Es gibt Gutes und Schlechtes. Generell ist eine positive Entwicklung zu sehen, diese Richtung bitte beibehalten.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Mir ist bewusst, dass dies hier Meckern auf hohem Niveau ist und es der Belegschaft der REWE digital im Vergleich zu anderen Unternehmen gut geht, das möchte ich der REWE digital zu Gute halten. Auch ist die Motivation zur Verbesserung der Situation ersichtlich, daher hoffe ich, dass sich auf lange Sicht hauptsächlich Gutes ergibt.
Verbesserungsvorschläge
Auch wenn mir bewusst ist, dass die Führung von über 2.000 Menschen eine Mammut-Aufgabe ist und eine ganze andere Flughöhe benötigt, als sie der durchschnittliche Mitarbeiter kennt: Versucht bitte, das Unternehmen aus allen Richtungen von unten in der Hierarchie zu sehen. Die REWE digital macht als Dienstleister extrem viel, da passiert es verständlicher Weise (unbewusst), dass ein Thema/Unternehmenszweig besser behandelt wird als Andere. Versucht das in der Waage zu halten. Und ja, man kann fehlende Zeit und Leistung/Mannstärke mit Geld bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, hier aber bitte darauf achten, dass dies ab einem Punkt zulasten der Mitarbeiter-Motivation geht, beispielsweise wenn ich vom Entwickler zum Dienstleister-/Externen-Verwalter werde und meinem eigentlichen Beruf kaum noch nachgehen kann.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre befindet sich in einem ständigen auf und ab. Die REWE digital tendiert dazu, zu viele strukturelle Änderungen gleichzeitig machen zu wollen bzw. wartet nicht ab, bis die vorherige Änderung umgesetzt wurde um die nächste zu starten. Dies sorgt dafür, dass es bei vielen Themen zu Ungewissheiten kommt, was den Fortschritt der Projekte und die Moral der Mitarbeiter dämpft. Außerdem gibt es einige Entscheidungen, welche sich bei vielen Mitarbeitern nachteilig auswirken (in der Tätigkeit für die REWE digital sowie privat), ohne dass ein Ausgleich oder Anreiz geschaffen wird.
Image
Das Image lässt gerade viel auf der Strecke. Kritik wird zwar meistens angenommen, aber häufig mit Floskeln wie "Andere Unternehmen kochen auch nur mit Wasser" oder Aussagen wie "Dann müsst ihr hier gestalten" abgespeist. Dass es teilweise einfach an Zeit oder Mannstärke für "gestalten" fehlt, wird nicht angegangen. Das sorgt für viele resignierte Blicke anstatt für Motivation.
Work-Life-Balance
An sich macht die REWE digital hier vieles richtig. Es gibt passende Ausstattung, es werden Rahmen und Möglichkeiten geschaffen. Jedoch gibt es aktuell zwei große Probleme: Ein Ungleichgewicht in der Einstellungsstrategie, da manche Produkte zusätzliche "Nicht-Kernkompetenz-Themen" übernehmen können, während andere Produkte teilweise zu 200% überbucht sind, sodass selbst mit Überstunden das geplante Pensum kaum erreicht werden kann. Das zweite Problem ist die aktuelle Umsetzung der "Back to Office"-Strategie: Es ist verständlich, dass eine unvollständige Nutzung der Büroflächen ein Dorn im Auge sein kann, woraufhin man die Anwesenheit wieder steigern möchte. Aber das funktioniert nicht, indem eine Anwesenheitspflicht von 60% nur halbherzig umgesetzt wird. Während einige Produkte dies als Fakt vorgesetzt bekommen, wissen andere Produkte noch nichtmal davon, was zu einem Unfairniss-Gefühl führt.
Karriere/Weiterbildung
Die Kriterien für den beruflichen Aufstieg sind soweit gut kommuniziert, jedoch mangelt es an den Möglichkeiten, weil alle existierenden Plätze belegt sind und keine neuen geschafft werden (können). Weiterbildung für für allgemeine und berufsspezifische Themen existiert, kann aber von manchen Produkten aus Zeitmangel nur schlecht bis gar nicht angenommen werden.
Gehalt/Benefits
Was Sozialleistungen angeht profitiert die REWE digital extrem von der REWE Group und ihrer genossenschaftlichen Einstellung und lässt kaum Wünsche übrig. Lediglich bei der internen Handhabung von manchen Themen entsteht ab und zu noch der Eindruck, dass der Merger zwischen REWE Systems und REWE digital 2023 noch nicht im Sozialgefüge angekommen ist und manchmal für interne Schieflage sorgt.
Die Gehälter sind durchschnittlich bis etwas über dem Durchschnitt. Hier ist das Manko, dass eine leistungsbasierte Gehaltserhöhung sehr von Eigeninitiative beim Ansprechen, dem Verhandlungsgeschick der Führungskräfte bei der allgemeinen Budget-Verteilung und der relativen Verteilung im eigenen "Staff" (die direkten Kollegen wollen ja vermutlich auch was haben) abhängig ist.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die REWE Group als ganzes unternimmt viel für Umwelt und Soziales. So auch die REWE digital. Hier kann ich aber nur drei Sterne geben, weil die "Back-to-Office"-Strategie in ihrer aktuellen Form sehr einschneidend und undurchdacht ist. Mal von den tausenden verlorenen Stunden im Auto / ÖPNV abgesehen, sind viele soziale Stukturen und persönliche Umstände mittlerweile an Homeoffice angepasst oder vielleicht sogar davon abhängig. Dies jetzt aus Gründen wie "die Büro-Renovierung muss sich bezahlt machen" oder der fehlenden Führungskompetenz für dezentralisierte/remote Teams ohne irgendeinen gleichwertigen Ausgleich zu schaffen zu stören ist ein ziemlicher Rückschritt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die meisten Projekte durch die verschiedenen europaweiten Standorte online stattfinden müssen. Und es ist etwas ironisch mit Blick auf die aktuelle Einstellungsstratefgie, die immer mehr auf Nearshoring basiert.
Kollegenzusammenhalt
Generell ist der Zusammenhalt gut. Man merkt zwar, dass der Zusammenhalt an den Produkt- bzw. Abteilungs-Grenzen je nach Thema und Projekt mal mehr und mal weniger starkt ausgeprägt ist, aber das würde ich im gleichen Maße bei anderen Arbeitgebern genauso vermuten. Die Team-Dynamiken reichen von "Wir sind halt Kollegen, nach dem Ausstempeln bin ich in meiner privaten Welt." bis "Lass uns morgen nach der Arbeit zum Sport/Kino/Grillen/Brauhaus/etc. gehen!".
Umgang mit älteren Kollegen
Bei den Neueinstellungen, welche ich bisher mitbekommen habe, ging es immer um die Fähigkeiten der Kollegen, nicht das Alter. Ich kenne mehrere Kollegen, die nach mir eingestellt wurden und im Jahrgang meines Vaters sind. Langdienende Kollegen sind bei uns sehr wichtig, da es immer irgendwelches Systemwissen gibt, was noch nicht dokumentiert ist. Auch sind Kollegen im Ruhestand häufig noch bei privat organisierten Gemeinschaftsabenden dabei.
Vorgesetztenverhalten
Sehr durchwachsen. Und so leid es mir für die guten Führungskräfte tut, aber die Hindernisse, Missverständnisse, Diskussionen und Verzögerungen, welche sowohl bei den disziplinarischen sowie technischen Vorgesetzten entstehen, sorgen für Unmut, verlangsamen das Arbeiten und verursachen manchmal Streit zwischen Produkten. Daher ist hier nicht mehr als drei Sterne oder ein "Meh" drin.
Arbeitsbedingungen
An der Ausstattung ist nichts auszusetzen. Notebooks und Smartphones sind mittlerweile als Device as a Service umgesetzt und daher maximal ein bis zwei Generationen alt. Jeder Schreibtisch ist mit zwei Monitoren ausgestattet und höhenverstellbar. Da wir keine festen Plätze mehr haben gibt es Spinde für persönliche Sachen und Ausrüstung. Lediglich an der Verfügbarkeit von Orten für Online-Termine muss noch gerabeitet werden, da teilweise vier oder sechs Kollegen in einem Büro in unterschiedlichen Meetings sitzen und sich gegenseitig stören.
Kommunikation
Die Kommunikation hat sich über die letzten Jahre sehr verbessert. Hier kommt es jedoch stark darauf an, wie gut die Kommunikationswege funktionieren. Mittlerweile sind einige Formate eingeführt worden, womit die Geschäftsführung und die jeweiligen Leitungsebenen wichtigere Themen an die Belegschaft transportieren können, sodass die allgemeine Beantwortung von Fragen wie "Was machen wir überhaupt?" und "Wo soll es hingehen?" besser geworden ist (ob man nun mit den Antworten auf diese Fragen zufrieden ist oder nicht mal dahingestellt). Es gibt auch einige Versuche den Rückweg zu verbessern, sodass die Geschäftsführung direkte Rückmeldung von den Mitarbeitern erhält. Dies ist auch wichtig, da einige wichtige Themen, vor allem Priorisierungs- und Arbeitslast-Themen, gefühlt nicht durch die "Lehmschicht" des Mittleren-Managements hindurchkommen. Hier stellt sich jedoch die Frage, wie ehrlich und ohne Zurückhaltung hier gesprochen wird, weil auf der einen Seite keiner der "Buh-Mann" sein will und auf der anderen Seite mit (bewusst oder unbewusst) zu generalisierten Aussagen und Floskeln geantwortet wird.
Gleichberechtigung
Bei den Aufstiegschancen, sollte es mal welche geben, kann ich kein Urteil fällen, ich hoffe hier sind Leistung und Fähigkeit das einzige Maß der Dinge. Aber bei dem Thema Wertschätzung kann ich sagen, dass wir mit ziemlichen Power-Frauen zusammenzuarbeiten, die Leistung ohne Ende bringen und daher allgemein eine hohen Stellenwert einnehmen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben und Projekte sind definitiv interessant und vielfältig. Vielleicht an manchen Stellen zu vielfältig.


