Viel Verantwortung, wenig Rückhalt
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vor allem die aus meiner Sicht problematische Führungskultur. Es fehlte mir an Wertschätzung, Vertrauen, Transparenz und echtem Interesse an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden. Entscheidungen wurden häufig ohne deren Einbindung getroffen, während Eigenverantwortung und Flexibilität unnötig eingeschränkt wurden.
Besonders enttäuschend empfand ich den Umgang mit Kritik und schwierigen Situationen. Statt Rückhalt und Unterstützung habe ich persönlich erlebt, dass berechtigte Anliegen nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit behandelt wurden. Auch die fehlenden Entwicklungs- und Gehaltsperspektiven sowie die wenig zeitgemäßen Arbeitsbedingungen haben meinen Gesamteindruck negativ geprägt.
Das größte Problem waren für mich nicht die Aufgaben oder die meisten Kolleginnen und Kollegen, sondern die Unternehmenskultur und das Führungsverhalten.
Verbesserungsvorschläge
Mit der Zeit gehen und eine modernere, vertrauensbasierte Führungskultur etablieren. Weniger Micromanagement, mehr Eigenverantwortung und Vertrauen in die Mitarbeitenden. Flexible Homeoffice-Regelungen schaffen, die sich an den tatsächlichen Aufgaben statt an der Abteilungszugehörigkeit orientieren.
Transparenter kommunizieren, Mitarbeitende in Entscheidungen einbeziehen und Führungskräfte dazu befähigen, die Interessen ihrer Teams auch gegenüber der Geschäftsführung zu vertreten. Eine konstruktive Feedbackkultur sowie nachvollziehbare Karriere- und Gehaltsentwicklungsmöglichkeiten etablieren.
Vor allem aber: Die Anliegen und Grenzen der Mitarbeitenden ernst nehmen, bei Grenzüberschreitungen konsequent handeln und ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem sich alle sicher und respektiert fühlen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als wenig wertschätzend und äußerst belastend erlebt.
Besonders schwer wiegt für mich ein körperlicher Angriff durch einen Kollegen, der unverzüglich der Geschäftsführung gemeldet wurde. Den anschließenden Umgang damit empfand ich als völlig unzureichend. Besonders befremdlich war für mich die spätere Aussage des Geschäftsführers, dass solche Dinge passieren würden, wenn ich immer so nett zu allen sei.
Nach diesem Vorfall fühlte ich mich am Arbeitsplatz nicht mehr sicher und hatte täglich Angst, ins Büro zu gehen. Mein Vertrauen in die Führung war nachhaltig erschüttert.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war aus meiner Sicht durchwachsen. Positiv hervorzuheben sind die flexiblen Arbeitszeiten und das Arbeitszeitkonto, wodurch sich Arbeitsbeginn und Feierabend relativ unkompliziert gestalten ließen.
Die Homeoffice-Regelungen empfand ich hingegen als wenig zeitgemäß und unfair. Während die meisten Abteilungen einen Homeoffice-Tag pro Woche nutzen konnten, war dies in einigen Bereichen lediglich einmal im Monat möglich, obwohl aus meiner Sicht deutlich mehr mobiles Arbeiten machbar gewesen wäre.
Besonders unverständlich fand ich diese restriktiven Regelungen vor dem Hintergrund, dass die Geschäftsführung selbst nur sporadisch und für wenige Stunden im Büro anwesend war. Eine nachvollziehbare und einheitliche Handhabung hätte ich mir hier gewünscht.
Karriere/Weiterbildung
Aufstiegsmöglichkeiten wirkten wenig nachvollziehbar und schienen nach meiner Wahrnehmung eher von der Betriebszugehörigkeit und dem guten Verhältnis zur Geschäftsführung als von klar definierten Leistungskriterien abzuhängen.
Auch regelmäßige Gehalts- und Entwicklungsgespräche waren nicht etabliert. Insgesamt fehlten mir eine strukturierte Personalentwicklung, transparente Perspektiven und nachvollziehbare Kriterien für berufliches Weiterkommen.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt innerhalb meines Teams war sehr gut, nicht zuletzt, weil man sich in schwierigen Situationen gegenseitig unterstützte. Auch abteilungsübergreifend habe ich viele herzliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt, an die ich gerne zurückdenke.
Allerdings habe ich zwischen einzelnen Abteilungen deutliche Spannungen und Rivalitäten wahrgenommen. Aus meiner Sicht haben insbesondere das Verhalten und die Haltung einiger weniger Personen, auch auf Führungsebene, das ansonsten gute Miteinander erheblich belastet. Das war besonders schade, da der Großteil der Kolleginnen und Kollegen wirklich großartig war.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten habe ich insgesamt als äußerst enttäuschend erlebt. Mein direkter Vorgesetzter war im persönlichen Umgang zwar häufig freundlich, allerdings fehlte mir die Bereitschaft, die Interessen des eigenen Teams gegenüber der Geschäftsführung konsequent zu vertreten. Stattdessen entstand bei mir der Eindruck, dass Entscheidungen und Vorgaben der Geschäftsführung weitgehend übernommen wurden, ohne die Perspektiven der Mitarbeitenden ausreichend zu berücksichtigen.
Auch eine konstruktive Feedbackkultur habe ich vermisst. Rückmeldungen mussten aktiv eingefordert werden. In einem Feedbackgespräch wurden ausschließlich negative Punkte angesprochen. Auf meinen Wunsch nach positiven Rückmeldungen wurde mir sinngemäß entgegnet, dass man mich andernfalls ja kündigen würde.
Insgesamt habe ich wenig Rückhalt, Wertschätzung und eigenständiges Führungsverhalten wahrgenommen. Gerade in schwierigen Situationen hätte ich mir deutlich mehr Unterstützung und Verantwortungsbewusstsein gewünscht.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung war sehr gut, insbesondere die Laptops. Auch die beiden Küchen bzw. Aufenthaltsräume waren schön gestaltet und boten eine angenehme Möglichkeit für Pausen.
Die eigentlichen Arbeitsplätze empfand ich hingegen als wenig ansprechend und ergonomisch unzureichend ausgestattet. Die Bürostühle waren einfache IKEA-Modelle, die ich für längeres Arbeiten als wenig geeignet empfand. Elektrisch höhenverstellbare Schreibtische wurden nicht standardmäßig angeboten, sondern waren nur auf Antrag mit ärztlichem Attest erhältlich.
Die Büroräume selbst wirkten auf mich überwiegend dunkel, mit zu vielen Arbeitsplätzen ausgestattet und insgesamt wenig einladend. Hier hätte ich mir deutlich mehr Wert auf Ergonomie und eine angenehme Arbeitsumgebung gewünscht.
Kommunikation
Die interne Kommunikation habe ich als wenig transparent und unzureichend strukturiert erlebt. Statt etablierter Kommunikationslösungen wurden überwiegend unternehmenseigene Tools genutzt, die ich als wenig praktikabel empfand. Zudem waren zahlreiche E-Mails für Mitarbeitende einsehbar, die nicht unmittelbar an der jeweiligen Kommunikation beteiligt waren.
Innerhalb meines Teams gab es einen regelmäßigen wöchentlichen Austausch, der gut funktionierte. Darüber hinaus fehlten jedoch strukturierte Kommunikationsformate zwischen den Abteilungen sowie ein regelmäßiger Austausch mit der Geschäftsführung, beispielsweise in Form von Town Halls. Entscheidungen wurden aus meiner Sicht häufig ohne Einbindung der betroffenen Mitarbeitenden getroffen.
Gehalt/Benefits
Das Einstiegsgehalt war für Berufseinsteiger direkt nach dem Studium durchaus in Ordnung. Allerdings schienen die Möglichkeiten zur weiteren Gehaltsentwicklung sehr begrenzt. Im Branchenvergleich empfand ich das Gehaltsniveau als eher niedrig, insbesondere vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Größe und Umsätze des Unternehmens.
Langfristig fehlten mir angemessene finanzielle Entwicklungsperspektiven und eine transparente Gehaltsstruktur.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung habe ich in diesem Unternehmen nicht in dem Maße erlebt, wie ich es erwarten würde. Insbesondere als Frau hatte ich wiederholt den Eindruck, nicht mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Wertschätzung behandelt zu werden, die ich mir gewünscht hätte.
Vor allem der Umgang der Geschäftsführung mit einer von mir gemeldeten Grenzüberschreitung hat mein Vertrauen in einen respektvollen und gleichberechtigten Umgang nachhaltig erschüttert. Ich hätte mir eine deutlich klarere Haltung und mehr Unterstützung gewünscht.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren abwechslungsreich und boten viel Gestaltungsspielraum. Die Arbeit mit und für die Kolleginnen und Kollegen hat mir dabei besonders viel Freude bereitet.
Allerdings ging die große Eigenverantwortung auch mit fehlender Unterstützung einher. Eine strukturierte Einarbeitung oder fachliche Betreuung gab es nicht, sodass ich mir vieles selbst erarbeiten musste. Mehr Begleitung und fachlicher Austausch wären gerade zu Beginn meiner Tätigkeit sehr hilfreich gewesen.