Viel Anspruch nach außen, wenig Selbstreflexion nach innen
Verbesserungsvorschläge
Der wichtigste Verbesserungsvorschlag wäre, wiederkehrende Kritik ernst zu nehmen und als Anlass zur Selbstreflexion zu nutzen. Wenn in Mitarbeiterbefragungen, persönlichen Feedbackgesprächen und Arbeitgeberbewertungen immer wieder ähnliche Kritikpunkte genannt werden, sollte die Reaktion nicht darin bestehen, diese zu relativieren, zu erklären oder die Personen dahinter abzuwerten.
Auch bei negativen Arbeitgeberbewertungen habe ich erlebt, dass eher darüber spekuliert wurde, welcher ehemalige Mitarbeitende dahinterstecken könnte und dessen Leistung infrage gestellt wurde, anstatt sich mit dem Inhalt der Kritik auseinanderzusetzen. Genau diese Haltung verhindert aus meiner Sicht echte Veränderung.
Insbesondere auf Führungsebene wäre deutlich mehr Selbstreflexion notwendig. Wiederkehrende Probleme bei Fluktuation, Arbeitsatmosphäre und Mitarbeiterzufriedenheit sollten nicht ausschließlich bei den Mitarbeitenden gesucht, sondern auch als Anlass genommen werden, Führungsstrukturen und das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen.
Kritik einzuholen reicht nicht aus. Man muss auch bereit sein, sie anzunehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich insgesamt als sehr angespannt empfunden. Aus meiner Sicht herrschte ein hoher negativer Leistungsdruck und häufig entstand der Eindruck, dass die geleistete Arbeit nie wirklich ausreichend war und der Fokus stärker auf Kritik als auf Anerkennung lag. Das wirkte sich spürbar auf die Stimmung aus.
Auch lockerer persönlicher Austausch unter Kolleginnen und Kollegen war teilweise nicht gern gesehen und wurde mitunter unterbrochen. Dadurch entstand für mich zunehmend eine Atmosphäre, in der möglichst wenig gesprochen wurde. Insgesamt fehlten mir ein entspanntes Miteinander, Wertschätzung und eine Arbeitskultur, in der man sich gerne aufhält.
Image
Während regelmäßig Wachstum kommuniziert wird, habe ich den Standort nicht wachsen gesehen. Stattdessen gab es eine hohe Fluktuation und Schwierigkeiten, Mitarbeitende langfristig zu halten.
Ebenfalls kritisch sehe ich den Umgang mit Arbeitgeberbewertungen. Mitarbeitende wurden aktiv dazu aufgefordert, positive Bewertungen abzugeben und es wurde anschließend nachgefragt, ob dies tatsächlich erfolgt ist. Dadurch ist die Freiwilligkeit und Anonymität einer solchen Bewertung für mich eingeschränkt.
Work-Life-Balance
Arbeitszeiten sowie Präsenz- und Homeoffice-Tage sind weitgehend fest vorgegeben, dem sollte man sich voher Bewusst sein.
Aber deutlich kritischer sehe ich die Verknüpfung von Homeoffice und Performance. Bei nicht ausreichender Leistung konnte Homeoffice gestrichen werden und wurde damit faktisch als Disziplinierungsmaßnahme eingesetzt. Diese Praxis empfand ich als unangemessen und wenig wertschätzend. Sie vermittelt aus meiner Sicht ein Misstrauen gegenüber den Mitarbeitenden und impliziert, dass Leistung nur unter Anwesenheit und Kontrolle im Büro sichergestellt werden könne.
Gerade in einer Tätigkeit, in der Aktivitäten über KPIs und das CRM-System nachvollziehbar sind, halte ich diese Logik für nicht zeitgemäß.
Die Art, Homeoffice bei unzureichender Performance als Konsequenz zu entziehen, erzeugte für mich eine unangemessene Dynamik zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden, in der Flexibilität als Belohnung oder Bestrafung eingesetzt wurde.
Karriere/Weiterbildung
Karriereschritte im Vertrieb sind grundsätzlich an feste Leistungsziele gekoppelt und damit nachvollziehbar.
Deutlich kritischer sehe ich die tatsächliche Weiterentwicklung. Mir fehlten erfahrene Ansprechpartner, Mentoring und ein strukturierter Wissenstransfer, durch den Mitarbeitende fachlich gefördert werden und von Best Practices lernen können.
Führungsverantwortung wird vor allem durch das Erreichen bestimmter vertrieblicher Leistungsziele ermöglicht, obwohl gute Vertriebsleistung nicht automatisch gute Führungskompetenz bedeutet. Gleichzeitig fehlt es aus meiner Sicht an ausreichender Schulung und Begleitung. Dass diese Vorbereitung fehlt, zeigt sich im Führungsalltag deutlich, beispielsweise durch starkes Micromanagement und die in anderen Kategorien beschriebenen Verhaltensweisen.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Benefits empfand ich gemessen an der Größe und internationalen Präsenz des Unternehmens insgesamt als wenig attraktiv. Auch im Vergleich zu anderen Arbeitgebern auf dem deutschen Markt konnte mich das Gesamtpaket nicht überzeugen. Die angebotenen Benefits waren überschaubar und wurden im Laufe der Zeit teilweise weiter reduziert.
Besonders kritisch sehe ich das Bonusmodell. Dieses ist für Mitarbeitende nicht transparent, was aus meiner Erfahrung wiederholt kritisiert wurde. Statt diese Kritik ernsthaft aufzugreifen, wurde das bestehende Modell weiterhin als besonderer Vorteil des Unternehmens dargestellt. Das empfand ich als wenig nachvollziehbar, da die Wahrnehmung vieler Mitarbeitenden eine deutlich andere war.
Kollegenzusammenhalt
Einen ausgeprägten Zusammenhalt innerhalb des gesamten Teams bzw. Standorts habe ich nicht erlebt.
Statt eines gemeinsamen Wir-Gefühls nahm ich zunehmend Grüppchenbildung wahr. Gleichzeitig wurden Maßnahmen, die Austausch und Gemeinschaft fördern konnten, im Laufe der Zeit reduziert oder entfielen ganz.
Umgang mit älteren Kollegen
Eine grundsätzlich schlechtere Behandlung älterer Kolleginnen und Kollegen habe ich nicht wahrgenommen.
Herausfordernd waren aus meiner Sicht eher Konstellationen, in denen sehr erfahrene Mitarbeitende von Personen mit vergleichsweise wenig Führungs- oder Branchenerfahrung geführt wurden. Das führte teilweise zu angespannten Dynamiken.
Vorgesetztenverhalten
Kommunikation und Umgang mit Mitarbeitenden empfand ich wiederholt als respektlos und grenzüberschreitend.
Besonders befremdlich war für mich der Umgang ehemaligen Mitarbeitenden. Führungskräfte beteiligten sich aktiv an negativen Gesprächen über Personen, die nicht anwesend waren. Selbst private Kontakte zu ehemaligen Kolleginnen und Kollegen wurden teilweise stark missbilligt und beinahe als problematisch für das Unternehmen dargestellt. Dass Führungskräfte sich überhaupt in solche privaten Kontakte einmischten, empfand ich als völlig unangemessen.
Arbeitsbedingungen
Am Arbeitsplatz stand nur ein externer Bildschirm zur Verfügung, während zusätzliche Ausstattung wie eine externe Tastatur nicht vorhanden war.
Auch Laptops und Diensthandys waren teilweise deutlich veraltet und funktionierten nicht mehr zuverlässig. Technische Probleme und Abstürze gehörten dadurch immer wieder zum Arbeitsalltag.
Dadurch entstanden Diskussionen darüber, für welche Positionen eine bessere bzw. neuere Ausstattung gerechtfertigt sei und wer diese entsprechend „verdient“. Dadurch wurde aus einem eigentlich sachlichen Thema teilweise eine Frage der persönlichen bzw. hierarchischen Wertigkeit von Mitarbeitenden. Diesen Umgang fand ich unnötig abwertend.
Kommunikation
Zwar wurden Mitarbeitende regelmäßig dazu aufgefordert, offen und ehrlich Feedback zu geben, mit kritischen Rückmeldungen wurde jedoch aus meiner Erfahrung nicht konstruktiv umgegangen. Kritik wurde relativiert, kleingeredet oder mit Erklärungen abgewehrt, anstatt die angesprochenen Probleme ernsthaft aufzugreifen.
Besonders problematisch empfand ich die Kommunikation durch Führungskräfte. Über aktuelle und ehemalige Mitarbeitende wurde wiederholt negativ gesprochen. Dass sich Führungskräfte selbst an solchen Gesprächen beteiligten und diese mitprägten, steht für mich im klaren Widerspruch zu einer professionellen und respektvollen Kommunikationskultur.