Großartiges Teamgefüge scheitert an Führungskultur, Kommunikation und Rahmenbedingungen (Update Oktober 2026)
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der herausragende Kollegenzusammenhalt, die gegenseitige Hilfsbereitschaft im Team und die funktionierende Gleitzeit/Vertrauensarbeitszeit im Alltag
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die mangelhafte Führungskultur (Mikromanagement, Zweckentfremdung von Mitarbeiterideen als eigener Erfolg), die intransparente Top-down-Kommunikation mit Schein-Workshops zur Mitgestaltung, das Hinhalten bei Karriere und Gehalt sowie die Durchsetzung einer Präsenzpflicht in Gebäuden, die weder Platz noch eine Klimaanlage dafür bieten
Verbesserungsvorschläge
1. Bei alarmierenden Fluktuationsraten in den Teams muss dringend hingesehen und die Führungskräfte im Bereich Wertschätzung, moderner Führung und Mitarbeiterentwicklung geschult– oder den Handlungsspielraum vergrößern, statt sie nur 'stille Post' spielen zu lassen. 2. Ehrliche Kommunikation statt Pseudo-Workshops, wenn Entscheidungen (wie Back-to-Office) ohnehin schon feststehen. 3. Infrastruktur anpassen: Wer Präsenz fordert, muss auch die nötigen Räume und eine Klimatisierung bereitstellen. 4. Leistungsabhängige Gehaltserhöhungen entkoppeln von Tarifrunden und Meilensteine bei Beförderungen verbindlich einhalten
Arbeitsatmosphäre
Es herrscht spürbarer Druck, der sich aber in Phasen mit weniger Workload wieder ausgleicht. Offiziell sollen Überstunden mit Freizeit ausgeglichen werden – in der Realität wird das Einfordern von freien Tagen oder Auszahlung vom Management jedoch überhaupt nicht gerne gesehen (inoffizielle Barriere)
Image
Das Image nach außen ist deutlich besser als die Realität im Inneren. Die REWE Group hat das Potenzial, ein herausragender Arbeitgeber zu sein – die Themen sind spannend und die Kollegen großartig. Aber die interne Politik, das blockierte Gehaltssystem, mangelnde Entwicklungsperspektiven und die Schwächen im Management dämpfen die Motivation massiv, sodass sich immer mehr Leistungsträger wegwerben
Work-Life-Balance
Ganz gut. Gleitzeit und Vertrauensarbeitszeit funktionieren in der Praxis verlässlich. Wer an einigen Tagen länger macht, kann an anderen früher Schluss machen. Es herrscht kein toxischer Druck, Analysen spätabends noch fertigstellen zu müssen. Einziges Manko: Der inoffizielle Gegenwind, wenn man Überstunden mal gebündelt als freien Tag nehmen möchte
Karriere/Weiterbildung
Aufstiegsmöglichkeiten sind extrem schlecht. Es gibt keine transparenten Entwicklungsbahnen, sondern nur Schema F, das komplett in der Hand des eigenen Vorgesetzten liegt. Man muss vorgeschlagen und im Teamleiterkreis 'verteidigt' werden. Bis man an den Punkt kommt, werden einem ständig neue Meilensteine gesetzt, die dann von Jahr zu Jahr verschoben werden. Man wird systematisch vertröstet
Gehalt/Benefits
Individuelle, leistungs- oder senioritätsabhängige Gehaltsanpassungen werden mit fadenscheinigen Argumenten abgeblockt. Es herrscht immer 'schlechtes Timing': Entweder steht eine Tarifrunde an, läuft gerade oder ist erst vorbei, weshalb man in einem 12-Monats-Fenster ohnehin eine Anpassung habe. Dass tarifliche Erhöhungen nichts mit individueller Leistung zu tun haben, wird dabei geflissentlich ignoriert
Update: Neue Runde neue Vertröstung da dieses Jahr Tarifverhandlungen anstehen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Viele Initiativen, viele Kampagnen. Am Ende leider mehr Schein als Sein aber deutlich besser als vergleichbare Konzerne
Kollegenzusammenhalt
Der absolute Pluspunkt! Das Team hält zusammen, die Hilfsbereitschaft ist riesig und die Zusammenarbeit macht einfach Spaß. Hier gibt es absolut nichts zu meckern: solange man die Führungsebene ausklammert
Umgang mit älteren Kollegen
Der Altersdurchschnitt im Bereich ist sehr jung, klassisch ältere Kollegen gibt es kaum. Schaut man sich jedoch den Umgang mit Kolleginnen und Kollegen an, die eine langjährige Betriebszugehörigkeit vorweisen, sieht es düster aus: Loyalität und Erfahrung werden nicht honoriert. Stattdessen wird man – wie beim Thema Gehalt und Karriere beschrieben – trotz jahrelangem Einsatz systematisch vertröstet und mit immer neuen, sich verschiebenden Meilensteinen hingehalten
Vorgesetztenverhalten
Der größte Kritikpunkt. Viele Führungskräfte haben entweder null Handlungsspielraum und fungieren nur als 'stille Post', oder es mangelt schlichtweg an Führungskompetenz, Wertschätzung und dem Blick für individuelle Entwicklung. Mikromanagement ist an der Tagesordnung. Besonders bitter: Eigene Ideen muss man strategisch so verpacken, dass die Führungsebene sie als ihren eigenen Erfolg ('WIR haben das gemacht') verkaufen kann, um überhaupt Gehör zu finden. Wie fatal sich diese Führungskultur auswirkt, zeigt die Realität: In unserem 14-köpfigen Team haben in den letzten Jahren 12 Mitarbeiter den Bereich verlassen (6 intern gewechselt, 6 komplett gekündigt). Diese enorm hohe Fluktuation spricht Bände über die Unzufriedenheit mit der Führungskraft
Arbeitsbedingungen
Gutes Arbeitsgerät und solide Grundausstattung. Allerdings führt die forcierte Präsenzpflicht (60:40) zu völlig überfüllten Büros. Es gibt chronisch zu wenig Think Tanks und freie Meetingräume – für diese Quoten sind die Gebäude kapazitär einfach nicht ausgelegt. Größtes Manko: Keine Klimaanlage! Durch die vielen Fenster heizen sich die Großraumbüros und Besprechungszimmer extrem auf, man erstickt förmlich. Es wirkt fast schon wie gewollt, um Mitarbeiter durch die Präsenzpflicht zur Kündigung zu bewegen
Kommunikation
Update: Erneut wichtige Entscheidungen fürs Team einfach vorserviert bekommen obwohl es direkten Effekt auf die eigene Arbeit hat.
Sehr mau. Wichtige Entscheidungen fallen verschlossen im Teamleiter- und Management-Kreis. Infos tröpfeln erst durch, wenn man vor vollendeten Tatsachen steht. Scheinheilige Mitarbeiterbeteiligung: Formate wie Workshops (z. B. zum Thema Back-to-Office) wirken aufgesetzt, da das Ergebnis längst feststeht und im Nachhinein nur noch künstlich 'schönverkauft' werden soll. Mitgestaltung Fehlanzeige
Gleichberechtigung
Absolut positiv. Mir fällt hier nichts Negatives auf. In meinem Bereich herrscht ein sehr ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen, auch was die Seniorität angeht
Interessante Aufgaben
Der Alltag wird zwar stark vom klassischen Tagesgeschäft dominiert, aber die Fachbereiche und das Team sind spürbar bemüht, interessante Projekte zu schaffen, in denen man sich kreativ austoben kann. Leider leidet die Motivation für diese Aufgaben oft unter dem Verhalten der Vorgesetzten

