Gut am Arbeitgeber finde ich
Trotz meiner Kritikpunkte gab es auch einige positive Aspekte. Die kleinen Geschenke bei Meetings oder besonderen Anlässen waren eine schöne Aufmerksamkeit. Außerdem habe ich viele tolle Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe und zu denen teilweise bis heute Kontakt besteht.
Der tägliche Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen hat mir persönlich viel gebracht. Auch wenn nicht jede Kundensituation einfach war, konnte ich meine Kommunikationsfähigkeiten verbessern und habe im Laufe der Zeit deutlich mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit Menschen entwickelt. Das ist eine Erfahrung, von der ich auch über die Tätigkeit bei Rituals hinaus profitiere.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vor allem das niedrige Gehalt, das trotz langjähriger Betriebszugehörigkeit kaum Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Außerdem habe ich viele Führungskräfte als wenig wertschätzend und nicht ausreichend auf ihre Rolle vorbereitet erlebt. Hinzu kommt, dass zahlreiche Vorgaben und Prozesse sehr streng gehandhabt werden, wodurch wenig Handlungsspielraum bleibt und der Arbeitsalltag oft unnötig unter Druck steht.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Wertschätzung für die Mitarbeitenden – nicht nur in Worten, sondern auch durch eine faire Bezahlung und regelmäßige Gehaltsgespräche. Langjährige Mitarbeitende und diejenigen, die zusätzliche Verantwortung übernehmen, sollten entsprechend anerkannt werden.
Außerdem sollte der Leistungsdruck reduziert werden, insbesondere solange viele Stores dauerhaft mit zu wenig Personal oder zeitweise allein besetzt sind. Die Erwartungen an Verkaufszahlen und Service stehen häufig nicht im Verhältnis zu den vorhandenen personellen Ressourcen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Auswahl und Entwicklung von Führungskräften. Aus meiner Sicht sollten Führungspositionen regelmäßiger hinterfragt und nicht nur nach fachlichen, sondern auch nach menschlichen und sozialen Kompetenzen bewertet werden. Wer Verantwortung für Mitarbeitende trägt, sollte respektvoll kommunizieren, Konflikte professionell lösen und eine positive Arbeitsatmosphäre schaffen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war leider häufig von Stress und Personalmangel geprägt. Es wurde oft mit einer zu geringen Besetzung gearbeitet, wodurch der Druck auf die Mitarbeitenden sehr hoch war. Trotz der hohen Erwartungen an Kundenservice, Verkaufszahlen und Store-Standards blieb kaum Zeit, die Aufgaben in Ruhe zu erledigen. Wertschätzung für den täglichen Einsatz habe ich oft vermisst. Zwar gab es nette Kolleginnen und Kollegen, die den Arbeitsalltag angenehmer gemacht haben, insgesamt überwog jedoch das Gefühl, dauerhaft unter Druck zu stehen.
Image
Nach außen vermittelt Rituals ein sehr hochwertiges und nachhaltiges Image. Meiner Erfahrung nach klaffen Außenwirkung und Arbeitsrealität jedoch häufig auseinander – für mich gilt hier oft: mehr Schein als Sein.
Auch die Produkte haben mich persönlich nicht überzeugt. Durch die sehr strikten Verkaufsvorgaben hatte ich häufig das Gefühl, Produkte positiver darstellen oder Empfehlungen aussprechen zu müssen, hinter denen ich persönlich nicht vollständig stand. Der Verkaufsprozess wirkte dadurch oft weniger wie eine ehrliche Beratung, sondern eher darauf ausgerichtet, möglichst viel zu verkaufen.
Work-Life-Balance
Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist aufgrund des Schichtdienstes nur schwer möglich. Besonders bei Teilzeitverträgen ab 20 Stunden pro Woche ist die Dienstplanung oft wenig mit dem Privatleben vereinbar. Früh-, Spät- und Wochenendschichten wechseln regelmäßig, wodurch eine verlässliche Freizeitplanung kaum möglich ist. Wer Familie, Hobbys oder einen geregelten Alltag mit der Arbeit verbinden möchte, stößt hier schnell an Grenzen.
Karriere/Weiterbildung
Karrierechancen waren meiner Erfahrung nach nur begrenzt vorhanden. Der Eindruck entstand, dass nicht allein Leistung oder Engagement ausschlaggebend sind, sondern vielmehr, ob man bei den richtigen Personen einen guten Stand hat. Gute Arbeit wurde aus meiner Sicht nicht immer objektiv wahrgenommen oder entsprechend gefördert.
Teilweise entstand außerdem der Eindruck, dass Karriere vor allem dann möglich ist, wenn man dem Unternehmen nahezu uneingeschränkt zur Verfügung steht und das Privatleben häufig hintenanstellt. Wer klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben setzt, hat es aus meiner Sicht deutlich schwerer, sich weiterzuentwickeln.
Auch im Bereich Weiterbildung gab es wenig echte Entwicklungsmöglichkeiten. Zwar standen zahlreiche Schulungen zur Verfügung, diese behandelten jedoch häufig immer wieder dieselben Inhalte rund um Produkte und Verkauf. Möglichkeiten, sich fachlich oder persönlich weiterzuentwickeln oder gezielt auf Führungsaufgaben vorbereitet zu werden, habe ich kaum gesehen. Dadurch entstand insgesamt nur wenig Perspektive für eine langfristige Karriere im Unternehmen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist für mich der größte Kritikpunkt. Über viele Jahre wurde lediglich der Mindestlohn gezahlt. Weihnachtsgeld wurde erst nach längerer Zeit eingeführt, darüber hinaus gab es jedoch kaum finanzielle Wertschätzung. Regelmäßige Gehaltsgespräche fanden nicht statt. Stattdessen gab es lediglich eine allgemeine Anpassung von etwa 5 %, die im Alltag kaum spürbar war. So arbeitet man teilweise jahrelang mit dem Gehalt, das man zu Beginn vereinbart hat – unabhängig von Erfahrung, Leistung oder zusätzlicher Verantwortung.
Ich habe häufig Verantwortung übernommen und Aufgaben erledigt, die über meinen eigentlichen Tätigkeitsbereich hinausgingen. Eine finanzielle Anerkennung dafür gab es jedoch nicht – meist blieb es bei einem „Danke“.
Besonders frustrierend war für mich die fehlende Transparenz bei der Bezahlung. Erst durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen wurde deutlich, dass teilweise neu eingestellte Mitarbeitende oder Personen mit vergleichbaren Aufgaben ein höheres Gehalt erhielten. Versuchte man, dieses Thema bei Vorgesetzten anzusprechen, wurde man häufig abgewiesen oder bekam Aussagen zu hören wie: „Wenn es dir nicht passt, kannst du ja geh
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Rituals legt großen Wert auf sein nachhaltiges Image und kommuniziert die B-Corp-Zertifizierung aktiv. Im Arbeitsalltag fiel jedoch auf, dass weiterhin sehr viel Verpackungsmüll anfällt, was aus meiner Sicht nicht immer zu diesem Anspruch passt. Besonders widersprüchlich empfand ich, dass Mitarbeitende ihren eigenen Restmüll teilweise genau dokumentieren oder wiegen sollten, während die großen Mengen an Verpackungsmüll, die täglich durch das Auspacken der Waren entstanden, kaum thematisiert wurden.
Positiv hervorzuheben ist, dass das Unternehmen mit verschiedenen sozialen Projekten und Organisationen zusammenarbeitet und Teile des Umsatzes in entsprechende Initiativen fließen. Dieses Engagement ist grundsätzlich eine gute Sache und zeigt, dass soziale Verantwortung im Unternehmen zumindest teilweise gelebt wird. Insgesamt sehe ich hier jedoch noch Verbesserungspotenzial, insbesondere beim Thema Verpackung und Müllvermeidung.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt hing stark vom jeweiligen Team ab. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen hat die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert und man hat sich gegenseitig unterstützt. Gleichzeitig gab es aber auch viel Konkurrenzdenken und eine Ellenbogenmentalität. Teilweise entstand der Eindruck, dass Mitarbeitende gegeneinander ausgespielt wurden, anstatt den Zusammenhalt im Team zu fördern. Dadurch war das Arbeitsklima je nach Besetzung sehr unterschiedlich.
Umgang mit älteren Kollegen
Einen Unterschied im Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen habe ich nicht wahrgenommen. Sie wurden grundsätzlich genauso behandelt wie alle anderen Mitarbeitenden.
Teilweise hatte ich jedoch den Eindruck, dass vor allem jüngere oder neue Mitarbeitende häufiger die weniger beliebten Aufgaben übernehmen mussten. Das wirkte nicht immer ausgewogen verteilt.
Vorgesetztenverhalten
Meine Erfahrungen mit dem Vorgesetztenverhalten waren überwiegend negativ. Der Umgang mit Mitarbeitenden war häufig unprofessionell und teilweise respektlos. Kritik wurde nicht immer konstruktiv geäußert, stattdessen wurde zum Teil mit Druck oder Konsequenzen gearbeitet, was eine unangenehme Arbeitsatmosphäre geschaffen hat. Teilweise hatte ich vor einer Schicht bereits ein ungutes Gefühl, weil ich nicht wusste, was mich an diesem Tag erwartet.
Außerdem wurde meiner Erfahrung nach häufig über Mitarbeitende gelästert oder hinter deren Rücken gesprochen. Ein professioneller und respektvoller Umgang sollte gerade von Führungskräften vorgelebt werden. Stattdessen entstand oft der Eindruck, dass Gerüchte und Gespräche über einzelne Personen zum Arbeitsalltag gehörten.
Zudem hatte ich oft den Eindruck, dass es einigen Führungskräften an Erfahrung im Umgang mit Mitarbeitenden und auch mit Kundinnen und Kunden fehlte. Natürlich hängt das immer vom jeweiligen Store und der Führungskraft ab, meine persönlichen Erfahrungen waren jedoch überwiegend negativ.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen haben sich meiner Erfahrung nach im Laufe der Zeit eher verschlechtert. Vorteile wie kostenloses Wasser oder Obst für Mitarbeitende wurden gestrichen. Gleichzeitig stieg der Arbeitsdruck kontinuierlich, während häufig mit einer zu geringen Personalbesetzung gearbeitet wurde. Es kam regelmäßig vor, dass man über längere Zeit alleine im Store oder mit zu wenig Unterstützung arbeiten musste. Neue Mitarbeitende wurden trotz hoher Arbeitsbelastung oft nicht eingestellt.
Nach außen wird großen Wert auf ein perfektes Erscheinungsbild gelegt, für Kundinnen und Kunden wirkt alles hochwertig und harmonisch. Hinter den Kulissen sah die Realität jedoch häufig anders aus: hoher Druck, Personalmangel und wenig Zeit, um alle Aufgaben in der gewünschten Qualität zu erledigen.
Hinzu kommt, dass nicht alle Stores klimatisiert sind. Gerade in älteren Filialen konnten die Temperaturen im Sommer sehr belastend werden. Auch die Arbeitskleidung empfand ich als wenig praktisch. Die Uniform wurde seit Jahren kaum weiterentwickelt und ist für den Arbeitsalltag aus meiner Sicht nicht besonders funktional.
Kommunikation
Die Kommunikation war meiner Erfahrung nach einer der größten Schwachpunkte. Wichtige Informationen wurden häufig nicht offen oder rechtzeitig weitergegeben. Statt Probleme oder Entscheidungen direkt anzusprechen, wurde oft hinter dem Rücken der Mitarbeitenden gesprochen. Zudem wurde man regelmäßig vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne zuvor einbezogen oder informiert zu werden. Eine transparente und offene Kommunikation auf Augenhöhe fand nur selten statt.
Gleichberechtigung
Da überwiegend Frauen im Unternehmen arbeiten, habe ich im Hinblick auf die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern keine negativen Erfahrungen gemacht.
Was ich jedoch als unfair empfunden habe, war die Gehaltsstruktur. Teilweise erhielten neue Mitarbeitende ein höheres Gehalt als Kolleginnen und Kollegen, die bereits deutlich länger im Unternehmen beschäftigt waren. Langjährige Betriebszugehörigkeit und Erfahrung spiegelten sich aus meiner Sicht zu wenig in der Vergütung wider.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben wiederholen sich größtenteils und werden nach einiger Zeit zur Routine. Der Arbeitsalltag ist stark standardisiert, wodurch nur wenig Abwechslung entsteht. Am interessantesten waren für mich die Warenlieferungen sowie das Umgestalten der Verkaufsfläche und das Dekorieren mit neuem Material.
Auch die Kundengespräche ähnelten sich oft sehr. Durch die vorgegebene und sehr strikt einzuhaltende Verkaufszeremonie blieb nur wenig Raum für individuelle Beratung. Besonders an stressigen Tagen an der Kasse wiederholten sich dieselben Abläufe und Formulierungen nahezu ununterbrochen, wodurch die Arbeit mit der Zeit eintönig wurde.