Nicht der Vertrieb ist das Problem, sondern die Führungskultur, zwischen Bewertungen und Realität liegen leider Welten.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ganz klar die Kollegen. Der Zusammenhalt im Team war wirklich gut und ohne die Menschen dort wäre ich wahrscheinlich schon deutlich früher gegangen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Den Führungsstil, den ständigen Druck und dass am Ende fast nur Zahlen gezählt haben. Besonders schade fand ich, dass Kritik meiner Erfahrung nach kaum angenommen wurde. Stattdessen wurden negative Bewertungen häufig mit denselben Standardantworten relativiert. Außerdem habe ich persönlich erlebt, dass Mitarbeitende dazu aufgefordert wurden, positive kununu-Bewertungen zu schreiben. Deshalb würde ich jedem empfehlen, sich vor einer Bewerbung sowohl die positiven als auch die kritischen Bewertungen genau anzusehen und im Gespräch gezielt nach den dort angesprochenen Themen zu fragen.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Mikromanagement, mehr Vertrauen. Menschen sind keine Maschinen und haben auch mal einen schlechten Tag. Außerdem wäre es schön, wenn Kritik nicht jedes Mal mit "so ist die Branche eben" abgetan würde. Vielleicht sollte man sich stattdessen mal fragen, warum sich dieselben Kritikpunkte seit Jahren durch viele Bewertungen ziehen.
Arbeitsatmosphäre
Dauerstress. Es ging gefühlt nur um KPIs und darum, wer die meisten und besten Zahlen schreibt. Hatte man mal einen schlechten Tag, war dafür wenig Verständnis da. Man hatte ständig das Gefühl, beobachtet oder bewertet zu werden.
Image
Nach außen wirkt alles wertschätzend und mitarbeiterorientiert. Meine Erfahrung war leider eine ganz andere. Gerade deshalb würde ich Bewerbern dringend empfehlen, sich nicht nur auf die positiven Bewertungen zu verlassen.
Work-Life-Balance
Quasi nicht vorhanden. Arbeitsbeginn war pünktlich (9 Uhr) einzuhalten, früher anfangen oder früher gehen war dagegen überhaupt nicht gern gesehen, selbst wenn die Arbeit längst erledigt war. Wer ein bisschen überpünktlich gegangen ist, durfte sich schon mal einen blöden Kommentar anhören. Dass Vorgesetzte dafür mehrmals täglich lange Raucherpausen gemacht haben, während andere Mitarbeiter ab und zu mal ein paar Minuten nach der Mittagspause zu spät zurückkamen und direkt dafür verurteilt wurden, finde ich ehrlich gesagt widersprüchlich und zeigt Doppelmoral. Es gab zwar feste Home-Office-Tage pro Woche, diese waren aber vorgegeben und konnten nicht flexibel genutzt werden. Für mich ist das keine echte Flexibilität, wie sie hier gepredigt wird.
Karriere/Weiterbildung
Vieles wurde versprochen, aber wenig transparent umgesetzt. Auch Bonuszahlungen waren für die meisten Mitarbeiter nicht wirklich nachvollziehbar. Wenn man mal nachgefragt hat, wurde das nur abgetan.
Gehalt/Benefits
Die Benefits haben mich eher zum Schmunzeln gebracht. Es gab unter anderem eine Schritte-Challenge-App, bei der man sich mit genügend Schritten kleine Gutscheine verdienen konnte. Angesichts des Drucks, der Erwartungen und des gesamten Klimas fand ich das ehrlich gesagt ziemlich schwach. Nicht einmal das Deutschlandticket wird übernommen (wenn man nicht explizit danach fragt im Bewerbungsprozess).
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen wird damit geworben, im Alltag habe ich davon ehrlich gesagt nicht viel mitbekommen.
Kollegenzusammenhalt
Tatsächlich das Beste an der ganzen Zeit dort. Im Team haben wir uns gegenseitig unterstützt und versucht, irgendwie das Beste aus der Situation zu machen. Viele Connections entstehen dort wahrscheinlich auch deshalb, weil alle im selben Boot sitzen und die gleichen Ansichten vertreten, was in diesem Unternehmen falsch läuft. Mit den Vorgesetzten hatte das allerdings nichts zu tun.
Umgang mit älteren Kollegen
Kann ich auch nicht bewerten. Das Team bestand fast ausschließlich aus Leuten zwischen 20 und 30 Jahren.
Vorgesetztenverhalten
Ganz klar der größte Minuspunkt. Es wurde extrem viel kontrolliert und Druck aufgebaut. Wertschätzung habe ich kaum erlebt. Was mich besonders stört: Nach außen wird gerne erzählt, dass "hoher Druck eben zur Branche gehört". Hier nochmal eine klare Einordnung dazu: Nicht der Druck ist das Problem, sondern die Art, wie mit den Mitarbeitern umgegangen wird!
Arbeitsbedingungen
Moderne Ausstattung bringt leider wenig, wenn das Arbeitsklima nicht stimmt.
Kommunikation
Gab es eigentlich nur in eine Richtung. Feedback bestand meist daraus, dass Zahlen nicht gepasst haben oder man noch mehr machen sollte. Wenn man selbst mal etwas angesprochen oder kritisiert hat, wurde das direkt abgetan und nicht ernst genommen. Wirklich zuhören oder reflektieren habe ich leider nicht erlebt.
Gleichberechtigung
Kann ich nicht wirklich bewerten. Da habe ich nichts Auffälliges erlebt.
Interessante Aufgaben
Recruiting kann eigentlich echt spannend sein. Hier wurde es auf Dauer aber ziemlich eintönig, da jeden Tag dieselben Themen im Vordergrund standen.