Als Arbeitsgeber nicht weiter zu empfehlen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorzuheben sind die hohe Flexibilität sowie die moderne Büroausstattung. Homeoffice ist möglich, Gleitzeit und ein gutes Arbeitspensum tragen zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance bei.
Verbesserungsvorschläge
Führungspositionen sollten nicht allein aus pragmatischen oder politischen Gründen vergeben werden. Es braucht Personen, die sowohl persönlich als auch fachlich dafür geeignet sind. Führung ist nicht nur ein Titel – sie verlangt Erfahrung, Qualifikation und ein Gespür für Teamführung. Aktuell werden oftmals Personen ohne entsprechende Eignung oder Ausbildung in Führungsrollen gehoben, was sich negativ auf Arbeitsklima, Motivation und Produktivität im Team auswirkt.
Work-Life-Balance
Es gibt keine festgelegte Kernarbeitszeit, stattdessen wird auf flexible Arbeitszeiten gesetzt. In meinem Bereich ist Homeoffice problemlos möglich. Das Arbeitspensum ist realistisch, meist unterfordernd und einfach zu bewältigen – eine gute Grundlage für eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben. Wie gesagt oftmals unterfordernd, wenn man sich nicht um extra Aufgaben bemüht, welche durch die Größe des Unternehmens leider rar sind.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein großflächiges Büro, das nur von wenigen Personen genutzt wird, wirft Fragen zur Ressourcennutzung auf. Eine effizientere Lösung wäre sowohl aus ökologischer als auch ökonomischer Sicht sinnvoll. Die Verringerung der Bürofläche oder eine Abteilungsübergreifende Büropflicht wären sinnvoll, diese ist aufgrund des kostspieligen Parkplatzangebots im Büro jedoch nicht vertretbar.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsangebote sind grundsätzlich vorhanden, müssen jedoch eigeninitiativ angefragt werden. Die Freigabe solcher Maßnahmen verzögert sich oft, da Führungskräfte nicht nachkommen. Darüber hinaus fehlen klare Entwicklungsperspektiven – wer keine Führungsposition anstrebt, hat kaum realistische Aufstiegschancen. Kritisch zu sehen ist, dass Führungsrollen häufig an Personen vergeben werden, die weder über eine entsprechende Qualifikation noch über Führungskompetenz verfügen. Dies hat spürbare Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und kann Teams destabilisieren. Hier sollte dringend mehr Wert auf Kompetenz, Eignung und Erfahrung gelegt werden.
Kollegenzusammenhalt
Durch die dezentrale Arbeitsweise und geringe persönliche Präsenz im Büro ist der direkte Austausch begrenzt, was sich negativ auf den Zusammenhalt auswirkt. Jede:r erledigt primär eigene Aufgaben, ohne nennenswerte Berührungspunkte mit anderen Teams. Es findet keine Teamarbeit im klassischen Sinn statt, einen Austausch gibt es natürlich trotzdem. Einen wirklichen Zusammenhalt innerhalb des Teams und der Abteilungen gibt es nicht, dass wird gerne auf Veranstaltungen wie der „Weihnachtsfeier“ deutlich, da 90% nach 2 Stunden verschwinden.
Vorgesetztenverhalten
Die Du-Kultur wirkt zunächst sympathisch, doch leider dient sie mitunter als Fassade. Bei kritischen Themen stößt man schnell auf eine Abwehrhaltung. Anregungen und Rückmeldungen an Vorgesetze finden kaum Gehör. Besonders befremdlich ist die Beförderung von Mitarbeitende in Leitungsfunktionen, welche keinerlei Erfahrung und vor allem Qualifikationen für diese Tätigkeit mitbringen. Weitreichende Entscheidungen werden getroffen, ohne das große Ganze zu betrachten und Abteilungsübergreifende Kommunikation findet nicht statt. Im gesamten Unternehmen ist spürbar, dass es an fachlich kompetenten Entscheidungsträger:innen fehlt. Die Führungsstruktur wirkt in vielen Bereichen überfordert und wenig professionell aufgestellt. Ein deutliches Symptom dafür: Personalgespräche werden teils gar nicht geführt – nicht aus Zeitmangel, sondern weil sie schlicht vergessen werden.
Kommunikation
Abteilungsübergreifende Kommunikation findet kaum statt. Jede Abteilung arbeitet isoliert – mit entsprechend negativen Folgen für die Gesamtorganisation. Entscheidungen der Geschäftsführung wirken nicht selten überhastet und schlecht abgestimmt. Die Auswirkungen auf die operativen Abläufe werden oft erst spät erkannt und müssen dann mit erheblichem Mehraufwand korrigiert werden.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung ist ausbaufähig. Mitarbeitende außerhalb des Tarifvertrags (TVöD) müssen Gehaltserhöhungen aktiv einfordern, die dann nur minimal ausfallen. Es ist schwer nachvollziehbar, wie Erhöhungen unter einer gewissen Grenze als große Geste kommuniziert werden – aus Arbeitgebersicht wäre dies eher ein Anlass zur Selbstreflexion als zum Stolz. Überstundenabbau oder eine Vergütung dieser Stunden findet kaum statt. Ein Abbau muss selbst eingefordert werden, dies erwarte ich von der Führungskraft oder der HR, welche die Stunden der Mitarbeitenden im Blick behalten sollten (für die Zukunft hierfür gibt es spezielle Kontrollsysteme). Sonderzahlungen werden teilweise stark verzögert ausgezahlt.
Für ein Unternehmen im Gesundheitsbereich ist es zudem enttäuschend, dass keine nennenswerten Gesundheits- oder Sozialleistungen angeboten werden – ein Angebot wie eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio wäre zeitgemäß und glaubwürdig. Stattdessen beschränkt sich das "Gesundheitsangebot" auf einen kostspieligen Süßigkeitenvorrat – ein Obstkorb wäre hier deutlich angemessener. Positiv: Trinkwasser, Tee und Kaffee stehen kostenlos zur Verfügung.