenig gesagt. Kritische Nachfragen enden bei "Wir fahren auf Sicht". Teambuilding finden statt – aber offenbar nur in den Abteilungen, in denen es gewünscht ist. Ein einheitlicher Standard fehlt.
Kollegenzusammenhalt
Im eigenen Team gut. Abteilungsübergreifend stark abhängig davon, mit wem man zu tun hat. Mit manchen Bereichen läuft die Zusammenarbeit reibungslos, mit anderen ist jeder Vorgang ein Kraftakt.
Work-Life-Balance
Durch Gleitzeit und Homeoffice grundsätzlich gut vereinbar. In der Schicht naturgemäß eingeschränkter. Wo bei hier mit der Arbeitszeit viel schmu getrieben wird
Vorgesetztenverhalten
Mein direkter Vorgesetzter ist fachlich stark und menschlich fair. Die Kritik richtet sich an die Ebene darüber.
Interessante Aufgaben
Fachlich anspruchsvoll und abwechslungsreich. Das ist unbestritten der stärkste Punkt.
Gleichberechtigung
Beim Thema Inklusion besteht erheblicher Nachholbedarf. Ohne Schwerbehindertenvertretung fehlt schlicht die Instanz, an die man sich wenden könnte.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich respektvoll. Bei Beförderungen fällt allerdings auf, dass fast ausschließlich jüngere Kräfte berücksichtigt werden.
Arbeitsbedingungen
Sehr uneinheitlich. Manche Bereiche modern ausgestattet, andere arbeiten mit Mobiliar aus einer anderen Zeit. Höhenverstellbare Tische sollten 2026 kein Verhandlungsgegenstand sein.
Gehalt/Benefits
Der schwächste Punkt. 13 Prozent Erhöhung bei 25 Prozent Inflation ist eine Reallohnsenkung. Wer Leistung fordert, muss sie auch bezahlen.
Image
Vor einigen Jahren war man erste Wahl in der Region. Heute wird man verglichen und schneidet schlechter ab. Die Firma befindet sich aus meiner Sicht auf dem absteigenden Ast.
Karriere/Weiterbildung
Auf dem Papier vorhanden, in der Praxis werden Anträge abgelehnt. Wer sich weiterentwickeln will, macht das auf eigene Kosten und in der Freizeit.

