Früher Spirit, heute Konzernstandard
Gut am Arbeitgeber finde ich
Mein direktes Arbeitsumfeld war über viele Jahre wirklich gut. Vor allem die Kollegen, der Zusammenhalt im Team, interessante Aufgaben und einige Führungskräfte, die ihren Job verstanden haben.
Auch technisch war vieles stark. Gute Ausstattung, moderne Arbeitsplätze und grundsätzlich genug Möglichkeiten, spannende Themen zu machen, wenn man im richtigen Bereich gelandet ist.
Ich hatte persönlich viel Glück mit meinem Umfeld. Das war vermutlich auch der Hauptgrund, warum ich so lange geblieben bin.
Und genau deshalb ist der Abgang am Ende auch schade. Es war definitiv nicht alles schlecht. Einige Teile waren sogar richtig gut. Nur irgendwann haben die guten Inseln nicht mehr gereicht, um den Rest auszugleichen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vor allem die Kommunikation. Vieles wird zu spät, unklar oder an den eigentlichen Betroffenen vorbei kommuniziert. Teilweise hat man das Gefühl, dass andere schon Bescheid wissen, bevor diejenigen informiert werden, die es direkt betrifft.
Dazu kommen für mich zu viel interne Politik, zu viele Entscheidungen von oben und zu wenig echtes Zuhören. Gute Leute und gute Teams können lange sehr viel auffangen, aber eben nicht unbegrenzt.
Was mich am meisten stört, ist dieser schleichende Verlust der früheren Kultur. Früher hatte der Laden für mich mehr Eigenständigkeit, mehr Pragmatismus und mehr Charakter. Heute wirkt vieles austauschbarer, formaler und deutlich näher am üblichen Konzernstandard.
Wenn man irgendwann das Gefühl hat, dass Probleme eher verwaltet als gelöst werden und gute Leute hauptsächlich deshalb funktionieren, weil sie den Laden untereinander zusammenhalten, dann läuft strukturell etwas falsch.
Kurz gesagt: Nicht die Arbeit an sich war für mich das Problem. Es war das Drumherum.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Konzernpolitik, weniger Selbstdarstellung und wieder mehr Fokus auf das, was im Alltag tatsächlich funktioniert.
Mitarbeiter früher einbinden, Entscheidungen nachvollziehbar erklären und Informationen nicht erst dann verteilen, wenn sowieso schon jeder Zweite davon gehört hat.
Bei Führung und Entwicklung stärker auf Kompetenz, Verantwortung und tatsächliche Leistung schauen und weniger darauf, wer sich intern besonders gut verkauft oder im richtigen Kreis sitzt.
Weiterbildung wieder ernst nehmen. Gerade in der IT ist Lernen kein Luxus, den man bei der nächsten Sparrunde einfach streicht. Wer dort dauerhaft spart, spart irgendwann direkt an Qualität und Zukunft.
Und vielleicht ganz grundsätzlich wieder etwas mehr Mut dazu, Probleme wirklich zu lösen, statt sie nur sauber zu dokumentieren, durch Meetings zu schicken und anschließend in einer Präsentation für erledigt zu erklären.
Der Laden hat genug gute Leute. Man müsste ihnen nur wieder öfter zuhören.
Arbeitsatmosphäre
Das Unternehmen hatte mal eine eigene Kultur und eine echte Identität. Das ist über Jahre gewachsen und hatte etwas, das man nicht einfach in Workshops oder PowerPoint Folien bauen kann. Da war einfach ein eigener Spirit.
Seit dem Führungswechsel auf Konzernebene ist davon für mich immer weniger übrig geblieben. Heute fühlt sich vieles deutlich mehr nach klassischem Konzern an. Mehr Prozesse, mehr Regeln, mehr Präsentationen, aber nicht automatisch bessere Ergebnisse.
Besonders schade finde ich, dass manche Leistungen und Services immer aufwendiger und teurer werden, während die Qualität gefühlt eher nachlässt. Teilweise hat man den Eindruck, dass Probleme nicht mehr gelöst, sondern nur besser verwaltet werden.
Eigentlich wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich wieder daran zu erinnern, was das Unternehmen früher besonders gemacht hat. Kultur kann man eben nicht einfach ausrollen. Und echten Spirit kann man auch nicht einkaufen.
Gehalt/Benefits
Die ersten Jahre waren für mich tatsächlich richtig gut. Ich konnte viel lernen, Verantwortung übernehmen und fachlich einiges mitnehmen. Rückblickend fast wie in einem Game, in dem man nach und nach Achievements freischaltet. Dafür bin ich dem Unternehmen auch wirklich dankbar.
Irgendwann war dann aber ziemlich deutlich Schluss. Weiterbildung, Schulungen und Entwicklung stehen gefühlt immer stärker unter Kostendruck. Selbst wichtige Themen werden verschoben, gestrichen oder auf das Nötigste reduziert. Gerade in der IT halte ich das für ziemlich kurzsichtig. Lernen ist hier kein nettes Extra, sondern Grundvoraussetzung.
Beim Gehalt war der Tenor über Jahre sinngemäß oft: Wir zahlen vielleicht nicht überall Spitzengehälter, aber dafür ist das Umfeld gut. Das funktioniert natürlich nur, solange das Umfeld diesen Unterschied auch wirklich ausgleicht.
Meine persönliche Gehaltsentwicklung war irgendwann eher ernüchternd. Eine jährliche Erhöhung von rund einem Prozent hatte schon fast satirischen Charakter. Vor allem dann, wenn gleichzeitig überall von Leistung, Motivation und Mitarbeiterbindung gesprochen wird.
Über die Jahre bekommt man natürlich auch einiges von anderen Gehaltsniveaus
Arbeitsbedingungen
Technisch ist die Arbeitsumgebung wirklich stark. Moderne Gebäude, vernünftiges Equipment, aktuelle Technik und insgesamt ein professionelles Umfeld. Da gibt es wenig zu meckern.
Manchmal erinnert es mich trotzdem ein bisschen an McDonald’s. Alles ist schick, modern und sauber durchdesignt. Neue Technik, neue Prozesse, neue Konzepte. Wenn der eigentliche Burger dahinter aber schlecht ist, hilft die schönste Verpackung nur begrenzt.
Gleichberechtigung
Nach außen ist das Thema Vielfalt sehr präsent. Es gibt Kampagnen, Workshops, Veranstaltungen und natürlich die passende Kommunikation dazu. Auf dem Papier wirkt das alles sehr modern.
Im Alltag ist mein Eindruck deutlich gemischter. Wer nicht so richtig in das gewünschte Schema passt, merkt schnell, dass zwischen Kommunikation und gelebter Realität noch etwas Luft ist. Gerade bei älteren Kollegen oder Menschen, die nicht jeden internen Trend einfach mitmachen, wirkt das Umfeld teilweise deutlich weniger offen, als es nach außen dargestellt wird.
Die Präsentationen sind auf jeden Fall divers. Beim Alltag bin ich mir da nicht immer so sicher.


