Burnout als Geschäftsmodell
Gut am Arbeitgeber finde ich
- das moderne Gebäude und die Essensmöglichkeiten drumherum
- grds. die Bezahlung
- Aufstockung des Krankengelds auf das volle Nettogehalt für die ersten Monate
- Home-Office Ausstattung
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Denke das muss ich nicht noch weiter ausführen.
Aber was in meiner bisherigen Beurteilung wirklich zu kurz kam ist, wie mit Auszubildenen umgegangen wird. Sie werden so ausgebildet, dass sie Anfang des zweiten Lehrjahres einen Kundenberater Platz bearbeiten können sollen. Der Druck in der Ausbildung ist immens, Berufsschüler sind teilweise erst knapp 16 und deren mentale Gesundheit wird innerhalb kürzester Zeit so geschrottet, dass sogar im ersten Lehrjahr wieder gekündigt wird. Erklärt schon einiges.
Ansonsten möchte ich auch auf die anderen bereits existierenden Bewertungen der SBK Erlangen auf diesem Portal hier hinweisen, diese beschreiben die Situation dort einfach perfekt.
Verbesserungsvorschläge
Einfach doch mal darüber nachdenken was über 20 Mitarbeitende bei ihren Kündigungen als Gründe nennen - sind nämlich zu 95% die Gleichen. Und auch nicht auf die Kündigenden losgehen ob sie denn den Verstand verloren haben bei so einem mega Unternehmen zu kündigen. Wohin es denn geht, was der neue Arbeitgeber einem denn bitte in die Tüte gepackt hat dass man DORT arbeiten will. Was dass denn jetzt für ein Bild wirf dass schon wieder jemand kündigt. Äh.... - Gegenfrage????
Das Konzept des persönlichen Kundenberaters funktioniert bei mangelnder Besetzung und gewünschtem höherem Kundenstamm einfach nicht mehr. Die Beschwerden der Kunden häufen sich ja auch immer mehr.
Einfach mal darüber nachdenken ob eine Umstrukturierung doch mal sinnvoll wäre. Vertreib ist für 70% der Mitarbeitenden eine absolute Qual und immense Zusatzbelastung. Wozu hat die SBK denn eine Vertriebsabteilung?? Vielleicht dort mal die Mitarbeiter aufstocken und den Vertrieb den Profis überlassen. Dann spart man sich vielleicht doch mal eine Zusatzbeitragserhöhung und manche Leute arbeiten wieder gern hier.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist dauerhaft angespannt und von unterschwelligem Druck geprägt. Nach außen wird Zusammenhalt betont, intern dominieren Kontrolle, Misstrauen und Schuldzuweisungen. Kritik ist offiziell erwünscht, praktisch aber unerwünscht. Wer Fragen stellt oder Grenzen aufzeigt fällt schnell negativ auf. Wertschätzung wird kaum kommuniziert oder gelebt. Loyalität hingegen konsequent eingefordert.
Kommunikation
Kommunikation findet statt; nur selten dort wo sie gebraucht wird. Führungskräfte scheinen relevante Informationen oft nicht selbst zu kennen, erwarten aber trotzdem vollständige Umsetzung im Team.
Kollegenzusammenhalt
Probleme werden hier nicht gerne im 1-zu-1 geklärt. Stattdessen macht man sich lieber zusätzliche Arbeit, indem Hinweise im System hinterlegt werden, anstatt Kleinigkeiten unkompliziert selbst zu lösen. "TEAM" steht hier gerne für "Toll Ein Anderer Machts". Positiv hervorzuheben ist lediglich der kleine verbliebene Kern, der *noch* nicht gekündigt hat und mit Zusammenhalt versucht, den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance ist hier ein theoretisches Konzept - in der Praxis ein Fremdwort. Telefonzeiten und Büroanwesenheiten sind extrem hoch, Gleitzeit existiert nur auf dem Papier. Selbst wenn der eigentliche Feierabend erreicht ist, kann man diesen nicht mit gutem Gewissen antreten, da die Arbeitsmenge genauso hoch ist wie am Morgen.
Wer hier "klar kommen" will, muss quasi sein Leben dem Betrieb widmen. Die Arbeit belastet einen auch in der Freizeit, abschalten ist kaum möglich.
Teamevents nach der Arbeit an sich eine schöne Sache - wer aber nicht teilnimmt, dem wird das regelmäßig vorgehalten. Dass einige aber vielleicht einen einfachen Fahrtweg in die Geschäftsstelle von knapp 2 Stunden haben interessiert hier nicht.
Überstunden sind nicht nur selbstverständlich, sie werden auch kaum abgebaut da die verbliebene Belegschaft extrem ausgelastet ist.
Flexibel arbeiten? Laut Jobbeschreibung möglich - tatsächlich aber nicht, nicht mal für die Auszubildenden.
Auch Überstunden auszahlen zu lassen ist unerwünscht. Unterbesetzte Teams durch Krankheitsfälle oder vor allem Fluktuation werden mit "Haltung zeigen" oder "für den Job einstehen" abgespeist.
Vorgesetztenverhalten
Ein Stern ist schon zu viel. Die einzigen noch menschlichen Führungskräfte verlassen das Schiff freiwillig weil sie nicht nach den absurden Vorstellungen führen wollen oder sie werden einfach abgesägt. Alle anderen praktizieren Kontrolle in Perfektion: Telefonate der Mitarbeitenden werden nachkontrolliert, 1-zu-1-Gespräche landen in Teamrunden, private Entscheidungen werden öffentlich ausgeschlachtet. Kündigungen werden nicht akzeptiert, bei der offiziellen Verkündung der Kündigung im Team werden einem vorab Kündigungsgründe vorgeschrieben die man offiziell kommunizieren soll - bloß nicht negativ gegenüber den Kollegen sprechen. Offizielle Veranstaltungen dienen als Bühne um zu zeigen: Entweder du lebst für den Job oder du bist raus. Die Gebietsleitung ist fehlbesetzt - Fluktuation immens hoch - in diesem Jahr haben allein knapp 25 Mitarbeitende an diesem Standort in einer Abteilung gekündigt - alles wegen der unmenschlichen Arbeitslast und Führung. Kurz: Führungskräfte hier setzen auf Kontrolle, Einschüchterung und Manipulation. Menschlichkeit wird bestraft, Loyalität erzwungen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben an sich bei der SBK im Allgemeinen betrachtet sind vielfältig und abwechslungsreich. Wenn man hier aber genauer die interessanten Aufgaben betrachtet, meint das Unternehmen vermutlich: endloser Stress, Telefonfluten und ein überfülltes E-Mail Postfach ab 7 Uhr morgens. Ein normaler Arbeitstag umfasst mindestens 6-7 Stunden durchgehende Telefonate, inklusive permanentem Kundenbeschallungsdruck durch E-Mail & Co. - und das bei einem eigenen Kundenstamm, der dich rund um die Uhr erreichen darf und soll. Hinzu kommt das Grundgerüst wie die elektronische/eingescannte Post, Papierpost und selbstgemachte Aufgaben wie Akquisen bzw. Krankengeld. Alles noch wunderschön kombiniert mit dem massiven Druck für Vertrieb.
Jeder Kundenkontakt soll genutzt werden um weitere Kunden zu gewinnen. Läuft der Vertrieb nicht, macht man automatisch seinen Job insgesamt schlecht. Die Persönliche Kundenberatung kommt dann auch noch obendrauf. Ausbilden muss man Azubis auch - ohne eigentliche Qualifizierung dafür und auch wenn man gerade selbst erst frisch ausgelernt hat. Die Azubis sind die Leidtragenden. Frage die man sich jeden Tag also aufs Neue stellt: Wo fängt man an und wo hört man auf?
Gleichberechtigung
Insgesamt eigentlich gut.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kollegen findet grundsätzlich respektvoll statt.
Arbeitsbedingungen
Die Räumlichkeiten am Standort Erlangen waren sehr modern und schön. Die Technik lässt allerdings etwas zu wünschen übrig. Könnte keinen Tag nennen an dem mal alles funktioniert hat und man problemlos arbeiten konnte.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man könnte einiges digitaler bearbeiten - hier hinkt das Unternehmen leider noch hinterher.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist insgesamt eher über dem Durchschnitt. Im Vergleich jedoch zu der Konkurrenz in Betracht auf die Aufgaben eher als Schmerzensgeld zu betiteln.
Bevor man seine mentale Gesundheit aufgibt, lieber ein paar hundert Euro weniger im Monat verdienen und gerne auf Arbeit gehen.
Image
Allein die Entwicklung in diesem Jahr sagt eigentlich alles. So viele Mitarbeitenden an einem Standort in einer Abteilung haben noch nie gekündigt. Die Erwartungshaltung passt leider so gar nicht zur Realität, das wird aber von der Führungsebene leider gekonnt ignoriert. Der Zusatzbeitrag wurde innerhalb von einem Kalenderjahr 2x erhöht. Die Frustration der Mitarbeitenden steigt bzw. auch die Gesundheit (vor allem mental) von vielen leidet enorm. Kenne kaum noch Mitarbeitende die sich nicht gerade umschauen um da raus zu kommen.
Karriere/Weiterbildung
Als Kundenberater (KB) gibt es 3 Stufen. KB1, KB2 und KB3. Als Kundenberater Stufe 1 tut man sich schon hart, nicht einen Psychotherapeuten Platz zu brauchen. Ab Stufe 2 musst du schon wirklich für das Unternehmen leben und dein Privatleben hinten an stellen.
Der Fachwirt hat nun seine staatliche Anerkennung aberkannt bekommen, dieser wird nun also auch erstmal nicht mehr in Anspruch genommen.
Wie gesagt, wer intern ohne Weiterbildung aufsteigen möchte muss eigentlich seine Seele verkaufen.

