Können 32 Urlaubstage und hybrides Arbeiten Arbeitsplatzunsicherheit, Angst und Frust ausgleichen?
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Gehalt wurde pünktlich ausgezahlt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich finde es nicht gut, dass das inhabergeführte Familienunternehmen ("made in Germany") nach und nach alles nach Polen und China auslagert.
Verbesserungsvorschläge
Es schadet nicht, den Menschen hinter der Arbeitskraft zu sehen und vorallem zu wertschätzen. Eine wirklich offene und transparente Kommunikation wäre wünschenswert. Motivation zahlt sich mehr aus als Angst. Und wer Engagement und Eigeninitiative fordert, sollte ein entsprechendes Umfeld schaffen. Auch Führungskräfte dürfen dazu lernen!
Arbeitsatmosphäre
Vor einigen Jahren war die Arbeitsatmosphäre so gut, dass man noch gerne zur Arbeit bzw. ins Büro kam. Schwachstellen gab es aber immer schon, was das Vertrauen der Führungskräfte gegenüber den Mitarbeitenden anbelangt. So war beispielsweise Home Office überhaupt nicht denkbar. Erst durch einen Vorstoß Seitens HR & IT kurz vor der COVID-Pandemie durfte man 2 Tage pro Woche von daheim arbeiten. So gelang schließlich auch ein reibungsloser Übergang in 100 % Home Office über die Pandemie hinaus.
Neben dem Misstrauen sehe ich auch die Fehlerkultur problematisch. Anstatt konstruktiv damit umzugehen und daraus zu lernen, wird mit dem Finger auf die Person gezeigt. So entmutigt man Mitarbeitende, Verantwortung zu übernehmen und Eigeninitiative zu zeigen.
Image
Als einstiger Vorreiter hat man sich meiner Meinung nach zu lange auf dem Erfolg ausgeruht, anstatt auf Innovation zu setzen.
Work-Life-Balance
Top, dank Gleitzeit und flexiblen Arbeitszeiten.
Karriere/Weiterbildung
Die Karriereleiter kann schnell erklommen werden, wenn man sich nur gut genug verkauft - unabhängig von Kompetenz und Expertise.
Kollegenzusammenhalt
Ausgesprochen stark innerhalb der Abteilung, allerdings sehr durchwachsen über die Abteilungsgrenzen hinaus.
Vorgesetztenverhalten
"Nicht geschimpft ist Lob genug" beschreibt die Wertschätzung zumindest in meiner Abteilung ziemlich treffend. Nach der ersten großen Kündigungswelle schrumpfte die Abteilung so stark zusammen, dass man locker Jobs für 2 - 3 Personen stemmen musste - selbstredend ohne entsprechende Gehaltsanpassung. Urlaubsanträge wurden in der Regel schnell genehmigt, es sei denn sie fallen in die wiederholt ausgerufenen Urlaubssperren.
Arbeitsbedingungen
Wenn man auf einen Twingo teure Felgen aufzieht, bleibt es trotzdem ein Twingo. Oberflächliche Schönheitsreparaturen sollen davon ablenken, dass Wasser durchs Dach tropft, Toilettentüren klemmen, im Lager jahrelang keine Heizung funktionierte etc.
Als noch IT im Haus war, bekam man schnelle Hilfe bei Hard- oder Software Themen. Dafür braucht man inzwischen mehr Geduld.
Dank HR gibt es nun 32 Urlaubstage & hybride Arbeitsmodelle.
Kommunikation
Meiner Meinung nach viel zu viele Meetings, die man sinnvoller in die Abarbeitung seiner Aufgaben verwenden könnte. Hingegen leider kaum Informationen Seitens der Geschäftsführung. Einst gab es eine Mitarbeiterzeitung und regelmäßige Präsenzveranstaltungen, später wurde man über Intranet und monatlich über einen internen Newsletter informiert. Nach dem sehr viele Stellen weg rationalisiert wurden, gibt es kaum noch Informationen der Geschäftsführung. Einstige "Vision & Missions" Workshops, die abteilungsübergreifend ein "großes Wir" erschaffen sollten, dienen nun nur noch als Tapete in den wenigen übrig gebliebenen Büroräumen.
Gehalt/Benefits
Ich denke, das Gehalt kann akzeptabel sein, wenn man anfangs gut verhandelt. Auf (regelmäßige) Gehaltsanpassungen darf man sich hier allerdings nicht verlassen.
Gleichberechtigung
Inzwischen keine Frau mehr in Führungspositionen.
Interessante Aufgaben
In den letzten Jahren mussten wir uns in immer neue Themen einarbeiten, die wenig bis gar nichts mit unserer eigentlichen Tätigkeit zu tun hatten. Dies empfand ich einerseits als interessant, andererseits als ziemlich herausfordernd. Dadurch wurden die Zielvorgaben fürs Jahresgespräch unterjährig verändert oder gar komplett neu aufgesetzt, so dass es kaum möglich war, diese zu erreichen und eine Gehaltsanpassung damit zu besprechen.

